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Gendermedizin: der kleine Unterschied

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 07. März 2017

Bisher spielt es bei der Behandlung von Erkrankungen keine Rolle, welches Geschlecht der Patient hat. Dabei sind heute schon einige medizinische Besonderheiten und Unterschiede zwischen Mann und Frau bekannt.

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Männer und Frauen haben nicht nur eine unterschiedliche Lebenserwartung, auch gesundheitlich gibt es Unterschiede, die im Rahmen der Gendermedizin erforscht werden
(c) iStockphoto/laflor

Nicht nur beim Herzinfarkt, sondern auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen zeigen Frauen und Männer unterschiedliche Symptome und reagieren anders auf pharmakologische und invasive Therapien.

Frauen und Männer weisen vielfach unterschiedliche Risikofaktoren für die Entstehung und den Verlauf einer Krankheit und die Risiken der Therapie auf. In vielen Bereichen nehmen Männer und Frauen auch Präventionsangebote unterschiedlich wahr. Daran wird im relativ jungen Bereich der Gendermedizin geforscht. In Deutschland gibt es die Deutsche Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin e. V., die sich dafür einsetzt, dass Unterschiede wahrgenommen und Präventionsangebote und Therapiemaßnahmen individuell auf die Geschlechter abgestimmt werden.

Herzinfarkt bei der Frau: Symptome sind anders

Forscher haben herausgefunden, dass das Herz bei älteren Frauen etwas anders arbeitet, als bei Männern gleichen Alters. Außerdem ist inzwischen bekannt, dass Frauen vor einem Herzinfarkt häufig andere Symptome aufweisen als Männer. Statt der bei Männern typischen Brustschmerzen leiden Frauen oft unter Übelkeit, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch und Schweißausbrüchen. Da Frauen selbst dies oft falsch einschätzen und die behandelnden Ärzte auch, verstreicht dadurch häufig wertvolle Zeit bis zu Diagnosestellung und Behandlungsbeginn.

Frauen-/Männertypische Erkrankungen & Medikamentenversorgung

Manche Erkrankungen treten bei Frauen und Männern unterschiedlich oft auf. So sind Frauen häufiger von Migräne und Depressionen betroffen, wobei auch die Medikamentenabhängigkeit eine typisch weibliche Erkrankung ist, da sehr häufig Antidepressiva wie Benzodiazepine verordnet werden. Männer sind hingegen häufiger von Suchterkrankungen wie Alkoholabhängigkeit betroffen. Auch Schilddrüsenmedikamente werden Frauen häufiger verordnet, da sie häufiger mit einer Schilddrüsenerkrankung diagnostiziert werden. Das heißt allerdings nicht unbedingt, dass sie auch häufiger daran erkranken, denn möglicherweise wird es bei Männern nur nicht so häufig diagnostiziert. Unterversorgt dagegen sind Frauen eher bei der Versorgung mit Medikamenten gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, obwohl gerade sie an Diabetes häufiger erkranken. Eine Studie belegt, dass Frauen bei einem Herzinfarkt eine höhere Sterblichkeit bis zum Erreichen des Krankenhauses haben, was unter anderem daran liegt, dass bei ihnen die Symptome untypisch sind und dadurch die Dringlichkeit der Situation nicht erkannt wird.

Auch Medikamente können bei Männern und Frauen unterschiedlich wirken. Bekannt ist beispielsweise, dass der Betablocker Metoptolol gegen Bluthochdruck bei Frauen stärker wirkt. Das hat aber den Nachteil, dass auch Nebenwirkungen häufiger auftreten.

Lebenserwartung bei Männer und Frauen

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschlang beträgt bei Männern 78,2 und bei Frauen 83,1 Jahren. Frauen bleiben häufiger gesünder im Alter. Todesursache Nummer eins ist bei Männern und Frauen die chronisch ischämische Herzkrankheit (Angina pectoris), wobei Männer etwas häufiger als Frauen betroffen sind. An zweiter Stelle der Todesursachen steht bei den Männern Lungen- und Bronchialkrebs, wohingegen bei Frauen Brustkrebs die häufigste tödliche Krebserkrankung ist.

Gendermedizin: Weitere Forschung nötig

Um individuell Prävention, Diagnostik und Therapie bei Erkrankungen, die sich bei Männern und Frauen unterscheiden, handhaben zu können, ist weitere Forschung im Rahmen der Gendermedizin nötig. Weitere geschlechtersensible Fakten müssen herausgefunden und angewendet werden. In Zukunft könnte es aber bei manchen Krankheitsbildern unterschiedliche Leitlinien für Männer und Frauen geben.

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 07. März 2017
Quellen
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