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Schutz vor einer sexuell übertragbaren Infektion

HPV-Impfung: Risiko für Gebärmutterhalskrebs reduzieren

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2019

Sexuell aktive Menschen können sich mit HPV anstecken – auch schon beim ersten Sexualkontakt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur schützenden HPV-Impfung: Wann die Impfung erfolgen sollte, was sie nützt und warum sie Krebs vorbeugen kann.

HPV-Impfung: Risiko für Gebärmutterhalskrebs reduzieren
Die HPV-Impfung wird Mädchen und Jungen zum Schutz vor einer Infektion empfohlen.
© iStock.com/AzmanL

HPV ist die Abkürzung für "Humane Papillomviren". Diese Viren können von Mensch zu Mensch übertragen werden und durch kleinste Verletzungen in Haut oder Schleimhäute eindringen. Einige HPV-Viren werden durch Hautkontakt übertragen und sind Auslöser für harmlose Hautwarzen. Eine Ansteckung mit genitalen HPV-Viren erfolgt über Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr.

Genitale Viren, die als Niedrigrisikotypen eingestuft werden, können zur Entstehung von gutartigen Feigwarzen führen. Hochrisiko-HPV-Typen bergen das Risiko für Krebserkrankungen – zum Beispiel des Gebärmutterhalses, des Penis, des Anus oder des Mundrachens.

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Wovor schützt eine HPV-Impfung?

HPV gehört weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen: Experten gehen davon aus, dass sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit HPV infizieren. Die HPV-Impfung soll davor schützen, dass die Viren im Körper verbleiben und dort Krebsvorstufen oder Krebserkrankungen auslösen.

Lesen Sie hier alles, was Sie über humane Papillomviren, die Symptome einer Ansteckung und die Möglichkeiten einer Behandlung wissen müssen.

Welche Folgen kann eine HPV-Ansteckung haben?

In vielen Fällen wehrt das Immunsystem die Krankheitserreger erfolgreich ab und eine Infektion heilt ohne Beschwerden aus. Bleibt die Infektion jedoch bestehen, kann dies Zellveränderungen hervorrufen. Solche Veränderungen des Gewebes werden als Krebsvorstufen bezeichnet, aus denen sich unbehandelt nach Jahren möglicherweise bösartige Tumore entwickeln.

Circa zehn Prozent der HPV-Infektionen führen zu Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses, aus denen unbehandelt in 30 bis 50 Prozent der Fälle Krebs entstehen kann. Aufgrund von Krebsvorstufen im Gebärmutterhals wird in Deutschland jährlich bei 56.000 Frauen eine Konisation, ein Ausschneiden des Gebärmutterhalses zur Entfernung der Schleimhautzellen, durchgeführt. An Krebserkrankungen, die durch eine HPV-Infektion hervorgerufen wurden, erkranken in Deutschland jährlich etwa 6.250 Frauen und 1.600 Männer. Am häufigsten handelt es sich dabei um Gebärmutterhalskrebs – jährlich gibt es bei Frauen in Deutschland etwa 4.600 Neuerkrankungen.

Wie beugt eine HPV-Impfung Krebs vor?

Die HPV-Impfung soll verhindern, dass sich Krebsvorstufen und die daraus resultierenden Krebserkrankungen entwickeln. Die Impfung schützt fast zu 100 Prozent vor den HPV-Typen, die im Impfstoff enthalten sind.

Das Robert Koch-Institut sieht das Risiko für Erkrankungen durch die HPV-Impfung in Zukunft deutlich reduziert. Das German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) spricht sogar davon, dass es bei hoher Impfbeteiligung zu einer Auslöschung von HPV-bedingten Erkrankungen kommen könnte. Zum aktuellen Zeitpunkt fehlen dazu noch entsprechende Studien, denn die HPV-Impfung ist relativ jung: Da es zehn bis 30 Jahre dauert, bis sich aus den Krebsvorstufen Gebärmutterhalskrebs entwickelt, sind bisher noch keine Erkrankungsfälle zu erwarten. Wissenschaftliche Studien konnten aber bereits belegen, dass die Impfung das Risiko für Krebsvorstufen reduziert. Diese entwickeln sich drei bis sechs Jahre nach einer HPV-Infektion.

Wer sollte sich gegen HPV impfen lassen?

Zur Einführung der HPV-Impfung im Jahr 2007 wurde die Impfung jungen Mädchen empfohlen. Seit 2018 hat das Robert Koch-Institut die Impfung ebenfalls für Jungen in den Impfkalender aufgenommen.

Warum ist eine HPV-Impfung auch für Jungen wichtig?

Gebärmutterhalskrebs ist zwar die häufigste durch HPV verursachte Krebserkrankung, jedoch sind auch Männer von den Folgen einer Infektion betroffen. Über 30 Prozent aller HPV-bedingten Krebsfälle in Europa treten laut dem German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) bei Männern auf. Außerdem kann durch das Mitimpfen der Jungen die Virusübertragung in der Bevölkerung reduziert werden. HPV-Infektionen verlaufen nämlich meist ohne Symptome und können sich ohne Impfschutz daher gut in der Bevölkerung verbreiten.

In welchem Alter sollte die HPV-Impfung durchgeführt werden?

Die HPV-Impfung sollte bei Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren erfolgen. Dieses frühe Alter wird empfohlen, da der Impfschutz am höchsten ist, wenn noch kein Kontakt mit HPV stattgefunden hat. Zu einer Ansteckung mit HPV kann es allerdings bereits beim ersten Sexualkontakt kommen: Studien zufolge infizieren sich rund 40 Prozent der Frauen in den ersten ein bis zwei Jahren ihrer sexuellen Aktivität.

Die HPV-Impfung ist daher am wirksamsten, wenn sie noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr stattfindet. Studien haben außerdem gezeigt, dass die Immunantwort auf die Impfung in jungen Lebensjahren besser ist. Versäumte HPV-Impfungen sollten so früh wie möglich nachgeholt werden – am besten spätestens bis zum vollendeten 17. Lebensjahr. Neben Frauenärzten bieten auch Wie finde ich einen guten Kinderarzt? sowie Allgemeinärzte die HPV-Impfung an.

Ist eine HPV-Impfung auch noch nach dem ersten Geschlechtsverkehr sinnvoll?

Selbst wenn die HPV-Impfung vor den ersten sexuellen Kontakten am wirksamsten ist, sollte sie bei ungeimpften Mädchen und Jungen auch danach noch erfolgen. Der Grund: Auch wenn bereits eine Infektion mit einem HPV-Typen stattgefunden hat, kann die HPV-Impfung immer noch wirkungsvoll vor einer Infektion mit anderen, im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen schützen.

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Wie oft muss gegen HPV geimpft werden?

Im Alter von neun bis 14 Jahren wird gegen HPV mit zwei Dosen im Abstand von mindestens fünf Monaten geimpft. Bei kürzerem Abstand sind drei Dosen erforderlich. Ab einem Alter von 15 Jahren weicht das Impfschema ab: Der Impfstoff Cervarix® wird in drei Dosen geimpft (Abstand: 0-1-6 Monte), der Impfstoff Gardasil®9 ebenfalls in drei Dosen (Abstand: 0-2-6 Monate) und innerhalb eines Jahres. Eine Auffrischung der Impfung ist derzeit nicht vorgesehen, denn bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass der Impfschutz über den Zeitraum von zwölf Jahren abnehmen würde.

Wie viel kostet eine HPV-Impfung?

Die Kosten für die HPV-Impfung werden im empfohlenen Alter von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Privatversicherte sollten sich zur Sicherheit vorab bei ihrer Krankenversicherung informieren.

Welche HPV-Impfstoffe gibt es?

Aktuell gibt es zwei HPV-Impfstoffe: Cervarix® und Gardasil®9. Beide Impfstoffe haben in Studien eine hohe Wirksamkeit gegen die HPV-Typen 16 und 18 gezeigt. Sie gehören zu den Hochrisikotypen und werden mit der Entstehung von Krebsvorstufen und Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Beim bivalenten HPV-Impfstoff Cervarix® wird zusätzlich ein gewisser Schutz gegen die Typen 31, 33 und 45 beschrieben. 70 Prozent aller Hochrisiko-HPV-Infektionen werden dadurch abgedeckt. Der neunvalente HPV-Impfstoff Gardasil®9 schützt zusätzlich gegen 31, 33, 45, 52 und 58 und deckt 90 Prozent aller Hochrisiko-HPV-Infektionen ab. Außerdem bietet Gardasil®9 einen Schutz gegen die beiden Niedrigrisikotypen 6 und 11, die für 90 Prozent der Genitalwarzen verantwortlich sind.

Bis vor einiger Zeit wurde noch mit einem Vierfach-Impfstoff geimpft, der mittlerweile durch den Neunfach-Impfstoff ersetzt wurde. Eine Impfserie, die mit dem Vierfach-Impfstoff begann, kann mit dem Neunfach-Impfstoff fortgesetzt werden. Ein vollständiger Impfschutz gegen alle enthaltenen HPV-Typen ist voraussichtlich aber nur nach zwei oder drei (je nach Alter) Impfungen mit Gardasil®9 erreicht.

Wie sicher ist die HPV-Impfung?

Eine HPV-Impfung gilt laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts als ebenso sicher, wie alle anderen Standardimpfungen des Impfkalenders. Nebenwirkungen in Form von bleibenden Schäden wie Autoimmunerkrankungen oder neurologische Komplikationen sind seit der Impfeinführung nicht aufgetreten. Weltweit wurden bisher 270 Millionen HPV-Impfungen verabreicht, ohne dass es zu wesentlichen Impfkomplikationen kam. Anfang 2018 erschien eine umfangreiche Auswertung, durch die Sicherheit und Wirksamkeit der HPV-Impfung erneut bestätigt wurde.

Welche Nebenwirkungen können bei einer HPV-Impfung auftreten?

Zeitlich begrenzte Nebenwirkungen, die vollständig wieder verschwinden, sind nach einer HPV-Impfung möglich. Dazu zählen Kopfschmerzen, Schwindel oder Abgeschlagenheit. Wie bei anderen Impfungen kann außerdem eine Überempfindlichkeit auftreten. Dies geschieht in etwa 1,7 Fällen pro eine Millionen Impfungen. Direkt nach der HPV-Impfung sind wie bei anderen Impfstoffen typische Reaktionen möglich: lokale Schwellungen, Rötungen oder Schmerzen an der Einstichstelle oder Kreislaufreaktionen.

Beeinflusst die HPV-Impfung das Sexualverhalten von Jugendlichen?

Kritiker der HPV-Impfung befürchten, dass sie bei geimpften Personen ein riskantes Sexualverhalten hervorrufen könnte. Junge Mädchen würden sich durch die Impfung beispielsweise in trügerische Sicherheit wiegen und auf den Gebrauch von Kondomen, der zum Schutz vor weiteren sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV unabdingbar ist, verzichten. Studien konnten dies jedoch nicht beweisen: Mehreren Untersuchungen aus verschiedenen Ländern zufolge sind geimpfte Mädchen weder früher sexuell aktiv, noch haben sie mit einer größeren Partneranzahl Sex oder verzichten aufgrund der Impfung bewusst auf Kondome.

Sind Kondome eine Alternative zur HPV-Impfung?

Kondome stellen einen wichtigen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten dar. Sie reduzieren auch das Risiko einer Ansteckung mit HPV. Allerdings kann eine Übertragung der Viren durch die Verwendung von Kondomen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Denn HPV-Viren können sich auch in den Genitalbereichen befinden, die nicht von Kondomen abgedeckt werden. Bei sehr engem Kontakt während des Geschlechtsverkehrs kann es deshalb trotzdem zu einer Ansteckung kommen.

Kann nach der HPV-Impfung auf Vorsorgeuntersuchungen verzichtet werden?

Trotz HPV-Impfung ist es wichtig, dass Mädchen und Frauen die Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wie den Pap-Test beim Frauenarzt wahrnehmen. Dabei können Zellveränderungen frühzeitig entdeckt werden, die durch andere, nicht im Impfstoff enthaltene HPV-Viren verursacht werden. Dadurch ist es möglich, rechtzeitig Therapien einzuleiten und die Entstehung von Krebs zu verhindern.

Hormonelle Verhütungsmethoden: Welche Möglichkeiten gibt es?
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Frauengesundheit"
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