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Instinktive körperliche Reaktionen des Babys

Frühkindliche Reflexe – was ist damit gemeint?

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2019

Frühkindliche Reflexe sind normale körperliche Reaktionen des Babys auf äußerliche Reize. Alle Menschen haben Reflexe: Bei bestimmten inneren und äußeren Reizen "antwortet" der Körper mit bestimmten Bewegungen – ganz automatisch, ohne bewusstes Zutun. Für Babys sind diese instinktiven Bewegungen lebenswichtig.

Frühkindliche Reflexe
Babys möchten getragen werden – durch den Greif- oder Klammerreflex, einen der frühkindlichen Reflexe, wird das schön veranschaulicht.
© iStock.com/Chalabala

Babys in den ersten Lebensmonaten verfügen über eine Reihe Reaktionen, die frühkindlichen Reflexe, die mit zunehmender Reife nach und nach verschwinden. Sie werden auch Neugeborenenreflexe genannt, weil sie bereits im Mutterleib entwickelt werden. Im Gegensatz zu anderen Säuglingsreflexen, die sich erst nach einigen Lebensmonaten entwickelt, kommt ein Kind bereits mit frühkindlichen Reflexen auf die Welt.

Warum frühkindliche Reflexe?

Frühkindliche Reflexe sind eigentlich lebenswichtige Reaktionen des Babys: So dreht es beispielsweise den Kopf auf die Seite, wenn es mit dem Gesicht nach unten abgelegt wird – und kann so weiter unbehindert atmen.

Viele frühkindliche Reflexe haben mittlerweile ihre lebenswichtige Bedeutung verloren. Sie sind heute eher wichtiger Bestandteil der kindlichen Vorsorgeuntersuchungen; unter anderem lässt sich bei den Reflexuntersuchungen feststellen, ob neurologische Störungen vorliegen und die körperliche Entwicklung des Babys normal voranschreitet.

Welche sind die wichtigsten frühkindlichen Reflexe?

Die hier vorgestellten frühkindlichen Reflexe gehören zu den ausgeprägten Reflexen und treten bei jedem Baby kurz nach der Geburt und in den ersten Lebensmonaten auf:

  • Moro-Reflex (Schreckreflex)
  • Saugreflex
  • Suchreflex
  • Greif- oder Klammerreflex
  • Schreitreflex
  • Rückgratreflex
  • Tonischer Labyrinthreflex (TLR)
  • Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex (ATNR)

Moro-Reflex: Der Schreckreflex unter den frühkindlichen Reflexen

Wenn ein Baby zu schnell nach hinten gelegt wird, hat es das Gefühl, zu fallen. In diesem Moment tritt der Moro-Reflex auf: Das Baby streckt plötzlich beide Arme und Beine aus; es scheint, als sei es "erschrocken". Wohl ein Grund dafür, warum man den Moro-Reflex zu den Schreckreflexen zählt. Sofort danach zieht es alle Gliedmaßen wieder an sich und nimmt eine Klammerhaltung an.

Der Moro-Reflex als frühkindlicher Reflex wird mit der Evolutionsgeschichte des Menschen erklärt. Bei Menschenaffen kann man dieses Phänomen gut erklären: Das Menschenaffenjunge klammert sich an den Bauch der Mutter. Die Mutter macht im Laufe des Tages eine Vielzahl von Bewegungen, bei denen das Junge auch mit dem Rücken nach hinten "fällt". Durch den Schreckreflex kann es sich fester an das Fell der Mutter klammern und fällt nicht herunter.

Schon während der Schwangerschaft verfügt das Kind im Bauch über den Moro-Reflex, er besteht nach der Geburt etwa bis zum dritten bis vierten Lebensmonat.

Manche Babys haben einen übersteigerten Moro-Reflex, der sie oft in Alarmstimmung versetzt. Die Folge sind Unruhe und auch häufiges schreckhaftes Aufwachen in der Nacht, der Reflex bleibt bei ihnen etwas länger ausgeprägt. Hier kann das sogenannte Pucken helfen, da es dem Baby Sicherheit und Halt bietet und dadurch den gesteigerten Moro-Reflex abmildert.

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Saugreflex: Ein lebensnotwendiger frühkindlicher Reflex

Wenn man die Lippen des Babys mit den Fingern berührt, spitzt es den Mund und beginnt reflexartig mit Saugbewegungen. Wozu dieser Reflex dient, ist eindeutig: Er soll dafür sorgen, dass das Baby in der Lage ist, Nahrung (Muttermilch) aufzunehmen. Beim Stillen kann man das gut beobachten: Sobald der Mund mit der Brustwarze der Mutter in Berührung kommt, öffnet das Baby den Mund, nimmt die Brustwarze auf, hält sie mit Ober- und Unterkiefer fest und beginnt zu saugen. Schon im Mutterleib übt das Baby diesen Reflex, indem es ab und zu am Daumen nuckelt.

Den angeborenen Saugreflex macht man sich auch beim sogenannten Breast Crawl zunutze, bei dem das Baby kurz nach der Geburt auf der Brust der Mutter liegend die Brustwarze selbst suchen soll. Das Baby sucht dabei instinktiv die Brustwarze, der Saugreflex setzt schon ein und es leckt an der Haut. Der Saugreflex besteht etwa bis zum sechsten Lebensmonat, tritt aber auch länger oder kürzer auf.

Suchreflex: Dem Geruch nach

Auch der Suchreflex ist ein lebensnotwendiger frühkindlicher Reflex. So beginnt das Baby, mit dem Mund nach der Brust der Mutter zu "suchen", wenn man seine Wange leicht berührt oder streichelt. Allerdings kommt es nur zum Suchreflex, wenn das Baby hungrig ist – eine solche Reaktion kann also auch ein Zeichen für die Mutter sein, dass das Baby Hunger hat und gestillt werden oder das Fläschchen haben will.

Dabei orientiert sich das Baby nach dem Geruch der mütterlichen Brust, es kann schon nach einigen Lebenstagen die Brust der eigenen Mutter von der fremder Frauen unterscheiden. Bis etwa zum dritten Lebensmonat ist der Suchreflex nötig, danach kann das Baby die Brust visuell wahrnehmen und erkennen.

Greif- oder Klammerreflex: Gut festhalten

Berührt man mit dem Finger die Handinnenflächen des Babys, greifen die kleinen Finger sofort zu. Das Gleiche gilt für die Fußsohlen: Sie beugen sich automatisch, sobald man sie berührt. Auch der Grund dieses frühkindlichen Reflexes wird bei der Beobachtung von Menschenaffen deutlich – das Menschenaffenjunge hält sich durch das Greifen im Fell der Mutter fest.

Auch das menschliche Baby will getragen werden, deshalb ist der Greif- und Klammereffekt noch immer intakt, zumindest in den ersten drei Lebensmonaten, danach lässt dieser frühkindliche Reflex langsam nach.

Schreitreflex: Der Wille zum Gehen

Hält man das Baby aufrecht fest und stellt es auf oder berührt leicht die Fußsohlen, führt es Geh- oder Schreitbewegungen aus. Liegt es dabei auf dem Bauch, beginnt das Baby zu kriechen – ein eindeutiger Hinweis auf den aufrechten Gang des Menschen. Der Schreitreflex entwickelt sich erst relativ spät, eigentlich erst kurz vor der (termingerechten) Geburt, bis zur 37. Schwangerschaftswoche. Obwohl das Baby erst viel später zu gehen lernt, besteht dieser frühkindliche Reflex schon kurz nach der Geburt bis etwa zum dritten Lebensmonat.

Rückgrat- oder Galant-Reflex: Durch den Geburtskanal

Bis zu sechs Monate nach der Geburt verfügen Babys noch über den Rückgratreflex. Streicht man seitlich an der Wirbelsäule entlang, biegt sich der Rücken des Babys in Richtung der bestrichenen Seite der Wirbelsäule. Man vermutet, dass dieser frühkindliche Reflex seine Ursache in der Geburt hat: Das Baby soll sich bei der Geburt durch den Geburtskanal und das Becken der Mutter hin- und herschieben und krümmen können.

TLR: Tonischer Labyrinthreflex

Die tonischen Reflexe dienen der Ausbildung des kindlichen Muskeltonus und der Entwicklung des Gleichgewichtssinns. Der tonische Labyrinthreflex zeigt sich, indem sich der Körper des Babys ebenfalls nach vorne beugt, sobald es seinen Kopf nach vorne beugt. Streckt es seinen Kopf nach hinten, wird wiederum der gesamte Körper mitgestreckt. Es ist der Versuch des Babys, der noch ungewohnten Schwerkraft außerhalb seines geschützten Lebensraums in Fruchtblase und Fruchtwasser entgegenzuwirken. Mit der Zeit erlangt es die Kontrolle über seine Kopfhaltung. Der TLR besteht etwa bis zum sechsten Lebensmonat.

ATNR: Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex

Der ATNR gehört ebenfalls zu den frühkindlichen Reflexen. Dreht man den Kopf des Babys zur Seite, streckt es automatisch Arme und Beine auf dieser Seite. Gleichzeitig beugen sich die Extremitäten der anderen Seite. Man geht davon aus, dass der asymmetrisch-tonische Nackenreflex (tritt circa bis zum sechsten Lebensmonat auf) bedeutend für die spätere Hand-Augen-Koordination, das Gleichgewicht sowie die Ausbildung des Muskeltonus' ist.

Wichtig für motorische Entwicklung

Frühkindliche Reflexe sind wichtig für die motorische Entwicklung des Kindes. Reflexe können nicht mit Übungen beeinflusst werden. Sie werden in den ersten Lebensmonaten jedoch von kontrollierten Bewegungen abgelöst. Bleiben diese frühkindlichen Reflexe länger bestehen als normal, kann dies zu motorischen Störungen führen. Dann können verschiedene Übungen beim Physiotherapeuten die Entwicklung unterstützen.

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Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin November/Dezember 2017"
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