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Samstag, 27. Mai 2017
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Späte Schwangerschaft - Risiko oder Chance?

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Immer mehr Frauen erleben heute eine späte Schwangerschaft - zwar gibt es für manche Komplikationen ein erhöhtes Risiko, späte Mütter leben aber häufig gesünder
(c) iStockphoto

Eine späte Schwangerschaft kommt heute immer häufiger vor. Gemeint sind damit Schwangerschaften, bei denen die Schwangere über 35 Jahre beziehungsweise 40 Jahre alt ist.

Während Frauen noch vor einigen Jahren beim ersten Kind im Durchschnitt 24 Jahre alt waren, ist das Alter der Erstgebärenden mittlerweile auf 29 Jahre angestiegen. Die Gründe für die spätere Schwangerschaft sind vielfältig: Längere Berufsausbildungszeiten und damit spätere finanzielle Unabhängigkeit sind sicher häufige Gründe, den Kinderwunsch nach hinten zu schieben. Auch, wenn für die Familiengründung der richtige Partner fehlt oder Paare unsicher sind, was den richtigen Zeitpunkt für ein Baby betrifft, wird mit dem Kinderkriegen gewartet. Daher sind späte Schwangerschaften oder auch "Spätgebärende" (so wird eine ältere Schwangere im medizinischen Kontext meist genannt) keine Seltenheit mehr.

Was ist eine späte Schwangerschaft?

Alle schwangeren erstgebärenden Frauen ab 35 Jahre und solche, die ab dem 40. Lebensjahr mit ihrem mindestens zweiten Kind schwanger sind, werden zunächst als Risikoschwangere eingestuft, weil die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen während der Schwangerschaft mit zunehmendem Alter ansteigt. Als Risikoschwangere eingruppiert, sehen sich diese Frauen zunächst mit einer Reihe von empfohlenen zusätzlichen Untersuchungen zur Pränataldiagnostik konfrontiert. Dabei besteht bei einer gesunden Schwangeren eigentlich gar kein Anlass zur Sorge: Sie kann genau wie eine jüngere Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen und eine komplikationslose, harmonische Schwangerschaft erleben. Frauen in einer späten Schwangerschaft gehen in der Regel sehr umsichtig mit sich und ihrem Körper um. Die medizinische Versorgung bei uns ist zudem fortschrittlich und umfangreich. Kommt es tatsächlich zu Schwangerschaftskomplikationen, kann gut gegengesteuert werden.

Trotzdem gibt es verschiedene Faktoren, die bei einer späten Schwangerschaft beachtet werden sollten.

Wie wahrscheinlich ist eine späte Schwangerschaft?

Unbestritten ist, dass es mit zunehmendem Alter länger dauern kann, bis eine Frau schwanger wird. Die Eizellen sind schon ab der Geburt im Körper vorhanden und altern daher im gleichen Maße wie die Frau. Parallel nimmt die Anzahl der Eizellen im Laufe der Zeit ab und es findet nicht mehr in jedem Zyklus der Frau ein Eisprung statt. Stress und Belastung im Beruf wirken sich ebenfalls negativ auf die Fruchtbarkeit von Frau und Mann aus.

Die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, nimmt etwa ab dem 30. Lebensjahr der Frau kontinuierlich ab. Zu einer späten Schwangerschaft kommt es zwar in den meisten Fällen auf natürlichem Wege, aber auch Fruchtbarkeitsbehandlungen oder künstliche Befruchtung verhelfen immer häufiger zum Wunschkind. Heute ist es nicht mehr ungewöhnlich, wenn Frauen über 40 noch Mütter werden. Theoretisch ist – häufig mithilfe der Reproduktionsmedizin – eine Schwangerschaft bis 50 Jahre möglich.

Welche Risiken gibt es bei einer späten Schwangerschaft?

Obwohl Frauen in einer späten Schwangerschaft als Risikoschwangere eingestuft sind, kommt es nicht zwangsläufig zu Komplikationen. Zunächst einmal kommen Einflüsse des höheren Alters der Schwangeren zum Tragen, denn mit zunehmendem Alter kommen häufiger Rückenprobleme, Bluthochdruck oder andere chronische Erkrankungen vor. Davon sind schwangere Frauen natürlich nicht gefeit. Auch die Elastizität des Bindegewebes lässt ab etwa 30 Jahren merklich nach. Vor allem im letzten Dritteln der späten Schwangerschaft macht sich das bemerkbar: Bänder, Sehnen und Muskeln geben unter dem Gewicht des Babys nach können zu vorzeitigen Wehen oder gar einer Wehenschwäche führen. Hämorrhoiden, Krampfadern oder Wadenkrämpfe sind ebenfalls auf ein geschwächtes Bindegewebe zurückzuführen.

In einer späten Schwangerschaft ist das Risiko der Myombildung erhöht. Je nach Lage und Größe können sie zu Komplikationen wie Schmerzen oder sogar Frühgeburt führen. Häufig verursachen sie aber auch gar keine Beschwerden.

Die aktuelle Studienlage besagt, dass ältere Mütter etwas häufiger Fehlgeburten erleiden, häufiger Kinder mit geringem Geburtsgewicht zur Welt bringen und öfter unter Schwangerschaftsdiabetes leiden. Der Schwangerschaftsdiabetes, übrigens die häufigste Schwangerschaftskomplikation insgesamt, lässt sich heutzutage gut behandeln. Plazenta Praevia, Thrombosen und die Präeklampsie kommen statistisch gesehen ebenfalls in späten Schwangerschaften häufiger vor. Auch die Anzahl der Kaiserschnitte ist bei späten Müttern erhöht. Ob es wirklich häufiger zu Komplikationen bei der Geburt kommt oder ob die häufigen Kaiserschnitte eher als "Vorsichtsmaßnahme" aufgrund der Tatsache, dass es sich formell bei späten Schwangerschaften um Risikoschwangerschaften handelt, zu verstehen sind, lässt sich nicht genau sagen.

Ist das Risiko von Fehlbildungen bei einer späten Schwangerschaft erhöht?

Statistisch gesehen steigt das Risiko von Fehlbildungen und Chromosomenstörungen mit dem Alter der Mutter. Das wird besonders deutlich bei der Chromosomenstörung Trisomie 21:

Während die Wahrscheinlichkeit auf Trisomie 21 bei einer schwangeren 25-Jährigen bei 0,07 Prozent liegt, liegt sie bei einer späten Schwangerschaft ab 35 Jahren schon bei 0,25 Prozent, bei 40 Jahren bei 1 Prozent.

Späte Mütter sollten solche statistischen Werte gelassen sehen. Wie eine Schwangerschaft verläuft, ist immer auch abhängig von der persönlichen Situation und lässt sich nie mit Sicherheit vorhersagen. Die Lebenserfahrung von Frauen in einer späten Schwangerschaft, eine gewisse Gelassenheit und das Wissen um Gesundheit und Gesundheitsvorsorge sind nicht zu vernachlässigende Faktoren für einen positiven Schwangerschaftsverlauf.

Welche Untersuchungen stehen Frauen in später Schwangerschaft zu?

Schwangeren ab 35 Jahren stehen in Deutschland zusätzliche Vorsorge-Untersuchungen zu, die aber nicht in Anspruch genommen werden müssen. Vielmehr wird auf bestimmte Werte genauer geachtet und wenn nötig weitere Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören weitere Ultraschall-Untersuchungen (normalerweise werden drei von der Krankenkasse übernommen), die Fruchtwasseruntersuchung oder Chorionzottenbiopsie und eventuell Kardiotokographie (CTG) zur Überwachung der kindlichen Herztöne.

Das Erst-Trimester-Screening ist zwar keine Kassenleistung, gehört aber zu den pränatalen Diagnoseverfahren und wird auf Wunsch der Schwangeren durchgeführt. Das Erst-Trimester-Screening liefert Hinweise auf eine mögliche Chromosomenstörung beim Baby.

Kommt es in einer späten Schwangerschaft häufiger zu Zwillingen?

Tatsächlich steigt die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu gebären, mit steigendem Alter der Mutter an. Zum einen liegt das an den Fortschritten bei der Reproduktionsmedizin wie künstliche Befruchtung oder Hormontherapie. Zum anderen reifen bei Frauen ab 35 Jahre häufiger zwei Eizellen gleichzeitig während eines Zyklus heran, weil das Follikelstimulierende Hormon (FSH) ansteigt. Das Interessante bei einer späteren Schwangerschaft ist also: Obwohl es nicht mehr in jedem Zyklus zu einem Eisprung kommt, reifen in manchen Zyklen gleich zwei Eizellen heran. Damit erhöhen sich während dieses Zyklus natürlich auch die Chancen auf eine Befruchtung und es kommt häufiger zu einer Mehrlingsschwangerschaft.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Mai 2017
Quellen: Höfer, S., Szász, N.: Hebammen Gesundheitswissen. Gräfe und Unzer, München 2012; Kainer, Prof. Dr. med. F., Nolden, A.: Das große Buch zur Schwangerschaft. Gräfe und Unzer, München 2013

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