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Sonntag, 24. September 2017
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Fruchtblase und Fruchtwasser

Fruchtblase und Fruchtwasser
Fruchtblase und Fruchtwasser schützen das Ungeborene gut vor Außeneinflüssen
(c) Getty Images/iStockphoto

Fruchtblase und Fruchtwasser bilden zusammen im Körper einer schwangeren Frau den Lebensraum des ungeborenen Kindes. Die Fruchtblase wird von den Eihäuten gebildet. Sie enthält das Fruchtwasser und das Ungeborene. Durch das Fruchtwasser ist das Kind gut vor Stößen geschützt, es kann darin wachsen und sich hin und her bewegen.

Das Fruchtwasser (Amnionflüssigkeit) wird von den nach innen gerichteten Zellen der inneren Eihaut (Amnion) gebildet. Die Flüssigkeit ist normalerweise grau und klar. Sie enthält Eiweiße, Zucker, Kalium, Natrium und Spurenelemente. Daneben sind darin auch Zellen wie Hautschüppchen oder Haare des Ungeborenen enthalten. Etwa ab der 12. Schwangerschaftswoche befindet sich im Fruchtwasser auch Urin des Ungeborenen.

Flüssigkeitswechsel innerhalb der Fruchtblase

Innerhalb der Fruchtblase findet ein ständiger Flüssigkeitswechsel statt und auch die Menge des Fruchtwassers ist schwangerschaftsbedingten Veränderungen unterworfen. Ungefähr ab der 14. Schwangerschaftswoche beginnt das Baby Fruchtwasser zu trinken. Das so verloren gegangene Fruchtwasser wird sofort wieder nachgebildet. Während in der 20. Schwangerschaftswoche die Fruchtwassermenge in der Fruchtblase etwa einen halben Liter beträgt, ist dieser Wert in der 38. Woche der Schwangerschaft schon auf etwa einen bis 1,5 Liter angewachsen. Um die 40. Schwangerschaftswoche hat sich die Flüssigkeitsmenge wieder verringert und beträgt dann nur noch knapp einen Liter.

Fruchtblase und Fruchtwasser während der Geburt

Der Blasensprung, das heißt das Platzen der Fruchtblase, ist Teil des natürlichen Geburtsvorgangs in der Eröffnungsphase. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt der Blasensprung einsetzt unterscheidet man:

  • Vorzeitiger Blasensprung: Das Fruchtwasser geht ab, bevor die Wehen einsetzen.
  • Frühzeitiger Blasensprung: Das Fruchtwasser geht während der Eröffnungsperiode ab.
  • Rechtzeitiger Blasensprung: Das Fruchtwasser geht erst am Ende der Eröffnungsphase ab.
  • Verspäteter Blasensprung: Die Fruchtblase bleibt bis zur Austreibungsphase intakt oder springt erst, nachdem das Baby geboren wurde.

Beim überwiegenden Teil der Schwangerschaften treten zunächst die Wehen ein, bevor es zu einem Blasensprung kommt. Nur bei etwa jeder zehnten Schwangeren platzt die Fruchtblase vor Beginn der Wehentätigkeit.

Fruchtwasser: Hinweise auf Erkrankungen

Erkrankungen der Schwangeren und des Ungeborenen oder Probleme im Schwangerschaftsverlauf lassen sich unter anderem auch am Fruchtwasser erkennen.

So kann beispielsweise zu viel oder zu wenig Fruchtwasser ein Anzeichen für eine Erkrankung sein. Die Fruchtwassermenge wird im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel anhand bestimmter Daten berechnet und beurteilt. Zu wenig Fruchtwasser kann auf Fehlbildungen des Kindes hinweisen. Daher wird seine Gesundheit dann mittels Dopplersonographie oder Kardiotokographie genau untersucht und der Zustand der Plazenta beurteilt.

Zu wenig Fruchtwasser: Ursache, Folgen und was kann man tun?

Abweichende Fruchtwassermengen hängen stark zusammen mit der Schwangerschaftswoche. Von zu wenig Fruchwasser ("Oligohydramnion") sprechen Hebammen und Ärzte, wenn die Fruchtwassermenge unter 100 ml am Ende der Schwangerschaft liegt. Dieses deutlich zu wenige Fruchtwasser tritt nur in drei bis vier Prozent aller Schwangerschaften auf.  Allerdings gelten auch schon 100-500 ml als wenig. Als Ursachen kommen Plazantainsuffizienz, Präeklampsie, Übertragung, Fehlbildungen des kindlichen Uro-Genitalsystems oder Toxoplasmosein Frage. Außerdem kann es sich um einen nicht erkannten, vorzeitigen Blasensprung handeln.

Liegt tatsächlich zu wenig Fruchtwasser in Form eines Oligohydramnion vor, muss die Schwangerschaft engmaschig überwacht werden. Abhängig vom Zustand des Kindes muss eine Geburtseinleitung oder ein Kaiserschnitt vorgenommen werden.

Farbe des Fruchtwassers

Auch die Farbe des Fruchtwassers liefert Hinweise auf den Gesundheitszustand des Kindes. Eine grünliches Fruchtwasser ergibt sich oft, wenn der Geburtstermin überschritten wurde (Übertragung) und das Kind bereits seinen  ersten Stuhl (Mekonium) in das Fruchtwasser abgegeben hat. Eine Braunfärbung lässt auf eine Blutgruppenunverträglichkeit schließen. Verfärbungen können im schlimmsten Fall aber auch ein Hinweis darauf sein, dass das Ungeborene im Mutterleib verstorben ist.

Als Folge eines vorzeitigen Blasensprungs kann es zu einer bakteriellen Infektion des Fruchtwassers und des Ungeborenen kommen. Die Infektion wird dann meist mit Antibiotika behandelt und die Geburt muss unter bestimmten Umständen rasch durchgeführt werden.

Untersuchung des Fruchtwassers

Wenn im Ultraschall-Bild oder auf Basis der Ergebnisse eines Triple-Tests eine Erkrankung des Ungeborenen vermutet wird, kann der Verdacht beispielsweise mittels Amniozentese, der Fruchtwasserpunktion, genauer überprüft werden. Hierbei wird mit einer Punktionsnadel eine kleine Menge Fruchtwasser aus der Fruchtblase entnommen und die darin enthaltenen kindlichen Zellen untersucht.

Eine Chromosomenanalyse des gewonnenen Materials wird beispielsweise bei einer genetischen Belastung durchgeführt, wenn die Schwangere 35 Jahre oder älter ist und der Verdacht auf das Down-Syndrom beim Kind besteht. Auch angeborene Stoffwechselstörungen, Neuralrohrdefekte, die Bluterkrankheit (Hämophilie) sowie die Lungenreife des Ungeborenen lassen sich anhand einer Untersuchung des Fruchtwassers feststellen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2017
Quellen: Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde. Hippokrates Verlag, Stuttgart 2013; Breckwoldt, M. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2008; Diedrich K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007; Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: http://www.schwanger-info.de (Stand: November 2016)

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