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Erkrankungen und Kinderwunsch

Autor: Dagmar Schüller, Medizinredakteurin | Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 03. Juni 2019

Auch Frauen mit chronischen Erkrankungen haben einen Kinderwunsch. Was Frauen mit Asthma, Bluthochdruck, Diabetes, Epilepsie, Essstörungen oder Rheuma wissen müssen, wenn sie schwanger werden wollen.

Erkrankungen und Kinderwunsch
Kinderwunsch: Auch Frauen mit chronischer Erkrankung träumen vom Baby und sollten dies mit ihrem Arzt besprechen
© iStock.com/SIphotography

Falls Sie an einer chronischen Krankheit leiden, werden Sie sich sicherlich fragen, welche Auswirkungen Ihre Krankheit oder die eingenommenen Medikamente auf Ihre Fruchtbarkeit und die gesunde Entwicklung der Schwangerschaft haben können. Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.

In diesem Artikel lesen Sie:

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Diabetes und Kinderwunsch

Eine Diabetikerin muss die Risiken einer Schwangerschaft gegen ihren Kinderwunsch abwägen. Argumente gegen die Schwangerschaft einer Diabetikerin sind beispielsweise:

  • Fortgeschrittene Nierenschädigung: Hier muss unter der Belastung einer Schwangerschaft mit einem Nierenversagen gerechnet werden.

  • Netzhautdegeneration: Hier droht eine Erblindung.

  • Unbehandelte Arteriosklerose der Herzkranzgefäße

Optimale Einstellung des Stoffwechsels

30 bis 40 Prozent aller Schwangerschaften bei Diabetikerinnen sind nicht geplant. Deshalb ist eine optimale Stoffwechseleinstellung für Frauen mit Kinderwunsch sehr wichtig:

  • Ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann zu Fehlgeburten führen.

  • Diabetestypische Fehlbildungen entstehen bereits ab der fünften Schwangerschaftswoche.

Wenn Sie Diabetikerin sind und eine Schwangerschaft planen, wird der Arzt möglicherweise eine Insulinpumpe empfehlen, damit Sie den Blutzucker während einer Schwangerschaft besser einstellen können. Die Betreuung einer schwangeren Diabetikerin erfordert ein eingespieltes Team sowie die fachübergreifende Zusammenarbeit von Diabetologen, Geburtshelfern und Neonatologen.

Alle zwei Wochen zur Vorsorgeuntersuchung

Eine schwangere Diabetikerin sollte zur optimalen Versorgung des Kindes die zweiwöchentlichen Intervalle bei Vorsorgeunterschungen strikt einhalten, denn diese Untersuchungen enthalten eine ganze Reihe spezieller Untersuchungen von Mutter und Kind. Die stationäre Aufnahme zur Geburt erfolgt in der 38. bis 40. Schwangerschaftswoche, wobei die Geburt zum errechneten Termin angestrebt wird.

Asthma und Kinderwunsch

Ein an Asthma erkrankter Mensch leidet unter anfallsweisem Auftreten von Atemnot. Diese kann sich in der Form von Hustenanfällen sowie Engegefühl in den Bronchien, im Brustkorb oder im Hals äußern. Dank Medikamenten können Asthmatiker heute ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen. Asthma-Therapien verfolgen immer zwei Ziele: Sie sollen weitere Anfälle verhindern und die Lungentätigkeit wieder normalisieren. Um das zu erreichen, gibt es zwei Medikamentengruppen:

  • Die "Reliever" bekämpfen die Atemnot während eines Anfalls, indem sie die Bronchien sofort erweitern.

  • Die "Controller" hingegen stoppen langfristig Entzündungen. Controller müssen daher regelmäßig eingenommen werden. Häufig handelt es sich dabei um kortisonhaltige Arzneimittel.

Patienten tun sich häufig mit der Medikamentengruppe der "Controller" schwer, weil Kortison einen schlechten Ruf hat. Die Angst vor schweren Nebenwirkungen führt dazu, dass viele die Finger von "Controllern" lassen. Da Asthmatiker die kortisonhaltigen Medikamente oft jahrelang einnehmen müssen, sind die Dosierungen heute so niedrig, dass es oft nur zu leichten Nebenwirkungen kommt, die der Fruchtbarkeit nicht schaden.

Frauen neigen generell dazu, ihre Asthma-Medikamente abzusetzen, wenn sie schwanger werden wollen. Jedoch gilt es hier zu bedenken: Der Sauerstoffmangel bei Asthma-Anfällen kann einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben. Klären Sie in jedem Fall mit Ihrem behandelnden Arzt, ob und welche Asthma-Medikamente Sie vor und während der Schwangerschaft einnehmen können.

Asthma während und nach der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft geht es Asthmatikerinnen oft besser, sie haben weniger Anfälle und bekommen besser Luft. Vier bis sechs Wochen nach der Entbindung, wenn sich der Hormonhaushalt der Frau wieder umstellt, ist jedoch mit erhöhtem Auftreten von Asthmaanfällen zu rechnen. Deswegen sollte die Frau sich in der Zeit selbst gut beobachten, um die Therapie rechtzeitig wieder zu intensivieren und so weiteren Anfällen vorzubeugen.

Epilepsie und Kinderwunsch

Kinder von Eltern mit Epilepsie haben zwar ein etwas höheres Risiko, ebenfalls zu erkranken, doch Epilepsien zählen nicht zu den Erbkrankheiten. Nur fünf Prozent aller Kinder, deren Vater oder Mutter eine Epilepsie haben, erkranken ebenfalls an epileptischen Anfällen. Das genaue Risiko hängt von der Art der Epilepsie des Vaters bzw. der Mutter ab. Leiden beide Eltern an einer Epilepsie, dann ist das Risiko deutlich höher. In den meisten Fällen (etwa 95 Prozent) ist die Epilepsie erworben, beispielsweise durch Unfälle oder Verletzungen.

Medikamentöse Behandlung: Richtiger Einnahmerhythmus

Etwa eine von 200 Schwangeren wird wegen Epilepsie medikamentös behandelt. Wenn eine Frau mit Epilepsie einen Kinderwunsch hat, ist es ratsam, dieses Thema schon vor dem Eintreten der Schwangerschaft mit dem behandelnden Neurologen und dem Frauenarzt zu besprechen:

  • Je weniger Wirkstoffarten eingenommen werden, desto besser.

  • Die Menge des Wirkstoffs sollte so gering wie möglich sein.

  • Es ist besser, zwei- bis dreimal täglich eine kleine Menge des Wirkstoffs einzunehmen, als einmal täglich eine große Menge.

  • Ein Weglassen der Medikamente kann zu einer bedrohlichen Anfallshäufung (sogenannter Status epilepticus) führen, die Mutter und Kind in Gefahr bringt.

Während der Schwangerschaft wird das Kind vollständig vom Körper der Mutter versorgt. Alle derzeit verfügbaren Anfallsmedikamente können zwar prinzipiell dem Kind schaden, da sie wie die Nährstoffe über die Blutbahn der Mutter auch das Kind erreichen. Das Risiko ist jedoch geringer als vielfach vermutet. Kinder mit einem epileptischen Elternteil haben ein leicht erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Der Einfluss der Medikamente scheint dabei nur zweitrangig zu sein.

Bluthochdruck und Kinderwunsch

Liegt bereits vor der Schwangerschaft ein erhöhter Blutdruck vor, der medikamentös behandelt wird, sollte die Schwangerschaftsplanung mit der Ärztin abgesprochen werden. Gegebenenfalls werden die Medikamente bereits vor Eintreten der Schwangerschaft gewechselt, da nicht alle Medikamente in der Schwangerschaft erlaubt sind.

Die Einstellung des Blutdrucks sollte regelmäßig weiter geprüft werden, gegebenenfalls die Dosis der Medikamente durch die Ärztin angepasst werden. Bei Frauen mit erhöhtem Blutdruck kommt es häufiger zu einer Gestose.

Frühere Fehlgeburten

Eine Fehlgeburten ist ein recht häufiges Ereignis: 11 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften enden vorzeitig. Diese Zahl gilt nur für diejenigen Schwangerschaften, die mit Ultraschall oder durch die Bestimmung des Schwangerschaftshormon hCG festgestellt werden konnten. Mit speziellen Untersuchungen konnte man feststellen, dass etwa 70 Prozent aller Schwangerschaften schon vor dem Zeitpunkt der erwarteten Regelblutung "abgehen", also zu einer Zeit, in der die Menstraution noch gar nicht ausgeblieben war. Diese frühen Fehlgeburten werden normalerweise von der Frau nicht erkannt, da die Regelblutung pünktlich eintritt.

Viele Ärzte gehen davon aus, dass eine Fehlgeburt keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Aborts auch schon nach einer oder zwei Fehlgeburten deutlich erhöht, je nachdem welche Störungen zu der Fehlgeburt geführt haben. So kann bei bestimmten genetischen Veränderungen das Risiko des Abortes nach ein bis zwei Fehlgeburten genauso niedrig sein wie bei einer Frau, die noch nie ein Kind verlor.

Rheuma und Kinderwunsch

Der Oberbegriff Rheuma umfasst etwa 400 Erkrankungen, die sich zum Teil ähneln, die aber zum Teil auch völlig unterschiedlich sind in ihrer Ursache, ihren Symptomen, ihrem Verlauf, ihrer Behandlung und ihren Folgen. Da Rheuma eine Erkrankung von Bindegewebsstrukturen ist und Bindegewebe praktisch überall im Körper vorhanden ist, können fast alle Organe im Körper bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung betroffen sein.

Falls Sie Medikamente einnehmen, lassen Sie sich von Ihrer Ärztin beraten, ob und wann Sie gegebenenfalls schon vor Eintritt einer Schwangerschaft mit der Medikation aussetzen sollten.

Dämpfung der Autoimmunreaktionen

Es wird sehr häufig beobachtet, dass sich entzündlich-rheumatische Erkrankungen in der Schwangerschaft bessern oder im günstigsten Fall sogar alle Symptome verschwinden. Das wachsende Kind stammt unter genetischen Gesichtspunkten ja zur Hälfte vom Vater und ist damit sozusagen zur Hälfte für den Körper der Mutter fremd. Damit das Immunsystem der Mutter das Kind nicht als etwas Fremdes angreift und sogar vernichtet, muss es während der Schwangerschaft auf eine größere Toleranz gegenüber allem Körperfremden umgestellt werden. Diese größere Toleranz führt möglicherweise dazu, dass auch die autoimmunen Reaktionen, die bei vielen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine Rolle spielen, weniger werden oder ganz zurückgehen.

Krankheitsschub nach der Entbindung

Bei vielen Frauen kommt es nach der Entbindung und der damit verbundenen Umstellung des Immunsystems auf den "normalen", ursprünglichen Zustand wieder zu einer erhöhten Krankheitsaktivität ihrer rheumatischen Erkrankung. Manchmal führt die Umstellung des Immunsystems nach der Entbindung sogar zu einem regelrechten Krankheitsschub. Ein Rheumatologe betreut deshalb diese Patienten in Zusammenarbeit mit dem Frauenarzt nach der Entbindung sehr engmaschig, damit gegebenenfalls sofort reagiert und der sich anbahnende Krankheitsschub durch geeignete Behandlungsmaßnahmen verhindert werden kann. Auf diese Weise können im Regelfall kritische Entwicklungen vermieden werden.

Auch Patientinnen mit einer chronischen Polyarthritis müssen nach der Entbindung mit einem Schub ihrer Erkrankung rechnen. Die kritische Zeit beginnt etwa drei bis sechs Wochen nach der Entbindung. Genauso gut kann es allerdings auch zu einer anhaltenden Fortdauer der Beschwerdefreiheit kommen. Wie sich die Krankheit entwickelt, ist leider derzeit mit keiner noch so aufwendigen Methode vorherzusagen.

Schwangerschaft und Essstörungen

Ihre Ernährungsgewohnheiten können möglicherweise Einfluss auf Ihr Kind haben. Daher sollten Sie vor einer Schwangerschaft über Ihre Essprobleme nachdenken und sie in den Griff bekommen. Wenn Sie schwanger werden möchten, sollten Sie mit Ihrem Partner und Ihrem Arzt offen über Ihre Essstörungen sprechen und versuchen, diese Störungen zu beheben.

Wenn Sie eine Bulimie, Magersucht, Orthorexie oder eine andere Essstörung haben, können Sie unfruchtbar sein. Massive Essstörungen können einen Einfluss auf Ihren Stoffwechsel haben, was dazu führen kann, dass zum Beispiel kein Eisprung stattfindet. Die Störung kann vorübergehend sein und zurückgehen, wenn Sie zu einer normalen, gesunden Essweise zurückgekehrt sind.

  • Probleme für das Baby: Frauen mit extremem Über- oder Untergewicht haben ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt. Ein extremer Vitamin B-Mangel (siehe Folsäure) erhöht das Risiko von kindlichen Fehlbildungen. Babys von Untergewichtigen sind oft selber untergewichtig und haben ein höheres Risiko, in den ersten Lebensmonaten zu sterben.

  • Probleme für die Mutter: Auch für die Mutter können in der Schwangerschaft viele Probleme auftreten. Bei extrem Übergewichtigen ist das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes erhöht. Extremer Eisenmangel kann zur Anämie führen, möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen Zinkmangel und einer Präeklampsie. Bei Frauen mit einem pathologischen Elektrolytmangel können die Nieren ausfallen und es kann zu lebensgefährlichen Kreislaufproblemen kommen. Stark untergewichtige Frauen haben ein erhöhtes Risiko, an einer Wochenbettdepression zu erkranken.

Autor: Dagmar Schüller, Medizinredakteurin | Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 03. Juni 2019
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