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Verantwortliches Hormon für die Eizellreifung

FSH: Wert des follikelstimulierenden Hormons ist wichtig bei Kinderwunsch

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 15. Januar 2019

Das FSH (follikelstimulierendes Hormon) ist ein nicht geschlechtsspezifisches Hormon, das von der Hirnanhangdrüse produziert wird und bei der Frau für die Eizellreifung verantwortlich ist. Bei Männern regt es gemeinsam mit dem luteinisierenden Hormon (LH) die Spermienbildung an.

FSH: Wert des follikelstimulierenden Hormons ist wichtig bei Kinderwunsch
Das FSH ist ein wichtiges Hormon im weiblichen Zyklus, das hauptsächlich für die Eizellreifung verantwortlich ist - per Laboranalyse kann die Bestimmung des FSH-Wertes durchgeführt werden.
© iStock.com/demaerre

FSH ist die Abkürzung für "Follikelstimulierendes Hormon". Wie der Name schon vermuten lässt, besteht seine Hauptaufgabe im weiblichen Zyklus darin, die Follikel (Eibläschen) zu stimulieren, also zum Wachstum anzuregen. In den Follikeln reifen Monat für Monat in der ersten Zyklushälfte mehrere Eizellen heran, von denen eine (manchmal auch mehrere) schließlich während des Eisprungs in der Zyklusmitte ihre schützende Hülle und den Eierstock verlässt, um sich auf den Weg in Richtung Gebärmutter zu machen.

Bei Männern regt das follikelstimulierende Hormon die Neuproduktion von Samenzellen im Hoden an.

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FSH: So wird es gebildet

Der weibliche Zyklus wird durch ein komplexes Zusammenspiel der Hormone gesteuert. Daran beteiligt sind die Hirnanhangdrüse (Hypophyse), der Hypothalamus (das sogenannte Zwischenhirn) und die Eierstöcke. Aus dem Hypothalamus wird das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH, auf Deutsch: Gonadotropin-Freisetzungs-Hormon) stoßartig in die Hirnanhangdrüse abgegeben. Gonadotropine sind Sexualhormone, die das Wachstum von Keimzellen (wie Eizellen oder Samenzellen) anregen. Dazu gehören auch FSH und LH (Luteinisierendes Hormon). Bestimmte Zellen in der Hirnanhangdrüse reagieren darauf mit einer ebenfalls stoßweise Ausschüttung von FSH und LH.

FSH ist ein wichtiges Hormon der ersten Zyklushälfte

Zusammen mit dem LH sorgt das FSH in den Eierstöcken für die Reifung der Follikel. In jedem Zyklus reifen mehrere Eibläschen in den Eierstöcken heran. In jedem Follikel liegt eine noch unreife Eizelle, die unter dem Einfluss von FSH heranreift. Die Follikel selbst wiederum produzieren das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Die Werte aller drei Hormonarten, FSH, LH und Östrogene, steigen bis zum Eisprung an. Weil die Follikel unter dem Einfluss des FSH stetig wachsen, steigt auch der Östrogenspiegel. Für eine mögliche Schwangerschaft ist das wichtig, weil Östrogene unter anderem für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut in der ersten Zyklusphase verantwortlich sind. Kurz vor dem Eisprung sorgen sie außerdem dafür, dass der Muttermund sich öffnet und der Zervixschleim dünnflüssiger wird, damit die Spermien ihn besser passieren können. Hat der Östrogenspiegel ein bestimmtes Level erreicht, wird dem LH signalisiert, den Eisprung auszulösen. Es steigt nun sprunghaft an.

Während des Eisprungs platzt das Follikel auf und gibt die reife Eizelle frei. Diese kann nun in den Eileitern in Richtung Gebärmutter "wandern". In den ersten zwölf bis 24 Stunden nach dem Eisprung ist die Eizelle befruchtungsfähig.

Unmittelbar nach dem Eisprung lässt die Produktion des FSH nach. LH, Östrogen und FSH fallen stark ab. Aus dem leeren Follikel bildet sich nun der sogenannte Gelbkörper, der in der zweiten Zyklushälfte vermehrt Progesteron produziert. Es veranlasst unter anderem, dass eine eventuell befruchtete Eizelle sich besser in der Gebärmutterschleimhaut einnisten kann. Kommt es zu einer Schwangerschaft, bleibt der Progesteronspiegel in den ersten Wochen weiter hoch. Ist es nicht zu einer Schwangerschaft gekommen, fallen Progesteron- und Östrogenspiegel zum Ende des Zyklus hin ab.

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Wie die Follikel auf FSH reagieren

Zu Beginn des Zyklus (der Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Monatsblutung) ist der FSH-Wert noch niedrig. Nur diejenigen Follikel, die zur Weiterentwicklung geeignet sind und über die notwendigen FSH-Rezeptoren verfügen, reagieren auf das FSH. Etwa 15 bis 20 dieser Primärfollikel wachsen in der ersten Zyklushälfte heran. Eines dieser Eibläschen reagiert so gut auf das FSH, dass es mehr Östrogene produziert als alle anderen. In der Reproduktionsmedizin wird dieses Wissen genutzt, um den Reifegrad dieses Follikels, dominanter Follikel genannt, anhand seines Östrogengehalts zu kontrollieren.

Der dominante Follikel produziert bis kurz vor dem Eisprung so viel Östrogen, dass dadurch die Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons gehemmt wird. Dadurch baut er seinen "Vorsprung" gegenüber den anderen Follikeln weiter aus, denn diese verfügen über eine sehr viel geringere Sensibilität gegenüber FSH und werden dadurch weniger stark zum Wachstum angeregt. Aus diesem Grund kommt es auch kurz vor dem Eisprung zu einem geringen Abfall des FSH-Wertes, bevor sein Wert zum Zeitpunkt des Eisprungs selbst wieder ansteigt. In seltenen Fällen reift mehr als ein Eibläschen heran, sodass mehrere Eizellen befruchtet werden können. Dann entstehen Mehrlinge.

FSH-Wert: Was sagt er aus?

Der FSH-Wert wird aus dem Serum im Blut bestimmt. Bei der Frau schwankt er im Laufe des Zyklus. Während er am ersten Zyklustag noch relativ niedrig liegt, steigt er zunächst kontinuierlich an, sinkt dann kurz vor dem Eisprung geringfügig ab und steigt zum Zeitpunkt des Eisprungs stark an. In der zweiten Zyklushälfte sinkt der FSH-Wert wieder. In der Schwangerschaft ist der FSH-Wert natürlicherweise sehr niedrig.

Bei den Normwerten für FSH sollte beachtet werden, dass diese je nach Labor von den hier genannten abweichen können. Ergebnisse sollten immer von dem behandelnden Arzt ausgewertet und beurteilt werden.

Follikelphase 2,5 - 11 U/l
Eisprung 8,3 - 16 U/l
Lutealphase 2,5 -11 U/l
Postmenopause 27 - 82 U/l

Für Männer wird der Normwert zwischen 1 und 12 U/l angesetzt.

Niedrige FSH-Werte weisen auf eine Unterfunktion von Hirnanhangdrüse oder Hypothalamus hin. Wird zu wenig oder gar kein follikelstimulierendes Hormon (FSH) produziert, und ist dies als Grund für Unfruchtbarkeit erkannt, so kann ein chemisch hergestellter Stoff, der ebenso wie das Hormon die Stimulation der Eierstöcke bewirkt, verabreicht werden. Bei einer Hormonbehandlung wegen Unfruchtbarkeit kann es durch das FSH zur einer vermehrten Eizellreifung kommen. Bei Frauen, die dazu neigen, viele und zu kleine Eibläschen zu bilden, kann es zu einer Überstimulation kommen und es muss mit Mehrlingsschwangerschaften gerechnet werden. Die ärztliche Kontrolle ist bei einer Hormonbehandlung unerlässlich.

Da das Hormon Prolaktin die Ausschüttung von FSH und LH hemmt, kann ein erhöhter Prolaktinspiegel, wie er zum Beispiel bei bestimmten Tumoren, Endometriose oder auch in der Stillzeit vorkommt, zu sehr niedrigen FSH-Werten führen.

Ein zu niedriger FSH-Wert kann auch durch Untergewicht verursacht werden. Dabei wird die Produktion von FSH und LH quasi eingestellt und der Östrogenspiegel ist extrem niedrig. Häufig bleibt auch die Periode aus. Um die Werte wieder auf ein normales Level zu bringen, reicht es in der Regel aus, wieder mehr zu essen und das Gewicht zu normalisieren.

FSH-Wert zu hoch: Ursachen

Ein zu hoher FSH-Wert kann unterschiedliche Gründe haben. Mit zunehmendem Alter steigen sowohl das das FSH als auch das LH natürlicherweise an. Besonders in den Jahren vor den Wechseljahren erhöht sich der Wert – das ist ein ganz normaler Prozess und Teil des Älterwerdens. Natürliche Ursache ist das Zusammenspiel der Hormone: Während die Produktion der Östrogene zunehmend nachlässt, wird immer mehr FSH ausgeschüttet, um die Östrogenproduktion wiederum anzuregen. Bei jüngeren Frauen kann ein hoher FSH-Wert auf den vorzeitigen Beginn der Wechseljahre hinweisen.

Bei Männern kann ein hoher FSH-Wert auf eine Störung der Spermienbildung beziehungsweise eine Unterfunktion der Hoden hinweisen. Auch im Rahmen des Klinefelter-Syndroms kann der FSH-Wert beim Mann zu hoch sein.

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Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 15. Januar 2019
Quellen

Beiträge im Forum "Kinderwunsch: Ich will schwanger werden - wer noch?"
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