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Folsäuremangel: Symptome nicht immer eindeutig

Ein Folsäuremangel kommt häufig vor: Studien zeigen, dass auch in Deutschland die tatsächliche Zufuhr an Folsäure unter der empfohlenen Menge liegt. Gleichzeitig sind die Symptome einer Unterversorgung nicht immer leicht zu erkennen.

Folsäure-Mangel: Symptome nicht immer eindeutig
Her mit dem grünen Gemüse: Folsäuremangel lässt sich häufig schon durch eine gut durchdachte Ernährung mit frischen Lebensmitteln beheben.
© iStock.com/Halfpoint

Folsäure ist die Bezeichnung für die künstlich hergestellte Form des Nährstoffs Folat oder auch Vitamin B9. Folate sind in verschiedenen Formen in Nahrungsmitteln enthalten. Die Bezeichnungen Folsäure und Folat werden häufig synonym verwendet.

In diesem Artikel lesen Sie:

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Wie viel Folsäure sollte man täglich zu sich nehmen?

Die aktuelle Zufuhrempfehlung für Folsäure liegt bei 300 Mikrogramm täglich für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene. Für Säuglinge liegt sie bei 60 Mikrogramm pro Tag. Die tägliche Folsäurezufuhr steigt mit zunehmendem Lebensalter:

  • 0 bis 4 Monate: 60 µg
  • 5 bis 12 Monate: 80 µg
  • 1 bis 3 Jahre: 120 µg
  • 4 bis 6 Jahre: 140 µg
  • 7 bis 9 Jahre: 180 µg
  • 10 bis 12 Jahre: 240 µg

In der Schwangerschaft steigt die Zufuhrempfehlung auf 550 Mikrogramm täglich. Ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft ist besonders riskant: Folsäure beugt Neuralrohrdefekten und Entwicklungsstörungen beim Baby vor. Auch in der Stillzeit bleibt der Bedarf weiter erhöht: 450 Mikrogramm pro Tag sollten Stillende zu sich nehmen.

Lesen Sie hier mehr über Folsäure in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch.

Lesen Sie hier mehr über Ernährung in der Stillzeit.

Folsäuremangel ist verbreitet

In der letzten großen Erhebung in Deutschland, der Nationalen Verzehrsstudie II, erreichten sowohl erwachsene Männer als auch Frauen die aktuell empfohlene Zufuhr von 300 Mikrogramm täglich nicht: Die mittlere Zufuhr lag bei Frauen bei 184 Mikrogramm, bei Männern bei 207 Mikrogramm täglich. Zum Zeitpunkt der Erhebung (2005/2006) schien ein Großteil der Befragten ihren Folsäurebedarf vor allem aus nicht alkoholischen Getränken zu decken. Die Forscher führten das auf den Konsum von Frucht- und Multivitaminsäften zurück.

Gründe für Folsäuremangel

Ein Folsäuremangel kann viele Ursachen haben. Tatsächlich sind in zahlreichen pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln Folate enthalten. Ihre Bioverfügbarkeit, also ihre Form und damit die Möglichkeit des Körpers, Nährstoffe aufzunehmen, variiert aber stark: Lediglich zu 40 und 60 Prozent kann der Körper Folate aus der Nahrung aufnehmen. Der größte Teil der aufgenommenen Folate wird dann im Körper noch einmal in die aktive, vom Körper verwendbare, Form. Der Rest wird über die Nieren und den Urin ausgeschieden.

Synthetische Folsäure in Form von Tabletten bietet hier den Vorteil, ungebundenes Vitamin B9 zu liefern, das der Organismus weitaus besser nutzen kann – zu nahezu 100 Prozent.

Folsäure ist zudem ein sehr empfindlicher Nährstoff: Durch Lagerung, Licht und Erhitzen kann ein Lebensmittel einen Großteil des ursprünglich enthaltenen Folats verlieren. Das gilt besonders für das Kochen in Wasser, denn Folate sind wasserlöslich. Auch können Lebensmittel, die ursprünglich reich an Folaten waren, aber erst lange nach der Ernte gegessen werden, einen Großteil dieser Nährstoffe verlieren. Das gilt zum Beispiel für das sogenannte Wintergemüse, das im Herbst geerntet und erst im Laufe des Winters verzehrt wird.

Weitere mögliche Gründe für Folsäuremangel:

  • Übermäßiger Alkoholkonsum: Alkohol stört Aufnahme und Umwandlung von Folaten in ihre aktive, vom Körper verwertbare Form.
  • Rauchen: Die in Zigaretten enthaltenen Stoffe senken den Folsäure-Spiegel im Blut.
  • Medikamente: Manche Medikamente hemmen die Aufnahme von Folaten. Dazu gehören beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS, zum Beispiel in Aspirin), Methotrexat, manche Antibabypillen oder Antibiotika, nicht-steroidale Antirheumatika sowie magensäurebindende und -blockierende Medikamente.
  • Chronische Erkrankungen: Vor allem chronisch entzündliche Erkrankungen des Verdauungstraktes wie Zöliakie oder Colitis ulcerosa können einen Folsäuremangel verursachen.
  • Erhöhter Bedarf: In Schwangerschaft und Stillzeit ist der Folsäure-Bedarf erhöht, weshalb es schnell zu einer Unterversorgung kommen kann.
  • Nährstoffarme- oder Mangelernährung
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Folsäuremangel: Symptome erkennen

Ein Folsäuremangel kann zahlreiche Symptome verursachen, die sich nicht immer leicht zuordnen lassen.

Hauptfolge der Unterversorgung ist die Anämie: Dieses auch Blutarmut genannte Beschwerdebild entsteht durch eine gestörte Blutbildung. Folate leisten einen wichtigen Beitrag zur Blutbildung, weshalb ein Folsäuremangel dazu führt, dass die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) nicht richtig reifen können und sich ihre Zahl verringert. Häufig tritt gleichzeitig eine Unterversorgung mit Vitamin B12 auf.

Mögliche Symptome einer Anämie:

  • Schwächegefühl
  • verminderte Konzentrationsfähigkeit
  • Blässe
  • schnelle Ermüdung
  • Kurzatmigkeit, besonders bei Anstrengung
  • erhöhte Infektanfälligkeit

Folsäuremangel hat auch Einfluss auf die Funktionsfähigkeit von Körperzellen und -gewebe, die auf eine rasche Zellteilung angewiesen sind: Im lymphatischen System (Lymphgefäße, -knoten und -flüssigkeit) nimmt die Zahl der Antikörper ab, was eine Schwächung des Immunsystems zur Folge hat. Magen- und Darmschleimhaut können ebenfalls beeinträchtigt werden, was sich durch Durchfall und eine verminderte Närhstoff-Aufnahmefähigkeit der Schleimhaut zeigt. An der Mundschleimhaut können sich wunde Stellen und erhöhte Blutungsneigung zeigen.

Homocysteinansammlungen können ebenfalls durch einen Mangel an Folsäure, häufig in Verbindung mit einer Unterversorgung der Vitamine B6 und B12, verursacht werden. Die Aminosäure Homocystein steckt vor allem in Fleisch, Wurst und Milchprodukten. Folsäure, B6 und B12 sind maßgeblich an ihrem Abbau beteiligt. Ein hoher Homocysteinspiegel im Blut erhöht das Risiko insbesondere für Erkrankungen der Blutgefäße.

Erhöhte Reizbarkeit, Schlafstörungen und Vergesslichkeit bis hin zu Depressionen sind ebenfalls potentielle Symptome eines Folsäuremangels. Bei diesen mit dem zentralen Nervensystem zusammenhängenden Beschwerden zeigt sich häufig ein niedriger Folsäure- und Vitamin-B12-Status im Blut.

In der frühen Schwangerschaft zeigt sich Folsäuremangel besonders dramatisch, denn es wird ausreichend Folsäure benötigt, damit sich das Neuralrohr des Fötus richtig schließen kann. Unterversorgung kann zu Fehlbildungen (insbesondere Spina bifida ), Früh- und Fehlgeburt, Entwicklungsstörungen sowie vorzeitiger Plazentaablösung führen.

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Diagnose des Mangels an Folsäure

Folsäuremangel lässt sich durch eine Blutanalyse feststellen. Dabei wird der Folsäure-Spiegel im Blutserum oder in den Erythrozyten (roten Blutkörperchen) bestimmt:

  • Serum: Normwerte 6 bis 20 nmol/l
  • Erythrozyten: Normwerte 150 bis 700 nmol/l

Da sowohl bei Vitamin-B12- als auch bei Folsäuremangel bestimmte Veränderungen bei der Blutbildung auftreten, wird der Status des Vitamin B12 immer mitgemessen, um auch hier eine Unterversorgung auszuschließen.

Die Homocysteinkonzentration im Blut ist ein wichtiger Marker zur Früherkennung eines Mangels an den Vitaminen B6, B12 und Folsäure.

Folsäuremangel vorbeugen

Grundsätzlich sind Folate aus tierischen Quellen etwas besser aufnehmbar als solche aus pflanzlichen. Menschen, die sich überwiegend oder ausschließlich pflanzlich ernähren, sollten deshalb besonders auf den Verzehr folatreicher Lebensmittel wie grüne Gemüsesorten und Vollkornprodukte Wert legen.

Bei Kinderwunsch sowie in Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt sich ein Folsäure-Präparat, um den Bedarf sicher zu decken.

Tipps für eine "folsäurefreundliche" Handhabung von Lebensmitteln:

  • Lagern Sie vor allem Gemüse bis zum Verzehr nicht zu lange.
  • Achten Sie auf eine dunkle Lagerung, beispielsweise im Keller oder in einer Kiste.
  • Wählen Sie schonende Garmethoden wie Dämpfen oder kurzes Erhitzen in der Pfanne oder im Ofen.
  • Bauen Sie immer wieder frische Rohkost in Ihren Ernährungsplan ein.
  • Greifen Sie ab und an zu Folsäure-"Superfoods" wie Weizenkleie oder -keime (159/271 µg Folsäure pro 100 g).

Kann man Folsäure überdosieren?

Eine Überdosierung von Folaten allein durch Lebensmittel ist sehr unwahrscheinlich. Auch höhere Dosierungen bei Nahrungsergänzungsmitteln wie sie etwa in manche Schwangerschaftsvitaminen (meist 800 Mikrogramm) enthalten, sind unbedenklich. Ein Zuviel an Folsäure scheidet der Körper über Nieren und den Urin wieder aus. Als langfristig sicher gilt eine Tagesmenge von 1 Milligramm am Tag.

Auch nach längerer Einnahme von täglich 4 Milligramm Folsäure als Nahrungsergänzung ließen sich keine Nebenwirkungen feststellen. Diese sehr hohe Dosierung wird etwa bei starkem Folsäure-Mangel verordnet. Weitere Indikationen für solch hohe Dosen kann beispielsweise ein hoher Homocysteinspiegel sein, der auch ohne einen Mangel an Vitamin B6, B12 und B9 auftritt. Schwangeren, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekten geboren haben, wird ebenfalls in der Regel ein hochdosiertes Folsäure-Präparat verordnet.

Sehr hohe Dosierungen (wie 15 Milligramm Folsäure pro Tag) können bei längerer Anwendung Magen-Darm- oder Schlafstörungen verursachen.

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