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Sonntag, 24. September 2017
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Späte Eltern

Späte Eltern
Immer mehr Paare entscheiden sich immer später für Kinder und sind somit "späte Eltern"
(c) iStockphoto

Immer mehr Paare entschließen sich erst spät, eine Familie zu gründen. Diese „späten Eltern“ machen einen immer größeren Anteil aus. Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, ab.

Auch der Schwangerschaftsverlauf kann bei späten Müttern mit mehr Komplikationen einhergehen.

Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft kommt daher bei späten Eltern eine besondere Bedeutung zu.

Frauen sind immer später erstmals schwanger

Im Jahr 2015 war eine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 29 Jahre und 7 Monate alt. 1970 lag das Alter von erstgebärenden Ehefrauen (Unverheiratete wurden damals nicht gezählt) bei 24 Jahren. Der Zeitpunkt des ersten Kindes hat sich also bei Frauen fast fünf Jahre nach hinten verschoben.

Gründe für späte Elternschaft

Die Gründe für späte Elternschaft liegen zu einem Teil in den verlängerten Ausbildungszeiten. Viele Menschen gehen heute länger zur Schule, bilden sich auch nach der Ausbildung weiter oder studieren lange. Mit der späten ersten Berufstätigkeit kommt für viele auch die erste (finanzielle) Unabhängigkeit. Die Familiengründung rückt weiter nach hinten.

Auch unsichere Arbeitsverhältnisse wie befristete Arbeitsverträge oder eine unsichere Konjunktur können Gründe dafür sein, den Kinderwunsch nach hinten zu schieben. Unflexible Arbeitszeiten, eine nicht-familienfreundliche Unternehmenskultur oder mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten können ebenfalls zu der Entscheidung beitragen, späte Eltern zu werden.

Für die Theorie, dass längere Studien- und Karrierezeiten dazu beitragen, dass es immer mehr späte Eltern, insbesondere späte Mütter, gibt, spricht die Tatsache, dass Frauen mit akademischem Bildungsabschluss durchschnittlich vier Jahre später (mit 31 Jahren) ihr erstes Kind bekommen als Frauen ohne akademischen Bildungsabschluss (mit 27 Jahren).

Viele späte Eltern hatten bislang auch schlicht nicht den richtigen Partner oder die richtige Partnerin für eine Familiengründung gefunden. Auch gesellschaftliche Aspekte spielen eine Rolle. So sind viele Paare unsicher, was den richtigen Zeitpunkt für ein Baby betrifft.

Ab wann ist man eigentlich "späte Eltern"?

Der Begriff "späte Eltern" bezieht sich eigentlich auf beide Elternteile. Wirklich relevant ist – zumindest aufgrund gesundheitlicher Aspekte – aber das Alter der Frau. Während man in den Medien immer wieder von (prominenten) Vätern über 50, 60 oder 70 Jahre liest, wäre das bei Frauen nicht denkbar.

Späte Eltern und Fruchtbarkeit

Die Chancen, auf natürlichem Wege (also Geschlechtsverkehr) schwanger zu werden, sinken bei Frauen ab etwa 35 Jahre rapide ab. Eizellen sind bereits bei der Geburt im Körper eines Mädchens vorhanden. Sie altern also im gleichen Maße wie die Frau. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Eizellen mit zunehmendem Alter ab und es findet nicht mehr in jedem Zyklus der Frau ein Eisprung statt. Das Altern der Eizellen ist für einige Frauen heute Anlass, beim sogenannten Social Freezing Eizellen in jüngeren Jahren zu entnehmen und für eine spätere Befruchtung aufzubewahren.

Auch die Fruchtbarkeit von Männern wird im Laufe des Lebens geringer. Zwar nicht in dem Ausmaß wie bei der Frau, aber auch die Qualität der Samenzellen nimmt ab einem Alter von 55 bis 60 Jahren stark ab.

Späte Eltern brauchen also in der Regel länger, um auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Mit zunehmendem Alter greifen Paare daher auf die Methoden der Reproduktionsmedizin, wie etwa künstliche Befruchtung, zurück.

Wie können späte Eltern schwanger werden?

Bei vielen Paaren klappt es mit dem Wunschkind auf natürlichem Weg. Je nach Alter der Eltern bei Kinderwunsch sowie körperlicher Fitness und Gesundheit kann das etwas länger dauern. Späten Eltern empfiehlt sich, bei einem etwa seit einem halben Jahr bestehendem Kinderwunsch ärztlichen Rat, zum Beispiel in Kinderwunschkliniken, einzuholen.

In Kinderwunschkliniken werden zwar nicht nur, aber immer mehr späte Eltern bei unerfülltem Kinderwunsch behandelt. Späten Eltern sollten auch immer den Faktor "Zeit" berücksichtigen und nicht zu lange damit warten, sich Unterstützung zu holen. Denn auch die Wahrscheinlichkeit, mithilfe der Reproduktionsmedizin schwanger zu werden, nimmt mit zunehmendem Alter ab. So beträgt etwa die Erfolgsrate bei der Insemination (Samenübertragung), der häufigsten Methode der künstlichen Befruchtung, im Alter von 30 Jahren etwa 15 Prozent, im Alter von 40 Jahren etwa fünf Prozent und bei 45-Jährigen nur noch unter einem Prozent.

Späte Eltern und die Schwangerschaft

Für späte Mütter ist ein Alter von 35 das „Grenzalter“ für eine Risikoschwangerschaft: In der Regel werden Frauenärzte Schwangere ab 35 als Risikoschwangere einordnen und dies auch im Mutterpass vermerken. Mit der Risikoschwangerschaft steigt auch die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen, die durch die Krankenkassen während der Schwangerschaft übernommen werden. Voraussetzung ist, dass diese ärztlich verordnet werden.

Es nehmen tatsächlich mit steigendem Alter der Mutter auch die Risiken bei einer Schwangerschaft zu. Dass die Möglichkeit von Komplikationen höher ist, heißt aber nicht automatisch, dass diese auch eintreffen. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber auf:

Insgesamt steigt die Komplikationsrate mit zunehmendem Alter. Während in der Altersgruppe zwischen 35 und 40 Jahren noch ein geringeres Risiko zum Beispiel für Chromosomenstörungen beim Baby besteht, steigt die Rate ab etwa 40 Jahren stark an. Bei späten Müttern werden daher Methoden der pränatalen Diagnostik wie die Nackenfaltenmessung oder auch umfangreiche Ultraschall-Untersuchungen häufiger durchgeführt.

Die Rate von Kaiserschnitten ist bei späten Müttern ebenfalls etwas höher. Man kann jedoch davon ausgehen, dass diese erhöhte Rate auch mit erhöhten Vorsichtsmaßnahmen von Seiten des Klinikpersonals bei Spätgebärenden einhergeht.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. April 2017
Quellen: Schneider, Husslein, Schneider: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg 2013; Statistisches Bundesamt: Geburtenziffer 2015. https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/10/PD16_373_126.html (Stand: Oktober 2016); Von Wolff/Stute: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Das Praxisbuch. Schattauer, Stuttgart 2013

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