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Welche Wirkung hat er wirklich?

Himbeerblättertee in der Schwangerschaft

Autor: Viola Booth, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2018

Das Trinken von Himbeerblättertee zum Ende der Schwangerschaft wird von vielen Hebammen empfohlen. Durch seine durchblutungsfördernde und gewebeauflockernde Wirkung soll der Tee, ab der 34. Schwangerschaftswoche getrunken, dazu beitragen, Wehen sanft auszulösen und die Geburt zu erleichtern. Wissenschaftliche Beweise dafür gibt es aber nicht.

Himbeerblättertee in der Schwangerschaft
Himbeerblättertee soll den Muttermund weich und Wehen erträglicher machen
© iStock.com/Heike Rau

Abwarten und Tee trinken: Bei Schwangeren scheint genau das kurz vor der Geburt wirklich zu funktionieren. Zumindest, wenn es nach dem Erfahrungsschatz vieler Hebammen geht. Sie raten Frauen, in den letzten Schwangerschaftswochen regelmäßig Himbeerblättertee zu trinken. Dabei handelt es sich um eine Teemischung aus getrockneten, ganzen oder geschnittenen Blättern der Himbeere (Rubus idaeus), die Gerbstoffe und Flavonoide enthalten. Der Fachzeitschrift „Die Hebamme“ zufolge haben Untersuchungen gezeigt, dass ca. 25 Prozent aller Schwangeren auf den Einsatz von Himbeerblättertee setzen. Es heißt, die Anwendung des Tees sei die dritthäufigste Empfehlung von Hebammen zur nicht-medikamentösen Stimulation der Wehentätigkeit.

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Himbeerblättertee: Wirkung während Schwangerschaft und Geburt

Das Wissen um die Wirkung von Himbeerblättertee in der Schwangerschaft beruht auf traditionellem Heilkundewissen. Er wird vor allem von Hebammen empfohlen. In deutschen Arzneibüchern gibt es kein definiertes Anwendungsgebiet für Himbeerblättertee. Er wird unter anderem zum Gurgeln bei Entzündungen der Mundschleimhaut oder bei grippalem Infekt eingesetzt. Außerdem regt der Tee die Darmtätigkeit an und fördert die Verdauung.

In der Geburtshilfe gilt Himbeerblättertee als alternatives Mittel zur Geburtsvorbereitung. Traditionell ist der Einsatz weit verbreitet und wird als altbewährtes Hausmittel zur sanften Auslösung von Wehen geschätzt. Aufgrund seiner durchblutungsfördernden Wirkung sollen Beckenmuskulatur und Muttermund weicher und die Wehen erträglicher werden, sodass die Geburt insgesamt weniger schmerzhaft verläuft. Auch zur Vorbeugung von Dammschnitt und Dammriss wird Himbeerblättertee häufig empfohlen.

Wissenschaftlich nachgewiesen ist die Wirkung von Himbeerblättertee allerdings nicht. Zwar soll das Trinken von Himbeerblättertee einen beruhigenden Effekt haben, die Wehendauer aber nicht beeinflussen. Es gibt nur wenige Untersuchungen, die sich mit der Wirkung von Himbeerblättertee befassen. In einer Untersuchung von 490 Schwangeren konnten keine Effekte auf die Notwenigkeit der medikamentösen Wehenunterstützung oder auf die PDA-Rate festgestellt werden.

In einer weiteren Studie mit 192 erstmals schwangeren Frauen zeigten sich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen den Frauen, die ab der 32. Schwangerschaftswoche zwei Mal täglich Tabletten mit Himbeerblättertextrakt (á 1,2 Gramm, also 2,4 Gramm täglich) eingenommen hatten und denjenigen, die ein Placebo bekommen hatten. Auch Nebenwirkungen zeigten sich nicht. Beide Gruppen hatten ihre Babys zwischen Mai 1999 und Februar 2000 in einem Krankenhaus in Sydney auf die Welt gebracht.

Ab wann sollte man Himbeerblättertee trinken?

Zur Wehenförderung und Vorbereitung auf die Geburt wird Himbeerblättertee meist ab der 34. bis 36. Schwangerschaftswoche empfohlen. 

Schon in der Frühschwangerschaft soll der Himbeerblättertee positive Effekte haben: Er dient zur Linderung von Übelkeit und Wadenkrämpfen. Aufgrund seiner potentiell die Wehentätigkeit anregenden Wirkung sollte auf das Trinken von Himbeerblättertee in der Frühschwangerschaft allerdings lieber verzichtet werden. Erst ab der 34. Schwangerschaftswoche gilt die Anwendung als sicher.

Himbeerblättertee bei Regelschmerzen und Kinderwunsch

Nicht schwangere Frauen trinken Tee, um krampfartige Regelschmerzen zu lösen. Durch seine zyklusregulierende Wirkung und die Förderung des Aufbaus der Gebärmutterschleimhaut soll der Tee auch bei Kinderwunsch eine gute Wahl sein.

Himbeerblättertee: Nebenwirkungen

Bei der Untersuchung hatten die Teilnehmerinnen keine Nebenwirkungen. Für eine valide Beurteilung reichen die Zahlen dieser Untersuchung aber nicht aus. Daher gilt trotz nicht bekannter Nebenwirkungen: Sollten Sie während der Einnahme von Himbeerblättertee Nebenwirkungen feststellen, kontaktieren Sie unbedingt Ihren Arzt oder Ihre Hebamme.

Aufgrund seiner möglicherweise wehenanregenden Wirkung wird vom Trinken von Himbeerblättertee vor der 34. Schwangerschaftswoche abgeraten.

Himbeerblättertee kaufen

Himbeerblättertee ist in der Apotheke, im Bioladen, Reformhaus oder im Internet erhältlich. Generell sollten Sie davon absehen, vielversprechende Teemischungen in Online-Shops zu erwerben. Lassen Sie sich beim ersten Kauf lieber in Ihrer Apotheke beraten. Außerdem gilt: Sprechen Sie immer zuerst mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt, bevor Sie mit der Einnahme des Tees - besonders in der Schwangerschaft - beginnen. Auch in den Produktinformationen der Hersteller wird darauf hingewiesen, den Himbeerblättertee nur nach Absprache mit Arzt oder Hebamme einzunehmen.

Himbeerblättertee: Zubereitung

Soweit nicht anders angegeben, übergießen Sie für die Zubereitung des Himbeerblättertees ein bis zwei Teelöffel der Teemischung mit sprudelnd kochendem (!) Wasser und lassen den Tee anschließend fünf bis zehn Minuten ziehen.

Himbeerblättertee: Dosierung beachten

Die Dosierungsempfehlung der Hebammen kann individuell unterschiedlich ausfallen – je nachdem, wie Ihre Schwangerschaft verläuft. Meist wird zum Trinken von ein bis vier Tassen pro Tag geraten. Oft wird auch eine Steigerung der Dosierung von Himbeerblättertee mit entsprechenden Pausen dazwischen zur Vermeidung von Überdosierung empfohlen:

34. bis 37. Schwangerschaftswoche: 1 Tasse täglich

38. Schwangerschaftswoche: Pause

39. Schwangerschaftswoche: bis zu 4 Tassen täglich

40. Schwangerschaftswoche: Pause

Nehmen Sie den Himbeertblättertee nicht ohne den Rat Ihrer Hebamme oder Ihres Arztes ein und erhöhen Sie auch die Dosis nicht eigenständig. Ist Ihr Muttermund beispielsweise schon vorzeitig leicht geöffnet, sehr weich oder die Wehen setzen bereits ein, wird Ihre Hebamme Ihnen von der Anwendung von Himbeerblättertee abraten.

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Zusammenfassung

Himbeerblättertee ist ein altbewährtes Hausmittel, das traditionell von Hebammen empfohlen wird, um die Geburt zu erleichtern. Gegen Ende der Schwangerschaft, etwa ab der 34. Schwangerschaftswoche, soll Himbeerblättertee getrunken werden, um die Durchblutung des Gewebes zu fördern und das Gewebe aufzulockern. Bislang konnte keine signifikante Wirkung in Studien nachgewiesen werden, das Wissen um die (angebliche) Wirkung beruht allein auf Erfahrungsberichten. Da auch keine negative Wirkung bekannt ist, spricht nichts dagegen, zur Geburtsvorbereitung Himbeertee zu trinken. Auch bei Kinderwunsch sollen sich die Inhaltsstoffe des Tees positiv auswirken.

Autor: Viola Booth, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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