Fehlgeburten
Eine Fehlgeburt kann für die Betroffene sehr belastend sowie mit Trauer und Verlustgefühlen verbunden sein
(Foto: Photodisc)
Fehlgeburt (Abort) ist das frühzeitige Ende einer Schwangerschaft, bei der das Kind mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm und vor der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt. Die Geburt kann dabei entweder spontan passieren beziehungsweise ungewollt oder mit Einwilligung der Frau geschehen. Dann spricht man von einem Schwangerschaftsabbruch. Bei einer Fehlgeburt ist das ungeborene Kind noch so unreif entwickelt, dass es nicht zum eigenständigen Leben fähig ist. Das bedeutet, dass nach der Geburt keine Lebenszeichen wie Atmung oder Herzschlag erkennbar sind.
Im Vergleich dazu werden lebend geborene und unterentwickelte Kinder ab einem Gewicht von 500 Gramm als Frühgeburt bezeichnet. Um eine Totgeburt handelt es sich, wenn das Kind nach der 24. Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht von mindestens 500 Gramm und ohne Lebenszeichen zur Welt kommt.
Häufigkeiten von Fehlgeburten
Symptome einer (drohenden) Fehlgeburt
Ursachen für Fehlgeburten
Wie wird eine (drohende) Fehlgeburt erkannt?
Therapie einer (drohenden) Fehlgeburt
Kann man Fehlgeburten vorbeugen?
Häufigkeiten von Fehlgeburten
Innerhalb des ersten Schwangerschaftsdrittels kommt es - oft unbemerkt - häufig zu Fehlgeburten, wenn sich das Kind nicht richtig entwickelt, die Schwangere sich mit Krankheitserregern infiziert oder andere Einflüsse von außen einwirken. Oft weiß eine Frau zum Zeitpunkt der Fehlgeburt noch nicht einmal von ihrer Schwangerschaft und bemerkt lediglich eine ungewöhnlich starke oder verspätete Menstruationsblutung. Wie häufig Fehlgeburten insgesamt auftreten kann daher auch nicht endgültig bestimmt werden. Nachdem eine Schwangerschaft sicher festgestellt wurde, kommt es bei ungefähr zehn bis 20 Prozent der Frauen zu einer Fehlgeburt.
Bei einer Fehlgeburt nach der 16. Schwangerschaftswoche handelt es sich um einen Spätabort. Davor wird von einem Frühabort gesprochen.
Symptome einer (drohenden) Fehlgeburt
Eine Blutung aus der Scheide ist das wichtigste Symptom einer Fehlgeburt. Die Stärke der Blutung reicht von wenigen Blutstropfen in der Unterwäsche bis hin zu einem starken Blutverlust, der für die Schwangere lebensbedrohlich sein kann. Es kommt jedoch auch vor, dass sich eine Fehlgeburt überhaupt nicht durch eine Blutung bemerkbar macht. Ein weiteres Anzeichen sind Schmerzen im Unterbauchbereich, die krampfartig auftreten und mit starken Menstruationsbeschwerden verwechselt werden können. Im späteren Verlauf der Schwangerschaft bemerken Frauen eventuell den Abgang von Gewebe oder Fruchtwasser aus der Scheide.
Sowohl die Blutung als auch die Schmerzen können andere Ursachen als eine Fehlgeburt haben und beispielsweise auf eine Eileiterschwangerschaft hindeuten. Die genauen Ursachen für die Beschwerden müssen daher von einem Arzt abgeklärt werden.
Bei einem verhaltenen Abort hat die Frau keinerlei Symptome wie Blutungen oder Schmerzen. Häufig bemerkt der Arzt erst bei einer der Ultraschall-Untersuchungen, dass das Kind nicht mehr lebt.
Ursachen für Fehlgeburten
Fehlgeburten können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Meist sind genetische Fehlbildungen des Embryos dafür verantwortlich, dass er sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr richtig entwickelt und abstirbt. Mögliche Ursachen sind:
- Chromosomenanomalien (Trisomien, Triploidien)
- Myome
- Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz)
- Trauma
- Hormonelle Störungen der Mutter
- Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis)
- Entzündung des Gebärmutterkörpers (Endometritis)
- Blutarmut
- Diabetes mellitus
- Infektionen mit Viren oder Bakterien (beispielsweise eine Chlamydien-Infektion, Listeriose, Toxoplasmose)
- Vergiftungen
- Einnahme bestimmter Medikamente
- Ionisierende Strahlung
In vielen Fällen kann die Ursache einer Fehlgeburt jedoch nicht geklärt werden.
Hatte eine Frau bereits eine Fehlgeburt und wurden die Ursachen hierfür nicht behandelt, so liegt das Risiko für eine weitere Fehlgeburt bei 15 Prozent. Nach zwei Fehlgeburten erhöht es sich bereits auf 35 Prozent und bei drei Fehlgeburten liegt es bei 80 Prozent. Wenn eine Frau zwei vorangehende Fehlgeburten hatte, sprechen Fachleute von einem habituellen Abort.
Wie wird eine (drohende) Fehlgeburt erkannt?
Ein Arzt kann eine Fehlgeburt anhand der typischen Symptome wie Blutungen in der Schwangerschaft und den fehlenden Lebenszeichen des Ungeborenen erkennen. Andere Ursachen für die Beschwerden müssen ausgeschlossen werden. Der Arzt kann die Diagnose mittels Ultraschall-Untersuchung stellen und wird Herztöne und andere Lebensfunktionen des Ungeborenen prüfen.
Bei einem bestehenden Kinderwunsch sollte bei immer wiederkehrenden Fehlgeburten spätestens nach dem dritten Abort eine umfangreiche Untersuchung der Ursachen stattfinden. Sinnvoll sind beispielsweise
- Chromosomenanalyse
- Zyklusuntersuchung
- Ultraschall-Untersuchung
- Röntgendarstellung der Eileiter (Hysterosalpingographie)
- Ultraschall-Untersuchung der Eileiter (Hysterokontrast-Sonographie)
- Spiegelung der Eileiter (Hysteroskopie)
- Gynäkologische Untersuchung mit Abstrich aus dem Gebärmutterhals
- Blutuntersuchung
- Psychosoziale Untersuchung
Therapie einer (drohenden) Fehlgeburt
Das Vorgehen bei einer (drohenden) Fehlgeburt ist davon abhängig, um welche Art des Aborts es sich handelt:
- Abortus imminens: Obwohl die Schwangerschaft intakt und der Embryo am Leben ist, ist ihr Fortbestehen bedroht. Schwangerschaftserhaltende Maßnahmen wie strenge Bettruhe sind dazu geeignet, die drohende Fehlgeburt zu verhindern.
- Abortus incipens: Vom Ungeborenen können keine Lebenszeichen empfangen werden. Daher wird das Gewebe im Rahmen einer Kürettage aus der Gebärmutter entfernt. Der Abgang kann auch durch die Gabe von Medikamenten (Prostaglandinen) herbeigeführt werden.
- Verhaltener Abort (Missed abortion): In unterschiedlichen Stadien der Entwicklung kann es zum Absterben des Ungeborenen kommen. Aus der Gebärmutter wird auch hierbei das Gewebe in der Regel mittels Kürettage entfernt.
- Abortivei (Windei): Von einem Abortivei ist dann die Rede, wenn sich innerhalb der Fruchthöhle der Embryo nicht entwickelt. Im Ultraschall-Bild ist dies an der leeren Höhle zu erkennen. Als Therapie wird die Kürettage durchgeführt.
- Abortus incompletus: Es wurden bereits Teile der Frucht aus dem Körper der Frau ausgestoßen, doch es befinden sich noch Reste innerhalb der Gebärmutter. Diese werden mittels Kürettage entfernt.
- Abortus completus: Die Frucht wurde vom Körper komplett aus der Gebärmutter ausgestoßen. Um sicherzustellen, dass keine Gewebereste in der Gebärmutter verbleiben, wird häufig ebenfalls eine Kürettage vorgenommen.
- Schwangerschaftsabbruch: Durch eine gezielte medizinische Behandlung kann die Schwangerschaft auf Wunsch und unter bestimmten Voraussetzungen abgebrochen werden. Ein Schwangerschaftsabbruch ist eine rechtswidrige Tat, die bei Einhaltung bestimmter Bedingungen nicht bestraft wird.
Das Entfernen aller Gewebereste aus der Gebärmutter ist wichtig, weil es sonst zu Infektionen kommen kann. Bei der Kürettage wird die Gebärmutter mit Instrumenten ausgeschabt und die Frucht entfernt. Zu dieser Operation kommt es jedoch nur in einem frühen Stadium der Schwangerschaft. Etwa nach der 16. Schwangerschaftswoche muss das Kind von der Mutter geboren werden.
Eine Fehlgeburt stellt für das betroffene Paar und vor allem die Frau eine besonders belastende Situation dar. Um den Verlust des Ungeborenen und die Trauer bewältigen zu können, kann es sinnvoll sein, sich psychologisch betreuen zu lassen.
Kann man Fehlgeburten vorbeugen?
Durch einen gesunden Lebensstil ohne Alkohol, Nikotin und andere schädliche Alkohol kann eine Frau bereits einen Teil zur Vermeidung einer Fehlgeburt beitragen. Sinnvoll ist es außerdem, Erkrankungen oder körperliche Fehlbildungen, die zu einer Fehlgeburt führen könnten, von einem Arzt abklären und wenn möglich, behandeln zu lassen. Zu einem großen Teil der Fehlgeburten kommt es jedoch, ohne dass die Frau vorbeugend aktiv werden könnte.
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Quellen:
Breckwoldt, M. et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2008
Diedrich K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007
Online-Informationen des Berufsverband der Frauenärzte e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: http://www.frauenaerzte-im-netz.de (Stand: September 2009)
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004
Autor: Jessica Schmid
Letzte Änderung am: 17.09.2009
