Amniozentese (Fruchtwasserpunktion)

Amniozentese

Bei der Amniozentese wird Fruchtwasser mit einer Nadel aus der Fruchtblase entnommen
(Foto: LifeArt)

Die Amniozentese zählt zu den speziellen Untersuchungen während einer Schwangerschaft und wird im Rahmen der Pränataldiagnostik durchgeführt. Ziel der Untersuchung ist es, Erbkrankheiten, Fehlbildungen und Chromosomenabweichungen beim Kind festzustellen. Dazu wird direkt aus der Fruchtblase Fruchtwasser entnommen. Untersucht werden die Zellen des Kindes, die sich darin befinden.

Wann wird eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt?
Wie wird die Amniozentese vorbereitet?
Ablauf einer Fruchtwasserpunktion
Welche Gründe sprechen für eine Amniozentese?
Komplikationen und Risiken der Fruchtwasseruntersuchung
Alternativen zur Fruchtwasserpunktion

Wann wird eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt?

Eine Amniozentese wird in der Regel zwischen der 16. und 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Oft wird ein früher Termin bevorzugt, um auf Ergebnisse der Untersuchung noch frühzeitig reagieren zu können und Unsicherheiten der werdenden Eltern zu beenden. Der geeignete Zeitpunkt einer Amniozentose orientiert sich allerdings auch an der Menge des Fruchtwassers. Ist zum Zeitpunkt der Fruchtwasseruntersuchung nicht genug davon vorhanden, kann dies den Fetus in Gefahr bringen.


Wie wird die Amniozentese vorbereitet?

Vor der Amniozentese wird mittels Ultraschall die günstigste Stelle für eine Punktion ermittelt. Gemieden werden die Stellen, an der die Plazenta an die Gebärmutter ansetzt und die, an der sich das Ungeborene befindet. Am besten für eine Punktion ist die Stelle geeignet, an der sich das meiste Fruchtwasser angesammelt hat.
Während der Amniozentese liegt die Frau entweder auf dem Rücken oder der Seite. Die Stelle, die durchstochen werden soll, wird desinfiziert und die Schwangere erhält eine örtliche Betäubung.


Ablauf einer Fruchtwasserpunktion

Zu Beginn einer Amniozentese wird die Bauchhaut mit einem kleinen Schnitt durchtrennt. An dieser kleinen Stelle setzt der Arzt die Punktionsnadel an und sticht durch alle Gewebe hindurch. Hat er die Fruchtblase erreicht, werden durch die Nadel etwa 15 bis 25 Milliliter Fruchtwasser abgesaugt. Diese werden für die spätere Untersuchung im Labor eingesetzt. Während des gesamten Eingriffs wird die Lage der Punktionsnadel mittels Ultraschall genau kontrolliert.
Die Ergebnisse der Punktion liegen nach etwa zwei bis drei Wochen vor. In einem Schnelltest können bereits nach einem Tag die Anzahl der Chromosomen 13, 18 und 21 sowie das Geschlecht des Kindes bestimmt werden.


Welche Gründe sprechen für eine Amniozentese?

Die Fruchtwasserpunktion wird vor allem dann empfohlen, wenn es beim Ersttrimesterscreening (zwischen der 11. und 13. Schwangerschaftswoche) zu Auffälligkeiten kam oder wenn die Schwangere bereits ein Kind mit einer Chromosomenabweichung oder einem Neuralrohrdefekt zur Welt gebracht hat. Bestehen Hinweise auf Erbkrankheiten, können die Zellen des Kindes einer DNA-Analyse unterzogen werden.
Daneben können auch erhöhte Werte von Antikörpern im Blut einer rhesus-negativen Mutter ein Grund für eine Fruchtwasserpunktion sein. Dann lassen sich mit der Untersuchung eine mögliche Gelbsucht oder Blutarmut beim Kind diagnostizieren. Beides kann als Folge einer Rhesus-Unverträglichkeit des Kindes auftreten.


Komplikationen und Risiken der Fruchtwasseruntersuchung

Als Folge der Amniozentese kann es bei der Schwangeren zu Wehen kommen. Außerdem kann die Untersuchung Blutungen bei der Frau hervorrufen und Verletzungen des Kindes oder der Nabelschnurgefäße nach sich ziehen. Wenn das Blut der Mutter mit dem des Kindes bei der Untersuchung in Kontakt kommt, führt dies bei unterschiedlichen Blutgruppen oder Rhesusfaktoren möglicherweise zu einer Blutgruppen- oder Rhesus-Unverträglichkeit. Wird die Fruchtwasserpunktion vor der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt, steigt das Risiko für Fehlbildungen oder eine Fehlgeburt. Das Risiko einer Amniozentese wird insgesamt als „erhöht“ eingeschätzt. Deswegen sollte immer überlegt werden, ob man dieses Risiko tatsächlich eingehen möchte im Verhältnis zu dem tatsächlichen Nutzen, den die Untersuchung bringt.


Alternativen zur Fruchtwasserpunktion

Weitere Verfahren zur Feststellung von Chromosomenabweichungen sind die Chorionzotten-Biopsie, bei der Zellen aus dem Mutterkuchen entnommen werden, oder die Nabelschnurpunktion. Hierbei werden Zellen des Kindes aus der Nabelschnur gewonnen.
Chromosomenabweichungen bei einem ungeborenen Kind können auch durch eine statistische Risikoeinschätzung ermittelt werden. Hierzu werden die Ergebnisse der Nackentransparenzmessung, des Ersttrimester-Tests und des Triple-Tests sowie weitere Angaben wie das Alter der Frau zusammen betrachtet und ausgewertet. Bei dem Ergebnis handelt es sich allerdings um eine Wahrscheinlichkeitsberechnung, die keine klare Auskunft über tatsächlich vorhandene Erkrankungen gibt.



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Quellen:
Herbst, V.: Untersuchungen zur Früherkennung. Für Schwangere. Stiftung Warentest Berlin (Hrsg.), Berlin 2007
Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: www.schwanger-info.de (Stand: März 2008)
Walter de Gruyter (Hrsg.): Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Walter de Gruyter, Berlin 2007

 

Autor: Jessica Schmid 
Letzte Änderung am: 24.08.2009