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Stillen und Verhütung

Stillen und Verhütung
Verhütung ist auch in der Stillzeit ein wichtiges Thema
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Verhütung in der Stillzeit ist ein wichtiges Thema, sobald ein Paar nach der Geburt ihres Kindes wieder Geschlechtsverkehr hat. Wenn die Frau stillt, kommen unterschiedliche Verhütungsmittel und -methoden in Frage. Hormonelle Kontrazeptiva können Auswirkungen auf das Kind haben. Mechanische Verhütungsmittel wie die Spirale können mitunter erst spät nach der Geburt angewendet werden, da sich die Gebärmutter zuvor zurückbilden muss.

Leider glauben einige Menschen immer noch, dass stillende Frauen nicht schwanger werden können. Laut BzgA ist der Verhütungsschutz jedoch nur vorhanden, wenn die Frau vollstillt, also mindestens sechs Mal innerhalb von 24 Stunden mit einer Gesamtzeit von mindestens 80 Minuten pro Tag. Deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig auch in der Stillzeit über die Verhütungsmethode nachzudenken.

Hormonelle Verhütungsmethoden

Hormonelle Verhütungsmittel in der Stillzeit können zu unterschiedlichen Komplikationen führen. Die Pille hat einen Pearl-Index von 0,2 bis 0,5, ist also eine sehr sichere Methode, die jedoch für die stillende Frau eher ungeeignet ist. Der hohe Östrogengehalt der Pille kann die Produktion der Muttermilch verringern und die Gewichtszunahme des Säuglings verlangsamen.

Die sogenannte Stillpille ohne Östrogen, welche nur das Hormon Gestagen enthält, hat keine Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Muttermilch. Mit der Einnahme sollte jedoch erst sechs Wochen nach der Geburt begonnen werden. Wenn die Pille jeden Tag zur selben Zeit eingenommen wird, liegt der Pearl-Index bei 0,8 bis 1,5. DieNebenwirkungen der Stillpille sind gering, dafür treten allerdings häufiger unregelmäßige Blutungen auf.

Die Hormonspirale (Intrauterinpessar, IUP) kann etwa sechs Wochen nach der Geburt eingesetzt werden, jedoch können hier Komplikationen wie einer Verlängerung des Zyklus, Ausbleiben der Menstruation oder Zwischenblutungen auftreten. Der Pearl-Index der Hormonspirale liegt bei 0,1.

Zur Verhütung kommt bei stillenden Müttern auch das Hormonstäbchen (Hormonimplantat) in Frage, welches mit einer geringen Gestagendosierung auskommt. Es bleibt drei Monate im Körper.

Mechanische Verhütungsmethoden

Stillende können auch mit mechanischen Verhütungsmitteln wie dem Diaphragma (Portiokappe) verhüten. Bei dem Diaphragma handelt es sich um eine Latexkappe, welche den Muttermund umschließt und zusätzlich mit einem Spermizid beschichtet ist. Das Diaphragma kann etwa drei bis sechs Monate nach der (vaginalen) Geburt verwendet werden und wird in der Regel vom Frauenarzt angepasst und eingesetzt. Wenn vor der Schwangerschaft bereits ein Diaphragma verwendet wurde, kann nach der Geburt eine erneute Anpassung notwendig sein.

Es kommt ebenfalls die Spirale (IUP), zum Beispiel die Kupferspirale in Frage. Beim Einsetzen und Tragen dieser Spirale kann es zu Komplikationen wie Entzündungen oder Verletzungen der Gebärmutterschleimhaut kommen.

Weiterhin kommt die Verhütung durch den Mann in Frage: hierfür eignen sich Kondome. Diaphragma, Spirale oder Kondom sind bei richtiger Anwendung relativ sichere Verhütungsmethoden während der Stillzeit. Der Pearl-Index für das Diaphragma liegt bei zwei bis vier, für das Kondom bei 0,4 bis zwei und für die Spirale bei 0,5 - 2,7.

Verhüten durch Stillen?

Wenn die Frau voll stillt, verhindert das Hormon Prolaktin den Beginn des Menstruationszyklus (Laktationsamenorrhö). In der Regel kommt es dann erst zwischen dem sechsten und 18. Monat nach der Geburt zur ersten Menstruation. Dennoch kann bereits vorher ein Eisprung auftreten und die stillende Frau schwanger werden. Verhüten durch volles Stillen wird als LAM bezeichnet, als die "Lactation Amenorrhea Method". Da die Ausschüttung von Prolaktin auch durch das Saugen an der Brust gefördert wird, können Faktoren wie Zufüttern oder die Verwendung von Stillhütchen oder Flaschen die Sicherheit dieser Methode bereits beeinflussen. Sobald die erste Monatsblutung aufgetreten ist, ist die LAM keine sichere Verhütungsmethode mehr. Bei etwa vier Prozent der Frauen kommt es in der Stillzeit zu einer Schwangerschaft.

Temperaturmethode

Die Verhütung durch regelmäßige Messung der Basaltemperatur ist während der Stillzeit ungeeignet. Da die Basaltemperatur jeden Morgen zum etwa gleichen Zeitpunkt nach dem Aufstehen gemessen werden muss, bringt der unregelmäßige Schlafrhythmus der Frau während der ersten Stillzeit die Messergebnisse leicht durcheinander. Die Werte werden verfälscht und das Risiko einer erneuten, möglicherweise ungewollten Schwangerschaft ist deutlich erhöht.

Die Methode ist dann geeignet, wenn das Kind bereits durchschläft und die Frau wieder einen geregelten Tagesablauf hat. Um die Sicherheit der Temperaturmethode zu gewährleisten, sollte die Frau zum einen ihren natürlichen Menstruationszyklus kennen und bereits mit der Methode vertraut sein, sie also bereits vor der Schwangerschaft zur Verhütung angewendet haben. Wenn die Frau die Temperaturmethode nach der Schwangerschaft zum ersten Mal anwendet, sollten in den ersten Wochen zusätzlich Kondome angewendet werden, bis die Frau mit ihrem Zyklus vertraut ist. Der Pearl-Index beträgt bei richtiger Durchführung 0,5 bis 3, ist also relativ sicher.
 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. Juli 2016
Quellen: Diedrich K., Holzgreve, W. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007; Lothrop, H., Weigert, V.: Das Stillbuch. Kösel, München 2007; Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Verhütung nach der Geburt. http://www.schwanger-info.de (Stand 2016); Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin 20015

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