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Toxic Shock Syndrom (TSS)

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2018

Das Toxic Shock Syndrom oder Toxisches Schock-Syndrom (TSS) ist eine seltene, lebensbedrohliche Komplikation, die durch bestimmte Bakterien ausgelöst wird. Deren freigesetzte Gifte (Toxine) führen unter günstigen Voraussitzungen zu einer Vergiftung. In den vergangenen Jahren wurde vermehrt über das Toxic Shock Syndrom im Zusammenhang mit der Verwendung von Tampons berichtet.

Toxic Shock Syndrom (TSS)
Das Toxic Shock Syndrom (TSS) beginnt mit sehr plötzlich auftretendem hohen Fieber und starkem Krankheitsgefühl
iStock/ljubaphoto

"Sie verlor ihr Leben fast durch einen Tampon" - so oder so ähnlich lauten die Schlagzeilen, wenn über das Toxic Shock Syndrom berichtet wird. Das Toxic Shock Syndrom (TSS), auch als "Tamponkrankheit" bekannt, kann zwar bei Tampon-Verwenderinnen während der Periode auftreten, aber auch Männer und Kinder sind betroffen. Ausgelöst wird TSS nämlich nicht durch Tampons, sondern durch Toxin (Gift) von Bakterien. Diese können sich unter bestimmten Bedingungen stark vermehren.

In Deutschland tritt das Toxic Shock Syndrom sehr selten auf. Etwa die Hälfte aller Fälle betrifft Frauen während ihrer Menstruation, was höchstwahrscheinlich auf den Gebrauch von Tampons oder Menstruationstassen zurückzuführen ist. Für 2015 wurden vom Robert Koch Institut drei bis sechs Fälle pro 100.000 sexuell aktiver Frauen identifiziert.

Aber auch Männer und vor allem Kinder und Jugendliche, deren Immunsystem noch nicht mit bestimmten Bakterienstämmen in Kontakt kamen, können ein TSS entwickeln.

Was ist das Toxic Shock Syndrom (TSS)?

Das Toxic Shock Syndrom bezeichnet einen akuten, lebensbedrohlichen Zustand, der durch Bakterien-Giftstoffe im Körper ausgelöst wird. Verursacher sind in den meisten Fällen Staphylokokken-Bakterien. Seltener kommt es durch von Streptokokken freigesetzte Giftstoffe zu TSS. Zwischen fünf und 20 Prozent aller Staphylokokken-Bakterien können Toxine (Giftstoffe) bilden, wenn sie sich stark vermehren.

Wie es zu dieser schlagartigen Vermehrung kommt, ist sehr unterschiedlich und kann nicht vorausgesagt werden. So befinden sich beispielsweise bei bis zu 40 Prozent der gesunden Menschen Staphylokokken im Nasen-Rachen-Raum, ohne Beschwerden zu verursachen. Da TSS sehr häufig nach einer Grippeerkrankung auftritt, geht man davon aus, dass ein geschwächtes Immunsystem solche günstigen Bedingungen für starke Bakterienvermehrung mit Abgabe von Toxinen herstellt. Aber auch dann kommt es noch immer nicht automatisch zum Toxic Shock Syndrom.

Die Erkrankungen oder Situationen, in denen das Toxic Shock Syndrom auftreten kann, sind entsprechend unterschiedlich und reichen von Grippe über Insektenstiche, postoperative Komplikationen oder chemische Gesichtspeelings bis hin zu Tampon- oder Menstruationstassengebrauch.

Symptome: So äußert sich das Toxic Shock Syndrom (TSS)

Das Toxic Shock Syndrom beginnt sehr plötzlich, oft mit hohem und lang anhaltendem Fieber (über 39 Grad Celsius).  Es zeigen sich außerdem:

  • sehr niedriger Blutdruck (Hypertension)
  • Benommenheit bis hin zur Ohnmacht
  • Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfall
  • ggf. sonnenbrandähnlicher, roter Hautausschlag, besonders an den Handflächen und Fußsohlen
  • Verwirrung
  • Kopf- und/oder Muskel- und Gliederschmerzen
  • rote Augen, Mund und Zunge
  • Krämpfe
  • Organversagen

Wenn Sie oder jemand in Ihrer Umgebung einige dieser Symptome zeigt, zögern Sie bitte nicht, einen Arzt aufzusuchen. Das gilt besonders, wenn kürzlich Tampons benutzt wurden oder eine Haut- oder Wundinfektion besteht, durch die Erreger in den Körper eingedrungen sein könnten. Teilen Sie dem Arzt Ihren Verdacht mit, sodass die Behandlung des TSS umgehend erfolgen kann.

Ursachen des Toxic Shock Syndroms (TSS)

Zum Toxic Shock Syndrom kommt es durch Toxine, welche Bakterien (meist Staphylokokken, seltener Streptokokken) im Körper freisetzen und ihn damit "vergiften". Die Folge sind schwere Symptome, die von Schock über Organversagen bis zum Tod führen können. Bei einer Infektion mit Staphylokokken oder Streptokokken besteht nicht automatisch die Gefahr, ein TSS zu entwickeln. Vielmehr sind es lediglich einzelne Stämme, die Toxine (Gifte) produzieren, welche dem Körper gefährlich werden können.

Entscheidend für die Entwicklung eines Toxic Shock Syndroms sind auch "günstige" Voraussetzungen für die Vermehrung der Bakterien. Das kann auch eine (vorübergehende) Abwehrschwäche wie nach einer schweren Erkältung oder Grippe sein. Auch Wunden nach einer Operation oder Hautinfektionen sind anfällig für Bakterien.

Die Bakterien gelangen auf unterschiedliche Weise in den Körper. Häufig sind sie aber auch einfach natürlicherweise vorhanden, ohne Beschwerden zu machen. Am bekanntesten ist der Zusammenhang mit der Verwendung von Tampons. Hier gelangen die Bakterien entweder über die Hände in die Scheide oder sie sind dort schon vorhanden. Verbleibt der Tampon lange im Körper, finden die Bakterien auf seiner Oberfläche überaus günstige Voraussetzungen, um sich zu vermehren. Aber auch auf Schwämmen und empfängnisverhütenden Membranen (Diaphragma) können sich die Bakterien vermehren. Je länger diese im Körper verbleiben, desto höher ist das Risiko.

Tampon und Toxic Shock Syndrom

In der Scheidenflora können Bakterien siedeln, die von der natürlichen Scheidenflora in Schach gehalten werden und keine Beschwerden machen. Unter bestimmten günstigen Umständen können sich diese Bakterien jedoch auch vermehren. Solche "guten" Voraussetzungen bieten sich zum Beispiel während der Periode und der Benutzung von Tampons. Das gilt besonders, wenn Tampons lange getragen und/oder mit den Fingern eingeführt werden. Denn nun bieten sich den Bakterien (in der Regel sind dies in der Scheide Staphylokokken) optimale Bedingungen, um sich zu vermehren. Zusätzlich bietet der pH-Wert von Menstruationsblut gute Bedingungen für die Bildung von Toxinen.

Manche Stämme von Staphylokokken sondern das Toxin (Gift) TSST-1 ab. Diese gelangen über die Scheidenflora in den Blutkreislauf und führen bei manchen Menschen zum Toxic Shock Syndrom.

Das können Sie tun, um dem Toxic Shock Syndrom während der Periode vorzubeugen:

  • Verwenden Sie lieber keine besonders saugfähigen Tampons.
  • Wechseln Sie Ihren Tampon regelmäßig (ideal sind zwischen vier bis maximal sechs Stunden).
  • Benutzen Sie nachts Binden.
  • Verwenden Sie zum Einführen einen Applikator.
  • Waschen Sie sich die Hände sehr gründlich mit Seife, bevor Sie den Tampon einführen.

Wenn Sie sich gesundheitlich nicht fit fühlen, verwenden Sie bitte keine Tampons. Denn besonders ein geschwächtes Immunsystem kann die Entstehung des Toxic Shock Syndroms begünstigen.

So sieht die Therapie bei Toxic Shock Syndrom (TSS) aus

Bei Verdacht auf Toxic Shock Syndrom erfolgt umgehend die Einweisung ins Krankenhaus. Sich eventuell im Körper befindliche Fremdkörper wie Tampons sollten entfernt werden. Mögliche Infektionsstellen (zum Beispiel Wunden) werden dann desinfiziert und gespült, um Keime vor Ort zu entfernen.

Als Medikament gegen die Vergiftung werden Antibiotika gegeben. Bei einem mit dem Tragen von Tampons verbundenen TSS kann es Sinn machen, Antibiotika auch zusätzlich lokal in die Scheide zu geben, damit diese vor Ort intensiver wirken.

Infusionen und Elektrolyte stabilisieren den Kreislauf und erhöhen den Blutdruck wieder. Wie lange man sich als Betroffener im Krankenhaus einer Behandlung unterziehen muss, hängt maßgeblich von der Schwere des TSS ab.

Je nachdem, wie weit die Vergiftung schon fortgeschritten ist, kann auch eine Behandlung von Organen nötig werden. Oft sind die Nieren betroffen. Ist es bereits zu einem Nierenschaden gekommen, wird im späteren Verlauf der Behandlung auch eine Dialyse nötig.

Risikofaktoren für das Toxic Shock Syndrom

Etwa die Hälfte aller TSS-Fälle betreffen Frauen während ihrer Periode. Aber auch ältere Frauen sowie Männer und Kinder können ein Toxic Shock Syndrom entwickeln - Menschen jedes Alters.

Bestimmte Faktoren erhöhen jedoch das Risiko:

  • vorangegangene Operation
  • Hautwunden, -schnitte oder -verbrennungen
  • Verwendung von sehr saugfähigen Tampons
  • Verwendung von Diaphragma oder Vaginalschwämmen
  • aktuelle oder vergangene Erkältung, Grippe oder andere virale Infektion, die das Immunsystem schwächt

Es gibt Hinweise auf eine gewisse Anfälligkeit für das Toxic Shock Syndrom: Personen, die schon einmal ein TSS erlitten, haben ein wesentlich höheres Risiko für ein erneutes Auftreten. Auch frühere Bakterieninfektionen mit Staphylokokken oder Streptokokken erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Toxic Shock Syndrom.

Ärzte empfehlen früheren Betroffenen, während der Periode keinesfalls Tampons zu verwenden.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Frauengesundheit"
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