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Donnerstag, 28. Mai 2015
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Beckenendlage (BEL) - Lageanomalie im Mutterleib

Wie liegt das Kind im Mutterleib?
Wie liegt das Kind im Mutterleib? Diese Frage ist wichtig für die Geburtsplanung
Getty Images/iStockphoto

Die Beckenendlage ist eine Position des Kindes im Mutterleib, die abweichend von der Norm ist (Lageanomalie). Statt des Kopfes liegt das Beckenende im Becken der Mutter, um bei der Geburt vorauszugehen.

Es gibt Abkürzungen für die Beschreibungen der Kindslage, die im Mutterpass verwendet werden: BEL steht dabei für Beckenendlage. Die meisten Babys haben etwa vier Wochen vor der Geburt die Kopflage eingenommen. Eine spätere Drehung ist zwar möglich, aber äußerst schwierig.

94 Prozent aller Babys kommen mit dem Kopf voran auf die Welt, in der so genannten Hinterhauptslage. Viele Kinder, die in der Schwangerschaft in Beckenendlage liegen, drehen sich kurz vor der Geburt doch noch in die die Hinterhauptslage. Nur vier bis sechs Prozent aller Babys sind am Geburtstermin tatsächlich noch in Beckendlage. Die Steißlage oder Beckenendlage ist somit die häufigste Lageanomalie. Gehäuft tritt die Beckenendlage bei Mehrlingen, Frühgeburten, Kindern mit Fehlbildungen, Plazenta Prävia und Erstgebärenden allgemein auf.

Je näher der Geburtstermin rückt, um so interessanter wird für die Geburt die Lage des Fötus. Wenn der Fötus schon tief im Becken liegt, nennt man die Beziehung des vorangehenden Teils zum Geburtskanal, z.B. Schädellage oder Steißlage, die Einstellung. Mit dem sogenannten Leopoldschen Griff kann dann von außen der Höhenstand des vorangehenden Teiles ermittelt werden. Die Haltung des Föten, die Beziehung der Kindsteile zueinander, ist für die Geburt ebenfalls wesentlich. So kann der Arzt Probleme erkennen, wenn z.B. der Kopf nach hinten gestreckt ist.

Beckenendlage

Von einer Beckenendlage oder Steißlage spricht man, wenn in der 32. Schwangerschaftswoche der Fötus noch mit dem Kopf nach oben und dem Steiß nach unten iin der Gebärmutter liegt. Grundsätzlich ist die Drehung des Kindes bis etwa zur 37. Schwangerschaftswoche noch möglich, aber durch die Größe des Kindes sind die Bedingungen erschwert. Eine Geburt aus der Beckenendlage ist möglich, birgt aber verschiedene Risiken wie beispielsweise Geburtsstillstand oder Nabelschnurvorfall.

Was sind die Probleme bei der Beckenendlage?

Liegt das Baby in einer Beckenendlage sind die Wehen schwächer, weil der vorangehende Teil weicher und kleiner ist als der kindliche Schädel. Also dehnt er die Geburtswege nicht so gut aus. Wenn dann der große Kopf nachfolgt, ist seine Passage durch den unzureichend geweiteten Geburtskanal erschwert.

Nachdem der Steiß geboren und der Kopf in den Gebärmutterausgang eingetreten ist, verkleinert sich die nun weitgehend entleerte Gebärmutter und damit die Haftfläche der Plazenta, sodass die Blutzufuhr zum Kind eingeschränkt wird. Wenn dann der Kopf ins Becken rutscht, drückt er die neben ihm liegenden Nabelschnur zusammen, die ja von der Plazenta (noch innerhalb der Gebärmutter) zum kindlichen Nabel (schon außerhalb des Mutterleibes) zieht. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung unterbunden und es bleiben dem Geburtshelfer nur wenige Minuten Zeit, um das Kind mit bestimmten Handgriffen zu entbinden.

Risikominimierung: Kaiserschnitt oder vaginale Geburt?

Sofern erfahrende Geburtshelfer dabei sind, ist das Risiko für Mutter und Kind durch die Beckenendlage nicht erhöht. Allerdings gibt es nicht mehr viele erfahrene Geburtshelfer, die Beckenendlagen spontan entbinden, da inzwischen viele Krankenhäuser routinemäßig bei einer Beckenendlage einen Kaiserschnitt empfehlen.  Bei allen Entscheidungen ist zu berücksichtigen, dass der Kaiserschnitt für die Mutter stets mit größeren Risiken behaftet als eine natürliche Geburt. Leider gibt es dadurch inzwischen nur noch wenige Kliniken, die Spontangeburten bei Beckenendlage begleiten. Es gibt jedoch Ausnahmefälle, in denen eine Beckenendlage tatsächlich nicht "normal" entbunden werden kann und in diesen Fällen wird auch der erfahrenste Geburtshelfer keine Alternative zur Operation sehen.

Um jedes Risiko zu vermeiden, entschließen sich viele Geburtshelfer - insbesondere bei Erstgebärenden - von vornherein zu einem Kaiserschnitt und versuchen eine vaginale Entbindung gar nicht erst. Dies ist eine durchaus umstrittene Haltung bei den Geburtshelfern.

In jedem Fall aber sollte die Gebärende selbst entscheiden. Ist ein Kaiserschnitt geplant, sollte das Einsetzen regelmäßiger Wehen abgewartet werden, denn unter Wehen produziert das Kind große Mengen natürlicher Stresshormone, die es unter der Geburt z.B. vor einem Sauerstoffmangel schützen. Diesen Vorteil sollte man gerade den Kaiserschnitt-Kindern nicht vorenthalten.

Hier werden zwei Verfahren vorgestellt, wie man versuchen kann, die Lage des Kindes vor der Entbindung zu beeinflussen: die sogenannte Indische Brücke und die äußeren Drehung.

Drehungsversuch mit der Indischen Brücke

Erfahrene Geburtshelfer empfehlen Frauen mit Kind in Beckenendlage, die in der 32. Schwangerschaftswoche zur Geburtsanmeldung kommen, eine Art gymnastische Übung, um zu versuchen, die Kindslage noch vor der Entbindung schonend zu ändern.

Die Indische Brücke ist eine Übung, bei der die schwangeren Frauen angeleitet werden, zweimal täglich Bauch und Becken zehn Minuten hoch zu lagern. Es handelt sich um eine sehr unbequeme Haltung für Mutter und Kind, die bewirken soll, dass sich einige Kinder dann doch plötzlich umdrehen. Zur Vorbereitung auf diese Übung können bei Beglaeitung durch eine Hebamme Moxa-Zigarren entlang bestimmter Akupunkturpunkte abgebrannt werden. Dadurch entspannt sich die Schwangere und die Kindsbewegungen nehmen zu. Gelingt die Drehung nicht, empfiehlt der Experte Dr. Eldering, in der 37./38. Schwangerschaftswoche den Versuch einer äußeren Wendung zu unternehmen.

Äußere Wendung bei Beckenendlage

Bei der äußeren Wendung versucht ein sehr erfahrener Geburtshelfer mit beiden Händen das Kind von außen zu drehen, und zwar soll das Kind in der Gebärmutter eine "Rolle rückwärts" machen, damit es so von der Steiß- in die Schädellage zu liegen kommt.

Das erfordert viel Erfahrung und entsprechende Vorsicht. Die Erfolgsquote beträgt etwa 50 Prozent, mögliche Komplikationen werden in der Literatur mit 0,64 Prozent angegeben und bestehen in einem vorzeitigen Ablösen des Mutterkuchens und Nabelschnurumschlingungen.

Zur Sicherheit sollte deshalb bei jeder äußeren Wendung einer Beckenendlage ein komplettes OP-Team bereitstehen. Falls es zu einer der selten beschriebenen Komplikationen kommen sollte, erfolgt sofort ein Kaiserschnitt.

Autor: 9monate.de/Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 07. Mai 2015
Quellen: Nach Informationen des Vinzenz-Palotti-Hospitals in Bensberg: http://www.vph-bensberg.de/institute-und-fachabteilungen/frauenklinik/geburtshilfe/beckenendlagen-steisslagen.html (Stand: August 2014); Steck, hertel, Morgenstern, Pachmann: Kompendium der Geburtshilfe für Hebammen. Wien, 2008. Springer-Verlag.

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