Ein Angebot von Lifeline
Mittwoch, 15. August 2018
Menu

Frühkindliche Reflexe – was ist damit gemeint?

Frühkindliche Reflexe sind normale körperliche Reaktionen des Babys auf äußerliche Reize. Alle Menschen haben Reflexe: Bei bestimmten inneren und äußeren Reizen "antwortet" der Körper mit bestimmten Bewegungen. Für Babys sind diese instinktiven Bewegungen lebenswichtig.

Frühkindliche Reflexe
Babys möchten getragen werden - durch den Greif- oder Klammerreflex, einen der frühkindlichen Reflexe, wird das schön veranschaulicht.
iStock/Chalabala

Babys in den ersten Lebensmonaten verfügen darüber hinaus über eine Reihe weiterer Reaktionen, die frühkindlichen Reflexe, die mit zunehmender Reife nach und nach verschwinden.

Warum frühkindliche Reflexe?

Diese speziellen Reflexe sind eigentlich lebenswichtige Reaktionen des Babys: So dreht es beispielsweise den Kopf auf die Seite, wenn es mit dem Gesicht nach unten abgelegt wird - und kann so weiter unbehindert atmen.

Viele frühkindliche Reflexe haben mittlerweile ihre lebenswichtige Bedeutung verloren. Sie sind heute eher wichtiger Bestandteil der kindlichen Vorsorgeuntersuchungen; unter anderem lässt sich bei den Reflexuntersuchungen feststellen, ob neurologische Störungen vorliegen und die körperliche Entwicklung des Babys normal voranschreitet.

Welches sind die wichtigsten frühkindlichen Reflexe?

Die hier vorgestellten frühkindlichen Reflexe gehören zu den ausgeprägten Reflexen und treten bei jedem Baby kurz nach der Geburt und in den ersten Lebensmonaten auf:

  • Moro-Reflex (Schreckreflex)
  • Saugreflex
  • Suchreflex
  • Greif- oder Klammerreflex
  • Schreitphänomen
  • Rückgratreflex

Der Moro-Reflex – eine uralter Schreckreflex

Wenn ein Baby zu schnell nach hinten gelegt wird, hat es das Gefühl, zu fallen. In diesem Moment tritt der Moro-Reflex auf: Das Baby streckt plötzlich beide Arme und Beine aus; es scheint, als sei es "erschrocken". Sofort danach zieht es alle Gliedmaßen wieder an sich und nimmt eine Klammerhaltung an.

Der Moro-Reflex als frühkindlicher Reflex wird mit der Evolutionsgeschichte des Menschen erklärt. Bei Menschenaffen kann man dieses Phänomen gut erklären: Das Menschenaffenjunge klammert sich an den Bauch der Mutter. Die Mutter macht im Laufe des Tages eine Vielzahl von Bewegungen, bei denen das Junge auch mit dem Rücken nach hinten "fällt". Durch den Schreckreflex kann es sich fester an das Fell der Mutter klammern und fällt nicht herunter.

Der Saugreflex – ein lebensnotwendiger frühkindlicher Reflex

Wenn man die Lippen des Babys mit den Fingern berührt, spitzt es den Mund und beginnt reflexartig mit Saugbewegungen. Wozu dieser Reflex dient, ist eindeutig: Er soll dafür sorgen, dass das Baby in der Lage ist, Nahrung (Muttermilch) aufzunehmen. Beim Stillen kann man das gut beobachten: Sobald der Mund mit der Brustwarze der Mutter in Berührung kommt, öffnet das Baby den Mund, nimmt die Brustwarze auf, hält sie mit Ober- und Unterkiefer fest und beginnt zu saugen.

Der Suchreflex – dem Geruch nach

Auch der Suchreflex ist ein lebensnotwendiger frühkindlicher Reflex. So beginnt das Baby, mit dem Mund nach der Brust der Mutter zu "suchen", wenn man seine Wange leicht berührt oder streichelt. Allerdings kommt es nur zum Suchreflex, wenn das Baby hungrig ist - eine solche Reaktion kann also auch ein Zeichen für die Mutter sein, dass das Baby Hunger hat und gestillt werden oder das Fläschchen haben will.

Dabei orientiert sich das Baby nach dem Geruch der mütterlichen Brust, es kann schon nach einigen Lebenstagen die Brust der eigenen Mutter von der fremder Frauen unterscheiden. Bis etwa zum dritten Lebensmonat ist der Suchreflex nötig, danach kann das Baby die Brust visuell wahrnehmen und erkennen.

Der Greif- oder Klammerreflex – gut festhalten

Berührt man mit dem Finger die Handinnenflächen des Babys, greifen die kleinen Finger sofort zu. Das Gleiche gilt für die Fußsohlen: Sie beugen sich automatisch, sobald man sie berührt. Auch der Grund dieses frühkindlichen Reflexes wird bei der Beobachtung von Menschenaffen deutlich - das Menschenaffenjunge hält sich durch das Greifen im Fell der Mutter fest.

Auch das menschliche Baby will getragen werden, deshalb ist der Greif- und Klammereffekt noch immer intakt, zumindest in den ersten drei Lebensmonaten, danach lässt er langsam nach.

Das Schreitphänomen – der Wille zum Gehen

Hält man das Baby aufrecht fest und stellt es auf oder berührt leicht die Fußsohlen, führt es Geh- oder Schreitbewegungen aus. Liegt es dabei auf dem Bauch, beginnt das Baby zu kriechen - ein eindeutiger Hinweis auf den aufrechten Gang des Menschen.

Der Rückgrat- oder Galant-Reflex – durch den Geburtskanal

Bis zu sechs Monate nach der Geburt verfügen Babys noch über den Rückgratreflex. Streicht man seitlich an der Wirbelsäule entlang, biegt sich der Rücken des Babys in Richtung der bestrichenen Seite der Wirbelsäule. Man vermutet, dass dieser frühkindliche Reflex seine Ursache in der Geburt hat: Das Baby soll sich bei der Geburt durch den Geburtskanal und das Becken der Mutter hin- und herschieben und krümmen können.

Wichtig für motorische Entwicklung

Frühkindliche Reflexe sind wichtig für die motorische Entwicklung des Kindes. Reflexe können nicht mit Übungen beeinflusst werden. Sie werden in den ersten Lebensmonaten jedoch von kontrollierten Bewegungen abgelöst. Bleiben diese frühkindlichen Reflexe länger bestehen als normal, kann dies zu motorischen Störungen führen. Dann können verschiedene Übungen beim Physiotherapeuten die Entwicklung unterstützen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. Juni 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin November/Dezember 2017"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
So entwickelt sich die endgültige Augenfarbe beim Baby

Alle Babys haben am Anfang blaue Augen – oder? Tatsächlich entwickelt sich die endgültige Augenfarbe bei Babys erst ab etwa dem vierten Lebensmonat. Hier erfahren Sie, wie. Mehr...

Gesundheit & Entwicklung

Plötzlicher Kindstod ist eine der häufigsten Todesarten von Kindern im ersten Lebensjahr. Der auch unter dem Kürzel SIDS (sudden infant death syndrome) bekannte plötzliche Kindstod ist nach aktueller Definition... Mehr...

Gesundheit & Entwicklung

Sonnenschutz ist für die empfindliche Haut von Baby und Kind besonders wichtig. Lesen Sie hier, wie Sie Ihr Kind optimal schützen, welche Sonnencreme, Sonnenkleidung empfehlenswert ist und wie Sie Ihr Kind auch... Mehr...

9monate Top-Service

Gestalte jetzt deine individuelle Einladung oder Dankeskarte zu Geburt, Taufe, Geburtstag oder Hochzeit.

Zum Kartenshop > Alle Tools & Services
Weitere interessante Themen
  • Durchfall bei Babys und Kindern

    Durchfall tritt häufig bei Säuglingen und Kindern auf, da ihr Verdauungssystem noch sehr empfindlich reagiert. Bei Durchfall ist die Darmschleimhaut gereizt, wodurch Wasser aus den... Mehr...

  • Schreibaby

    So manches Schreibaby hat junge Eltern wohl schon zur Verzweiflung gebracht. Stundenlanges, intensives Schreien eines Babys kann verschiedene Ursachen haben. Nicht immer sind die... Mehr...

Zum Seitenanfang