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Empfängnisschutz nach der Geburt

Verhütung in der Stillzeit: Welche Mittel sind geeignet?

Autor: Viola Lex, Medizinautorin | Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 04. Juni 2019

Die Verhütung in der Stillzeit sollte sorgsam geplant werden, denn nicht alle Mittel sind während des Stillens geeignet. Was Sie bei der Verhütung nach der Geburt beachten müssen.

Verhütung in der Stillzeit: Welche Mittel sind geeignet?
Zur Verhütung in der Stillzeit kommen verschiedene Methoden infrage.
© iStock.com/wundervisuals

Die Ansprüche an ein Verhütungsmittel in der Stillzeit sind hoch: Es soll sicher vor einer Schwangerschaft schützen, die Milchbildung beim Stillen und die Gesundheit des Babys durch die Muttermilch nicht negativ beeinflussen. Dazu kommen unterschiedliche Verhütungsmethoden infrage. Lassen Sie sich für Ihren individuellen Fall unbedingt von Ihrem Frauenarzt beraten.

Artikelinhalte auf einen Blick:
Verhütung ohne Hormone: Zwölf alternative Verhütungsmittel

Ab wann verhüten nach der Geburt?

Mit dem ersten Eisprung nach der Geburt können Frauen wieder schwanger werden. Wann genau dieser auftritt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig – zum Beispiel von der Dauer und der Intensität des Stillens. Für jeden, der auf Nummer sicher gehen will, gilt: Sobald Paare wieder Geschlechtsverkehr haben möchten, ist es ratsam, sich um eine geeignete Verhütung für die Stillzeit zu kümmern. Spätestens, wenn die erste Periode wieder eingesetzt hat, ist die Verhütung wichtig. Beachten Sie aber, dass der erste Eisprung bereits vor dem Eintreten der ersten Monatsblutung erfolgt und sich dabei schon eine Schwangerschaft einstellen kann.

Stillen als Verhütungsmittel?

Oft herrscht der Irrglaube, dass das Stillen allein schon wie ein sicheres Verhütungsmittel wirkt und eine Empfängnis in dieser Zeit automatisch verhindert wird. Dies ist jedoch nicht der Fall: Das Stillen bietet keinen kompletten Schutz vor einer Empfängnis. Deshalb sollte während der gesamten Stillzeit verhütet werden.

Wenn die Frau stillt, schüttet der Körper Prolaktin aus, um die Milchbildung anzuregen. Dadurch wird gleichzeitig der Eisprung gehemmt. Auf diese Weise verhindert das Hormon den Beginn des Menstruationszyklus. Bei längeren Stillpausen von mehr als vier Stunden sinkt der Prolaktinspiegel, sodass der Schutz vor einer Empfängnis abnimmt.

Bedingungen, unter denen ein relativ hoher Empfängnisschutz während des Stillens besteht:

  • Das Kind wird voll gestillt – und zwar mindestens sechsmal innerhalb von 24 Stunden und insgesamt mindestens 80 Minuten täglich.

  • Die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten betragen tagsüber höchstens vier Stunden und nachts höchstens sechs Stunden. Abpumpen zählt nicht dazu.

  • Es wird nicht zugefüttert.

  • Es fand seit der Entbindung noch keine Monatsblutung statt (ausgenommen Wochenfluss).

Die Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. (pro familia) gibt an, dass der Pearl-Index unter diesen Bedingungen bei rund zwei bis vier liegt.

Geeignete hormonelle Verhütung in der Stillzeit

  • "Stillpille" oder Minipille: Die sogenannte Stillpille ohne Östrogen, welche wie die Minipille nur das Hormon Gestagen enthält, hat keine Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Muttermilch. Mit der Einnahme sollte jedoch erst sechs bis acht Wochen nach der Geburt begonnen werden. Der Pearl-Index liegt bei 0,3 bis drei. Die Nebenwirkungen der Stillpille und der Minipille sind gering, dafür treten allerdings häufiger unregelmäßige Blutungen auf.

  • Hormonspirale: Die Hormonspirale kann etwa sechs Wochen nach der Geburt eingesetzt werden, jedoch können hier Komplikationen wie einer Verlängerung des Zyklus, Ausbleiben der Menstruation oder Zwischenblutungen auftreten. Der Pearl-Index der Hormonspirale liegt bei 0,16.

  • Hormonstäbchen: Zur Verhütung kommt bei stillenden Müttern auch das Hormonstäbchen (Hormonimplantat) infrage, welches mit einer geringen Gestagendosierung auskommt und keine Wirkungen auf Muttermilch oder Kindsentwicklung haben soll, auch wenn das Hormon in kleinen Mengen in die Muttermilch übergeht. Das etwa streichholzgroße Stäbchen wird auf der Innenseite des Oberarms unter der Haut eingesetzt und gibt dort kontinuierlich Gestagen ab. Der Pearl-Index beträgt 0 bis 0,08. Laut profamilia sind die Erfahrungen mit dem Hormonstäbchen auch in der Stillzeit bisher gering.

  • Dreimonatsspritze: Grundsätzlich kann die Dreimonatsspritze in der Stillzeit verwendet werden, da sie ausschließlich Gestagen enthält. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt allerdings zu bedenken, dass viele Frauen die Spritze nicht vertragen und die Verabreichung frühestens sechs Wochen nach der Geburt erfolgen sollte, um die noch nicht ausgereifte Leber des Babys nicht zu belasten. Pearl-Index: 0,3 bis 0,88.

Ungeeignete hormonelle Verhütung in der Stillzeit

  • Anti-Baby-Pille: Die Pille hat einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,9, ist also eine sehr sichere Methode, die jedoch als hormonelle Verhütungsmethode für die stillende Frau ungeeignet ist. Der hohe Östrogengehalt der Kombinationspille kann die Produktion der Muttermilch verringern und durch die Muttermilch auf den Organismus des Babys übergehen.

  • Verhütungsring: Da Verhütungsringe wie auch die Kombinationspille das Hormon Östrogen enthalten, sind sie aufgrund der negativen Beeinträchtigung der Milchproduktion in der Stillzeit als Verhütungsmittel ungeeigent. Der Pearl-Index beträgt 0,4 bis 0,65.

  • Hormonpflaster: Die Zusammensetzung der Hormone besteht auch beim Hormonpflaster aus einer Kombination von Östrogen und Gestagen. Aus diesem Grund ist diese Verhütung in der Stillzeit genauso wenig geeignet wie die Kombinationspille. Pearl-Index: 0,72 bis 0,9.

Hormonelle Verhütungsmethoden: Welche Möglichkeiten gibt es?

Nach Verhütungspanne: Die "Pille danach" in der Stillzeit

Die "Pille danach" ist ein Mittel zur Notfallverhütung und sollte nur in solchen Fällen und nicht als generelles Verhütungsmittel verwendet werden. Die Einnahme ist allgemein auch in der Stillzeit möglich. Allerdings sind dabei Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, da die enthaltenen Hormone in die Muttermilch übergehen. So kann es möglich sein, dass die Milch in einer Stillpause abgepumpt und weggeschüttet werden muss, bevor wieder gestillt wird. In welchem Abstand zu den Stillmahlzeiten die Pille eingenommen werden darf, ist dem jeweiligen Beipackzettel des Präparates zu entnehmen.

Geeignete mechanische Verhütung und Stillen

  • Diaphragma: Stillende können auch ohne Hormone mit mechanischen Verhütungsmitteln wie dem Diaphragma (oder Portiokappe) verhüten. Bei dem Diaphragma handelt es sich um eine Kappe, welche den Muttermund umschließt und zusätzlich mit einem Spermizid beschichtet wird. Der Pearl-Index für das Diaphragma liegt in Verbindung mit dem Verhütungsgel bei eins bis 20. Wie sicher diese Methode vor einer Empfängnis schützt, ist maßgeblich von der korrekten Anwendung abhängig. Das Diaphragma kann nach der Rückbildung der Gebärmutter etwa drei bis sechs Monate nach der (vaginalen) Geburt verwendet werden und wird in der Regel vom Frauenarzt angepasst und eingesetzt. Wenn vor der Schwangerschaft bereits ein Diaphragma benutzt wurde, ist durch die körperlichen Veränderungen nach der Geburt eine erneute Anpassung notwendig. Es gibt Größen, die speziell für Frauen nach einer vaginalen Geburt oder nach einem Kaiserschnitt angeboten werden.

  • Kupferspirale: Die Kupferspirale kann zur Verhütung in der Stillzeit dienen. Das Einsetzen ist etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt möglich, wenn sich die Gebärmutter zurückgebildet hat. Pearl-Index: 0,3 bis 0,8.

  • Kondome: Natürlich kommt auch die Verhütung durch den Mann in der Stillzeit infrage. Hierfür eignen sich Kondome. Der Pearl-Index für das Kondom liegt bei zwei bis zwölf. Kondome für die Frau sind unter dem Namen Femidom bekannt. Sie sind bei einer korrekten und konsequenten Anwendung ebenso sicher, wie Kondome für den Mann. Nach einer Geburt kann das Femidom bei Frauen als unangenehm empfunden werden.

Kupferkette: Verhütungsmittel im Check

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Natürliche Verhütung in der Stillzeit: Ist die Temperaturmethode geeignet?

Die Verhütung durch regelmäßige Messung der Basaltemperatur ist während der Stillzeit ungeeignet. Das Hormon Prolaktin, das beim Stillen ausgeschüttet wird, beeinträchtigt den Zyklus so stark, dass anhand von natürlichen Verhütungsmethoden wie Temperaturmessungen oder Schleimbeobachtungen keine zuverlässigen Einschätzungen getroffen werden können.

Verhütungsmittel in der Stillzeit im Überblick

Verhütungmittel-/methode geeignet ungeeignet
Stillen als Verhütung  
Stillpille/Minipille  
Kombinationspille (östrogenhaltige Pille)  
Verhütungsring  
Hormonstäbchen ✓ (es liegen nur geringe Erfahrungen vor)  
Hormonpflaster  
Hormonspirale  
Kupferspirale  
Diaphragma/Verhütungskappe  
Kondome  
Temperaturmethode  
Pille danach (im Notfall)  
Dreimonatsspritze ✓ (mit Einschränkungen; siehe oben)  

Verhütung nach Geburt: Mittel für Frauen, die nicht stillen

Um die Milchproduktion oder das Übergehen von Hormonen in die Muttermilch, müssen sich Frauen, die nicht stillen keine Sorgen machen. Dennoch gibt es in puncto Verhütung nach der Geburt für sie einige Hinweise zu beachten. Auch hier empfiehlt sich eine individuelle Beratung beim Frauenarzt. Besonders wichtig: Einige Verhütungsmethoden erfodern je nach Beginn in den ersten sieben Tagen eine zusätzliche Verhütung zum Beispiel durch Kondome. Vor dem Einsetzen einer Spirale oder dem Legen eines Hormonstäbchens sollte eine bestehende Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

  • Die Pille: Die Einnahme der Kombinationspille ist möglich. Aufgrund des Thromboserisikos bei Östrogenzufuhr im Wochenbett sollte damit jedoch erst drei Wochen nach der Geburt begonnen werden. Mit der Minipille kann jederzeit gestartet werden.

  • Hormonstäbchen: Das Implantat kann zwischen dem 21. und 28. Tag nach der Geburt eingesetzt werden.

  • Verhütungsring: 21 bis 28 Tage nach der Geburt ist es möglich, mit der Anwendung zu beginnen.

  • Natürliche Verhütungsmethoden: Es muss berücksichtigt werden, dass Temperaturschwankungen nicht nur aufgrund der Hormone, sondern auch durch Stress und Schlafmangel auftreten können.

Dauerhafte Verhütung nach der Geburt

Wenn der Kinderwunsch abgeschlossen ist, bietet die Sterilisation beim Mann (Vasektomie) eine dauerhafte Lösung für die Verhütung (Pearl-Index: 0,1). Dabei handelt es sich um einen operativen Eingriff, bei dem die Samenleiter durchtrennt und verschlossen werden. Eine solche Operation sollte wohlüberlegt sein: Den Eingriff rückgängig zu machen, ist zwar möglich, eine Garantie für die Wiederherstellung der Fruchtbarkeit gibt es aber nicht.

Bei der Sterilisation der Frau werden die Eileiter durchtrennt und verödet (Pearl-Index: 0,2 bis 0,3). Da auch dieser Eingriff das Ziel einer dauerhaften Unfruchtbarkeit verfolgt, sollte vorher eine ausführliche Beratung und eine sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile stattfinden. Die Sterilisation bei der Frau kann ebenfalls wieder rückgängig gemacht werden. Doch eine Sicherheit dafür, die Fruchtbarkeit wiederherzustellen, gibt es auch bei dieser Refertilisation nicht. Mit zunehmendem Alter sinken die Chancen. Ein solcher Eingriff ist zudem aufwendig und teuer.

Kondome: 5 Fehler beim Verhüten

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