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HPV-Impfung: die Schutzimpfung für Mädchen und junge Frauen

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Die HPV-Impfung wird für Mädchen bis 14 Jahre empfohlen
(c) iStockphoto/AleksandarGeorgiev

HPV-Viren lösen Infektionen aus, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Mit der HPV-Impfung steht somit indirekt eine Schutzimpfung vor Krebs zur Verfügung. Empfohlen wird die Impfung für alle Mädchen zwischen neun und 14 Jahren und zur Nachimpfung für junge Frauen bis 17 Jahre. Sie sollte möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen, da sie dann die höchste Wirksamkeit erreicht.

HPV – was ist das?

HPV bedeutet Humane Papilloma-Viren. Es handelt sich hierbei um eine ansteckende Virusinfektion, von der es weit über hundert Arten gibt. Viren werden meist vom körpereigenen Immunsystem eliminiert, doch einige Virenarten werden von Fachleuten für ernste Erkrankungen mitverantwortlich gemacht. Der Virologe Harald von Hausen forscht seit den 1970er Jahren an Papillomviren als Auslöser für Erkrankungen. Im Rahmen dieser Arbeit bekam er 2008 den Nobelpreis für Medizin.

Die HPV-Impfung wird seit 2007 für Mädchen und junge Frauen von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes (STIKO) empfohlen. Der neuste Impfstoff richtet sich gegen neun der über hundert Virenarten, darunter die Typen HPV 16 und 18, die als Hauptauslöser von Gebärmutterhalskrebs gelten. Erkrankungen können jedoch auch durch

Wie kann man sich mit HPV-Viren anstecken?

Eine Ansteckung mit dem HPV-Virus geschieht über Kontaktinfektion, vermutet wird auch eine Möglichkeit der Schmierinfektion. Häufig wird das HPV-Virus beim Geschlechtsverkehr übertragen. Die Symptome einer Erkrankung lassen sich oft im Genitalbereich, an der Gebärmutter oder am After finden. Hier können verschiedene Warzenformen, beispielsweise Feigwarzen, entstehen, die häufig vom Betroffenen unbemerkt bleiben. Oft verschwinden diese von alleine. Auch im Mundraum, an der Zunge oder am Kehlkopf lassen sich manche HP-Virenarten nachweisen.

Warum werden generelle HPV-Impfungen für Mädchen empfohlen?

Experten gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller sexuell aktiven Menschen mit HPV-Viren belastet sind, ob diese nun Symptome zeigen oder nicht. Von einer flächendeckenden Impfung erhoffen sich Experten, dass die HPV-Infektionen und deren Auswirkungen zurückgehen. Inzwischen sind in über 80 Ländern der Erde Impfempfehlungen bezüglich einer HPV-Impfung ausgesprochen worden.

In Deutschland wird die HPV-Impfung von der ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes (STIKO) für Mädchen bis 14 Jahre empfohlen und bis zum 17. Lebensjahr von der Krankenkasse bezahlt. Vorzugsweise soll die Impfung früh, im Alter zwischen 9 und 14 Jahren, verabreicht werden. Die Wirksamkeit ist dann besonders hoch und es werden nur zwei statt drei Impfdosen benötigt. Wichtig ist, dass die Impfung möglichst vor dem ersten Sexualkontakt durchgeführt werden sollte.

Welche Risiken können mit HPV-Impfungen gemindert werden?

70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) werden von den beiden HPV-Arten 16 und 18 ausgelöst. Aufgrund dessen scheint eine Impfung hier sinnvoll zu sein. Allerdings können auch noch über ein Dutzend andere HPV-Arten zum Zervixkarzinom führen, diese aber in deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit. Die so genannten Feigwarzen (Kondylome) sind Gewebewucherungen im Genitalbereich, die zu 90 Prozent auf die beiden HPV-Arten 6 und 11 zurückzuführen sind.

Neuer Impfstoff schützt gegen 9 HPV-Typen

Bisher gab es die beiden Impfstoffe Cervarix und Gardasil, die jedoch nur gegen zwei bzw. vier der über 100 verschiedenen HPV-Arten schützten. Kritiker wiesen zurecht auf den noch unzureichenden Schutz hin, selbst wenn die beiden häufigsten Auslöser, Typ 16 und 18, in beiden Impfungen integriert waren.

Seit August 2017 ist nun mit Gardasil 9 ein neuer Impfstoff erhältlich und zugelassen, der zusätzlich gegen HPV 6, 11 und noch fünf weitere HPV-Typen schützt. Eine bereits begonnene Impfserie sollte nach Empfehlung des Robert-Koch-Institutes allerdings mit dem gleichen Impfstoff beendet werden.

Gibt es unerwünschte Nebenwirkungen nach HPV-Impfungen?

Die unerwünschten Nebenwirkungen nach HPV-Impfungen liegen im Bereich aller gängigen Impfungen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Rötungen und Juckreiz der Einstichstelle nach der Injektion, Schwindel, Kopfschmerzen oder Müdigkeit.

Es wurden auch wenige schwere Nebenwirkungen beobachtet, die angeblich mit der Impfung in Verbindung standen, diese konnten aber nicht direkt mit den HPV-Impfstoffen in Verbindung gebracht werden.

Warum ist die HPV-Impfung dann so umstritten?

Aktuell werden weniger als die Hälfte aller Mädchen in Deutschland gegen HPV geimpft. Die HPV-Impfung ist relativ umstritten, da die Mittel sehr teuer sind und von ihren Herstellern zum Teil aggressiv beworben wurden. Kritiker bemängeln, dass die Dauer der Wirksamkeit noch nicht abschließend geklärt sei, und die jungen Frauen durch die Impfung in falscher Sicherheit gewiegt würden. Studien haben außerdem gezeigt, dass andere Risikofaktoren wie Rauchen, Herpes- und Chlamydieninfektionen oder die langzeitige Einnahme der Antibabypille ebenfalls die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs begünstigen können. Trotzdem ist eine Skepsis bezüglich der HPV-Impfung aus medizinischer Sicht weitgehend unbegründet. Natürlich sollten Mädchen im Rahmen der Sexualerziehung lernen, dass es noch viele weitere Geschlechtskrankheiten sowie die Möglichkeit einer ungewollten Schwangerschaft gibt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. Oktober 2017
Quellen: De Gruyter, Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2016, de Gruyter Verlag, Berlin 2017; Online-Informationen des Krebsinformationsdienstes: https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/hpv-impfung.php (Abruf: Oktober 2017); Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts Berlin, http://www.rki.de (Stand: Oktober 2017)

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