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Von Attest bis Strahlenbelastung

Schwanger fliegen: Das müssen Sie beachten

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin | Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2019

Ist Fliegen in der Schwangerschaft erlaubt? Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft spricht nichts gegen das Reisen mit dem Flugzeug. Häufige Langstreckenflüge dagegen sind aufgrund der erhöhten Strahlenbelastung nicht empfehlenswert.

Schwanger fliegen: Das müssen Sie beachten
Schwanger fliegen ist bei einer unkomplizierten Schwangerschaft in der Regel kein Problem, solange nicht zu häufig Langstreckenflüge absolviert werden und man einiges beachtet.
© iStock.com/GOLFX

Sofern man sich vor Antritt der Flugreise wohlfühlt und kein Fehl- oder Frühgeburtsrisiko besteht, spricht grundsätzlich nichts gegen das Fliegen. Sicherheitshalber sollte vor einer Planung mit dem Frauenarzt besprochen werden, ob im persönlichen Fall etwas gegen das Fliegen in der Schwangerschaft spricht. Ein nicht unwesentlicher Aspekt bei der Entscheidung, ob man wirklich schwanger fliegen sollte, ist sicherlich die erhöhte Strahlenbelastung durch Höhenstrahlung. Mit wachsendem Babybauch kann darüber hinaus das beengte Platzangebot im Flieger (auf dem Sitz, im Gang oder auch auf der Flugzeugtoilette) als unangenehm empfunden werden.

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Schwanger fliegen: Strahlung gefährlich fürs Ungeborene?

Jeder Mensch ist Strahlung aus ganz natürlichen Quellen ausgesetzt. In Deutschland beträgt diese laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) durchschnittlich 2 bis 3 mSV (Millisievert) jährlich für ionisierende Strahlung. Als Millisievert wird die auf den Menschen einwirkende Strahlendosis bezeichnet. Das BfS legt die jährliche Maximalbelastung für Frauen im gebärfähigen Alter durch beruflich bedingt erhöhte Strahlung bei 2 mSV (Millisievert) fest. Schwangere dürfen im Beruf nur einer maximalen Belastung von 1 mSV vom Zeitpunkt der Bekanntgabe der Schwangerschaft bis zur Geburt ausgesetzt sein. Das regelt unter anderem das Strahlenschutzgesetz.

Beim Fliegen besteht eine erhöhte Belastung durch Höhenstrahlung. Das Ausmaß der Belastung ist abhängig von:

  • Flughöhe
  • Flugdauer
  • Flugroute
  • Sonnenaktivität

Höhenstrahlung gilt ab einer bestimmten Menge als grundsätzlich belastend und schädigend für die Körperzellen, jedoch ist diese beim Fliegen sehr gering, die Belastung ist immer noch erheblich geringer als etwa beim Röntgen. Grundsätzlich gilt: Einmalige Langstreckenflüge werden als ungefährlich für Schwangere eingestuft. Zur Einordnung: Ein Langstreckenflug von Frankfurt nach New York und zurück wird vom BfS mit einer durchschnittlichen Strahlenbelastung von 120 μSV (Mikrosievert), also 0,12 mSV (Millisievert). Damit liegt die Strahlenbelastung zwar sehr niedrig, aber die Gesamtbelastung erhöht sich dadurch natürlich. Wer nur gelegentlich in den Urlaub fliegt, kann das Risiko dieser zusätzlichen Strahlung wohl eher vernachlässigen als Vielflieger.

Wenn Schwangere sehr häufig Langstreckenflüge fliegen, werden höhere Werte erreicht, bei denen Experten raten würden, das Fliegen einzuschränken. Das gilt besonders für Flüge über die nördlichen Polkappen, weil hier die Strahlung am größten ist. Das Wissen darum sollte in die Entscheidung, ob man schwanger fliegen und dadurch die Gesamtbelastung durch Strahlung erhöhen möchte, mit einfließen.

Fliegen in der Frühschwangerschaft

Viele Ärzte raten Schwangeren davon ab, in der Frühschwangerschaft (bis zur 12. Schwangerschaftswoche) zu fliegen, da das Baby in dieser Phase besonders sensibel auf äußere Einflüsse reagiert. Andere wiederum betrachten das als ungefährlich, da bislang noch keine konkreten Beweise zur Schädlichkeit. Das Fliegen in der Schwangerschaft wird immer noch kontrovers diskutiert.

Thromboseprophylaxe ist empfehlenswert

In der Schwangerschaft ist das Thromboserisiko etwas höher, da Schwangere hormonell bedingt eher zur Blutgerinnung neigen. Durch langes, beengtes Sitzen ohne ausreichende Bewegung erhöht sich dieses Risiko zusätzlich, da das Blut in den Beinen nicht richtig zirkulieren kann. Sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt und lassen Sie sich Thrombosestrümpfe zur Prophylaxe verschreiben, bevor Sie einen längeren Flug (über vier Stunden) antreten. Möglicherweise können auch Medikamente zum Einsatz kommen. Bitte nehmen Sie nur nach ärztlicher Verordnung solche Mittel ein und verzichten Sie auf Selbstmedikation. Acetylsalicylsäure oder andere Wirkstoffe, welche die Fließfähigkeit des Blutes verbessern, sind in der Schwangerschaft aus verschiedenen Gründen nicht oder nur bedingt empfehlenswert.

Tipps zum Fliegen in der Schwangerschaft

Wer schwanger fliegen möchte, sollte dafür sorgen, dass seine Reise so stressfrei wie möglich abläuft. Bereiten Sie Ihren Flug also gut vor und besorgen Sie sich vorab vielleicht noch die ein oder andere Wohlfühlhilfe:

  • Tragen Sie Thrombosestrümpfe um das Thromboserisiko zu reduzieren.

  • Stehen Sie während des Fluges nach Möglichkeit hin und wieder auf und laufen Sie den Gang auf und ab. So sorgen Sie für mehr Blutzirkulation in den unteren Extremitäten.

  • Machen Sie "Fußgymnastik", indem Sie zum Beispiel abwechseln Zehen und Ferse aufsetzen. Das geht auch sehr leicht im Sitzen. Lassen Sie Beine und Füße immer wieder kreisen. Ein Gangplatz ist dafür ideal – sofern gerade niemand an Ihnen vorbeiläuft.

  • Buchen Sie einen Platz am Gang.

  • Reservieren Sie sich einen Sitz in der Nähe der Tragflächen – dort wackelt es am wenigsten.

  • Trinken Sie viel Wasser und verzichten Sie während des Flugs auf Kaffee und schwarzen Tee, da diese dem Körper zusätzlich Wasser entziehen. Es ist ohnehin empfehlenswert, den Koffeinkonsum in der Schwangerschaft zu reduzieren.

Was gegen das Fliegen in der Schwangerschaft spricht

Komplikationen wie Früh- oder Fehlgeburtsbestrebungen sind Gründe, die gegen eine Flugreise sprechen. Auch andere Beschwerden  sind gute Gründe dafür, nicht zu fliegen:

Bitte suchen Sie vor der Flugplanung unbedingt mit Ihrem Arzt.

Was sollte man in der Schwangerschaft nicht essen?

Bis zu welcher Schwangerschaftswoche (SSW) darf man schwanger fliegen?

Als optimaler Zeitraum zum Verreisen gilt für Schwangere die 14. bis 24. Woche. Dennoch ist eine Reiserücktrittsversicherung sinnvoll. Schwangere sollten den Mutterpass unbedingt mitführen und sich darin vom Frauenarzt oder der Hebamme bestätigen lassen, dass nichts gegen eine Flugreise spricht. Diese Bescheinigung der Flugtauglichkeit sollte idealerweise zwei Tage vor Flugantritt ausgestellt werden. Wenn die Schwangere sich danach fühlt, kann sie bedenkenlos einen Flug antreten. Auch in die USA kann im Rahmen eines Urlaubs schwanger eingereist werden. Um das Geburtsrisiko an Bord gering zu halten, haben viele Fluggesellschaften Reisebeschränkungen für Schwangere. Die meisten Fluggesellschaften befördern Schwangere bis zur 36. Schwangerschaftswoche, bzw. bei Mehrlingsschwangerschaften bis zur 32. Woche.

Die Regelungen der Airlines für das Fliegen in der Schwangerschaft

Im Einzelfall können sich die Regelungen der Airlines beim Thema "Schwanger fliegen" unterscheiden und sollten daher direkt bei der Fluggesellschaft nachgefragt werden. Bei den deutschen Fluggesellschaften ist es aus Vorsorgegründen üblich, schwangere Pilotinnen und Flugbegleiterinnen für die Zeit der Schwangerschaft als Bodenpersonal einzusetzen.

Schwanger fliegen mit Lufthansa

Lufthansa nimmt Schwangere bis zum Ende der 36. Schwangerschaftswoche, bzw. bis vier Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin, ohne gynäkologisches Attest mit. Ab der 28. Schwangerschaftswoche wird jedoch empfohlen, ein aktuelles Attest mit sich zu führen, in dem bestätigt wird, dass die Schwangerschaft unkompliziert verläuft und nichts gegen das Fliegen in der Schwangerschaft spricht und in dem der Entbindungstermin steht. Bei einer Schwangerschaft mit Zwillingen bzw. Mehrlingen kann bis Ende der 28. Woche geflogen werden. Ein Attest, welches der Arzt ausfüllen kann, kann direkt bei der Lufthansa runtergeladen werden (hier geht es zum PDF).

Schwanger fliegen mit Eurowings

Mit Eurowings dürfen Sie bis zur 36. Woche schwanger fliegen, sofern Sie mindestens einen Mutterpass vorlegen, aus dem das Schwangerschaftsstadium hervorgeht.

Schwanger fliegen mit Ryan Air

Bei Ryan Air müssen Schwangere ab der 28. Woche ein "Fit-to-fly"-Dokument (hier geht es zum PDF) zur Bestätigung der Flugtauglichkeit mitführen, welches vom Arzt oder der Hebamme unterschrieben ist und nicht älter als zwei Wochen sein darf. Schwangere nach der 36. Woche werden nicht befördert. Frauen, die mit Mehrlingen schwanger sind, werden nach der 32. Schwangerschaftswoche nicht mehr mitgenommen.

Schwanger fliegen mit Condor

Condor nimmt Schwangere bis zur 36. Schwangerschaftswoche mit. Zwischen der 29. und 36. Schwangerschaftswoche ist ein ärztliches Attest erforderlich, das mindestens den errechneten Geburtstermin und die Flugtauglichkeit bestätigt. Das Attest darf am Tag des Hinfluges maximal zehn Tage alt sein. Wenn Sie mit Mehrlingen schwanger sind, werden Sie von Condor ab der 33. Schwangerschaftswoche nicht mehr mitgenommen. Mit Attest fliegen Sie bis maximal zur 32. Schwangerschaftswoche. Eine PDF-Vorlage für das Attest bietet Condor zur Zeit (Januar 2019) leider nicht an.

Schwanger fliegen mit Emirates

Ab der 29. Woche muss eine Bescheinigung vom Arzt unterschrieben mitgeführt werden (hier geht es zur PDF-Vorlage). Nach der 36. Woche kann nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Fluggesellschaft befördert werden. Schwangere mit Zwillingen oder anderen Mehrlingen werden bis zur 32. Woche befördert.

Schwanger fliegen mit TUI fly

Auch bei TUI fly dürfen Schwangere bis zur 36. Woche mitfliegen, sofern sie ihren Mutterpass vorlegen können, aus dem der errechnete Geburtstermin hervorgeht. TUI fly behält sich vor, bereits den Hinflug zu verweigern, sofern der Rückflug auf ein Datum nach der 36. Schwangerschaftswoche fällt.

Schwanger fliegen mit Easyjet

Easyjet transportiert Schwangere bis zum Ende der 35. Schwangerschaftswoche, bei Mehrlingen bis zum Ende der 32. Schwangerschaftswoche. Legen Sie bitte Ihren Mutterpass vor, aus dem der errechnete Entbindungstermin hervorgeht.

Schwanger fliegen mit SWISS

Mit SWISS Airlines fliegen Schwangere bis zur 36. Woche beziehungsweise bis zu vier Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin (Mehrlinge: bis zu 32. Woche). Bitte legen Sie dafür den Mutterpass vor. Es wird empfohlen, ab der 28. Schwangerschaftswoche eine Flugtauglichkeitsbescheinigung des Arztes mitzuführen.

Schwanger fliegen mit Austrian Airlines

Bis zu vier Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin ist das Fliegen in der Schwangerschaft mit Austrian möglich. Risikoschwangere werden nicht transportiert.

"Flugtauglichkeit" per Attest bestätigen

Da viele Fluggesellschaften eine ärztliche Bestätigung, dass eine Schwangere bedenkenlos fliegen darf, fordern, empfiehlt es sich, ein ärztliches Attest zum Flug mitzubringen. Dieses ist im Idealfall nicht älter als zwei Wochen. Die meisten Fluggesellschaften bieten auf ihren Websites mittlerweile Vordrucke (oft in englischer Sprache) an, die Sie dafür verwenden und Ihrem Arzt zur Unterschrift vorlegen können. Auch wenn dieses nicht ausdrücklich verlangt wird, ist es ratsam, eine solche Bescheinigung bei sich zu führen, da sie möglicherweise auch bei der Einreise auf Verlangen vorgelegt werden muss.

Prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz

Auch wenn Ihre Schwangerschaft bisher unkompliziert verlaufen ist, sollten Sie vor Ihrer Reise unbedingt Ihre Krankenversicherung prüfen beziehungsweise eine Reisekrankenversicherung abschließen. In vielen Ländern wie etwa den USA ist die gesundheitliche Versorgung sehr teuer und kann schnell mehrere tausend Dollar kosten, sofern kein Versicherungsschutz besteht. Lassen Sie sich unbedingt von Ihrer (Reise-)Krankenversicherung schriftlich bestätigen, dass Sie auch als Schwangere über einen Versicherungsschutz verfügen und nehmen Sie entsprechende Dokumente mit auf Reisen.

Einreisebestimmungen für Schwangere beachten

In manchen Ländern gelten spezielle Einreisebestimmungen für Schwangere. Bitte prüfen Sie bereits vor Ihrem Flug, welche Dokumente sie bei der Einreise vorlegen müssen, wenn Sie schwanger sind. In manchen Ländern kann sogar die Einreise verweigert werden, wenn etwa der errechnete Geburtstermin und das geplante Aufenthaltsende zu nah beieinander liegen. Das gilt besonders für Länder, in denen die Staatsangehörigkeit an den Geburtsort geknüpft ist und denen deshalb daran gelegen ist, den sogenannten Geburtstourismus zu unterbinden. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass Ihnen die Einreise nicht verweigert wird, empfiehlt es sich, das auf der Website der jeweiligen Ministerien der Länder zu checken. Es kann außerdem die Einreise nach Ermessen der Zollbeamten verweigert werden, wenn Unklarheit über Ihren (Reise-)Krankenversicherungsschutz besteht. Nehmen Sie entsprechende Dokumente bitte immer mit und legen Sie diese auf Verlangen vor.

Diese Dokumente sollten Sie mit sich führen, wenn Sie schwanger fliegen:

  • Mutterpass

  • Attest des Arztes (Unbedenklichkeitsbescheinigung)

  • Bestätigung der (Auslands-)Krankenversicherung

Urlaub mit Baby: Tipps für die erholsamste Zeit des Jahres
Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin | Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2019
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