Ein Angebot von Lifeline
Montag, 20. November 2017
Menu

Frühkindliche Reflexe - was ist damit gemeint?

Frühkindliche Reflexe
Babys möchten getragen werden - durch den Greif- oder Klammerreflex, einen der frühkindlichen Reflexe, wird das schön veranschaulicht
iStock/Chalabala

Frühkindliche Reflexe sind normale körperliche Reaktionen des Babys auf äußerliche Reize. Alle Menschen haben Reflexe: Bei bestimmten inneren und äußeren Reizen "antwortet" der Körper mit bestimmten Bewegungen.

Babys in den ersten Lebensmonaten verfügen darüber hinaus über eine Reihe weiterer Reaktionen, die frühkindlichen Reflexe, die mit zunehmender Reife nach und nach verschwinden.

Warum frühkindliche Reflexe?

Diese speziellen Reflexe sind eigentlich lebenswichtige Reaktionen des Babys: So dreht es beispielsweise den Kopf auf die Seite, wenn es mit dem Gesicht nach unten abgelegt wird - und kann so weiter unbehindert atmen.

Viele frühkindliche Reflexe haben mittlerweile ihre lebenswichtige Bedeutung verloren. Sie sind heute eher wichtiger Bestandteil der kindlichen Vorsorgeuntersuchungen; unter anderem lässt sich bei den Reflexuntersuchungen feststellen, ob neurologische Störungen vorliegen und die körperliche Entwicklung des Babys normal voranschreitet.

Welches sind die wichtigsten frühkindlichen Reflexe?

Die hier vorgestellten frühkindlichen Reflexe gehören zu den ausgeprägten Reflexen und treten bei jedem Baby kurz nach der Geburt und in den ersten Lebensmonaten auf:

  •  
  • Moro-Reflex (Schreckreflex)
  • Saugreflex
  • Suchreflex
  • Greif- oder Klammerreflex
  • Schreitphänomen
  • Rückgratreflex

Der Moro-Reflex - eine uralter Schreckreflex

Wenn ein Baby zu schnell nach hinten gelegt wird, hat es das Gefühl, zu fallen. In diesem Moment tritt der Moro-Reflex auf: Das Baby streckt plötzlich beide Arme und Beine aus; es scheint, als sei es "erschrocken". Sofort danach zieht es alle Gliedmaßen wieder an sich und nimmt eine Klammerhaltung an.

Der Moro-Reflex als frühkindlicher Reflex wird mit der Evolutionsgeschichte des Menschen erklärt. Bei Menschenaffen kann man dieses Phänomen gut erklären: Das Menschenaffenjunge klammert sich an den Bauch der Mutter. Die Mutter macht im Laufe des Tages eine Vielzahl von Bewegungen, bei denen das Junge auch mit dem Rücken nach hinten "fällt". Durch den Schreckreflex kann es sich fester an das Fell der Mutter klammern und fällt nicht herunter.

Der Saugreflex - ein lebensnotwendiger frühkindlicher Reflex

Wenn man die Lippen des Babys mit den Fingern berührt, spitzt es den Mund und beginnt reflexartig mit Saugbewegungen. Wozu dieser Reflex dient, ist eindeutig: Er soll dafür sorgen, dass das Baby in der Lage ist, Nahrung (Muttermilch) aufzunehmen. Beim Stillen kann man das gut beobachten: Sobald der Mund mit der Brustwarze der Mutter in Berührung kommt, öffnet das Baby den Mund, nimmt die Brustwarze auf, hält sie mit Ober- und Unterkiefer fest und beginnt zu saugen.

Der Suchreflex - dem Geruch nach

Auch der Suchreflex ist ein lebensnotwendiger frühkindlicher Reflex. So beginnt das Baby, mit dem Mund nach der Brust der Mutter zu "suchen", wenn man seine Wange leicht berührt oder streichelt. Allerdings kommt es nur zum Suchreflex, wenn das Baby hungrig ist - eine solche Reaktion kann also auch ein Zeichen für die Mutter sein, dass das Baby Hunger hat und gestillt werden oder das Fläschchen haben will.

Dabei orientiert sich das Baby nach dem Geruch der mütterlichen Brust, es kann schon nach einigen Lebenstagen die Brust der eigenen Mutter von der fremder Frauen unterscheiden. Bis etwa zum dritten Lebensmonat ist der Suchreflex nötig, danach kann das Baby die Brust visuell wahrnehmen und erkennen.

Der Greif- oder Klammerreflex - gut festhalten

Berührt man mit dem Finger die Handinnenflächen des Babys, greifen die kleinen Finger sofort zu. Das Gleiche gilt für die Fußsohlen: Sie beugen sich automatisch, sobald man sie berührt. Auch der Grund dieses frühkindlichen Reflexes wird bei der Beobachtung von Menschenaffen deutlich - das Menschenaffenjunge hält sich durch das Greifen im Fell der Mutter fest.

Auch das menschliche Baby will getragen werden , deshalb ist der Greif- und Klammereffekt noch immer intakt, zumindest in den ersten drei Lebensmonaten, danach lässt er langsam nach.

Das Schreitphänomen - der Wille zum Gehen

Hält man das Baby aufrecht fest und stellt es auf oder berührt leicht die Fußsohlen, führt es Geh- oder Schreitbewegungen aus. Liegt es dabei auf dem Bauch, beginnt das Baby zu kriechen - ein eindeutiger Hinweis auf den aufrechten Gang des Menschen.

Der Rückgrat- oder Galant-Reflex - durch den Geburtskanal

Bis zu sechs Monate nach der Geburt verfügen Babys noch über den Rückgratreflex. Streicht man seitlich an der Wirbelsäule entlang, biegt sich der Rücken des Babys in Richtung der bestrichenen Seite der Wirbelsäule. Man vermutet, dass dieser frühkindliche Reflex seine Ursache in der Geburt hat: Das Baby soll sich bei der Geburt durch den Geburtskanal und das Becken der Mutter hin- und herschieben und krümmen können.

Wichtig für motorische Entwicklung

Frühkindliche Reflexe sind wichtig für die Reife. Reflexe können nicht mit Übungen beeinflusst werden. Sie werden in den ersten Lebensmonaten jedoch von kontrollierten Bewegungen abgelöst. Bleiben diese frühkindlichen Reflexe länger bestehen als normal, kann dies zu motorischen Störungen führen. Dann können verschiedene Übungen beim Physiotherapeuten die Entwicklung unterstützen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2017
Durch: Miriam Funk
Quellen: Compact Verlag: Das neue große Babybuch. Compact, München 2006; Largo, R. H.: Babyjahre. Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. Piper, München 2007; Riecke-Niklewski, R., Brüser, E.: Was will mein Baby sagen? Signale verstehen. Richtig reagieren. Behutsam fördern. Knaur, München 2008

Beiträge im Forum "Geburtstermin März/April 2017"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Gesundheit & Entwicklung

Etwa eines von 100 Babys kommt mit einem Herzfehler zur Welt. Die Fehlbildungen reichen von kleinen Löchern in der Herzscheidewand bis hin zu falschen Anlagen der Herzgefäße, die unbehandelt zum Tod führen.... Mehr...

Gesundheit & Entwicklung

Ohrlöcher bei Babys sind in vielen Ländern üblich, teilweise auch in Deutschland. Mediziner äußern jedoch Bedenken gegen den Eingriff in die körperliche Unversehrtheit der Kinder. Mehr...

Gesundheit & Entwicklung

Erbrechen bei Babys und Kindern dient in erster Linie zum Schutz vor Krankheitserregern oder schädlichen Stoffen im Verdauungssystem und ist meist harmlos. Treten aber noch weitere Symptome auf oder erbricht... Mehr...

Neuste Themen in den Foren
Weitere interessante Themen
  • Gewichtstabelle für Kinder

    Kinder durchleben in ihrem Wachstum viele verschiedene Phasen in Bezug auf Größe und Gewichtszunahme. Dabei entwickelt sich das Gewicht von Mädchen anders als das Gewicht von... Mehr...

  • Wie finde ich einen guten Kinderarzt?

    Wie man einen guten Kinderarzt findet, fragen sich häufig Mütter, die ihr erstes Kind bekommen (haben). Natürlich möchten alle Eltern für ihre Kinder die bestmögliche medizinische... Mehr...

Zum Seitenanfang