Suchen Menü

Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Autor: Christian Fiala, Medizinautor
Letzte Aktualisierung: 17. Juni 2017

Eine Gebärmutterentfernung wird bei unterschiedlichen gynäkologischen Erkrankungen vorgenommen. Sie zählt derzeit zu den am häufigsten durchgeführten gynäkologischen Eingriffen weltweit.

Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)
Die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) ist eine der am häufigsten durchgeführten gynäkologischen Eingriffe
© iStock.com/Staras

Etwa jede sechste Frau zwischen 18 und 79 Jahren muss sich einer Gebärmutterentfernung unterziehen, fast die Hälfte dieser Frauen wird zwischen dem 40. und 49. Lebensjahr operiert.

Allein im Jahr 2012 wurden in Deutschland 133.000 Gebärmutterentfernungen durchgeführt. Die Gründe hierfür sind verschieden. Nicht immer ist eine Gebärmutterentfernung von ärztlicher Seite ein Muss, oft kann sich eine von einer Krankheit betroffene Frau selbst entscheiden, ob sie sich einer solchen Operation unterzieht. Diese sogenannten Wahleingriffe überwiegen gegenüber denen mit medizinischer Notwendigkeit in ihrer Anzahl deutlich. Laut Robert-Koch-Institut stehen Bildung, Übergewicht und Anzahl der Geburten der operierten Frauen im Zusammenhang mit der Häufigkeit von Erkrankungen, die eine Gebärmutterentfernung zur Folge haben.

Manche Experten kritisieren, dass die Gebärmutterentfernung als Wahlleistung zu häufig aufgrund von Erkrankungen durchgeführt wird, die auch anderweitig therapierbar sind. Frauen, die unsicher sind, ob dieser Eingriff wirklich der richtige Weg ist, sei deshalb empfohlen, sich mindestens eine zweite ärztliche Meinung einzuholen.

Die Kosten einer Gebärmutterentfernung werden von den Krankenkassen übernommen.

Indikationen für eine Gebärmutterentfernung

Nicht nur bösartige (maligne) Erkrankungen wie Gebärmutterkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Eierstockkrebs oder Eileiterkrebs können eine Gebärmutterentfernung notwendig machen. Weitaus öfter wird die Gebärmutter aufgrund von gutartigen Erkrankungen entfernt. Dies soll dazu dienen, das Leiden der betroffenen Frauen zu lindern. Hierzu zählen etwa starke Regelblutungen (Hypermenorrhoe), lange anhaltende Regelblutungen (Menorrhagie), Myome oder eine starke Gebärmuttersenkung.

In Deutschland sind Myome und damit einhergehende Blutungsstörungen die häufigste Indikation für eine Gebärmutterentfernung. Etwa 75 Prozent aller Entfernungen gehen auf diese Indikation zurück. Da es für diese Beschwerden aber auch noch andere Therapiemöglichkeiten gibt, sollten Für und Wider einer Gebärmutterentfernung ausführlich mit dem Frauenarzt besprochen und sorgsam abgewogen werden.

Operationstechniken für eine Gebärmutterentfernung

Die Gebärmutterentfernung kann durch die Scheide (vaginal) oder mittels Bauchschnitt (abdominal) erfolgen. Oft kann sie auch mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) entfernt werden. Zumindest bei gutartigen Erkrankungen haben operierte Frauen nach einer rein vaginalen Gebärmutterentfernung, die ohne Schnitte einhergeht, einen schnelleren Genesungsverlauf und können die Klinik in der Regel eher verlassen als Frauen, die mit anderen Techniken operiert wurden. Sollte ein vaginaler Eingriff nicht möglich sein, bietet die Bauchspiegelung eine weniger belastende Operationsmöglichkeit gegenüber der mit einem Bauchschnitt.

Vaginale Hysterektomie

Die vaginale Hysterektomie hat den Vorteil, dass kein Bauchschnitt erforderlich ist. Auch ein in der Regel kürzerer Krankenhausaufenthalt trotz Operation per Vollnarkose spricht für die vaginale Hysterektomie. Die Gebärmutterentfernung erfolgt hier über die Scheide. Sie ist für Frauen geeignet, deren Gebärmutter nicht allzu groß ist und bei denen die Gebärmutterentfernung nicht aufgrund bösartiger Erkrankungen (Krebs) erfolgt.

Abdominale Hysterektomie

Die abdominale Hysterektomie erfolgt über einen Schnitt durch die Bauchdecke, in der Regel über einen Querschnitt am Unterbauch. Bei einer sehr großen Gebärmutter kommt eventuell ein Längsschnitt infrage. Oft wird die abdominale Hysterektomie bei bösartigen Erkrankungen der Gebärmutter durchgeführt. Aber auch bei einer großen Gebärmutter kann eine Entfernung über die Bauchdecke sinnvoll sein.

Meist wird nach einer Gebärmutterentfernung über einen Bauchschnitt ein etwas längerer Krankenhausaufenthalt nötig. Je nach Verlauf der Operation kann auch die Heilung etwas länger dauern. Da sich am Unterbauch eine Operationsnarbe befindet, sollte diese gut und nach Anweisung des Arztes gepflegt und geschont werden.

Laparoskopische Hysterektomie

Die laparoskopische Hysterektomie wird mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt. Diese minimal-invasive Operationstechnik hat den Vorteil, dass auf einen größeren Bauchschnitt verzichtet wird. Die Bauchdecke wird an mehreren Stellen mittels kleiner Schnitte geöffnet und die Operationsinstrumente sowie ein Sichtgerät eingeführt. Ein Vorteil der laparoskopischen Hysterektomie ist wie bei der vaginalen Hysterektomie die wesentlich kürzere Verweildauer im Krankenhaus und die meist kürzere Heildauer der Operationswunde durch Vermeidung großer Schnitte durch die Bauchdecke.

Man unterscheidet drei verschieden laparoskopische Operationstechniken zur Entfernung der Gebärmutter:

Laparoskopisch-assistierte vaginale Hysterektomie (LAVH): Freilegen und Vorbereiten der Gebärmutter mittels Bauchspiegelung und anschließende Gebärmutterentfernung durch die Scheide.

Laparoskopische suprazervikale Hysterektomie (LASH): Teilweise Entfernung der Gebärmutter mittels Laparoskopie, der gesunde Gebärmutterhals wird belassen.

Totale laparoskopische Hysterektomie (TLH): Totale Hysterektomie, also komplette Entfernung der Gebärmutter, durch die Bauchspiegelung.

Gebärmutterentfernung: Nachsorge

Da nach einer Operation wie der Gebärmutterentfernung ein erhöhtes Risiko einer venösen Thromboembolie (Gefäßverschluss) besteht, wird bis etwa fünf bis sieben Tage nach dem Eingriff eine medikamentöse Thromboseprophylaxe durchgeführt - und zwar ganz unabhängig von der Operationstechnik. Zur Vorbeugung gehört neben dem Tragen von Kompressions- bzw. Anti-Thrombose-Strümpfen auch die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten wie Heparinen.

Körperliche Schonung ist nach einer Gebärmutterentfernung ebenfalls wichtig. Keinesfalls darf in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Operation schwere, körperliche Arbeit verrichtet werden. Leichte körperliche Tätigkeiten empfehlen sich ebenfalls erst wieder frühestens ein bis zwei Wochen nach dem Eingriff. Da die Heilung bei jedem Menschen anders verläuft, wird auch die Nachsorge vom behandelnden Arzt individuell festgelegt. Geschlechtsverkehr ist erst wieder nach vollständiger Heilung (frühestens sechs Wochen nach der Gebärmutterentfernung) ratsam. Auch diesbezüglich ist es empfehlenswert, sich mit dem Arzt abzustimmen.

Mögliche Risiken und Folgen einer Gebärmutterentfernung

Auch bei einer Gebärmutterentfernung sind die allgemeinen Operationsrisiken vorhanden, hierbei können postoperative Blutungen oder Infektionen auftreten. Außerdem können bei operierten Frauen Komplikationen auftreten, die wie bei jeder anderen Operation mit der Narkose zusammenhängen. Hinzu können später psychische Probleme bei einer Frau ohne Gebärmutter kommen. Sexualitätsstörungen können im Extremfall Folge einer Gebärmutterentfernung sein. Betroffene fühlen sich mitunter nicht mehr als "vollständige" Frau.

Gebärmutterentfernungen sind in den letzten Jahren rückläufig

In den letzten Jahren ist die Quote der Gebärmutterentfernungen zurückgegangen. Eingriffe bei gutartigen Erkrankungen der Gebärmutter werden heute etwas kritischer gesehen, weil auch andere erfolgreiche Therapien möglich sind, die die Gebärmutter erhalten können.

Autor: Christian Fiala, Medizinautor
Letzte Aktualisierung: 17. Juni 2017
ICD-Codes für diese Krankheit: Z90.7
Quellen
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Normal oder behandlungsbedürftig?

Wann sind Stimmungsschwankungen normal und wann behandlungsbedürftig? Ein Überblick zu Ursachen und Hilfen. Mehr...

Weibliche Gesichtsbehaarung

Lästige Haare im Gesicht? Mit diesen Mitteln werden Sie Ihren Damenbart los! Mehr...

Wenn der Bauch drückt

Wer in puncto Essen nicht auf sein Bauchgefühl hört, überfordert sein Verdauungssystem – mit unangenehmen Folgen. Mehr...

Neuste Themen in den Foren

Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen sichern Sie sich hochwertige Preise für sich und Ihre Liebsten!

Jetzt gewinnen
Weitere interessante Themen