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Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)
Bei der Amniozentese wird Fruchtwasser mit einer Nadel aus der Fruchtblase entnommen (Fruchtwasserpunktion)
(c) iStock

Die Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) ist ein Untersuchungsverfahren im Rahmen der Pränataldiagnostik. Dabei wird Fruchtwasser aus der Fruchtblase entnommen.

Die Amniozentese zählt zu den speziellen Untersuchungen während einer Schwangerschaft und wird im Rahmen der Pränataldiagnostik durchgeführt. Sie ist nicht Bestandteil der normalen Schwangerschaftsvorsorge. Ziel der Untersuchung ist es, Erbkrankheiten, Fehlbildungen und Chromosomenabweichungen, wie Trisomie 21,  beim Kind festzustellen. Dazu wird direkt aus der Fruchtblase Fruchtwasser entnommen. Untersucht werden die Zellen des Kindes, die sich darin befinden.

Wann und wie wird eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt?

Eine Amniozentese wird in der Regel zwischen der 16. und 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Oft wird ein früher Termin bevorzugt, um auf Ergebnisse der Untersuchung noch frühzeitig reagieren zu können und Unsicherheiten der werdenden Eltern zu beenden. Der geeignete Zeitpunkt einer Amniozentose orientiert sich allerdings auch an der Menge des Fruchtwassers. Ist zum Zeitpunkt der Fruchtwasseruntersuchung nicht genug davon vorhanden, kann dies den Fetus in Gefahr bringen. Vor der 15. Schwangerschaftswoche sind die Risiken zu groß, daher sollte sie erst danach durchgeführt werden.
Während der Amniozentese liegt die Frau entweder auf dem Rücken oder der Seite. Die Stelle, die durchstochen werden soll, wird desinfiziert und die Schwangere erhält eine örtliche Betäubung.

Ablauf einer Fruchtwasseruntersuchung

Zu Beginn einer Amniozentese wird die Bauchhaut mit einem kleinen Schnitt durchtrennt. An dieser kleinen Stelle setzt der Arzt die Punktionsnadel an und sticht durch alle Gewebe hindurch. Hat er die Fruchtblase erreicht, werden durch die Nadel etwa 15 bis 25 Milliliter Fruchtwasser abgesaugt. Diese werden im Labor untersucht. Während des gesamten Eingriffs wird die Lage der Punktionsnadel mittels Ultraschall kontrolliert.
Die Ergebnisse der Punktion liegen nach etwa zwei bis drei Wochen vor. In einem Schnelltest können bereits nach einem Tag die Anzahl der Chromosomen 13, 18 und 21 sowie das Geschlecht des Kindes bestimmt werden.

Verursacht eine Fruchtwasseruntersuchung Schmerzen?

Die Amnioozentese selbst ist in der Regel nicht mit Schmerzen bei der Schwangeren verbunden. In den Tagen nach der Fruchtwasseruntersuchung kann es allerdings zu Schmerzen und auch leichten Blutungen kommen. Daher ist in dieser Zeit Schonung angesagt.

Welche Gründe sprechen für eine Amniozentese?

Die Fruchtwasserpunktion wird vor allem dann empfohlen, wenn es beim Ersttrimesterscreening (zwischen der 11. und 13. Schwangerschaftswoche) zu Auffälligkeiten kam oder wenn die Schwangere bereits ein Kind mit einer Chromosomenabweichung oder einem Neuralrohrdefekt zur Welt gebracht hat. Bestehen Hinweise auf Erbkrankheiten, können die Zellen des Kindes einer DNA-Analyse unterzogen werden. Daneben können auch erhöhte Werte von Antikörpern im Blut einer rhesus-negativen Mutter ein Grund für eine Fruchtwasserpunktion sein. Dann lassen sich mit der Untersuchung eine mögliche Gelbsucht oder Blutarmut beim Kind diagnostizieren. Beides kann als Folge einer Rhesus-Unverträglichkeit des Kindes auftreten.

Die Kosten für die Fruchtwasseruntersuchung werden übernommen, wenn:

  • Alter der Schwangeren über 35
  • Chromosomenstörungen oder Erbkrankheiten in der direkten Familie
  • spezielle Risiken durch frühere Schwangerschaften
  • auffällige Nackenfaltenmessung

Also kurz: Wenn der Frauenarzt die Notwendigkeit feststellt und überweist.

Komplikationen und Risiko der Fruchtwasseruntersuchung

Das größte Risiko als Folge der Amniozentese ist, dass es bei der Schwangeren zu einem Blasensprung oder Wehen bei oder nach der Untersuchung kommen kann. Außerdem kann die Untersuchung Blutungen bei der Frau hervorrufen und Verletzungen des Kindes oder der Nabelschnurgefäße nach sich ziehen. Wenn das Blut der Mutter mit dem des Kindes bei der Untersuchung in Kontakt kommt, führt dies bei unterschiedlichen Blutgruppen oder Rhesusfaktoren möglicherweise zu einer Blutgruppen- oder Rhesus-Unverträglichkeit. Wird die Fruchtwasseruntersuchung vor der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt, steigt das Risiko für Fehlbildungen oder eine Fehlgeburt. Das Risiko einer Amniozentese wird insgesamt als "erhöht" eingeschätzt. Deswegen sollte immer überlegt werden, ob man dieses Risiko tatsächlich eingehen möchte im Verhältnis zu dem tatsächlichen Nutzen, den die Untersuchung bringt.

Fruchtwasseruntersuchung Alternativen

Weitere Verfahren zur Feststellung von Chromosomenabweichungen sind die Chorionzotten-Biopsie, bei der Zellen aus dem Mutterkuchen entnommen werden, oder die Nabelschnurpunktion. Hierbei werden Zellen des Kindes aus der Nabelschnur gewonnen.
Chromosomenabweichungen bei einem ungeborenen Kind können auch durch eine statistische Risikoeinschätzung ermittelt werden. Hierzu werden die Ergebnisse der Nackentransparenzmessung, des Ersttrimester-Tests und des Triple-Tests sowie weitere Angaben wie das Alter der Frau zusammen betrachtet und ausgewertet. Bei dem Ergebnis handelt es sich allerdings um eine Wahrscheinlichkeitsberechnung, die keine klare Auskunft über tatsächlich vorhandene Erkrankungen gibt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 13. Juli 2017
Durch: Karin Wunder
Quellen: Herbst, V.: Untersuchungen zur Früherkennung. Für Schwangere. Stiftung Warentest Berlin (Hrsg.), Berlin 2007; Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: www.schwanger-info.de (Stand: Februar 2015); Walter de Gruyter (Hrsg.): Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Walter de Gruyter, Berlin 2013

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