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Freitag, 29. Juli 2016
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Kinderwunsch: Tipps & Infos zum Schwanger werden

Kinderwunsch: Schwanger werden
Schwanger werden: Ist der Kinderwunsch beschlossen, kann es vielen Paaren gar nicht schnell genug gehen
Getty Images/iStockphoto

Sie haben Kinderwunsch und möchten schwanger werden? Wir haben alles zum Thema und bieten Ihnen viele Informationen und Hilfe. Fragen Sie unsere Frauenärzte im Experten-Talk oder tauschen Sie sich mit anderen Frauen in den Kinderwunsch-Foren aus.

Hat ein Paar sich entschlossen, dass der richtige Zeitpunkt für ein Kind gekommen ist, soll es meist möglichst schnell klappen mit dem schwanger werden. Zwar vergehen im Durchschnitt nur vier Monate, bis sich eine Schwangerschaft einstellt. Manche Paare müssen jedoch ein Jahr oder länger warten, bis sich der Kinderwunsch erfüllt. Dann kreisen meist viele Fragen im Kopf. Aber Sie können einiges dafür tun, damit der Kinderwunsch möglichst schnell in Erfüllung geht.

10 Tipps um schwanger zu werden

1. Finden Sie Zeit füreinander.
Wenn Sie ein Baby wollen, müssen Sie zum richtigen Zeitpunkt miteinander Geschlechtsverkehr haben. Der interaktive Eisprungkalender hilft Ihnen, die fruchtbaren Tage herauszufinden.

2. Bewegen Sie sich regelmäßig.
Den Kreislauf durch Bewegung auf Trab zu bringen, tut dem ganzen Körper wohl. Ein wenig laufen, Rad fahren, schwimmen gehen - Bewegung und moderater Sport senken das Stress-Level und erhöhen die Fruchtbarkeit. Leistungssport hingegen ist beim Schwanger werden eher hinderlich.

3. Wenn Sie sich etwa drei Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft beim Arzt melden, wird er Ihnen raten, sich ausreichende mit Vitaminen zu versorgen.
Gegebenenfalls wird er Ihnen Folsäure verschreiben.

4. Bringen Sie Ihre Zähne in Ordnung.
Frauen mit Amalgamplomben haben seltener Eisprünge (siehe auch Umweltgifte).

5. Klären Sie mindestens drei Monate vor Absetzen der Verhütungsmittel mit der Ärztin, ob Sie gegen Röteln immun sind.
Ihre Ärztin wird klären, ob für die Schwangerschaft ein ausreichender Rötelnschutz besteht und wird Sie gegebenenfalls impfen .

6. Nicht jede Stellung ist gleichermaßen geeignet, um schwanger zu werden.
Es gibt bestimmte Stellungen, bei denen Sie den Spermien den Weg zum Eileiter erleichtern können. Lassen Sie sich hier anregen, welche Stellungen zum Schwanger werden die besten sind.

Die besten Stellungen zum Schwanger werden

 

 

7. Optimal ist es, wenn Sie während der fruchtbaren Tage alle zwei Tage Geschlechtsverkehr haben.
Wenn Sie öfter miteinander Sex haben, verringern sich die Spermien und wenn Sie seltener miteinander Geschlechtsverkehr haben, sinkt die Chance auf eine Schwangerschaft - aber: Wichtiger als die Anzahl ist, dass es Ihnen Spaß macht.

8. Genussgifte einschränken.
Alkohol, Nikotin und auch Kaffee sind Gifte, die wir uns selber zuführen. Diese können schon beim Wunsch, schwanger zu werden, eingeschränkt werden, um eine möglichst gute Voraussetzung zu schaffen. Gegen ein Gläschen hier und da und übliche Mengen Kaffee (zwei bis drei Tassen pro Tag) ist jedoch nichts einzuwenden. Auch für die männliche Fruchtbarkeit ist es sinnvoll, dass Rauchen aufzugeben und den Alkoholkonsum einzuschränken.

9. Ernähren Sie sich gesund.
Fehlernährung kann den Hormonhaushalt durcheinanderbringen und somit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Essen Sie abwechslungsreich und gesund (siehe auch Kapitel Ernährung und Fruchtbarkeit). Schon vor der Schwangerschaft sollte man sich ausgewogen ernähren, damit der Körper für eine kommende Schwangerschaft gut gewappnet ist. Auch Über- oder Untergewicht ist nicht ideal: Frauen mit einem BMI zwischen 20 und 30 werden am schnellsten schwanger.

10. Lassen Sie sich frühzeitig auf Geschlechtskrankheiten untersuchen.
Viele Geschlechtskrankheiten verlaufen unbemerkt, können Sie aber unfruchtbar machen. Klären Sie bei Ihrer Ärztin, ob Sie möglicherweise eine solche Infektion haben und lassen Sie sich sofort behandeln.

Sex-Tipps zum Schwanger werden

Voraussetzungen, um schwanger zu werden

Um ein Kind zu zeugen, müssen viele Faktoren zusammenpassen. Sowohl die körperlichen Voraussetzungen bei Frau und Mann (es dürfen keine organischen Störungen der Geschlechtsorgane vorliegen) wie auch die funktionellen Vorgänge, wie etwa der Hormonstoffwechsel, müssen funktionieren.

Um ein Kind zu zeugen, muss Geschlechtsverkehr zum richtigen Zeitpunkt stattfinden. Wann der richtige Zeitpunkt in jedem Monat für Sie ist, rechnet Ihr interaktiver Eisprungkalender oder unsere Zyklus-App für Sie aus.

Vom Moment des Eisprungs an kann die Eizelle in den nächsten 12 Stunden befruchtet werden. Spermien können im weiblichen Genitaltrakt bis zu 60 Stunden überleben. Wenn Sie schwanger werden wollen, ist der optimale Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr mindestens 12 Stunden vor dem Eisprung, das haben neuere Erkenntnisse zur Kapazitation ergeben.

Vorab noch ein Hinweis: Auch wenn Sie auf alles geachtet haben: die Wahrscheinlichkeit in einem Zyklus schwanger zu werden, beträgt nicht mehr als 30%. Wenn Sie sich zu sehr auf dieses eine Mal kaprizieren und zu viele Hoffnungen darauf setzen, stellen Sie sich unter einen besonderen psychischen Stress. Dann macht der Sex keinen Spaß mehr. Genießen Sie Ihren Sex und betrachten Sie das Kinderzeugen nicht als Pflichtübung, die im Terminkalender steht.

Mit Lust macht der Sex nicht nur mehr Freude, Lust fördert auch die Fruchtbarkeit. Je lustvoller Sie es miteinander treiben, um so feuchter wird die Vagina. Eine feuchte Vagina macht nicht nur mehr Spaß, sondern ist auch förderlich für den Spermientransport. Falls Ihre Vagina trocken ist und Sie normalerweise Gleitcremes benutzen, verzichten Sie diesmal auf diese Hilfsmittel. Gleitmittel beinhalten manchmal Zutaten, die den Spermien abträglich sind. Besser ist es, wenn Sie Ihr Vorspiel ausdehnen, um die Produktion von Feuchtigkeit in der Vagina anzuregen. Hilfsmittel wie Spucke, Eiweiß, Salzwasser oder ähnliches können die Spermienbeweglichkeit beeinträchtigen. Falls es ohne nicht geht, fragen Sie Ihre Ärztin.

Die eine oder andere Beischlafposition erleichtert es den Spermien, ihren Weg zum Muttermund besser zu finden. Hier finden Sie weitere Tipps, die Ihnen die Zeugung erleichtern:

Missionarsstellung
Die in der westlichen Welt übliche Stellung beim Geschlechtsverkehr ist die Missionarsstellung: Die Frau liegt auf dem Rücken, der Mann liegt auf ihr. Beide sind sich zugewandt. Diese Stellung ist gut geeignet, um schwanger zu werden. Der Penis kann tief in die Vagina eindringen und die Spermien gelangen gut bis zum Muttermund.

Von hinten
Der Mann dringt von hinten in die Vagina ein. Sie liegt auf dem Bauch, entweder mit leicht angewinkelten Knien oder schräg auf der Seite mit einigen Kissen unterm Bauch. Diese Stellung ist für alle Frauen gut geeignet, deren Gebärmutter ein wenig nach hinten abgeknickt ist. So gelangt der Penis tiefer in die Vagina und das Sperma näher an den Muttermund.

Was Sie nicht tun sollten, wenn Sie schwanger werden wollen

Vermeiden Sie jegliche Stellung, die nicht geeignet ist, das Sperma tief in die Vagina zu bringen, wie beispielsweise Geschlechtsverkehr im Stehen oder im Sitzen. Leeren Sie vor dem Geschlechtsverkehr Ihre Blase, damit Sie hinterher nicht auf die Toilette müssen und noch eine halbe Stunde in Ruhe liegen bleiben können, damit die Spermien Zeit haben, durch den Muttermund zu gelangen.

  • Nach Analverkehr sollten Sie den Penis nie in die Vagina einführen: Die Scheidenschleimhaut ist sehr empfindlich und Infektionen können auftreten.

  • Vermeiden Sie Sex in der Badewanne: Heißes Wasser beeinträchtigt die Spermienproduktion.

Orgasmus
Um ein Kind zu zeugen, muss zumindest der Mann einen Orgasmus haben und in die Vagina der Frau ejakulieren. Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber, ob der Orgasmus einer Frau einen positiven Einfluss darauf hat, dass sie schwanger wird.

Schwanger werden ohne Stress bei Kinderwunsch

Auch wenn die fruchtbaren Tage bestimmt werden, sollten Paare sich nicht zu sehr auf das "Ziel", nämlich das Schwanger werden versteifen. Genießen Sie Ihre Sexualität und haben Sie Sex, wann Sie möchten - dabei sollten Sie sich nicht von Kalendern unter Druck setzen lassen. Es ist umstritten, inwiefern Stress das Schwanger werden verhindert, für die Beziehung ist es keinesfalls förderlich. Setzen Sie sich und Ihren Partner nicht unter Druck - schwanger werden kann man nicht erzwingen. Spaß ist das Zauberwort: Sowohl der männliche, aber auch der weibliche Orgasmus ist förderlich, um schwanger zu werden. Es ist ganz normal, dass es eine Weile dauern kann, bis sich eine Schwangerschaft auf natürlich Wege einstellt. Bei manchen Frauen geht das ganz schnell, andere Paare brauchen etwas, bis sich nach dem Absetzen der Verhütung eine Schwangerschaft einstellt. Setzen Sie sich bitte nicht unter Druck, versuchen Sie sich keinen Stress zu machen und die Kinderwunschzeit zu genießen.

Stress reduzieren?

Es ist ein Mythos, dass Stress daran hindert, schwanger zu werden. Neuen Erkenntnissen zufolge kann starker Stress jedoch zu einem unregelmäßigen Zyklus führen und sich bei Männern auf die Qualität der Spermien auswirken. Beides erleichtert das Schwanger werden nicht unbedingt, hindert jedoch nicht automatisch daran. Paare, die sehr viel Stress haben, sollten sich allerdings überlegen, ob es wirklich der passende Zeitpunkt für ein Kind ist.

Arztbesuch bei Kinderwunsch

Wer bewusst schwanger werden möchte, sollte einen Termin zum Check-Up beim Arzt machen. Röteln-Titer, aber auch Schilddrüsenwerte sollten überprüft werden. Ein Blutbild gibt Auskunft über eventuelle Mängel oder Probleme, die idealerweise vor einer Schwangerschaft behandelt werden.

Selbst wenn Paare eine gesunde Lebensführung haben, bedeutet das nicht automatisch, dass das Schwanger werden auch sehr schnell geht. Damit ein Kind entstehen kann, müssen viele Faktoren perfekt zusammen passen, auf die nicht immer direkt Einfluss genommen werden kann. Versuchen Sie, sich in Geduld zu üben und diese besondere Zeit des Kinderwunschs zu genießen - bestimmt klappt es dann auch bald mit dem Schwanger werden!

Statistik über die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden

Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, liegt in jedem Menstruationszyklus bei etwa 15-25% (vorausgesetzt, Sie machen alles richtig und haben Geschlechtsverkehr in der fruchtbaren Zeit). Von den Frauen, die ein Kind wollen und schwanger werden,

  • werden etwa 50% während der ersten 3 Monate, in denen sie dies versuchen, schwanger;

  • bei etwa 75% klappt es innerhalb der ersten 6 Monate;

  • 90% werden innerhalb eines Jahres schwanger.

Durchschnittlich dauert es etwa 4 Monate schwanger zu werden.

Unregelmäßiger Zyklus
Falls Ihr Menstruationszyklus unregelmäßig ist, dauert es durchschnittlich länger, bis Sie schwanger werden, weil es schwieriger ist, die fruchtbaren Tage zu ermitteln.

Je älter ...
Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, sinkt, wenn Kinderwunsch ab 40 ist.

Was tun, wenn Sie nicht schwanger werden?
Abhängig vom Alter und der medizinischen Vorgeschichte sollten Sie, falls Sie körperlich gesund sind und keine Beschwerden haben, Ihren Arzt aufsuchen, wenn:

  • Sie jünger als 25 Jahre sind und schon länger als ein Jahr vergeblich versuchen schwanger zu werden.

  • Sie zwischen 25 und 30 Jahren alt sind und schon länger als 9 Monate vergeblich versuchen schwanger zu werden.

  • Sie zwischen 30 und 35 Jahren alt sind und schon länger als 6 Monate vergeblich versuchen schwanger zu werden.

  • Sie älter als 35 Jahre alt sind und schon länger als 3 Monate vergeblich versuchen schwanger zu werden.

Was hat sich mit unserer Fruchtbarkeit verändert?

Die Fruchtbarkeitsrate ändert sich rapide
Noch vor einer Generation ging dem Kinderkriegen nicht notwendig eine bewusste Entscheidung voran. Dagegen erlauben die modernen Möglichkeiten der Verhütung und Familienplanung heute rationale Entschlüsse und Planbarkeit. Die Planbarkeit allerdings hat ihre Grenzen: Trotz optimaler Verhütung kann es vorkommen, dass ein Kind unerwartet und ungewollt entsteht - oder andererseits eine geplante und gewünschte Schwangerschaft ausbleibt. Immer mehr Paare können sich den Kinderwunsch nicht erfüllen.

Statistische Veränderungen
Die gewaltige gesellschaftliche Veränderung in den letzten Jahrzehnten bringt es mit sich, dass Frauen zunehmend mehr Wert auf eine qualifizierte Ausbildung legen. Sie gehen durchschnittlich später eine feste Partnerschaft ein und möchten folglich auch später ihr erstes Kind bekommen. 1970 war das Durchschnittsalter der Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes 24 Jahre - 1990 waren es schon 27 Jahre. Die Zahl der Frauen, die erst nach dem 30. Lebensjahr ihren Kinderwunsch verwirklichen möchten, hat sich in den letzten zehn Jahren bereits verdoppelt; mehr als zehn Prozent der neugeborenen Kinder haben eine Mutter, die älter als 35 Jahre ist. Mit höherem Alter der Frau nimmt jedoch die Fruchtbarkeitsrate ab.

Fruchtbare Tage bestimmen und schwanger werden

Wenn bei Kinderwunsch ganz bewusst ein Baby geplant wird, sollten auch die Voraussetzungen stimmen. Wichtig ist, dass der Zyklus der Frau funktioniert und sie einen regelmäßigen Eisprung hat. Mit unserem Eisprungkalender lassen sich die fruchtbaren Tage im Zyklus berechnen. Vielleicht verwenden Sie aber auch schon einen Zykluscomputer oder kennen die Symptome und Anzeichen für Ihren Eisprung.

Wann der beste Zeitpunkt ist, um schwanger zu werden, erfahren Sie bei uns. So können Sie die fruchtbaren Tage, also die Zeit um den Eisprung, mithilfe verschiedener Methoden, wie Messung der Basaltemperatur oder LH-Tests, bestimmen. Bei uns erhalten Sie auch Hilfe bei der Auswertung Ihrer Basaltemperaturkurve. An unseren Beispielkurven der Basaltemperatur können Sie sich orientieren.

Schauen Sie auch mal bei unseren Tipps zum schwanger werden vorbei. Hier finden Sie nicht nur Informationen zu den medizinischen Vorbereitungen sondern auch, was Sie konkret selbst tun können, zum Beispiel spielt die Zahngesundheit bei Kinderwunsch eine Rolle. Aber auch der Lebensstil wie Ernährung, körperliche Bewegung, Genussgifte (wie etwa das Rauchen) oder Stressmanagement beeinflussen die Fruchtbarkeit.

Was, wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt?

Bei den allermeisten Frauen erfüllt sich der Kinderwunsch innerhalb eines Jahres. Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht in Ordnung ist, sollten Sie nach einem Jahr wegen des Kinderwunschs Ihren Gynäkologen oder ein Kinderwunschzentrum aufsuchen. Weiterführende Infos finden Sie hier:

Warum wünschen wir uns nichts mehr als ein Baby?

Sie verziehen beim Anblick winziger Strampler verzückt das Gesicht oder möchten den zuckersüßen Nachwuchs guter Freunde am liebsten behalten? Dann beschreibt ein Wort Ihren Zustand: Babyfieber. Woher der starke Kinderwunsch kommt, unbedingt ein eigenes Kind in Händen zu halten, haben Forscher im US-Bundesstaat Kansas untersucht.

Das Psychologen-Ehepaar Gary und Sandra Brase kam auf die Idee zu der gemeinsamen Studie, nachdem ihr zweites Kind zur Welt gekommen war. Zwar kennt man das Phänomen aus Filmen und TV-Schmonzetten – dass Frauen, gerade solche um die 40, ihre biologische Uhr ticken hören und sich urplötzlich sehnlichst ein Baby wünschen.

Die Psychologen aber wollten von ihrer Warte aus herausfinden, wen das Babyfieber packt und vor allem, woher es kommt. Dazu stellten sie drei mögliche Hypothesen auf:

  • Soziokulturelle Theorie: Paare wollen ein Baby, weil es ihnen ihre Geschlechterrollen innerhalb der Gesellschaft diktieren. Gerade Frauen sehen Kinderkriegen als ihre gesellschaftliche Hauptaufgabe an.
  • Babyfieber als Nebenwirkung: Wenn Menschen ein fremdes Baby sehen, meldet sich ihr Pflege-Instinkt – sie wollen selbst ein Kind haben, um das sie sich kümmern können.
  • Anpassungs-Theorie: Das Babyfieber entspringt als emotionales Signal im Geist – die Idee, ein Kind zu haben, setzt sich ins Bewusstsein durch.

Frauen wollen öfter ein Kind, Männer lieber Sex

Die Psychologen erhielten als Umfrage-Ergebnis eine Handvoll Überraschungen: Am Babyfieber „erkranken“ können beide Geschlechter. Allerdings verspüren Frauen öfter im Leben den dringlichen Wunsch, Nachwuchs zu haben. Genauer gesagt wollten die befragten Frauen öfter ein Baby als Sex mit ihrem Partner – Männer sehen das umgekehrt. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Schließlich hängen Sex und Kinderkriegen doch ziemlich eng zusammen.

Ihre drei Thesen fanden die Forscher dagegen nur wenig bestätigt: „Unsere Studie stützt kaum die Annahme, dass Geschlechterrollen und fehlgeleiteter Hege-Instinkt die treibenden Kräfte für Kinderwunsch sind“, sagt Gary Brase. Stattdessen erstellten seine Frau und er einen neuen Fragebogen. Er basiert auf den Auskünften von College-Studenten und Online-Teilnehmern, warum sie sich ein Baby wünschen – oder auch nicht.

Ekel vor Babys Ausscheidungen

Drei Kinderwunsch-Faktoren kristallisierten sich als ausschlaggebend heraus: Die „positive Exposition“ etwa kommt zum Tragen, wenn wir anderer Leute Kinder knuddeln, auf sie aufpassen oder Spielzeug und kleine Klamotten anschauen. Das Gegenteil ist die „negative Exposition“: Viele ekeln sich vor vollen Windeln, Baby-Erbrochenem oder finden einen kindlichen Schreianfall ohne erkennbare Ursache einfach nur zum Gruseln. Als dritter Punkt spielt die Gesellschaft in den Babywunsch hinein: Eigene Kinder wirken sich schließlich auf die finanzielle Lage, das Berufsleben und die sozialen Beziehungen aus. Ein Baby zu haben heißt vor allem: Kompromisse machen können und wollen.

Ob jemand vom Babyfieber ergriffen wird oder nicht, hängt also davon ab, ob im Kopf der jeweiligen Person gerade die guten oder schlechten Seiten des Kinderkriegens die Oberhand gewinnen. Und natürlich ist der Kinderwunsch auch eine Typfrage.

Zwiespalt aus Reproduktion und finanzieller Belastung

„Kinder zu haben ist sprichwörtlich der Grund, warum es uns gibt: um unsere Gene an die nachfolgende Generation weiterzugeben“, fasst Brase zusammen. „Aber ökonomisch gesehen sind Kinder eine Investition, für die man nie eine angemessene Wiedergutmachung bekommt. Und die jetzige Elterngeneration ist zwischen diesen zwei Seiten hin- und hergerissen.“ In weiteren Untersuchungen wollen die Psychologen klären, welche Rolle die Hormone dabei spielen – und warum einige das Babyfieber gar nicht und andere enorm stark spüren.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. Juli 2016
Quellen: Stiftung Warentest: Hoffnung Kind - Wege zum Wunschkind. Stiftung Warentest, Berlin, 2012

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