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Sexuell übertragbare Infektion

HPV: Humane Papillomviren können Krebs verursachen

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 22. Oktober 2019

Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich mindestens einmal in ihrem Leben mit HPV. Oft klingen Infektionen ohne Folgen von alleine wieder ab, doch in manchen Fällen lösen humane Papillomviren Krebs aus. Das sollten Sie über Ursachen, Symptome und die Früherkennung wissen.

HPV: Humane Papillomviren können Krebs verursachen
HPV kann durch Geschlechtsverkehr übertragen werden
© iStock.com/nd3000

Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Es wird davon ausgegangen, dass sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal in ihrem Leben damit infizieren. Oft wehrt sich das Immunsystem effektiv gegen die Erreger und die Infektion heilt von alleine ab. In einigen Fällen können jedoch ernsthafte Erkrankungen daraus folgen. Die häufigste Krebserkrankung, die durch eine Infektion mit HPV entsteht, ist der Gebärmutterhalskrebs bei Frauen.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Was sind humane Papillomviren (HPV)?

Bei HPV handelt es sich um DNA-Viren, die über ein spezielles Erbmaterial aus DNA (Desoxyribonukleinsäure) verfügen. Einige Viren der HPV-Familie führen zur Entstehung von gewöhnlichen, harmlosen Hautwarzen, andere begünstigen das Auftreten von Genitalwarzen (Feigwarzen) und wieder andere sind mit einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen verbunden – insbesondere für Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Diese Krebsart wird zu fast 100 Prozent durch HPV verursacht.

Aufgrund ihres unterschiedlichen Risikos werden humane Papillomviren in zwei HPV-Risikotypen unterschieden:

  • Hochrisikotypen: Insgesamt existieren zwölf Hochrisikotypen, von denen vor allem Typ 16 und 18 das Potenzial besitzen, bösartige Tumore zu erzeugen. Nach der Infektion vergehen etwa drei bis sechs Jahre, bis sich Zellveränderungen des Gebärmutterhalses zeigen. Solche Zellveränderungen können eine Krebsvorstufe (zervikale intraepitheliale Neoplasie) darstellen. Bösartige Tumore können sich zehn bis 30 Jahre nach der Infektion entwickeln.
  • Niedrigrisikotypen: Hier spielen vor allem die HPV-Typen 6 und 11 eine wichtige Rolle, da sie zur Entstehung von Genitalwarzen (Condylomata acuminata) führen können. Es handelt sich bei dieser Erkrankung um gutartige Gewebswucherungen, die sowohl bei Frauen als auch bei Männern vorkommen. Von Genitalwarzen sind etwa ein bis zwei Prozent der sexuell aktiven Menschen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren betroffen. Die Zeit von der HPV-Infektion bis zum Auftreten der Feigwarzen (Inkubationszeit) kann zwischen zwei Wochen und acht Monaten betragen – in den meisten Fällen liegt sie bei zwei bis drei Monaten.
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Vorbeugung: Impfung und Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig

Die ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt die Impfung gegen HPV als effektivste Maßnahme der Prävention. Die Impfstoffe schützen zu fast 100 Prozent vor einer Infektion mit den enthaltenen HPV-Typen und deren Folgeerkrankungen. Da Experten davon ausgehen, dass es bereits kurz nach der Aufnahme von sexuellen Aktivitäten zu einer Infektion kommt, wird die Impfung schon in jungen Jahren und möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen. Mädchen und Jungen sollten sich im Alter von neun bis 14 Jahren impfen lassen. Bei einer bereits bestehenden HPV-Infektion kann durch eine Impfung keine Wirkung mehr erzielt werden. Lesen Sie hier alles, was Sie zur HPV-Impfung wissen müssen.

Kondome stellen allgemein einen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten dar und reduzieren das Risiko einer Infektion mit HPV. Allerdings kann eine Ansteckung mit humanen Papillomviren auch unter dem Gebrauch von Kondomen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Der Grund: Sie decken nicht alle Körperstellen ab, die möglicherweise infiziert sein könnten. Bei sehr engem Körperkontakt kann es während des Geschlechtsverkehrs daher trotzdem zu einer Übertragung kommen. Dennoch gilt: Bei häufigem Wechsel der Sexualpartner sollte nicht auf Kondome verzichtet werden, da die Ansteckungsgefahr zumindest vermindert wird und sie vor weiteren sexuell übertragbaren Infektionen schützen.

Ursachen: Wie wird HPV übertragen?

Die Übertragung der HPV-Viren erfolgt von Mensch zu Mensch. Mikroskopisch kleine Verletzungen im Gewebe ermöglichen es den Viren, in Haut oder Schleimhäute einzudringen und dort die sogenannten Epithelzellen zu infizieren. Oft handelt es sich um eine vorübergehende Infektion, die nach ein bis zwei Jahren nicht mehr nachweisbar ist. Bleiben die Viren jedoch bestehen, ist es möglich, dass sich daraus Krebsvorstufen entwickeln, aus denen sich nach Jahren bösartige Tumore bilden können.

Harmlose Viren, die zur Entstehung von Hautwarzen an Händen oder Füßen führen, können durch normalen Hautkontakt übertragen werden. Den häufigsten Übertragungsweg für genitale Viren stellt der Geschlechtsverkehr dar. Aus diesem Grund ist das Risiko einer Ansteckung unter bestimmten Bedingungen wie dem ständigen Wechsel von Sexualpartnern erhöht. Nach heutigem Kenntnisstand spielen Blut, Speichel oder Muttermilch bei der Übertragung von HPV hingegen keine Rolle. Ob es durch den Kontakt der Genitalschleimhäute mit verunreinigten Toiletten oder Handtüchern zu einer Ansteckung kommen kann, ist unklar.

Risikofaktoren einer HPV-Infektion auf einen Blick

  • hohe Anzahl von Sexualpartnern über die gesamte Lebensspanne
  • homosexuelle Sexualkontakte
  • Oral- und Analverkehr
  • sehr enger Körperkontakt beim Sex trotz Kondombenutzung
  • in seltenen Fällen: Übertragung durch Schmierinfektion
  • ebenfalls selten: Übertragung bei der Geburt von der Mutter auf das Neugeborene

Einige Faktoren können das Risiko für Gebärmutterhalskrebs noch zusätzlich erhöhen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Nikotinkonsum
  • eine hohe Geburtenzahl
  • andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Herpes genitalis oder Chlamydien
  • langjährige Einnahme der Pille
  • Immundefekte wie nach einer Infektion mit HIV
  • Einnahme von Immunsuppressiva (Medikamente, die zu einer Unterdrückung des Immunsystems führen, zum Beispiel nach einer Organtransplantation)

HPV-Symptome: Wie macht sich eine Infektion bemerkbar?

Eine Infektion mit HPV ist tückisch, denn sie verläuft häufig ohne Symptome. Bei einer Infektion mit HP-Viren des Hochrisikotypen zeigen sich beispielsweise keinerlei Beschwerden. In manchen Fällen können Symptome wie ungewöhnliche Blutungen oder Schmerzen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang oder beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Von HPV der Niedrigrisikogruppe verursachte Feigwarzen treten im Genital- oder Analbereich auf und machen sich in manchen Fällen durch Juckreiz oder Brennen bemerkbar.

Diagnose per HPV-Test: Wie stellt der Arzt eine HPV-Infektion fest?

Da eine Infektion ohne jegliche Beschwerden stattgefunden haben kann, ist die Krebsfrüherkennung beim Frauenarzt besonders wichtig: Um Zellveränderungen des Gebärmutterhalses frühzeitig zu erkennen und zu therapieren, werden beim Arztbesuch routinemäßige Screenings durchgeführt. Der gynäkologische Abstrich zeigt, ob HPV-Viren zu finden sind. Beim sogenannten Pap-Test werden Schleimhautzellen an Gebärmutterhals und Muttermund entnommen und mikroskopisch untersucht. Einmal im Jahr können Frauen ab dem 20. Geburtstag die Untersuchung in Anspruch nehmen – die Kosten werden von der Krankenkasse getragen. Wichtig zu wissen: Ein positives Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass eine Krebserkrankung vorliegt.

Bei einem Verdacht auf eine Krebsvorstufe oder Krebs, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen wie ein HPV-Test erforderlich. Dieser Test kann auch nach einer Behandlung von Krebsvorstufen zum Einsatz kommen, um zu beurteilen, ob die Therapie wirksam war. Neu ab dem Jahr 2020 ist, dass bei Frauen ab dem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre im Rahmen der gesetzlichen Früherkennung eine Abstrichuntersuchung in Kombination mit einem HPV-Test durchgeführt werden soll.

Therapie: Wie lässt sich eine HPV-Infektion behandeln?

In vielen Fällen sorgt das Immunsystem dafür, dass die Erreger abgewehrt werden. Die Schleimhautinfektion klingt dann ohne eine notwendige Behandlung oder weitere Folgen ab. Bisher ist jedoch unklar, ob das Immunsystem HPV vollständig beseitigt oder ob die Virusmenge nur so stark verringert wird, dass sie in Tests nicht mehr nachweisbar ist.

Hat sich das Immunsystem nicht erfolgreich gegen die humanen Papillomviren gewehrt, richtet sich die HPV-Behandlung nach der vorliegenden Diagnose:

  • Krebsvorstufen im Gebärmutterhals: Führt eine anhaltende Infektion zu Gewebeveränderungen des Gebärmutterhalses, kann bei Krebsvorstufen eine sogenannte Konisation durchgeführt werden. Dabei wird ein kegelförmiges Gewebestück aus dem Gebärmutterhals entnommen, um verdächtige Schleimhautzellen zu entfernen. Aufgrund einer HPV-Infektion wird dieser Eingriff in Deutschland jährlich bei 56.000 Frauen durchgeführt – meist im Alter zwischen 30 und 34 Jahren.
  • Gebärmutterhalskrebs: Ist bedingt durch eine HPV-Infektion eine Krebserkrankung entstanden, hängt die Therapie von verschiedenen Faktoren wie der Größe des Tumors, dem Schweregrad oder der Lokalisation ab. Zur Behandlung kommen zum Beispiel operative Maßnahmen, Strahlen- oder Chemotherapien infrage. Auch die Konisation kann bereits eine Therapie darstellen, um bei einem frühen Krebsstadium betroffenes Gewebe zu entfernen.
  • Genitalwarzen: Zur Behandlung von Genitalwarzen gibt es verschiedene Möglichkeiten – je nach Größe oder Ort ihres Vorkommens. In Betracht kommen zum Beispiel äußere Behandlungen mit Cremes, Salben oder Lösungen, eine operative Abtragung, abtragende Methoden wie Elektrokauterisation (Zerstörung des Gewebes durch Hitze), Kürettage (Ausschabung der Gebärmutter) oder Lasertherapie. Auch die wiederholte Kryotherapie (Kältetherapie) kann zur Behandlung genutzt werden.
  • Mitbehandlung des Partners: Möglicherweise ist es sinnvoll, dass sich der Partner bei Verdacht auf eine HPV-Infektion ebenfalls untersuchen und gegebenenfalls mitbehandeln lässt. Meist kann übrigens nicht geklärt werden, von welcher Person die Infektion ausging und wer sich angesteckt hat.
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Verlauf und Komplikationen: HPV kann zu Gebärmutterhalskrebs führen

Wie eine HPV-Infektion verläuft, hängt von verschiedenen Faktoren wie Virustyp und weiteren Risikofaktoren ab. Obwohl die Hochrisikotypen der humanen Papillomviren das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen, bedeutet das nicht, dass alle infizierten Frauen auch an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Es ist sogar möglich, dass auch nach einer Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen das Immunsystem die Erreger besiegt und die Zellveränderungen abheilen. In anderen Fällen sind unter anderem folgende Verläufe und Komplikationen möglich:

  • Entwicklung von Krebsvorstufen oder bösartigen Tumoren des Gebärmutterhalses: Etwa zehn Prozent der HPV-Infektionen am Gebärmutterhals führen zu Krebsvorstufen. Im Rahmen der Früherkennung ist es heute möglich, diese rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Bleibt die Behandlung von höhergradigen Gewebeveränderungen aus, kann sich in etwa 30 bis 50 Prozent der Fälle Gebärmutterhalskrebs daraus entwickeln. In Deutschland werden jährlich etwa 4.500 Neuerkrankungen dieser Krebsart verzeichnet.
  • Genitalwarzen und gleichzeitige Infektion mit HP-Viren des Hochrisikotypen: Obwohl Genitalwarzen meist harmlos sind, ist es dennoch möglich, dass gleichzeitig eine Infektion mit Viren der Hochrisikotypen stattfand. Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs könnte also auch bei einer solchen Ansteckung erhöht sein. Eine weitere Warzenform, die sogenannten Condylomata plana, treten vor allen an der Haut rund um den Anus, an der Vorhaut oder am Gebärmutterhals auf und können zu Zellveränderungen führen.
  • Übertragung von HPV bei der Geburt: Leidet eine schwangere Frau an Feigwarzen, ist es in seltenen Fällen möglich, dass die Viren bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden. Sehr selten könnte eine solche Übertragung beim Baby gutartige Wucherungen am Kehlkopf (Larynxpapillomatose) auslösen. Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. empfiehlt, Feigwarzen um die 34. Schwangerschaftswoche herum behandeln zu lassen.
  • Krebserkrankungen bei Männern: Während Gebärmutterhalskrebs bei Frauen die häufigste durch HPV verursachte Krebserkrankung darstellt, können bei Männern andere Arten nach einer Infektion entstehen – Penis- und Analkarzinome, Plattenepithelkarzinome (Hautkrebs) der Mundhöhle und des Rachens. Pro Jahr kommt es bedingt durch HPV zu etwa 250 Peniskarzinomen, 600 Analkarzinomen und 750 Karzinomen der Mundhöhle.
Alarmzeichen in der Schwangerschaft: Bei diesen Symptomen zum Arzt
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 22. Oktober 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: A63 | B07
Quellen
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