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Kinderwunsch

AMH-Wert: Was sagt das Anti-Müller-Hormon über die Fruchtbarkeit aus?

Die Bestimmung des AMH-Werts lässt Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit einer Frau zu. Ein niedriger Wert bedeutet aber nicht automatisch, dass es mit dem Schwangerwerden nicht mehr klappt.

AMH Wert
© GettyImages/Westend61

Der AMH-Wert gibt die Konzentration des Anti-Müller-Hormons im Körper an. Dieser Botenstoff gilt als Marker für die Fruchtbarkeit der Frau, denn er gibt Aufschluss über die Eizellreserve in den Eierstöcken. Mehrere physiologische Vorgänge im Körper werden von dem Botenstoff beeinflusst. Der Wert ist neben der Kinderwunschbehandlung auch in der Diagnostik von Erkrankungen relevant.

Artikel-Inhalte im Überblick:

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Aufgaben von AMH im Körper

Der Name Anti-Müller-Hormon geht auf den Berliner Forscher Johannes Peter Müller zurück, der etwa Mitte des 19. Jahrhunderts die sogenannten Müller-Gänge erstmals beschrieben hat. AMH gehört zu den Proteohormonen.

Man geht davon aus, dass AMH an Zelldifferenzierung und Zellwachstum beteiligt ist. Das Hormon wird beim Mann in den Hoden und bei der Frau in den Granulosazellen des Eierstocks gebildet.

In der Schwangerschaft, wenn beim Fötus die Geschlechtsmerkmale entstehen, bewirkt das AMH bei männlichen Embryonen die Rückbildung der Müller-Gänge bis zur achten Schwangerschaftswoche. Die Müller-Gänge bleiben nur bei weiblichen Embryonen ausgebildet, da kein Anti-Müller-Hormon ausgeschüttet wird.

Später ist der Wert erneut relevant: Bei geschlechtsreifen Frauen dient er als Gradmesser für die Fruchtbarkeit, beispielsweise zur Behandlung eines unerfüllten Kinderwunsches. Dabei steht der AMH-Wert in Zusammenhang mit der Funktion der Eierstöcke und der Anzahl reifungsfähiger Eizellen darin (ovarielle Funktionsreserve, Ovarialreserve oder Eierstockreserve genannt).

Das Platzen eines Follikels (Eibläschens) ist eine der Voraussetzungen für eine Befruchtung und Einnistung der Eizelle, also für das Eintreten einer Schwangerschaft.

Wann wird das Anti-Müller-Hormon bestimmt?

Der AMH-Wert kann neben der Diagnostik bezüglich der Fruchtbarkeit auch Anhaltspunkte für verschiedene Erkrankungen geben. Bei Endometriose beispielsweise ist der AMH-Wert niedriger als normal. Bei dauerhaft erhöhten Werten besteht unter Umständen Verdacht auf ein Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS).

Man kann mithilfe des Anti-Müller-Hormons aber auch die Wechseljahre (Menopause) in etwa voraussagen. Ist der Wert sehr gering, deutet dies darauf hin, dass innerhalb der nächsten drei Jahre die Menopause eintritt.

Im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung wird der AMH-Hormonspiegel oft bestimmt, da die hormonelle Stimulation beispielsweise bei einer In-Vitro-Fertilisation (IVF) dann angepasst werden kann: Frauen mit niedrigeren AMH-Konzentration brauchen entsprechend eine höhere Dosis an FSH, um die Eierstöcke zur Follikelbildung anzuregen.

Wie wird der AMH-Wert bestimmt?

Der AMH-Wert wird über eine Blutuntersuchung im Labor bestimmt. Er ist im Gegensatz zu anderen Hormonwerten nicht so sehr Schwankungen unterlegen und kann zu jedem Zeitpunkt des Zyklus bestimmt werden. Daher ist er auch aussagekräftig, wenn die zu untersuchende Frau die Pille nimmt oder gerade ihre Regel hat.

Tabelle: Welche AMH-Werte sind normal?

Der AMH-Wert richtet sich bei gesunden Frauen nach dem Alter. Ab 30 Jahren sinkt der AMH-Spiegel im Blut, was jedoch noch keine Unfruchtbarkeit bedeutet. Ist der Wert zu hoch, kann dies auf eine Erkrankung hindeuten.

Die folgende Tabelle zeigt exemplarisch einige AMH-Werte:

Personengruppe AMH-Wert
gesunde Frauen im gebärfähigen Alter 1–10 µg/l
bei eingeschränkter Restfunktion der Eierstöcke 0,4–1,0 µg/l
in den Wechseljahren < 0,4 µg/l
bei Verdacht auf PCO-Syndrom  8 µg/l
erwachsene Männer (zum Vergleich) 1,5–4,3 µg/l

Schwanger trotz niedrigem AMH?

Frauen mit niedrigem AMH-Wert können oft trotzdem schwanger werden. Neuere Erkenntnisse legen zudem nahe, dass der AMH-Wert möglicherweise nicht so aussagekräftig ist wie angenommen. Dies müssen jedoch weitere Forschungen erst belegen.

Können Frauen ihren AMH-Wert erhöhen?

Es gibt einige Ansätze, wie Frauen mit Kinderwusch und niedrigem AMH-Wert versuchen können, diesen zu erhöhen. Diskutiert wird unter anderem, ob sich die Einnahme von DHEA sowie Vitamin D positiv auf die Konzentration des Anti-Müller-Hormons auswirken könnte. Abschließend geklärt ist das allerdings noch nicht. Wenden Sie sich an ihre behandelnde Praxis, wenn Sie dies in Erwägung ziehen oder Fragen dazu haben. Rauchen dagegen wirkt sich negativ auf den AMH aus.

Tipps, um die Fruchtbarkeit zu steigern
Beiträge im Forum "Kinderwunsch: Ich will schwanger werden - wer noch?"
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