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Mittwoch, 22. November 2017
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Paukenerguss

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Bei Verdacht auf Paukenerguss untersucht der Arzt das betroffene Ohr sorgfältig
(c) iStockphoto/Wavebreakmedia

Der Paukenerguss (akuter Tubenkatarrh) ist eine Störung der Ohrtrompete, bei der sich Flüssigkeit in der Paukenhöhle im Mittelohr ansammelt. Er tritt oft im Rahmen einer Mittelohrentzündung auf und führt zu Druckgefühl im Ohr sowie Hörminderung.

Die Paukenhöhle ist ein Hohlraum im Mittelohr, zwischen Trommelfell und der Ohrtrompete. Über die Ohrtrompete (Tube) ist sie mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden. In ihr befinden sich die drei Gehörknöchelchen und Luft. Innen ist sie von Schleimhaut überzogen. Aufgaben der Paukenhöhle sind die Belüftung des Mittelohrs und der Druckausgleich über den Nasen-Rachen-Raum.

Kommt es in der Paukenhöhle zu einer Entzündung, spricht man von einem Tubenkatarrh. Die akute Form mit Ansammlung von Flüssigkeit in der Paukenhöhle ist der Paukenerguss.

Paukenerguss oder Tubenkatarrh?

Als Tubenkatarrh werden alle entzündliche Formen von Belüftungsstörungen der Ohrtrompete bezeichnet. Während der Paukenerguss (Serotympanon) für die wesentlich häufigere akute Form des Tubenkatarrhs mit Bildung von Sekret steht, tritt der chronische Tubenkatarrh (Mukotympanon) etwas seltener auf.

Der Paukenerguss ist bei Kindern eine der häufigsten Erkrankungen: Die Hälfte aller Kleinkinder im ersten Lebensjahr leiden mindestens ein Mal unter einem Paukenerguss. Bis zu 80 Prozent aller Kinder unter zehn Jahren haben mindestens ein Mal einen akuten Paukenerguss, wobei die Erkrankungshäufigkeit bei Kindern ab sechs Jahren stark abnimmt. Einen chronischen, also länger als drei Monate andauernden, haben etwa ein Viertel der Kinder unter sieben Jahren.

Symptome eines Paukenergusses: Hörminderung und Druckgefühl

Typisch für den Paukenerguss ist die Hörminderung auf einem oder beiden Ohren. Weitere Symptome können unspezifische Druckgefühle oder auch das Gefühl von "verstopften Ohren" sein. Ohrgeräusche (Tinnitus) oder Ohrenschmerzen können ebenfalls Anzeichen eines Paukenergusses sein. Auch Schwindel kann auftreten.

Die Paukenhöhle ist auch an der Weiterleitung des Schalls beteiligt. So lange der Paukenerguss also nicht behandelt wird, nimmt die Hörminderung weiter zu. Eltern bemerken die Erkrankung bei ihrem Kind häufig zunächst nicht, da der Paukenerguss nur selten Ohrenschmerzen verursacht. Gehen Sie daher Ihrem Verdacht nach, wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind hört schlechter.

Wie entsteht ein Paukenerguss?

Die Tube schwillt bei einem Paukenerguss an und lässt nicht mehr genügend Luft in die Paukenhöhle. Durch die unzureichende Belüftung kommt es zu einem vermehrten Druck in der Paukenhöhle und es staut sich Flüssigkeit. Gleichzeitig zieht sich das Trommelfell nach innen.

Ein nicht behandelter akuter Paukenerguss wird chronisch. Dabei wird die zunächst dünne Flüssigkeit in der Paukenhöhle zäh. Die Schleimhaut der Paukenhöhle verändert sich und produziert Becherzellen, die wiederum vermehrt zähen Schleim herstellen. Neben einer fortschreitenden Hörminderung besteht vor allem das Risiko einer chronischen Mittelohrentzündung für das Kind.

Welche Ursachen hat ein Paukenerguss?

Der Paukenerguss tritt meist in Folge oder gemeinsam mit einer Erkältungskrankheit mit Atemwegsinfektion auf - besonders häufig Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung. Eine gestörte Nasenatmung begünstigt die Entstehung eines Paukenergusses. Auch Allergie können einen Paukenerguss auslösen. Bei Kindern und Kleinkindern sind besonders häufig vergrößerte Rachenmandeln ("Polypen") die Ursache. Starke Druckschwankungen, wie sie beispielsweise beim Fliegen durch Start und Landung auftreten, können die Entstehung eines Paukenergusses ebenfalls begünstigen.

Wie wird ein Paukenerguss diagnostiziert?

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte mit dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (Anamnese) wird das Ohr gründlich untersucht. Bei der Ohrenspiegelung (Otoskopie) lassen sich Veränderungen am Trommelfell und Flüssigkeitsansammlungen erkennen.

Hörtest

Um die Funktionen von Trommelfell und Tube besser einschätzen zu können, wird eine Tympanometrie durchgeführt. Die Tympanometrie gehört zu den Impedanzprüfungen. Bei diesen Prüfungen wird der akustische Widerstand des Trommelfells gemessen. Während der Tympanometrie erfolgt dies unter veränderten Druckzuständen.

Behandlung bei Paukenerguss

Etwa 80 Prozent aller Paukenergüsse heilen spontan ab, besonders bei Kleinkindern und Kindern. Trotzdem ist es ratsam, bei Verdacht auf einen Paukenerguss oder anderen Ohrenbeschwerden einen Arzt, idealerweise einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Unterstützend zur Behandlung von Paukenergüssen können Nasentropfen und -sprays angewendet werden. Sie wirken abschwellend und ermöglichen so wieder die Belüftung des Mittelohrs.

Operative Behandlungsmethoden: Adenotomie und Parazentese

Der chronische Paukenerguss ist hartnäckiger und häufig nur durch operative Verfahren erfolgreich zu behandeln. Sind vergrößerte Rachenmandeln ("Polypen") die Ursache für die Erkrankung, kann deren Entfernung (Adenotomie) hilfreich sein. Dieser Eingriff ist für Erwachsene nur bedingt geeignet, da die möglichen Nebenwirkungen erheblich schwerer sind als bei Kindern.

Bei der Parazentese wird das Trommelfell leicht eingeritzt und die Flüssigkeit aus der Paukenhöhle abgesaugt. Häufig wird anschließend ein Paukenbelüftungsröhrchen in das Trommelfell eingesetzt. Es gewährleistet langfristig eine ausreichende Belüftung des Mittelohrs und kann nach einigen Monaten wieder entfernt werden. Die Parazentese ist relativ risikoarm und kann in den meisten Fällen ambulant unter lokaler Betäubung stattfinden.

Paukenerguss: Hausmittel ganzheitlich einsetzen

Bei einem Paukenerguss können diverse Hausmittel helfen. Dabei sollte immer ganzheitlich gedacht und zum einen das körpereigene Immunsystem gestärkt und zum anderen die Symptome gelindert werden. Auch natürlich wirkende "Antibiotika" kann man probieren..

Das wohl bekannteste Hausmittel bei Paukenerguss ist das Zwiebelsäckchen bzw. der Zwiebelwickel: Eine Zwiebel kleinschneiden, in ein Stoffsäckchen füllen (zum Beispiel Waschhandschuh oder Geschirrtuch), auf Heizung oder in der Mikrowelle erwärmen und für etwa eine halbe Stunde auf das betroffene Ohr legen.

Bei natürlichen Antibiotika handelt sich selbstverständlich nicht um echte Antibiotika im Sinne eines Arzneimittels. Vielmehr wirken manche Pflanzen viren- oder bakterienhemmend. Sie werden unter dem Namen Phybiotika zusammengefasst. Manche von ihnen, zum Beispiel die bereits im Altertum gegen Infektionen verwendete Brunnenkresse, können auch einfach verzehrt werden. Bei uns bekannte "Küchenantibiotika" sind Knoblauch, Bärlauch, Meerrettich, Zwiebeln, Isländisch Moos, Spitzwegerich, Thymian und Kamille.

Die altbewährte Hühnersuppe, frisch gekocht mit Zwiebeln, Lauch, Sellerie und Karotten, fand schon im 12. Jahrhundert Erwähnung in Medizinbüchern. Nicht nur die Inhaltsstoffe, sondern auch das schluckweise Verzehren der heißen Suppe ist wohltuend, weil es den Abfluss von Sekreten beschleunigt und die Körpertemperatur leicht erhöht, was wiederum die Wachstumsrate von Viren bremst.

Um das körpereigene Immunsystem zu stärken, empfiehlt sich die ausreichende Versorgung mit Vitamin C. Im Gegensatz zu Vitamin-C-Präparaten mit synthetischer L-Ascorbinsäure wird Vitamin C aus natürlichen Quellen besser verwertet. Gute Vitamin-C-Quellen sind die Acerola-Kirsche, schwarze Johannisbeeren, Sanddorn oder Hagebutten. Auch rote Paprika, Kiwi, Erdbeeren und Chicoree sind reich an Vitamin C.

Pflanzliche Immunstärker wie Echinacea können im Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Da manche Präparate Alkohol enthalten, empfiehlt es sich, die Liste der Inhaltsstoffe genau anzusehen. Ein bewährtes Hausmittel zur Steigerung der Infektabwehr sind heiße Fußbäder mit Heublumenextrakt, Senfmehl, Thymian oder Salz. Wichtig ist, die Füße nach dem Fußbad warm einzupacken, am besten in dicke Socken.

Pflanzen, die den Lymphabfluss und damit den Abfluss der Flüssigkeit aus der Tube fördern, können ebenfalls als Hausmittel bei Paukenerguss eingesetzt werden. Dafür eignen sich Pflanzen mit dem Inhaltsstoff Cumarin, der unter anderem lymphabfluss- und zirkulationsfördernd wirkt. Bekannt und wirkungsvoll ist zum Beispiel ein Heublumensack mit den cumarinhaltigen Pflanzen Ruchgras, Süßklee und echtem Labkraut. Sie wirken lymphabflussfördernd und erwärmend und ein warmes Heublumensäckchen ist eine echte Wohltat fürs Ohr.

Homöopathie bei Paukenerguss

In der Homöopathie werden gegen Paukenerguss drei verschiedene Mittel empfohlen:

  • Apis mellifica D6 gegen die Schmerzen
  • Barium jodatum D6 gegen den zugrunde liegenden Infekt
  • Kalium chloratum D6 vor allem gegen wiederkehrende Ohrenentzündungen

Es ist ratsam, Homöopathie nicht auf eigene Faust anzuwenden, sondern immer mit einem in der Homöopathie bewanderten Arzt abzuklären bzw. sich die Mittel verordnen zu lassen. Homöopathische Mittel werden von einigen Krankenkassen übernommen. Ihre Wirksamkeit konnte bislang jedoch nicht eindeutig bewiesen werden.

Paukenerguss: Verlauf und Dauer

Häufig heilt ein Paukenerguss von alleine wieder ab. Besonders bei Kindern kommt dies oft vor. Wird ein Paukenerguss nicht bemerkt und es kommt zu einer zunehmenden Hörminderung, können sich vor allem für Kinder Komplikationen ergeben: Sie bemerken die zunehmende Schwerhörigkeit oftmals nicht. Das führt langfristig zu Entwicklungsstörungen, betroffene Kinder gelten als "zurückgeblieben". Um eine frühzeitige Entdeckung eines Paukenergusses zu gewährleisten, ist deshalb die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig. Es ist zudem unbedingt ratsam, bei Verdacht auf eine Hörminderung einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen.

Die Dauer bis zur Abheilung eines Paukenerguss ist unterschiedlich. Ein unkomplizierter Paukenerguss im Rahmen einer viralen Mittelohrentzündung heilt nach durchschnittlich einer Woche wieder ab. Wird bei einer bakteriellen Mittelohrentzündung mit Antibiotikum behandelt, bildet sich der Paukenerguss meist schneller zurück. Aber auch eine längere Dauer kommt durchaus häufig vor. Manchmal dauert es bis zu einem halben Jahr, bis sich etwa ein chronischer Paukenerguss wieder zurückgebildet hat.

Paukenerguss: Wie kann man ihm vorbeugen?

Passiv- und Aktivrauchen gehört zu den größten Risikofaktoren für die Entstehung eines Paukenergusses. Rauchen sollte in Gegenwart von Kindern selbstverständlich unterlassen werden. Da ein Paukenerguss häufig mit Atemwegsinfektionen einhergeht, ist es sinnvoll, vor allem in der nass-kalten Jahreszeit die Abwehr zu stärken. Gesunde und vitaminreiche Ernährung sowie Bewegung an der frischen Luft können dabei helfen, das Immunsystem zu stärken.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 24. März 2017
Quellen: Bald, M. et al.: Kurzlehrbuch Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012; Bühring, U.: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Haug Verlag, Stuttgart 2014; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/009 (Stand: November 2014); Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2013; Wiesenauer, Dr. med. M., Kirschner-Brouns, Dr. med. S.: Das große Homöopathie Handbuch. Gräfe und Unzer, München 2012

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