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Samstag, 22. September 2018
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Gebärmuttersenkung

Autor: Karin Wunder / Dr. med. Ulrike Henning
Letzte Aktualisierung: 18. Mai 2017

Unter einer Gebärmuttersenkung (Descensus uteri) versteht man das Absinken der Gebärmutter im kleinen Becken der Frau. Auch die Scheide kann absinken (Descensus vaginae).

Gebärmuttersenkung
Gezieltes Training kann einer Gebärmuttersenkung vorbeugen
(c) iStockphoto

Häufig treten Senkung von Gebärmutter und Scheide gemeinsam auf. Die Gebärmuttersenkung wird in drei Schwergrade eingeteilt:

  • Grad I: Senkung der Gebärmutter bis maximal der Scheidenmitte
  • Grad II: Senkung der Gebärmutter bis zum Scheideneingang
  • Grad III: Senkung der Gebärmutter bis vor den Eingang der Scheide (von außen zu erkennen) oder kompletter Vorfall (Prolaps) der Gebärmutter aus der Scheide heraus

Ursachen der Gebärmuttersenkung: Schwangerschaft und Geburt sind Risikofaktoren

Normalerweise werden die Organe des kleinen Beckens - Gebärmutter, Blase und Darm – von Bändern, Muskeln und Bindegewebe fest gehalten. Unter besonderen Umständen kann es passieren, dass dieser feste Halteapparat schwach wird und die Organe des kleinen Beckens absinken. Folgende Risikofaktoren können eine Gebärmuttersenkung oder Scheidensenkung begünstigen:

Gebärmuttersenkung: Symptome

Typisches Anzeichen für die Gebärmuttersenkung ist ein Druckgefühl nach unten. Weitere Symptome sind ziehende Schmerzen, die bis ins Kreuzbein und den Rücken ausstrahlen können. Durch die Lageveränderung der Gebärmutter kann es zu Beeinträchtigungen benachbarter Organe wie Blase und Darm kommen. Beschwerden beim Wasserlassen, ungewollter Urin-Abgang beim Niesen, Husten oder Lachen (Harninkontinenz) können daher ebenfalls auf eine Gebärmuttersenkung hinweisen. Drückt die Gebärmutter auf den Enddarm, kann es zu Beschwerden beim Stuhlgang kommen, zum Beispiel ein „Nachschmieren“ von Stuhl oder Probleme, den Darm vollständig zu entleeren.

Gebärmuttersenkung: Blutungen?

Blutungen gehören nicht zu den ausgeprägten Symptomen einer Gebärmuttersenkung. Sollten nach einem Eingriff, der aufgrund einer Gebärmuttersenkung durchgeführt wurde, Blutungen auftreten, kontaktieren Sie bitte Ihren Arzt. Bei einem Gebärmuttervorfall können durch Druckverletzungen Blutungen auftreten. Bei Blutungen gilt generell: Lassen Sie diese ärztlich abklären.

Verlauf der Gebärmuttersenkung: Gebärmuttervorfall eher selten

In vielen Fällen verursacht die Gebärmuttersenkung nur leichte Beschwerden. Schreitet sie jedoch fort, kann es zu großem Leidensdruck kommen. Vor allem der Vorfall (Prolaps) der Gebärmutter aus der Scheide heraus ist dazu zu nennen. Ein Gebärmuttervorfall ist allerdings eher selten.

Auch Harn- und Stuhlinkontinenz treten im Verlauf einer Gebärmuttersenkung auf. Gelegentlich kommt es im Zusammenhang mit einer Senkung der Gebärmutter auch zur Senkung von Blase oder Darm, häufiger zur Senkung der Scheide.

Diagnose der Gebärmuttersenkung

Nicht immer kommt es bei einer Gebärmuttersenkung zu Beschwerden und die Absenkung wird erst beim Kontrollbesuch vom Frauenarzt entdeckt. Bei der gynäkologischen Untersuchung kann die Gebärmuttersenkung durch den Arzt festgestellt werden. Meist erfolgt noch eine vaginale Ultraschall-Untersuchung, um die genaue Lage der Organe im kleinen Becken bestimmen zu können.

Gebärmuttersenkung ertasten

Je nach Ausprägung kann man die Gebärmuttersenkung ertasten. Kommt es beispielsweise dazu, dass sich z. B. die Scheide vorwölbt, lässt sich diese in einigen Fällen mit dem Finger ertasten. Auch der Gebärmutterhals kann unter Umständen ertastet werden. Der Arzt wird zu Untersuchung bei Ihnen mit dem Finger eine Ertastung durchführen. Sie selbst können ggf. eine Veränderung bemerken, wenn Sie mit dem Finger in der Scheide Ihren Muttermund erfühlen und bei einer Pressbewegung einen ungewöhnlichen Druck auf den Muttermund verspüren. Eine Diagnose kann aber nur Ihr Arzt mittels Ultraschall stellen. Wenden Sie sich bei Beschwerden oder Fragen daher direkt an ihn.

Gebärmuttersenkung-Therapie: Beckenbodengymnastik als Teil der Behandlung

Die Therapie der Gebärmuttersenkung besteht in erster Linie aus Übungen zur Kräftigung der Beckenboden-Muskulatur. Auch eine Operation kann nötig werden.

Welcher Behandlungsansatz verfolgt wird, hängt in erster Linie von der Stärke der Beschwerden und dem damit verbundenen Leidensdruck ab. Auch Alter und Gesundheitszustand spielen bei der Therapie-Wahl eine Rolle. Je nach Ursache der Gebärmuttersenkung wird außerdem eine Gewichtsreduktion empfohlen.

Beim Beckenboden-Training (etwa im Rahmen einer Physiotherapie) können auch Konen zum Einsatz kommen. Diese werden in die Scheide eingeführt und müssen dort „festgehalten“ werden. Durch gezielte Stärkung der Beckenboden-Muskulatur wird auch weiteren Symptomen der Gebärmuttersenkung wie Harninkontenz entgegengewirkt.

Gerade älteren Frauen, bei denen die Gebärmutter stark abgesenkt ist, die aber nicht mehr operiert werden wollen oder können, kann ein Scheidenpessar eingesetzt werden. Das Pessar ist ein Kunststoff- oder Porzellanring, der die Gebärmutter an ihren ursprünglichen Platz schiebt und dort hält. Es wird vom Frauenarzt oder der Frauenärztin eingesetzt und muss etwa alle sechs bis acht Wochen ausgetauscht werden, um Entzündungen sowie Druckstellen der Scheide zu vermeiden.

Gebärmuttersenkung: Operation bei ausgeprägten Symptomen möglich

Bei stark ausgeprägten Symptomen wie einem Vorfall (Prolaps) der Gebärmutter aus der Scheide heraus können die ursprünglichen anatomischen Verhältnisse durch eine Operation wieder hergestellt werden. Die operative Behandlung der Gebärmuttersenkung erfolgt entweder minimal-invasiv über die Scheide oder in einer „offenen“ Operation über einen Bauchschnitt. Dabei werden die gesunkenen Organe am Halteapparat fixiert. Je nach Operationsart ist eine lokale Betäubung oder eine Vollnarkose dafür nötig. Nur in schweren Fällen und bei abgeschlossener Familienplanung wird die Gebärmutter komplett entfernt.

Gebärmuttersenkung nach Geburt: So beugen Sie vor

Eine vorbeugende Maßnahme gegen die Gebärmuttersenkung insbesondere nach Schwangerschaft und Geburt ist die gezielte Stärkung der Beckenboden-Muskulatur. Rückbildungs-Gymnastik ist daher besonders wichtig nach einer Geburt. Da der Beckenboden bereits im letzten Schwangerschaftsdrittel stark beansprucht wird, ist auch nach einer Entbindung per Kaiserschnitt ein konsequentes Beckenboden-Training sinnvoll. Eine Gebärmuttersenkung nach der Geburt kann vorübergehend auftreten und sich wieder zurückbilden.

Es empfiehlt sich außerdem, falsche Belastungen zum Beispiel durch schwere körperliche Arbeit zu vermeiden.

Autor: Karin Wunder / Dr. med. Ulrike Henning
Letzte Aktualisierung: 18. Mai 2017
Quellen

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