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Mutter-Kind-Bindung stärken

Stillen nach Kaiserschnitt: Frühes Bonding hilft

Autor: Viola Booth, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 18. April 2019

Dem Stillen nach Kaiserschnitt steht nichts im Wege. Damit das Stillen problemlos klappt, gibt es ein paar Tricks zu beachten – vor allem das frühe Bonding mit dem Baby kann ausgesprochen hilfreich sein.

Stillen nach Kaiserschnitt
Für das Stillen nach Kaiserschnitt ist schneller Hautkontakt nach der OP wichtig
© iStock.com/paulaphoto

Artikelinhalte im Überblick:

Kann man nach Kaiserschnitt stillen?

Viele Frauen sind nach einer Kaiserschnittgeburt verunsichert und fragen sich, ob das Stillen nach Kaiserschnitt überhaupt problemlos möglich ist. Grundsätzlich gilt: Das Stillen funktioniert nach einem Kaiserschnitt ebenso wie nach einer spontanen Geburt, denn auch bei dieser Art der Entbindung produziert der Körper Milch. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hängen Stillprobleme nach einem Kaiserschnitt in den wenigsten Fällen mit dem Kaiserschnitt selbst zusammen. Ist der Stillbeginn geschafft, stillen Mütter nach Kaiserschnitt genauso lange wie Mütter, die ihre Babys vaginal entbunden haben. Die Unterstützung von Hebammen kann besonders hilfreich sein, um das Stillen zu fördern und Stillprobleme zu verhindern. Für den Stillbeginn ist nach einem Kaiserschnitt möglicherweise etwas mehr Zeit und Geduld nötig.

Stillen: Typische Probleme und praktische Helfer

Warum ist stillen nach Kaiserschnitt sinnvoll?

Vom Stillen nach Kaiserschnitt profitieren Mutter und Kind. Es sorgt nicht nur für eine innige Bindung, Muttermilch gilt auch als die beste Nahrung für Säuglinge. Sie versorgt das Kind in den ersten Lebensmonaten – bis zum Beikoststart – optimal mit allen Nährstoffen. Stillen nach Kaiserschnitt hat außerdem den Vorteil, dass die Rückbildung der Gebärmutter gefördert wird. Dies ist gerade nach einem Kaiserschnitt von Bedeutung, weil sich die Gebärmutter nicht so schnell zurückbildet, wie nach einer spontanen Geburt. Auch der Wochenfluss wird durch das Stillen angeregt sowie leichte Nachwehen hervorgerufen, die zur schnelleren Wundheilung der Kaiserschnittnarbe beitragen.

Stillen führt übrigens auch zur Ausschüttung von Oxytocin. Dieses Hormon wird auch als Kuschelbotenstoff bezeichnet, weil es das Gefühl von Liebe, Nähe und Geborgenheit auslöst. Auf diese Weise wird das Band zwischen Mutter und Neugeborenem noch zusätzlich gestärkt.

Frauen, die nicht stillen können oder möchten, müssen sich dennoch keine Sorgen machen: Sie können Ihre Kinder mithilfe von Ersatznahrung gut versorgen. Auch eine enge Bindung ist durch Hautkontakt und Nähe selbst ohne das Stillen auch nach einem Kaiserschnitt möglich.

Ab wann klappt das Stillen nach Kaiserschnitt?

Ab wann gestillt werden kann, hängt von der Narkose-Art sowie dem Zustand von Mutter und Kind ab.

  • Stillen nach PDA (Periduralanästhesie): Bei einer örtlichen Betäubung ist es möglich das Baby sofort zu stillen, wenn die Operation vorbei ist. In einigen Fällen ist dies sogar schon möglich, wenn das Kind zur Welt gebracht wurde, aber der operative Eingriff bei der Mutter noch abgeschlossen wird. Durch das frühe Stillen erhält das Baby auch die Vormilch (Kolostrum), die wertvolle Schutzstoffe liefert.

  • Stillen nach Vollnarkose: Hat die Mutter eine Vollnarkose erhalten, dauert es bis zum Stillbeginn etwas länger. Sobald sie wieder bei vollem Bewusstsein ist, kann das Neugeborene angelegt werden. Meist braucht das Kind in der Zwischenzeit keine Flüssigkeit.

Wie wirken sich die Narkosemittel aus?

Die Medikamente einer PDA oder Vollnarkose sind in der Muttermilch kaum nachweisbar und belasten in diesen geringen Mengen nicht. Nur nach der Gabe von Antibiotika wird mit dem Anlegen gewartet und stattdessen die Milchproduktion erst einmal durch den Einsatz der Milchpumpe angeregt. Auch wenn das Stillen in solchen Fällen mühsam erscheint, spielt es sich meist nach einer Weile ein und kann später reibungslos funktionieren.

Schmerzmittel: Wie vertragen sich Ibuprofen & Co. mit dem Stillen nach Kaiserschnitt?

Schmerzmittel, die in der Stillzeit geeignet sind, können zur Linderung der Schmerzen nach einem Kaiserschnitt eingenommen werden. Am besten geschieht dies direkt im Anschluss an jede Stillmahlzeit. Welche Schmerzmittel in welcher Dosierung für den individuellen Fall am besten sind, kann gemeinsam mit der Hebamme besprochen werden. Hier finden Sie alle Informationen zu Medikamenten in der Stillzeit. Frisch gebackene Mütter haben auch die Möglichkeit, sich beim Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité Universitätsmedizin Berlin über geeignete Arzneimittel in der Stillzeit zu informieren: www.embryotox.de.

Stillposition: Wie stillt es sich nach Kaiserschnitt am besten?

Das Stillen in der halb aufgerichteten Seitenlage kann nach der frischen Operation für viele Frauen am besten geeignet sein – diese Position hat sich in der Praxis bewährt. Dazu liegt die Frau mit einem Kissen vor dem Bauch auf der Seite, sodass ihre Narbe vor Tritten des Babys geschützt ist. Rücken und Arme der Frau werden mit Kissen gestützt, um die Position so angenehm wie möglich zu machen. Wenn die Mutter schon mobiler ist, kann auch im Sitzen gestillt werden. Zur Entlastung der Bauchdecke sollte dann ein Kissen auf den Bauch und eine zusammengerollte Decke unter die Beine gelegt werden. Die Hebamme kann dabei helfen, eine angenehme Stillposition zu finden und zeigt auch, welche Anlegetechniken sich eignen.

Wie oft Stillen nach Kaiserschnitt?

Auch nach einem Kaiserschnitt gilt: Das Stillen sollte nach Bedarf und nicht nach einem bestimmten Zeitplan erfolgen. Wie oft genau das ist, kann von Baby zu Baby unterschiedlich sein. Meist wird innerhalb von 24 Stunden etwa acht- bis zwölfmal gestillt.

Welche Stillprobleme können nach Kaiserschnitt auftreten?

  • Lange Trennung zwischen Mutter und Kind: Wurde das Kind zu spät angelegt oder zu lange von der Mutter getrennt, kann es zu Stillproblemen kommen. Um dies zu vermeiden, sollte das Kind gestillt werden, sobald die Mutter wach ist. Kann anfangs nicht gestillt werden, empfiehlt es sich, die Vormilch mit der Hand aus der Brust zu streichen und sie dem Kind zu geben. Bei längeren Trennungen kann die Milch zur Überbrückung dieses Zeitraums abgepumpt werden.

  • Notkaiserschnitt: Für Frauen mit einem ungeplanten Kaiserschnitt (Notkaiserschnitt) ist es besonders wichtig, den Stillbeginn so stressfrei wie möglich zu gestalten. Denn Mütter, die sich eine natürliche Geburt wünschten, haben manchmal Probleme damit, sich von dieser Vorstellung zu verabschieden. Sie fühlen sich schuldig und sind von Versagensängsten geplagt. Das Kind problemlos stillen zu können, wird häufig als Wiedergutmachung empfunden. Nach einem Notkaiserschnitt hilft das Stillen oft, die Situation zu verarbeiten. Damit keine Enttäuschung über den Verlauf der Geburt aufkommt, achten die Hebammen in solchen Fällen besonders darauf, Mutter und Kind zu unterstützen.

  • Später Milcheinschuss: Der Milcheinschuss findet nach einem Kaiserschnitt etwa drei Tage nach der Geburt und damit etwas verzögerter als bei einer Spontangeburt statt. Die Vormilch reicht aber dennoch aus – ein Zufüttern ist in der Regel nicht erforderlich. Auch, wenn der Milcheinschuss erst später erfolgt oder die Milchmenge gering ist, kann die Hebamme dabei helfen, die Stillprobleme zu überwinden.

  • Schläfriges Baby: Es ist gut möglich, dass das Baby in den ersten Tagen nach der Operation aufgrund der Narkosemittel etwas schläfrig ist und einen verminderten Saugreflex hat. In solchen Fällen müssen Mütter gegebenenfalls etwas geduldiger sein und die Milchbildung durch Abpumpen anregen.

Tipps: Wie klappt das Stillen nach Kaiserschnitt am besten?

Um das Stillen nach Kaiserschnitt problemlos zu ermöglichen, ist vor allem der Hautkontakt wichtig. Doch auch weitere Tipps können Ihnen helfen:

  • Frühen Hautkontakt herstellen: Ein Hautkontakt möglichst bald nach der Geburt wirkt sich sowohl auf den Stillbeginn als auch auf die gesamte Stillbeziehung positiv aus. Manche Krankenhäuser ermöglichen den für die Bindung wichtigen Hautkontakt (auch Bonding genannt) nach dem Kaiserschnitt noch im OP. Ansonsten kann auch der Vater Ihr Baby in Empfang nehmen und es auf seinen nackten Oberkörper legen. Ein enger Hautkontakt ist auch in den weiteren Tagen wichtig. Die Trennung von Ihnen und Ihrem Kind sollte nach der Geburt nur vorgenommen werden, wenn sie aus medizinischen Gründen notwendig ist.

  • Die Milchbildung anregen: Häufiges Anlegen und vor allem das Stillen nach Bedarf kann die Milchbildung anregen und Stillprobleme verhindern. Lockernde Berührungen an der Brust lassen die Milch ebenfalls leichter fließen.

  • Sich von der Hebamme beraten lassen: Besonders in der Anfangszeit brauchen Sie beim Stillen nach Kaiserschnitt vielleicht noch Hilfe. Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme beim Anlegen unterstützen. Weihen Sie auch Ihren Partner in den Ablauf ein und bauen Sie auf seine Mithilfe.

  • Um Hilfe bitten: Dass Sie nach der Operation noch nicht so mobil sind, ist vollkommen normal. Haben Sie keine Scheu, im Krankenhaus nach Hilfe zu fragen. Wenn Sie Ihr Baby noch nicht selbst aus dem Bett heben können, hilft es auch, wenn der Partner anfangs bei Ihnen bleibt, um Ihnen das Baby zu reichen.

Stillen und Ernährung: Diese Lebensmittel sind besonders reich an jetzt wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen
Autor: Viola Booth, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 18. April 2019
Quellen
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