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Syphilis

Autor: Peter Gelhard / 9monate.de
Letzte Aktualisierung: 15. September 2016

Die Syphilis, auch Lues venera (lat.: die Lustseuche) genannt, ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit. Sie wird vor allem durch ungeschützte Sexualkontakte übertragen.

Syphilis
Der Erreger der Syphilis wird durch ungeschützte Sexualkontakte übertragen
(c) iStockphoto/KatarzynaBialasiewicz

In Deutschland werden jährlich etwa 5.000 Neuinfektionen von Syphilis gemeldet. Davon entfallen über 90 Prozent auf zumeist homosexuelle Männer. Seit Ende der 1990er-Jahre haben sich die Erkrankungsraten verdoppelt. In Osteuropa und dem Balkan ist die Syphilis stärker unter heterosexuellen Menschen verbreitet. Die Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.

Unbehandelt durchläuft die Syphilis im Allgemeinen drei unterschiedliche Krankheitsstadien, die zu schweren Schäden vor allem an Herz, Gehirn, Augen und Knochen führen können.

Mit Syphilis infizierte Schwangere geben die Infektion meist an ihre ungeborenen Kinder weiter, die dadurch oftmals schwer geschädigt werden. In vielen Fällen führt die Infektion zu Fehlgeburten, zur Totgeburt oder zur Geburt eines schwer geschädigten Kindes (Taubheit, Knochenanomalien u.a.).

Infektionswege der Syphilis

Der Erreger der Syphilis heißt Treponema pallidum und kommt nur beim Menschen vor. Außerhalb des Körpers überlebt er nur kurze Zeit. Übertragen wird er fast ausschließlich über ungeschützte Sexualkontakte, seltener auch durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen.

Zu einer Infektion kommt es, wenn verletzte Haut oder Schleimhaut mit dem Erreger in Kontakt kommt. Die Ansteckungsgefahr ist im ersten Stadium der Erkrankung besonders hoch, in dem sich im Bereich der Scheide, Mund oder Anus hochinfektiöse, aber schmerzlose Knoten oder Geschwüre bilden.

Der Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Menschen führt in rund einem Drittel aller Fälle zu einer Infektion. Die Zeit zwischen Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome beträgt meist zwei bis vier Wochen, kann sich aber auch bis zu drei Monaten erstrecken.

Eine Syphilis-Infektion erhöht das Risiko, sich auch mit dem HIV-Virus anzustecken. Nicht selten treten beide Infektionen zeitgleich auf.

Wie äußert sich die Syphilis?

In etwa der Hälfte der Fälle nimmt die Syphilis einen typischen Verlauf. Häufig kommt es im Laufe von Jahren zu Spontanheilungen.

Unterschieden werden im Allgemeinen drei Stadien der Syphilis:

  • Stadium I: Zwei bis vier Wochen nach der Infektion entwickelt sich am Ort des Eindringens ein Knoten oder schmerzloses Geschwür, das nach einigen Wochen von selbst wieder verschwindet. Betroffen sind meist Penis oder Hodensack, Mund oder Darmausgang oder Scheide und Schamlippen. In Stadium I sind die Betroffenen hochinfektiös.
  • Stadium II: Wird die Infektion in Stadium I nicht erkannt und behandelt, treten acht Wochen bis zwei Jahre nach der Rückbildung der ersten Symptome meist Fieber, Schwellungen der Lymphknoten, Muskelschmerzen und nicht juckende masernähnliche Hautausschläge auf. Im Kopfhaarbereich kann es stellenweise zu starkem Haarausfall kommen, in Mund und Rachen bilden sich oft weißliche Beläge. Auch diese Symptome klingen mit der Zeit meist wieder ab. Zudem sind auch in Stadium II die Betroffen noch infektiös, allerdings nicht mehr so stark wie in Stadium I.
  • Stadium III: Dieses letzte Stadium der Syphilis kann ein oder mehrere Jahre nach der Infektion auftreten. Es ist vom Übergreifen der Infektion auf die inneren Organe und das Zentralnervensystem gekennzeichnet. In der Folge können das Gehirn, die Organe und die zentrale Reizleitung schwer geschädigt werden. Im schlimmsten Fall führt die Syphilis zum Tod.

Wie wird die Syphilis festgestellt?

Treponema pallidum lässt sich nur schwer direkt nachweisen. Daher erfolgt die Diagnose der Syphilis im Allgemeinen mittels mehrerer Bluttests über einen differenzierten Antikörpernachweis. Wegen häufiger methodischer Unterschiede wird empfohlen, die Erstbefunde sowie die Verlaufskontrolle stets vom selben Labor durchführen zu lassen.

Da Syphilis beim ungeborenen Kind zu schweren Fehlbildungen führen kann, wird bei der ersten Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft beim routinemäßig durchgeführten Bluttest untersucht, ob eine Syphilisinfektion vorliegt.

Behandlung der Syphilis

Die Syphilis wird in allen Stadien der Krankheit am besten mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt. Die Medikamentengabe erstreckt sich über mindestens zwei Wochen und erfordert, dass das Antibiotikum über diesem Zeitraum einen gleich hohen Wert im Blutserum erreicht. Schwangere Frauen, die an Syphilis erkrankt sind, werden ebenfalls mit Antibiotikum behandelt.

Im Verlauf der Behandlung kann es zu körperlichen Reaktionen wie Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen kommen.

Wie verläuft eine Syphilis?

Nach der Antibiotika-Behandlung kann die Syphilis - abgesehen von möglicherweise erlittenen Organschäden - vollkommen ausheilen. Allgemein wird empfohlen, ein, drei, sechs, neun und zwölf Monate später eine Nachuntersuchung mittels Bluttests durchführen zu lassen. Auch danach sind weitere Kontrollen nötig, allerdings zunächst im halbjährlichen, dann im jährlichen Abstand.

Wenn die Mutter nicht behandelt wird, sterben 25 Prozent der Föten noch vor der Geburt und 25 bis 30 Prozent kurz nach der Geburt. 40 Prozent der überlebenden Kinder entwickeln eine Syphilis (Syphilis connata, entspricht dem Sekundärstadium bei Erwachsenen) nach der dritten Lebenswoche.

Wie kann man vorbeugen?

Da die Syphilis von Bakterien verursacht wird, ist keine Impfung möglich. Der Gebrauch von Kondomen kann das Ansteckungsrisiko zwar nicht restlos aufheben (die Syphilis kann auch durch Küssen weitergegeben werden), aber doch deutlich vermindern.

Zentral für einen wirksamen Schutz noch nicht infizierter Menschen ist die frühzeitige Behandlung frisch Infizierter. Das setzt voraus, dass sie möglichst umgehend einen Arzt aufsuchen, sobald an Penis, Hodensack, Mund, Darmausgang, Scheide oder Schamlippen ein Knoten oder schmerzloses Geschwür auftritt.

Autor: Peter Gelhard / 9monate.de
Letzte Aktualisierung: 15. September 2016
Quellen
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