Dienstag, 29. Juli 2014

Beckenendlage (BEL) - Lageanomalie im Mutterleib

Wie liegt das Kind im Mutterleib?
Wie liegt das Kind im Mutterleib? Diese Frage ist wichtig für die Geburtsplanung
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Die Lage des ungeborenen Babys im Mutterleib beschreibt die Beziehung seiner Längsachse zu der Längsachse der Mutter (Längs-, Quer- oder Schräglage).

Es gibt auch Abkürzungen für die Beschreibungen der Kindslage, die im Mutterpass verwendet werden. Die meisten Babys haben etwa vier Wochen vor der Geburt die Kopflage eingenommen. Eine spätere Drehung ist zwar möglich, aber äußerst schwierig.

94% aller Babys kommen mit dem Kopf voran auf die Welt, in der so genannten Hinterhauptslage.

Die Steißlage oder Beckenendlage ist die häufigste Lageanomalie (5%).

Je näher der Geburtstermin rückt, um so interessanter wird für die Geburt die Einstellung des Fötus. Wenn der Fötus schon tief im Becken liegt, nennt man die Beziehung des vorangehenden Teils zum Geburtskanal, z.B. Schädellage oder Steißlage, die Einstellung. Mit dem sogenannten Leopoldschen Griff kann dann von außen der Höhenstand des vorangehenden Teiles ermittelt werden. Die Haltung des Föten, die Beziehung der Kindsteile zueinander, ist für die Geburt ebenfalls wesentlich. So kann der Arzt Probleme erkennen, wenn z.B. der Kopf nach hinten gestreckt ist.

Beckenendlage

Von einer Beckenendlage oder Steißlage spricht man, wenn in der 32. Schwangerschaftswoche der Fötus noch mit dem Kopf nach oben und dem Steiß nach unten im Uterus liegt. Grundsätzlich ist die Drehung des Kindes bis etwa zur 37. Schwangerschaftswoche noch möglich, aber durch die Größe des Kindes sind die Bedingungen erschwert. Eine Geburt aus der Beckenendlage ist möglich, birgt für das Kind aber die Gefahr des Sauerstoffmangels.

Was sind die Probleme bei der Beckenendlage?

Liegt das Baby in einer Beckenendlage sind die Wehen schwächer, weil der vorangehende Teil weicher und kleiner ist als der kindliche Schädel. Also dehnt er die Geburtswege nicht so gut aus. Wenn dann der große Kopf nachfolgt, ist seine Passage durch den unzureichend geweiteten Geburtskanal erschwert.

Nachdem der Steiß geboren und der Kopf in den Gebärmutterausgang eingetreten ist, verkleinert sich der nun weitgehend entleerte Uterus und damit die Haftfläche der Plazenta, so dass die Blutzufuhr zum Kind eingeschränkt wird. Wenn dann der Kopf ins Becken rutscht, drückt er die neben ihm liegenden Nabelschnur zusammen, die ja von der Plazenta (noch innerhalb der Gebärmutter) zum kindlichen Nabel (schon außerhalb des Mutterleibes) zieht. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung unterbunden und es bleiben dem Geburtshelfer nur wenige Minuten Zeit, um das Kind mit bestimmten Handgriffen zu entbinden.

Risikominimierung

Einige Krankenhäuser empfehlen routinemäßig bei einer Beckenendlage einen Kaiserschnitt. Sofern erfahrende Geburtshelfer dabei sind, ist das Risiko für Mutter und Kind durch die Beckenendlage nicht erhöht. Bei allen Entscheidungen ist zu berücksichtigen, dass der Kaiserschnitt für die Mutter stets mit größeren Risiken behaftet als eine natürliche Geburt. Leider gibt es inzwischen nur noch wenige Kliniken, die Spontangeburten bei Beckenendlage begleiten. Dies liegt daran, dass immer weniger Erfahrung damit gemacht wird. Es gibt jedoch Ausnahmefälle, in denen eine Beckenendlage tatsächlich nicht "normal" entbunden werden kann und in diesen Fällen wird auch der erfahrenste Geburtshelfer keine Alternative zur Operation sehen.

Beckenendlage: Kaiserschnitt oder vaginale Geburt?

Um jedes Risiko zu vermeiden, entschließen sich viele Geburtshelfer - insbesondere bei Erstgebärenden - von vornherein zu einem Kaiserschnitt und versuchen eine vaginale Entbindung gar nicht erst. Dies ist eine durchaus umstrittene Haltung bei den Geburtshelfern.

In jedem Fall aber sollte die Gebärende selbst entscheiden. Ist ein Kaiserschnitt geplant, sollte das Einsetzen regelmäßiger Wehen abgewartet werden, denn unter Wehen produziert das Kind große Mengen natürlicher Stresshormone, die es unter der Geburt z.B. vor einem Sauerstoffmangel schützen. Diesen Vorteil sollte man gerade den "Kaiserschnitt-Kindern" nicht vorenthalten.

Hier werden zwei Verfahren vorgestellt, wie man versuchen kann, die Lage des Kindes vor der Entbindung zu beeinflussen.

Äußere Wendung bei Beckenendlage

Bei der äußeren Wendung versucht ein sehr erfahrener Geburtshelfer mit beiden Händen das Kind von außen zu drehen, und zwar soll das Kind in der Gebärmutter eine "Rolle rückwärts" machen, damit es so von der Steiß- in die Schädellage zu liegen kommt.

Das erfordert viel Erfahrung und entsprechende Vorsicht. Die Erfolgsquote beträgt etwa 50%, mögliche Komplikationen werden in der Literatur mit 0,64% angegeben und bestehen in einem vorzeitigen Ablösen des Mutterkuchens und Nabelschnurumschlingungen.

Zur Sicherheit sollte deshalb bei jeder äußeren Wendung ein komplettes OP-Team bereitstehen. Falls es zu einer der selten beschriebenen Komplikationen kommen sollte, erfolgt sofort ein Kaiserschnitt.

Alternativ zur äußeren Drehung kann zuvor eine sanfte Methode der Drehung versucht werden: die "Indische Brücke".

Drehungsversuch bei Beckenendlage mit der "Indischen Brücke"

Erfahrene Geburtshelfer empfehlen betroffenen Frauen, die in der 32. Schwangerschaftswoche zur Geburtsanmeldung kommen, eine Art gymnastische Übung, um zu versuchen, die Kindslage noch vor der Entbindung schonend zu ändern.

Die sogenannte "Indische Brücke" ist eine Übung, bei der die schwangeren Frauen angeleitet werden, zweimal täglich Bauch und Becken zehn Minuten hoch zu lagern. Es handelt sich um eine sehr unbequeme Haltung für Mutter und Kind, die bewirken soll, dass sich einige Kinder dann doch plötzlich umdrehen. Zur Vorbereitung auf diese Übung können Moxa-Zigarren entlang bestimmter Akupunkturpunkte abgebrannt werden. Dadurch entspannt sich die Schwangere und die Kindsbewegungen nehmen zu. Gelingt die Drehung nicht, empfiehlt Dr. Eldering, in der 37./38. Schwangerschaftswoche den Versuch einer äußeren Wendung zu unternehmen.

Autor: 9monate.de/Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 13. März 2014

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