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Mehr Chancen als Risiken

Späte Eltern: Vorteile später Elternschaft überwiegen häufig

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 03. April 2019

Immer mehr Paare entschließen sich erst spät, eine Familie zu gründen. Diese späten Eltern machen einen immer größeren Anteil aus. Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch die Wahrscheinlichkeit ab, schwanger zu werden.

Späte Eltern: Vorteile später Elternschaft überwiegen häufig
Immer mehr Frauen und Männer werden jenseits der 30, 40 oder sogar 50 Eltern: Welche Auswirkungen hat das eigentlich auf die Schwangerschaft und die Entwicklung der Kinder?
© iStock.com/Geber86

Auch der Schwangerschaftsverlauf kann bei späten Müttern mit mehr Komplikationen verbunden sein. Zudem steigt das Risiko für Chromosomenstörungen und Erkrankungen beim Kind. Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft haben daher bei späten Eltern eine besondere Bedeutung.

Trotzdem kann die späte Elternschaft durchaus Vorteile bieten – vor allem dem Kind.

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Frauen sind immer später erstmals schwanger

2017 war eine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 29 Jahre und zehn Monate alt, beim zweiten Kind im Durchschnitt 32 Jahre, beim dritten schon knapp 33 Jahre alt. 1970 lag das Alter von erstgebärenden Ehefrauen (Unverheiratete wurden damals nicht gezählt) bei 24 Jahren. Der Zeitpunkt des ersten Kindes hat sich also bei Frauen um fast sechs Jahre nach hinten verschoben.

Ebenfalls interessant: Während in den vergangenen Jahren die Anzahl der unter-25-jährigen Erstgebärenden sank, stieg sie besonders bei Frauen aus der Gruppe 30 Plus stark an. So gab es 2009 in Deutschland 23.127 Frauen, die im Alter von 30 Jahren ihr erstes Kind bekamen, im Jahr 2017 waren es schon über 30.000 Frauen. Auch die Zahl der erstmals Schwangeren im Alter von 40 Jahren oder höher nimmt zu, wenn auch in geringerem Umfang.

Auch Männer schieben den Kinderwunsch hinaus

Während das Alter von Müttern bei der Geburt ihrer Kinder in Deutschland relativ gut statistisch erfasst ist, lässt sich für Väter lediglich feststellen, dass sie bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 34 Jahre alt sind – im Vergleich zu 32 Jahren im Jahr 2009. Aus den USA liegen genauere Angaben vor: Forscher der Universität Stanford erhoben statistische Daten für den Zeitraum 1972 bis 2015. Knapp 170 Millionen Geburten wurden dabei analysiert. Die Ergebnisse:

  • Das Durchschnittsalter der Väter stieg von 27,4 Jahre auf 30,9 Jahre.
  • Der Anteil von Vätern über 40 Jahre verdoppelte sich etwa von 4,1 auf fast 9 Prozent.
  • Der Anteil von Vätern über 50 Jahre verdoppelte sich ebenfalls fast von 0,5 auf 0,9 Prozent.

Gründe für späte Elternschaft

Die Gründe für späte Elternschaft liegen zu einem Teil in den verlängerten Ausbildungszeiten. Viele Menschen gehen heute länger zur Schule, bilden sich auch nach der Ausbildung weiter oder studieren lange. Frauen mit akademischem Bildungsabschluss bekommen durchschnittlich vier Jahre später (mit 31 Jahren) ihr erstes Kind bekommen als Frauen ohne akademischen Bildungsabschluss (mit 27 Jahren). Mit der späten ersten Berufstätigkeit kommt für viele auch die erste (finanzielle) Unabhängigkeit.

Auch unsichere Arbeitsverhältnisse wie befristete Arbeitsverträge oder eine unsichere Konjunktur können Gründe dafür sein, späte Eltern zu werden. Unflexible Arbeitszeiten, eine nicht-familienfreundliche Unternehmenskultur oder mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten können ebenfalls dazu beitragen. Gerade Frauen mit höherer Schulbildung wünschen sich laut einer Allensbach-Untersuchung, nach Geburt und Elternzeit zumindest zeitweise wieder in den Beruf zurückzukehren (42 Prozent). Dem gegenüber stehen 57 Prozent mit einfacher oder mittlerer Schulbildung, die komplett aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Dazu beitragen könnte, dass die teilweise recht teure Kinderbetreuung in Deutschland Menschen mit mittlerem oder geringerem Einkommen davon abhält, ihr Kind in den Kindergarten oder zur Tagesmutter zu geben.

Viele späte Eltern hatten bislang schlicht nicht den richtigen Partner oder die richtige Partnerin für eine Familiengründung gefunden. Auch gesellschaftliche Aspekte spielen eine Rolle. So sind viele Paare unsicher, was den richtigen Zeitpunkt für ein Baby betrifft.

Späte Elternschaft kann auch Vorteile haben

Der Begriff "späte Eltern" bezieht sich eigentlich auf beide Elternteile. Im Mittelpunkt des Interesses steht aber meist die Frau, denn bei ihr wirkt sich das Alter stärker auf Fruchtbarkeit und Reproduktionsfähigkeit aus. Dabei sinkt auch die Fruchtbarkeit älterer Väter.

Um sich die Entscheidung zu erleichtern, lohnt aber auch ein Blick auf die Vorteile später Elternschaft. Viele "ältere" Eltern bezeichnen sich als ausgeglichener im Umgang mit ihrem Nachwuchs. Oft ist auch die finanzielle Sicherheit eher gegeben – schließlich hatte man genug Zeit für den Vermögensaufbau. Zudem haben Eltern, die schon ein gewisses Alter erreicht haben, häufig mehr Zeit für die Betreuung ihrer Kinder.

Auch eine gewisse Lebenserfahrung kann hilfreich sein, um im oft stressigen Alltag mit Kindern gelassener zu bleiben. Die Elternschaft wird eher als großes Glück betrachtet. Kritiker bemängeln, dass mit zunehmendem Alter die Belastbarkeit abnehme. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen – denn auch das soziale Umfeld, die allgemeine Gesundheit und die Lebensumstände spielen eine große Rolle.

Haben ältere Mütter intelligentere Kinder?

War man früher eher auf die Nachteile später Mutterschaft konzentriert, wurden in den vergangenen Jahren immer häufiger psychosoziale Effekte auf das Kind erforscht. Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Kinder älterer Mütter durchschnittlich gesünder, größer und gebildeter sind als diejenigen jüngerer Mütter. Das belegen die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie des Max-Planck-Instituts in Rostock und der London School of Economics.

Diese Ergebnisse sind besonders vor dem Hintergrund interessant, dass auch ältere Geschwisterkinder in die Erhebungen einbezogen worden sind. Auch hier zeigte sich ein gewisser Vorsprung der "Nachzügler". Ein klarer Hinweis auf die bislang unterschätzte Bedeutung des medizinischen Fortschritts und des sich stetig verbessernden Gesundheits- und Bildungswesen.

Tipps, um die Fruchtbarkeit zu steigern

Fruchtbarkeit der Frau sinkt

Die Chancen, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, sinken bei Frauen ab etwa 35 Jahre rapide. Eizellen sind bereits bei der Geburt im Körper eines Mädchens vorhanden und altern wie alle anderen Zellen der Frau. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Eizellen mit zunehmendem Alter ab und es findet nicht mehr in jedem Zyklus der Frau ein Eisprung statt. Daher lassen einige Frauen beim Social Freezing Eizellen in jüngeren Jahren entnehmen und für eine spätere Befruchtung aufbewahren.

Späte Eltern brauchen in der Regel länger, um auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Mit zunehmendem Alter greifen Paare daher auf die Methoden der Reproduktionsmedizin, wie etwa künstliche Befruchtung, zurück.

Auch die Fruchtbarkeit der Männer sinkt mit zunehmendem Alter

Im Laufe des Lebens wird auch die Fruchtbarkeit von Männern geringer. Zwar nicht in dem Ausmaß wie bei der Frau, aber auch die Qualität der Samenzellen nimmt ab einem Alter von 55 bis 60 Jahren stark ab. Zudem gibt es verschiedene Hinweise darauf, dass mit zunehmendem Alter epigenetische Mutationen auftreten, die das Risiko für bestimmte psychiatrische oder neurologische Erkrankungen, Autismus und Chromosomenstörungen bei Kindern älterer Männer erhöhen.

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Wie können ältere Paare schwanger werden?

Bei vielen Paaren klappt es mit dem Wunschkind auf natürlichem Weg. Je nach Alter der Eltern bei Kinderwunsch sowie körperlicher Fitness und Gesundheit kann das etwas länger dauern. Späten Eltern empfiehlt sich, bei einem etwa seit einem halben Jahr bestehendem Kinderwunsch ärztlichen Rat einzuholen, zum Beispiel in Kinderwunschkliniken.

In Kinderwunschkliniken werden zwar nicht nur, aber immer mehr späte Eltern bei unerfülltem Kinderwunsch behandelt. Späte Eltern sollten auch immer den Faktor "Zeit" berücksichtigen und nicht zu lange damit warten, sich Unterstützung zu holen. Denn auch die Wahrscheinlichkeit, mithilfe der Reproduktionsmedizin schwanger zu werden, nimmt mit zunehmendem Alter ab. So beträgt etwa die Erfolgsrate bei der Insemination (Samenübertragung), der häufigsten Methode der künstlichen Befruchtung, im Alter von 30 Jahren etwa 15 Prozent, im Alter von 40 Jahren etwa fünf Prozent und bei 45-Jährigen nur noch unter einem Prozent.

Risikoschwangerschaft und Alter: 35 Jahre ist die Grenze für Erstgebärende

Für späte Mütter ist ein Alter von 35 das "Grenzalter“"für eine Risikoschwangerschaft: In der Regel werden Frauenärzte schwangere Erstgebärende ab 35 als Risikoschwangere einordnen und dies auch im Mutterpass vermerken (ab dem zweiten Kind ab 40 Jahren). Mit der Risikoschwangerschaft steigt auch die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen, die durch die Krankenkassen während der Schwangerschaft übernommen werden. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung.

Es nehmen tatsächlich mit steigendem Alter der Mutter auch die Risiken bei einer Schwangerschaft zu. Dass die Möglichkeit von Komplikationen höher ist, heißt aber nicht automatisch, dass diese auch eintreffen. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber auf:

Insgesamt steigt die Komplikationsrate mit zunehmendem Alter. Während in der Altersgruppe zwischen 35 und 40 Jahren noch ein geringeres Risiko zum Beispiel für Chromosomenstörungen beim Baby besteht, steigt die Rate ab etwa 40 Jahren stark an. Bei späten Müttern werden daher Methoden der pränatalen Diagnostik wie die Nackenfaltenmessung oder auch umfangreiche Ultraschall-Untersuchungen häufiger durchgeführt.

Die Rate von Kaiserschnitten ist bei späten Müttern ebenfalls etwas höher. Man kann jedoch davon ausgehen, dass diese erhöhte Rate auch mit erhöhten Vorsichtsmaßnahmen von Seiten des Klinikpersonals bei Spätgebärenden einhergeht.

Lesen Sie hier mehr über die Risiken und Chancen einer späten Schwangerschaft.

Die Methoden der künstlichen Befruchtung im Überblick
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 03. April 2019
Quellen
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