Ein Angebot von Lifeline
Samstag, 21. Juli 2018
Menu

Stillen nach Kaiserschnitt

Mütter können nach einem Kaiserschnitt genauso stillen wie nach einer Spontangeburt. Es wurde aber auch ein Zusammenhang zwischen Stillproblemen und Kaiserschnitt nachgewiesen.

stillen nach Kaiserschnitt
Damit das Stillen nach Kaiserschnitt klappt, ist der schnelle Kontakt zwischen Mutter und Baby wichtig
(c) iStockphoto/Rohappy

Deutschland gehört mit einer Kaiserschnittrate von mehr als 30 Prozent zu den Ländern, in denen am häufigsten Kaiserschnitte durchgeführt werden. Viele Frauen sind nach einer Kaiserschnittgeburt verunsichert und fragen sich, ob das Stillen nach Kaiserschnitt überhaupt problemlos möglich ist.

Ab wann gestillt werden kann, hängt von der Narkose-Art und dem Zustand von Mutter und Kind ab. Bei einer örtlichen Betäubung ist es möglich das Baby sofort zu stillen, wenn die Operation vorbei ist. Hat die Mutter eine Vollnarkose erhalten, dauert es etwas länger. Sobald sie wieder bei vollem Bewusstsein ist, kann das Neugeborene angelegt werden. Meist braucht das Kind in der Zwischenzeit keine Flüssigkeit. Die Medikamente einer PDA (Periduralanästhesie) oder Vollnarkose sind in der Muttermilch kaum nachweisbar und belasten in diesen geringen Mengen nicht.

Stillprobleme nach Kaiserschnitt

Wurde das Kind zu spät angelegt oder zu lange von der Mutter getrennt, können Stillprobleme nach dem Kaiserschnitt auftreten. Um dies zu vermeiden, sollte das Kind gestillt werden, sobald die Mutter wach ist. Für den Start zum Stillen ist nach Kaiserschnitt möglicherweise etwas mehr Zeit und Geduld nötig.

Den Stillbeginn einfach zu handhaben, ist für Frauen mit einem ungeplanten Kaiserschnitt besonders wichtig. Mütter, die sich eine natürliche Geburt wünschten, haben manchmal Probleme damit, sich von dieser Vorstellung zu verabschieden. Sie fühlen sich schuldig und sind von Versagensängsten geplagt. Das Kind problemlos stillen zu können, wird häufig als Wiedergutmachung empfunden. Nach einem Notkaiserschnitt hilft das Stillen oft die Situation zu verarbeiten. Damit keine Enttäuschung über den Verlauf der Geburt aufkommt, achten die Hebammen in solchen Fällen besonders darauf zu unterstützen. Auch, wenn der Milcheinschuss erst später erfolgt oder die Milchmenge gering ist, können diese Probleme mithilfe einer guten Hebamme überwunden werden.

Wöchnerinnen-Analyse: Hautkontakt begünstigt das Stillen

Nach einer Wöchnerinnen-Analyse des Picker Institut Deutschland gibt es einen Zusammenhang zwischen Stillproblemen und Kaiserschnitt. Demnach haben 35 Prozent der Frauen mit Kaiserschnitt – Frühgeburten ausgenommen – Probleme beim ersten Hautkontakt mit dem Kind. Frauen mit normaler Geburt haben nur eine zehnprozentige Problemhäufigkeit. Der ungestörte Hautkontakt innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt begünstigt wohl einen erfolgreichen Stillbeginn. Darüber hinaus stillen laut der Befragung nach zwei bis drei Monaten nur noch etwa die Hälfte der Frauen ihre Kaiserschnitt-Kinder voll.

Im Vergleich: Bei Kindern, die natürlich zur Welt kommen, sind es zwei bis drei Monate nach der Geburt noch 62 Prozent. Die hohe Rate der Kaiserschnitte soll dem Institut zufolge ein Grund für die steigende Anzahl der Mütter mit Stillproblemen sein.

Tipps zum Stillen nach einem Kaiserschnitt

Manche Krankenhäuser ermöglichen den für die Bindung wichtigen Hautkontakt nach dem Kaiserschnitt noch im OP. Ansonsten kann auch der Vater das Baby in Empfang nehmen und es auf seinen nackten Oberkörper legen.

Besonders in der Anfangszeit brauchen Sie beim Stillen nach Kaiserschnitt vielleicht noch Hilfe. Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme beim Anlegen unterstützen. Weihen Sie auch Ihren Partner in den Ablauf ein und bauen Sie auf seine Mithilfe. Ihre Hebamme kann Ihnen Stillpositionen zeigen, die nach Kaiserschnitt angenehm sind. Schließlich hatten Sie eine Operation und die schmerzende Bauchwunde sollte geschützt werden. Stillen im Liegen kann für Sie jetzt besonders praktisch sein.

Vom Stillen nach Kaiserschnitt profitieren Mutter und Kind. Es sorgt nicht nur für eine innige Bindung, Muttermilch gilt auch als die beste Nahrung für Säuglinge. Sie versorgt das Kind in den ersten Lebensmonaten – bis zum Beikoststart – optimal mit allen Nährstoffen und schützt das Neugeborene gegen Krankheiten und Allergien. Stillen nach Kaiserschnitt hat außerdem den Vorteil, dass die Rückbildung der Gebärmutter gefördert wird.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 24. November 2016
Quellen

Neuste Artikel in dieser Rubrik
Babyernährung & Kinderernährung

Beim Baby-led Weaning bestimmt Ihr Baby selbst, wann es bereit für Beikost ist und nimmt statt Brei von Anfang an feste Nahrung am Familientisch zu sich. Mehr...

Mama, das ess’ ich nicht!

Tagelang nur Nudeln ohne Sauce? Gemüsestückchen werden fein säuberlich aus dem Essen sortiert? Kein Grund zur Panik. Wir geben hilfreiche Tipps zum Umgang mit schlechten Essern. Mehr...

Babyernährung & Kinderernährung

In den ersten Lebensmonaten ist Muttermilch die beste Ernährung für Babys – darüber sind sich Experten weitgehend einig. Wenn – aus welchen Gründen auch immer – statt Muttermilch Flaschenkost auf Babys... Mehr...

Weitere interessante Themen
  • Muttermilchbanken

    In Deutschland gibt es immer mehr Muttermilchbanken. Die wertvolle Zusammensetzung der gespendeten Muttermilch soll vor allem Frühgeborenen und kranken Neugeborenen in... Mehr...

  • Milch und Milchprodukte für Kinder

    Milch und Milchprodukte dienen in erster Linie als Kalziumquelle und können so bei Kindern zu einem gesunden Knochenwachstum beitragen. Durch ihren hohen Gehalt an Nährstoffen wird... Mehr...

Zum Seitenanfang