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Donnerstag, 25. Mai 2017
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Vegane Ernährung für Kinder

Vegane Ernährung

Vegane Ernährung
Immer mehr Menschen praktizieren eine rein vegane Ernährung - für Kinder ist die vegane Ernährung nur eingeschränkt empfehlenswert.
iStock/pixelfit

Vegane Ernährung ist die ausschließlichste Ausprägung des vegetarischen Lebensweise. Veganer essen und verwenden überhaupt keine tierischen Produkte. Vegane Ernährung ist für Kinder nicht uneingeschränkt empfehlenswert.

Wie viele Menschen in Deutschland eine vegane Ernährung als Ernährungsform gewählt haben, kann nicht genau beziffert werden. Die Schätzungen liegen zwischen 0,1 und 1 % der Bevölkerung, Tendenz steigend. "Der typische Veganer" ist laut Studien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) weiblich, lebt eher im städtischen Bereich, ist gebildet, verfügt oft über ein gutes Einkommen und achtet sehr auf den Ernährungsstil. Da in immer mehr Familien

Vegan bedeutet für die meisten Veganer mehr, als nur auf tierische Produkte in ihrer Ernährung zu verzichten. Veganer nutzen meist generell nichts, was von Tieren stammt - sie tragen zum Beispiel keine Lederschuhe oder Wollpullover und verzichten auf die Daunendecke. Vegan ist also auch ein Lebensstil. Tiere sollen für den Konsum der Menschen nicht leiden oder gar sterben, die Ressourcen der Erde geschont und nicht für noch mehr Weideflächen und die Tiernahrungsproduktion verwendet werden. Ökologische Aspekte, Nachhaltigkeit und der Wunsch nach einem bewussten Leben spielen eine große Rolle. Ethische Gründe geben die meisten Menschen, die auf tierische Produkte komplett verzichten, als Grund für ihren Verzicht an. Dabei achten sie meist auch generell auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Ist vegane Ernährung für Kinder empfehlenswert?

Eltern, die sich selbst vegan ernähren, möchten das für ihre Kinder meist ebenfalls. Wie groß der Bedarf an Informationen über vegane Ernährung für Kinder ist, zeigt auch die Vielzahl der Blogs, Online-Ernährungsratgeber und Bücher, in denen vegane Ernährung für Kinder bzw. für Familien Thema ist. Während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) die rein vegane Ernährung von Kindern als ungeeignet einstuft, wird sie in anderen westlichen Ländern nicht als so kritisch eingestuft - sofern sie gut geplant ist sowie eine hohe Nährstoff- und ausreichende Energiedichte besitzt.

Die DGE wiederum führt als Argument an, dass den Lebensmitteln in Ländern wie den USA viel mehr Nährstoffe zugesetzt werden als bei uns. Veganerverbände kritisieren die Empfehlungen der DGE als zu allgemein. Das stimmt insofern, als dass Empfehlungen von Fachgesellschaften immer an die Allgemeinheit gerichtet sind und den individuellen Fall nicht berücksichtigen können. Hier ist also ganz klar Eigenverantwortung gefragt.

Richtig ist, dass es an Langzeitstudien fehlt, anhand derer sich eine sichere Aussage zur veganen Ernährung insbesondere für Kinder treffen ließe. Man weiß heute aber auch, dass ein Nährstoffmangel bei Kindern zu Entwicklungsstörungen führen kann. Eltern, die ihr Kind rein pflanzlich ernähren möchten, stehen deshalb in der Verantwortung, auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr zu achten, sich zu informieren und sich am besten mit dem Kinderarzt abzusprechen.

Letztlich kann auch eine "herkömmliche" Ernährung mit tierischen Bestandteilen zu Mangelerscheinungen führen, wenn es sich nicht um eine gesunde Mischkost handelt. Wenn morgens lediglich weißes Toastbrot mit Wurst oder zuckerhaltige Flakes gefrühstückt werden, ist das nicht gesünder als eine abwechslungsreiche vegane Ernährung mit einem hohen Anteil an Gemüse und Obst.

Vegane Ernährung für Babys und Kleinkinder

Mit Einführung der Beikost und besonders nach dem vollständigen Abstillen ist eine ausreichende Versorgung des vegan ernährten Babys mit Vitamin B12 unerlässlich. Hierfür bieten sich Vitamin-B12-Tropfen an. Empfohlen wird die Aufnahme von 1 Mikrogramm Vitamin B12 täglich. Auch eine zusätzlich Aufnahme von Vitamin D ist in unseren Breitengraden wichtig, da Vitamin D nur während der Sommermonate über Sonnenenstrahlung auf der Haut vom Körper selbst gebildet werden kann. Auf tierische Vitamin-D-Quellen können vegan ernährte Babys und Kleinkinder nicht zurückgreifen. Da die bereits im Mutterleib angelegten Eisenvorräte des Babys nach den ersten Lebensmonaten nahezu erschöpft sind, empfiehlt sich eine eisenreiche Ernährung, idealerweile kombiniert mit Vitamin C, was die Aufnahme von Eisen erleichtert. Darüber hinaus gibt es verschiedene weitere Nährstoffe, deren Versorgung bei veganer Ernährung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, nicht so einfach gewährleistet ist.

Potentiell kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung

Einige Nährstoffe werden hauptsächlich oder zumindest zu einem großen Teil über tierische Produkte aufgenommen. Es ist daher ratsam, besonderes Augenmerk auf eine ausreichende Versorgung mit diesen Nährstoffen zu legen. Hierfür bieten sich auch Nahrungsergänzungsmittel an, die generell von den meisten Experten im Rahmen einer veganen Ernährung empfohlen werden. Vor allem Kinder und Jugendliche, bei denen ein Mangel an bestimmten Nährstoffen teilweise stärker ins Gewicht fällt, brauchen eine gut geplante (vegane) Ernährung und ggf. die Ergänzung durch Nährstoffpräparate. Besonders in Wachstumsphasen kann der Bedarf an bestimmten Nährstoffen und auch an Energie erhöht sein.

Vitamin B12 und vegane Ernährung

Vitamin B12 spielt eine enorm wichtige Rolle bei Zellteilung, Blutbildung, Protein- und Fettstoffwechsel sowie Aufrechterhaltung der Funktionen des Nervensystems. Es kann vom Körper nicht selbst gebildet und muss daher über die Nahrung aufgenommen werden. Da es fast ausschließlich in Lebensmitteln tierischer Herkunft vorkommt, können Veganer ihren Vitamin-B12-Bedarf nicht über die Ernährung decken. Daher sind Nahrungsergänzungsmittel unerlässlich. Für Veganer gibt mittlerweile neben herkömmlichen Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel. Vitamin-B12-Kaubonbons oder sogar eine spezielle Zahncreme mit Vitamin B12 sind kindgerechte Möglichkeiten der Aufnahme.

Weil der Körper Vitamin B12 über einige Jahre speichern kann, zeigt sich ein Vitamin-B12-Mangel entsprechend spät. Daher sollten Veganer regelmäßig ihren Vitamin-B12-Spiegel im Blut untersuchen lassen. Das gilt besonders für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch, da sich ein Vitamin-B12-Mangel bereits in der Schwangerschaft negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. Gestillte Kinder, die über die Muttermilch nicht ausreichend mit Vitamin B12 versorgt werden, haben ein enormes Risiko für neurologische Störungen und Blutarmut. Für sich vegan ernährende Schwangere und stillende Mütter ist es daher auf jeden Fall ratsam, ein Vitamin-B12-Präparat einzunehmen. Die Einnahme sollte in Absprache mit dem Gynäkologen erfolgen.

Auf die ausreichende Versorgung mit diesen Nährstoffen sollte bei vegan ernährten Kindern außerdem besonders geachtet werden:

  • Proteine und Aminosäuren
  • Eisen
  • Zink
  • Jod
  • Vitamin B2
  • Kalzium
  • Vitamin D
  • langkettige Omega-3-Fettsäuren

Umstellung auf vegane Ernährung in der Familie

Werden Kinder nicht von Anfang an vegan ernährt, ist eine Umstellung auf rein pflanzliche Nahrung oft schwierig, wenn sie nicht von sich aus vegan essen möchten. Kinder haben bereits ihre Vorlieben und Abneigungen und neue Lebensmittel und/oder Ernährungsweisen werden häufig erst einmal abgelehnt. Hier können "Ersatzprodukte", also tierischen Produkten nachempfundene Alternativen wie Sojawürstchen oder Pflanzenfrikadellen, helfen. Es ist nicht empfehlenswert, Kindern eine neue Ernährungsweise aufzuzwingen. Evnetuell macht es Sinn, die Ernährung schrittweise umzustellen. Mit älteren Kindern kann man durchaus auch über die Gründe, warum die vegane Ernährung gewählt wurde, sprechen. Videos von Tieren in Massentierhaltung sollten dabei eher nicht zum Einsatz kommen, um Kinder nicht zu verstören.

Fazit: vegane Ernährung - Ja oder Nein?

Eine vegane Ernährung, die gut durchdacht und geplant ist, kann den Körper ausreichend mit Nährstoffen und Energie versorgen. Das ist aber nicht automatisch gewährleistet. Insbesondere für Kinder ist vegane Ernährung nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Immer dann, wenn Nahrungsmittel aus der Ernährung ausgeschlossen werden, können Unterversorgungen entstehen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es soweit kommen muss. Vegane Ernährung fordert von Eltern ein großes Wissen über Ernährung und Nahrungsmittel, das auch immer wieder überprüft werden muss. Mit Nährstoffen angereicherte Lebensmittel sowie Nahrungsergänzungsmittel sind bei einer rein pflanzlichen Ernährung unabdingbar, vor allem bei vegan ernährten Kindern. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, den Kinderarzt in die Ernährungsplanung mit einzubeziehen.

Allgemeine Empfehlungen bei veganer Ernährung:

  • auf jeden Fall ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen
  • Nährstoffe, die nicht oder nicht so gut über pflanzliche Ernährung abgedeckt werden können, supplementieren
  • ein Mal jährlich Blut untersuchen lassen, um evtl. Mangelzustände frühzeitig feststellen zu können
  • Beratung durch Ernährungsexperten in Anspruch nehmen (v.a. bei Kindern)

Die Entscheidung für eine vegane Ernährung ist immer eine individuelle. Letztlich kann Eltern niemand die Entscheidung abnehmen, wie sie ihr Kind ernähren möchten. Trotzdem steht das Wohl des Kindes immer an erster Stelle. Sich gut informieren und aufgeschlossen bleiben - auch für neue Erkenntnisse rund um das Thema Ernährung - sollte selbstverständlich sein. Fest steht: Die Studienlage hinsichtlich veganer Ernährung ist nicht ausreichend, um eine feste Empfehlung aussprechen zu können. Während zahlreiche Fachgesellschaften eine vegane Ernährung für Kinder unter bestimmten Bedingungen (gut geplant, Supplements, ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und Energie) nicht automatisch für schädlich halten, rät unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung von einer rein pflanzlichen Ernährung für Kinder ab.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. April 2017
Quellen: Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): www.dge.de (Stand: April 2016); Online-Informationen der Academy of Nutrition and Dietetics: www.eatright.org (Stand: April 2015); Online-Informationen der Veganen Gesellschaft Schweiz: www.vegan.ch (Stand: 2012)

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