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Alte Männer und ihre Spermien: Risiko für epigenetische Veränderungen steigt

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 04. April 2019

Männer können im Gegensatz zu Frauen, bei denen die Fruchtbarkeit mit der Menopause vorbei ist, auch mit 60 noch ohne Probleme Kinder zeugen. Diese Meinung ist zwar weit verbreitet, aber falsch. Welche Rolle das Alter bei Männern spielt.

Alte Männer und ihre Spermien: Risiko für epigenetische Veränderungen steigt
Auch das Alter des Vater spielt für Zeugung und Gesundheit eine Rolle.
© iStock.com/fotostorm

Auch bei Männern nimmt die Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter ab, da Anzahl und Menge der Spermien etwa ab dem 45. Lebensjahr sinken. Gleichzeitig können epigenetische Mutationen entstehen, was das Risiko für manche Erkrankungen beim Kind erhöht.

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Fehlbildungsrisiko nimmt mit Alter der Eltern zu

Wenn Frauen im Alter von über 35 Jahren schwanger werden, steigt das Risiko, dass ihr Kind mit einer Behinderung zur Welt kommt wie das Down-Syndrom. Was weniger bekannt ist: „Die Keimzellen der Väter werden mit zunehmendem Alter auch nicht besser“, sagt Professor Thomas Haaf, Humangenetiker von der Universität Würzburg. Dass auch ältere Männer „risikolos“ Kinder zeugen können, sei ein Mythos, der sich hartnäckig hält.

Die Forschung weiß schon länger um das Problem der älteren Väter. Erst vor kurzem haben Wissenschaftler aus Schweden und den USA eine einschlägige Studie veröffentlicht. Ihr zufolge tragen Kinder von älteren Vätern – damit sind Männer ab 45 Jahren gemeint – rein statistisch ein erhöhtes Risiko für ADHS, Autismus und andere psychische Krankheiten. Bekannt ist auch, dass ihr Intelligenzquotient leicht verringert sein kann.

Spermienqualität verbessern: So klappt es

Verdacht liegt auf epigenetischen Veränderungen

„Der epidemiologische Zusammenhang zwischen alten Vätern und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krankheiten bei den Kindern ist seit längerem klar. Wir wissen aber nicht, wodurch er zu Stande kommt“, sagt Professor Haaf. Allein mit einer altersbedingten Häufung von Gen-Mutationen in den Spermien sei der Effekt nicht zu erklären. Stattdessen geht der Würzburger Humangenetiker – wie auch andere Wissenschaftler – davon aus, dass hier andere Faktoren wichtig sind: Unter Verdacht stehen epigenetische Veränderungen.

Epigenetische Veränderungen sind keine echten Mutationen, denn sie betreffen nicht direkt die Abfolge der DNA-Bausteine. Oft bestehen sie darin, dass kleine Moleküle (Methylgruppen) an die DNA gekoppelt werden und dass die Verpackung der DNA geändert wird. „Das passiert im Lauf des Lebens rein zufällig, aber auch durch Umwelteinflüsse“, sagt Haaf. Man vermutet, dass solche Veränderungen am Erbgut durch Tabakrauch und Chemikalien, aber auch durch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder starkes Übergewicht entstehen können.

Der Knackpunkt dabei: Die epigenetischen Veränderungen bleiben nicht ohne Folgen; sie verändern die Aktivität einzelner Gene. Werden sie mit den Spermien an ein Kind weitergegeben, beeinflussen sie durch ihre genregulierende Aktivität womöglich die Entwicklung des Embryos. „Epigenetische Veränderungen in der frühen Entwicklung legen die Grundlagen für die Gesundheit bzw. Krankheit im späteren Leben“, erklärt Haaf.

Appell an ältere Männer mit Kinderwunsch

Einen Wunsch für die Zukunft hat Professor Haaf schon jetzt: „Es wäre gut, wenn Männer ab 45, die Vater werden wollen, sich darüber informieren, welche Krankheitsrisiken für das Kind mit einem erhöhten Vateralter verbunden sind und welche Vorsorgemaßnahmen es gibt – das ist zum Beispiel eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung des Kindes im Mutterleib.“

Dabei müsse sich aber jeder klar machen, dass es bei keiner Schwangerschaft eine Garantie für ein gesundes Kind gibt, auch nicht bei jungen Eltern. „Ein hohes Alter des Vaters oder auch der Mutter ist kein Grund, sich gegen ein Kind zu entscheiden“, so Haaf „aber man sollte um die möglichen medizinischen Probleme wissen.“

Spermienqualität testen

Die Spermienproduktion beim Mann setzt sich das ganze Leben lang fort. Männer haben in puncto Fruchtbarkeit also einen entscheidenden Vorteil gegenüber Frauen, deren biologische Uhr tatsächlich tickt: Schon ab dem 30. Lebensjahr sinkt die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, bei Frauen mit jedem Jahr. Auch das Risiko für Komplikationen, Fehlgeburten und Chromosomenstörungen beim Kind steigt.

Doch auch die Fruchtbarkeit von Männer sinkt. Ab etwa dem 45. Lebensjahr nehmen das Volumen sowie die Beweglichkeit von Spermien kontinuierlich ab. Der Mann selbst merkt davon nichts, denn es wird weiterhin ausreichend Ejakulat produziert. Aber der Anteil der darin enthaltenen vitalen (also lebenden) Spermien ist deutlich geringer.

Um die Spermienqualität testen zu lassen, ist der Urologe der richtige Ansprechpartner. Auch in Kinderwunschzentren führen Urologen oder Andrologen Fruchtbarkeitsuntersuchungen beim Mann durch.

Spermiogramm gibt Auskunft über Spermienqualität

Getestet wird die Spermienqualität mittels Spermiogramm, wofür frisches Ejakulat benötigt wird. Bei der Laboruntersuchung stehen verschiedene Parameter im Mittelpunkt, zum Beispiel Aussehen, Konzentration und Anzahl, Vitalität (Anzahl der lebenden Spermien) oder pH-Wert.

Für einen ersten Anhaltspunkt kann der Spermatest für zu Hause eine Alternative zum Spermiogramm in der Arztpraxis sein. Man hält ein Stäbchen oder eine Auflage in einen Becher mit Ejakulat und bekommt nach wenigen Minuten das Ergebnis angezeigt. Dabei wird allerdings nur ein einzelner Parameter gemessen, etwa die ungefähre Anzahl oder die Beweglichkeit der Spermien.

Mehr zum Spermiogramm, Normwerte und ihre Aussagekraft

Spermienqualität verbessern: Das können Sie tun

Unabhängig vom Alter kann sich der Lebensstil eines Mannes auf seine Fruchtbarkeit beziehungsweise Spermien auswirken. Es gibt zahlreiche allgemeine Empfehlungen, wie etwa, auf heiße Vollbäder oder zu enge Unterhosen zu verzichten.

  • Nicht rauchen: Auch die Spermien von rauchenden Männern leiden: Sie sind bis zu einem Fünftel weniger beweglich als diejenigen von Nichtrauchern und häufiger von Mutationen und Chromosomenstörungen betroffen. Zudem befinden sich im Ejakulat von Rauchern weniger Spermien.

  • Weniger oder gar nicht trinken: Alkohol greift in das hormonelle System ein und gehört zu den möglichen Ursachen von Unfruchtbarkeit. Regelmäßiges Trinken wirkt sich auf die Bildung von Testosteron aus, auch die Spermienreifung kann dadurch gestört werden.

  • Hohe Temperaturen meiden: Spermien vertragen keine hohen Temperaturen, sie nehmen dabei erheblichen Schaden. Männer mit Kinderwunsch sollten daher auf heiße Bäder oder einen regelmäßigen Saunabesuch besser verzichten.

  • Seltener sitzen: Während der Arbeitszeit ab und zu aufzustehen kann die Spermienqualität verbessern: Auch Sitzen kann zu einer Erwärmung der Spermien führen, denn die Hoden liegen nah am Körper und sind in dieser Position eingeengt.

  • Chemikalien meiden: Der Weichmacher Bisphenol A (BPA) steckt in Pflastikflaschen und kann ins Hormonsystem eingreifen und die Fruchtbarkeit der Spermien nachweislich herabsetzen. Auch manche Kosmetik- oder Haushaltsprodukte enthalten solche hormonellen Störer, dazu zählen Parabene, Mineralöle, Silikone und Emulgatoren.

  • Stress abbauen: Chronischer Stress bringt das hormonelle Gleichgewicht durcheinander und erhöht die Bildung von Prolaktin. Das Hormon vermindert die Spermienproduktion und führt langfristig zum Verlust der Libido und manchmal sogar zu Erektionsstörungen.

  • Bio essen: Oder zumindest möglichst auf Pestizide in der Nahrungskette verzichten: Es gibt Hinweise auf eine potentiell fruchtbarkeitsschädigende Wirkung von Pestiziden, wie sie in der herkömmlichen Landwirtschaft verwendet werden.

  • Wirkstoffe in Medikamenten beachten: Bestimmte Wirkstoffe können sich negativ auf Anzahl und Qualität der Spermien auswirken. Dazu gehören auch frei verkäufliche Medikamente wie Ibuprofen: Französische Forscher fanden Hinweise darauf, dass die regelmäßige Einnahme des Schmerzmittels (600 mg täglich) zu einem niedrigeren Level an Testosteron und Luteinisierendes Hormon (LH) führte. Medikamente sollten jedoch nicht eigenmächtig abgesetzt werden, sondern immer nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt.

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Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 04. April 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Kinderwunsch: Ich will schwanger werden - wer noch?"
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