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Vulvodynie - Schmerzen im weiblichen Intimbereich

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 04. Januar 2018

Die Vulvodynie ist eine Erkrankung der Frau, bei der im Bereich der Vulva Schmerzen, Jucken und Brennen auftreten. Man vermutet vielfältige Ursachen, bislang wurde aber noch zu wenig zur Vulvodynie geforscht. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist die Vulvodynie keine psychische Erkrankung.

Vulvodynie - Schmerzen im weiblichen Intimbereich
Die Diagnose Vulvodynie wird eher selten gestellt - dabei leiden schätzungsweise acht Prozent aller Frauen unter Brennen, Jucken und Schmerzen im Intimbereich
iStock/Voyagerix

Wie äußert sich eine Vulvodynie?

Die Vulvodynie äußert sich durch Schmerzen, Jucken und Brennen an der Vulva, zu der Schamlippen, Klitoris und Venushügel gehören. Oft treten die Schmerzen anlassbezogen auf, also bei Berührung oder Handlungen an den primären, äußeren Geschlechtsorganen. Aber auch ohne Berührung können bei der Vulvodynie im Bereich der Vulva Schmerzen auftreten. Man unterscheidet zwischen lokalisierter (bei Berührungen und Druck, also anlassbezogen) und generalisierter (ohne Anlass, spontane und/oder chronische Schmerzen) Vulvodynie. Die Beschwerden verstärken sich oft kurz vor der Periode.

Beispiele für eine anlassbezogene ("provozierte") Vulvodynie sind:

  • Einführen eines Tampons
  • Geschlechtsverkehr
  • Fahrradfahren/langes Sitzen
  • Untersuchung beim Frauenarzt
  • Tragen enger Unterhosen/Hosen

Die amerikanische National Vulvodynia Association (NVA, Nationale Vulvodynien-Gesellschaft) unterteilt die Vulvodynie, die beim Geschlechtsverkehr auftritt, noch einmal in primär und sekundär. Primär ist sie, wenn die Schmerzen von der ersten Penetration überhaupt an bestehen. Bei der sekundären Vulvodynie haben betroffene Frauen früher bereits schmerzlosen Geschlechtsverkehr erlebt, bis irgendwann bei der Penetration Schmerzen auftreten.

Weil die Symptome der Vulvodynie so unterschiedlich sind, ist eine Diagnose oft schwierig. Das liegt auch daran, dass die Erkrankung bei uns - im Gegensatz zu den USA, wo es zahlreiche Selbsthilfegruppen und sogar eine Vulvodynie-Gesellschaft gibt -, relativ unbekannt ist. Viele betroffene Frauen haben daher bereits mehrere Ärzte aufgesucht, bis sich jemand findet, der die Krankheit diagnostiziert.

Einer Studie aus den USA zufolge (befragt wurden über 2.000 Frauen zwischen 18 und 80 Jahre) leiden etwa acht Prozent aller Frauen unter Vulvodynie. 18 Prozent gaben an, bereits einmal unter Schmerzen gelitten zu haben, die auf eine Vulvodynie hinweisen könnten. Knapp die Hälfte der Frauen mit Beschwerden suchten einen Arzt auf. Bei lediglich drei von ihnen wurde die (korrekte) Diagnose Vulvudynie gestellt.

Ursachen der Vulvodynie

Die Ursachen der Vulvodynie wurden in der Vergangenheit überwiegend einer psychosomatischen Herkunft zugeschrieben. Nach Einteilung der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt sie als "anhaltende somatoforme Schmerzstörung (Klassifikation nach ICD-10: F45.4). Darunter versteht man Schmerzen, die sowohl durch seelische als auch geistige Erkrankungen nicht vollständig erklärt werden könnten.

Vulvodynie ist keine sexuell übertragbare Krankheit und wird auch nicht durch Infektionen verursacht, soviel weiß man heute. Am wahrscheinlichsten ist eine Beteiligung der Nerven im Vaginal- und Beckenbereich, denn die Geschlechtsorgane sind über zahlreiche Nerven mit dem Rückenmark und dem Beckenboden verbunden. Neuere Studien weisen darauf hin, dass der Vulvodynie eine oder mehrere der folgenden Ursachen zugrunde liegt:

  • Verletzungen oder Irritationen der Nerven, die Schmerzen zwischen Vulva und Rückenmark übertragen
  • Zunahme an Anzahl und Empfindlichkeit der schmerzsensiblen Nerven im Bereich der Vulva
  • Überreaktion der Vulva-Zellen auf Infektionen, Umweltgifte oder Traumata
  • Zunahme von entzündungsfördernden Stoffe im Bereich der Vulva
  • Angeborene Neigung zu chronischen Entzündungen, chronischen Schmerzen und/oder Unfähigkeit des Immunsystems, Infektionen zu bekämpfen
  • Beckenbodenschwäche oder -instabilität, Muskelkrämpfe im Beckenbereich

Die Diagnose der Vulvodynie ist eine Ausschlussdiagnose

Früher konnte es mitunter Jahre dauern, bis die korrekte Diagnose Vulvodynie getroffen wurde. Heute sind vor allem Frauenärzte eher für die Erkrankung sensibilisiert. Entscheidend ist eine ausführliche Anamnese, also Besprechung der Krankengeschichte - ohne Zeitdruck. Es werden zunächst Ursachen wie akute Infektionen ausgeschlossen. Es erfolgt außerdem eine Blutuntersuchung, um die Level verschiedener Hormone (Östrogen, Progesteron, Testosteron) zu bestimmen. Im Idealfall zieht der behandelnde Frauenarzt andere Ärzte oder Spezialisten hinzu, zum Beispiel Physiotherapeuten oder Urologen.

Vulvodynie: Behandlung

Bei der Behandlung von Vulvodynie wäre eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten aus verschiedenen Fachrichtungen wünschenswert. Leider ist das nur selten der Fall und das eigene Engagement ist gefragt. Fachgebiete, die je nach individuellem Fall involviert sein könnten, sind:

  • Gynäkologie
  • Dermatologie
  • Neurologie
  • Schmerztherapie
  • Urologie
  • Physiotherapie/Osteopathie
  • Psychologie

Die Therapie der Vulvodynie ist sehr vom individuellen Fall und den jeweiligen Symptomen abhängig. Während eine Behandlung bei manchen Betroffenen wirkt, bleibt sie bei anderen wirkungslos.

Medikamente zur Schmerzlinderung spielen eine große Rolle, um auch den persönlichen Leidensdruck erst einmal zu verringern. Diese können als Tablette eingenommen oder lokal als Creme aufgetragen werden. Wärme- oder Kältebehandlungen werden manchmal ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt. Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Vulvodynie sind:

  • Vermeidung von reizenden Stoffen im Intimbereich
  • Hormoncremes zum Auftragen auf die betroffenen Stellen (in der Regel Östrogen oder Testosteron)
  • Stärkung der Beckenbodenmuskulatur
  • Erlernen von Übungen zum bewussten Entspannen des Intimbereichs und/oder der Beckenbodenmuskulatur
  • medikamentöses Blocken von Nervenreizen
  • Trizyklische Antidepressiva (vor allem bei chronischer Vulvodynie)
  • Neurostimulation (Stimulation von Nerven mittels Stromreiz)
  • Wirbelsäulen-Infusionspumpe (zur Schmerzlinderung)

Zur Psychotherapie und/oder Sexualtherapie wird häufig ergänzend zu anderen Behandlungsformen geraten. Da sich die Vulvodynie häufig auf das Sexualleben auswirkt, kann professionelle Hilfe hier sehr hilfreich sein.

Operative Behandlung der Vulvodynie

Einen Operation kommt für manche Frauen infrage, die unter einer anlassbezogenen Vulvodynie bzw. Vestibulodynie leiden. Bei der Vestibulodynie handelt es sich um Schmerzen bei Berührung im Eingangsbereich der Scheide/Scheidenvorhof, die über mindestens drei bis sechs Monate auftreten. Die operative Behandlung der Vulvodynie sollte erst in Erwägung gezogen werden, wenn andere Therapien nicht oder nur unzureichend angeschlagen haben. Das erfolgreichste Operationsverfahren ist die modifizierte bzw. partielle Vestibulektomie, bei der der schmerzbetroffene Teil des Scheidenvorhofs entweder entfernt oder abgetragen wird. Im Anschluss wird eine Verschiebeplastik erstellt, also Haut aus den umliegenden Bereichen über das vorhandene Unterhautfettgewebe gezogen und vernäht.

Die Erfolgschancen der partiellen Vestibulektomie scheinen recht groß: So befragten finnische Forscher zwischen 1995 und 2007 57 von 70 Frauen, bei denen diese Operation am Universitätsklinikum Helsinki durchgeführt worden war, nach ihren Erfahrungen. 91 Prozent der Frauen waren zufrieden mit dem Ergebnis. Da es sich um eine sehr kleine Studie handelt, bleiben weitere Forschungen abzuwarten, um den Erfolg einer Operation bei Vulvodynie besser bewerten zu können.

Was man selbst bei Vulvodynie tun kann

Wichtig ist, sich die hohe Empfindlichkeit der eigenen Geschlechtsorgane bewusst zu machen und im Alltag einiges zu beachten, um die Vulva nicht ständig zu reizen. Auch wenn es modisch ist, sind enge Hosen und zu enge Unterhosen eher nicht empfehlenswert. Ideal sind nicht zu fest sitzende Unterhosen aus Baumwolle. Es empfiehlt sich, den ganzen Intimbereich bei der Körperpflege sehr schonend zu behandeln und auch keine Waschlotionen mit potentiell reizenden Inhaltsstoffen zu verwenden. Eine gute Intimhygiene ist dennoch wichtig. Auf das Tragen von Slipeinlagen oder Binden mit Duft sollte verzichtet werden. Wenn Geschlechtsverkehr möglich bzw. gewünscht ist, kann der Einsatz eines Gleitgels (möglichst ohne zu viele künstliche Stoffe) die Penetration etwas angenehmer machen.

Einige Experten empfehlen auch eine Desensibilisierung der Vulva durch manuellen Druck, der über die Anwendungszeit langsam verlängert wird. Dazu kann entweder der Daumen oder ein Dilatator für die Vagina mit weicher Oberfläche verwendet werden. Dilatatoren sind Geräte zum Dehnen/Weiten von Körperöffnungen. Wie die Desensibilisierung abläuft und welche Hilfsmittel verwendet werden, wird vor Beginn der Anwendung mit dem Arzt besprochen.

Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Meditation können dabei helfen, mit Schmerzen besser umzugehen. Auch Akupunktur kann ganzheitlich unterstützen. Eine Psychotherapie kann - wenn ohnehin nicht schon verordnet - ebenfalls dazu beitragen, mit der Erkrankung Vulvodynie umzugehen.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 04. Januar 2018
Quellen

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