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Dienstag, 26. September 2017
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Anästhesien während der Geburt

Anästhesien während der Geburt
Anästhesien während der Geburt können mitunter geplant werden
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Eine der Hauptaufgaben der Geburtshilfe ist die zuverlässige Schmerzbekämpfung. Hierzu stehen eine Vielzahl von schmerzlindernden Arzneimitteln, Beruhigungsmitteln und Anästhesien für die individuelle Betreuung zur Verfügung.

Die Anästhesie während der Geburt dient der Schmerzlinderung. Schmerzen lassen sich "ausschalten", indem die schmerzleitenden Nervenbahnen "unterbrochen" werden, sei es durch lokale Anästhetika oder das komplette Ausschalten des Bewusstseins bei der Vollnarkose. Bei der Anästhesie wird das Bewusstsein - außer der Schmerzempfindung - erhalten, während bei der Narkose das Gesamtbewusstsein ausgeschaltet wird.

Die Peridualanästhesie und die Betäubung des Pudendus-Nervs (so genannter Pudendusblock) sind Regionalanästhesien oder lokale Betäubungen:

  • Bei der Periduralanästhesie blockiert das Betäubungsmittel die Reizleitung der Rückenmarksnerven, so dass die untere Körperhälfte gefühllos und schmerzunempfindlich wird.

  • Mithilfe des Pudendusblockes gelingt die Schmerzausschaltung im Nervus-pudendus-Bereich (äußerer weicher Geburtskanal und Vulva-Damm-Region) durch die vaginale Applikation eines Anästhetikums.

Periduralanästhesie (PDA)

Die  PDA (Periduralanästhesie) (auch Epiduralanästhesie = EDA genannt) ist eine lokale Anwendung eines Anästhetikums zur vorübergehenden Schmerzausschaltung unter der Geburt. Es gibt verschiedene Anlässe für eine Periduralanästhesie. Hat eine Frau den Wunsch, völlig schmerzfrei zu entbinden, steht eine Risikogeburt bevor oder treten im Verlauf der Geburt Probleme auf, die die Geburtsdauer übermäßig verlängern oder die Schmerzen unerträglich machen würden, dann kann der Arzt diese Art der Schmerzausschaltung wählen. Im Idealfall wird mit der PDA begonnen, wenn der Muttermund bereits zwei bis drei Zentimeter eröffnet ist. Die PDA darf in Deutschland nur ein Narkosearzt ausführen.

Ausführung der Periduralanästhesie

Im unteren Lendenwirbelbereich wird nach einer örtlichen Betäubung ein Lokalanästhetikum zwischen die äußeren Schutzhüllen des im Wirbelkanal verlaufenden Rückenmarks (in den  so genannten Epi- bzw. Periduralraum) gespritzt. Das Betäubungsmittel blockiert die Reizleitung der Rückenmarknerven, die hier aus dem Wirbelkanal austreten, sodass die untere Körperhälfte gefühllos und somit schmerzunempfindlich wird. Die Frau bleibt aber bei vollem Bewusstsein.

Vorteile und Risiken der PDA

Das Lokalanästhetikum wird heute vorwiegend über einen in die Punktionsstelle eingeführten Katheter verabreicht. Diese Methode ermöglicht eine exakte, dem individuellen Bedarf und dem Geburtsverlauf angepasste Dosierung. Zum Anlegen der Periduralanästhesie muss die Frau nach vorne gebeugt sitzen, was bei starken Wehen nicht immer ganz leicht ist. Da das Medikament auch die Gebärmuttermuskulatur entspannt, sind die Wehen manchmal zu schwach, um die Geburt voranzubringen, so dass der Arzt mit künstlichen Wehenmitteln nachhelfen muss. Wenn das Gefühl für die Wehen und der Drang zum Mitpressen völlig verloren gehen, wird die Entbindung nicht selten mit der Saugglocke oder der Zange beendet.

Mussten die Frauen früher nach einer Periduralanästhesie im Bett liegen bleiben, so können sie heute auch mit Periduralanästhesie weiter herumlaufen, wenn die sogenannte "mobile" Periduralanästhesie eingesetzt wird. Der Vorteil: Bewegung fördert den Geburtsverlauf.

Unter Einwirkung des Betäubungsmittels kommt es nicht selten zu einer Gefäßerweiterung, die zum Blutdruckabfall führen kann. Daher wird der Schwangeren vorsorglich eine Infusion mit kreislaufstabilisierenden Medikamenten angelegt. Auf das Kind hat diese Teilnarkose keinen negativen Einfluss.

Bei einem geplanten Kaiserschnitt besteht die Möglichkeit, die Operation mit einer Periduralanästhesie durchzuführen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Mutter während des Eingriffs bei vollem Bewusstsein ist.

Pudendusblock

Der Pudendusblock (Blockade des Pudendus-Nervs) als Mittel zur Schmerzausschaltung bei der Geburt wird gewöhnlich in der Austreibungsphase eingesetzt. Der Arzt setzt den Pudendusblock vor allem dann, wenn mithilfe von Saugglocke oder Zange entbunden werden muss.

Vorgehensweise
Rechts und links wird durch die Scheidenhaut mittels einer langen Kanüle ein Betäubungsmittel an die schmerzleitenden Bahnen des Nervus pudendus gespritzt. Schon wenige Minuten danach sind der Scheidenausgang, die Schamlippen und der Damm weitgehend unempfindlich. Der Pressreflex wird durch den Pudendusblock normalerweise nicht beeinträchtigt, auch das Ungeborene nicht. Die Wirkung des Pudendusblocks hält bis zu einer Stunde an, also meist lange genug, um gegebenenfalls auch unter dieser Betäubung noch den Dammschnitt zu nähen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 25. Januar 2017

Beiträge im Forum "Geburtstermin September/Oktober 2017"
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