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Glukosetoleranztest (Zuckerbelastungstest, oGTT)

Der orale Glukosetoleranztest (Zuckerbelastungstest, kurz oGTT) in der Schwangerschaft ist die beste Möglichkeit, einen beginnenden Schwangerschaftsdiabetes zu entdecken. Seit 2012 übernehmen die Krankenkassen diese Untersuchung für alle Schwangeren.

Glukosetoleranztest (Zuckerbelastungstest, oGTT)
Beim Glukosetoleranztest wird Kapillarblut aus der Fingerkuppe entnommen
(c) Getty Images/iStockphoto

Früher wurde der sogenannte Zuckerbelastungstest nur bei besonderen Risiken durchgeführt und von den Krankenkassen übernommen. Doch inzwischen ist der orale Glukosetoleranztest als zuverlässige Untersuchung zur Früherkennung von Schwangerschaftsdiabetes eine Standarduntersuchung, deren Kosten übernommen werden. Viele Frauen sind verunsichert, da sie den oGTT beim Arzt zunächst bezahlen müssen. Doch die Rechnung kann nachträglich bei der Kasse eingereicht und die Kosten erstattet werden. Der Glukosetoleranztest ist keine Pflicht, wird jedoch allen Schwangeren empfohlen, da ein unerkannter Schwangerschaftsdiabetes negative Auswirkungen auf Mutter und Kind haben kann.

Wann sollte der Glukosetoleranztest durchgeführt werden?

Die Durchführung des Glukosetoleranztests wird zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche (SSW) empfohlen. Liegen bei der Schwangeren jedoch bestimmte Risikofaktoren vor, kann es sinnvoll sein, den Test bereits vor der 24. Schwangerschaftswoche durchzuführen. Zu diesen Faktoren zählen unter anderem:

  • Alter der Mutter über 45 Jahre
  • BMI über 30 (vor der Schwangerschaft)
  • direkte Verwandte mit Diabetes mellitus
  • frühes Kind mit Geburtsgewicht über 4.500 g
  • bereits einmal Schwangerschaftsdiabetes aufgetreten
  • Bluthochdruck, der medikamentös behandelt wird
  • PCO-Syndrom

Wird der Glukosetoleranztest vor der 24. SSW durchgeführt und war unauffällig, sollte er zwischen der 24. und 28. SSW nochmals durchgeführt werden.

Durchführung des Glukosetoleranztests

Der orale Glukosetoleranztest wird nüchtern durchgeführt. Auch bestimmte Medikamente wie L-Thyroxin, Beta-Mimetika und Progesteron dürfen nicht am Morgen genommen werden, da sie die Insulinproduktion beeinträchtigen. Nüchtern bedeutet, dass mindestens acht Stunden vor dem Zuckerbelastungstest nichts mehr zu sich genommen wurde. In den letzten drei Tagen vor dem Test sollte sich die Schwangere normal ernähren und keinesfalls kohlenhydratarm. Der Testbeginn sollte zwischen 6:00 und 9:00 Uhr liegen.

Wann sollte der Glukosetoleranztest nicht durchgeführt werden?

Die Schwangere darf zum Zeitpunkt des oGTT keine akute Erkrankung oder Fieber haben.  Ein Glukosetoleranztest sollte nicht durchgeführt werden, wenn die Frau an Hyperemesis gravidarum (übermäßiges Schwangerschaftserbrechen)  leidet.

Wie ist der Ablauf des Glukosetoleranztest?

Unmittelbar vor dem Glukosetoleranztest wird der Nüchternblutzucker gemessen (nur ein kleiner Pikser in den Finger). Dann muss die Schwangere eine Lösung trinken, in der 75 mg Glukose enthalten sind. Diese Mischung ist zwar süß, aber gut zu trinken und muss innerhalb von wenigen Minuten zügig getrunken werden.

Erneute Blutzuckermessungen sollten eine und zwei Stunden danach stattfinden. Wird nur die Nüchtern-Blutzucker und der Wert eine Stunde nach der Einnahme der Lösung gemessen, bleiben 2,1 Prozent der Fälle von Schwangerschaftsdiabetes unerkannt. Vor und während der Messung darf nicht geraucht werden (was in der Schwangerschaft eigentlich selbstverständlich sein sollte) und die Frau sollte ruhig in der Nähe des Labors sitzen bleiben. Eine liegende Position sollte wenn möglich während des Glukosetoleranztests vermieden werden.

Was sind die Grenzwerte beim Glukosetoleranztest?

Wenn beim Glukosetoleranztest einer oder mehrere der Grenzwerte erreicht oder überschritten werden, spricht man von Schwangerschaftsdiabetes. Hierbei gelten andere Grenzwerte als bei nicht schwangeren Frauen.

  Grenzwert in mg/dl Grenzwert in mmol/l
nüchtern

92

5,1

nach einer Stunde

180

10,0

nach zwei Stunden

153

8,5

 

Liegt der Nüchternblutzuckerwert bereits bei oder über  126 mg/dl (7,0 mmol/l), sollte auf den Glukosetoleranztest verzichtet werden, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Oktober 2017
Quellen: AWMF-Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): http://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/057_D_Diabetes_Ges/057-008p_S3_Gestationsdiabetes_2011-08.pdf (Stand: Oktober 2011); Breckwoldt, M. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2008

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