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Bei ungewöhnlichem Ausfluss zum Arzt

Scheidenentzündung: Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 03. September 2019

Ein verstärkter Ausfluss ist das Hauptsymptom einer Scheidenentzündung. Durch eine entsprechende Behandlung verläuft die sogenannte Kolpitis in der Regel harmlos. Doch gerade schwangere Frauen sollten schon bei den ersten Anzeichen zum Arzt.

Frau auf der Toilette
Vermehrter Ausfluss kann ein Anzeichen für eine Scheidenentzündung sein
© iStock.com/vadimguzhva

Was ist eine Scheidenentzündung (Vaginitis, Kolpitis)?

Für das Krankheitsbild der Scheidenentzündung werden in der Fachsprache zwei unterschiedliche Begriffe verwendet: "Vaginitis" leitet sich aus dem Lateinischen ab, "Kolpitis" aus dem Griechischen. Beides bezeichnet den anatomischen Bereich, der bei einer Scheidenentzündung betroffen ist – die Vagina. Eine solche Entzündung der Scheide kommt bei Frauen sehr häufig vor. Wie genau eine Kolpitis aussieht, kann unterschiedlich sein. Oft breitet sich die Entzündung auch auf die Vulva aus.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Übertragung: So kommt es zu einer Scheidenentzündung

Die Vagina ist ein besonders empfindlicher Bereich des weiblichen Körpers: Da sie aufgrund ihrer Lage besonders anfällig für Krankheitserreger ist, verfügt sie über einen Schutzmechanismus. Im natürlichen Scheidenmilieu sorgen Laktobazillen (Milchsäurebakterien) für einen leicht sauren pH-Wert. Wird dieser zum Beispiel durch übertriebene Hygiene mit Intimlotionen oder durch die Einnahme von Antibiotika gestört, gerät die Scheidenflora außer Takt. Die Folge: Das Milieu ist nicht mehr sauer genug, sodass Krankheitserreger sich ungehindert vermehren können. Einige Erreger kommen von Natur aus sogar im normalen Scheidenmilieu vor, können sich aber bei einem Ungleichgewicht so stark vermehren, dass eine Infektion ausgelöst wird. Andere werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Dazu gehören Erreger wie Herpes simplex genitalis, Gonokokken, humane Papillomviren (HPV) oder Trichomonaden.

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Ursachen einer Scheidenentzündung: Kolpitis durch Bakterien oder Viren

Es gibt verschiedene Ursachen, die eine Scheidenentzündung auslösen. Hefepilze wie Candida albicans sind häufig schuld, sehr selten stecken hingegen gut- oder bösartige Geschwülste der Scheide oder der Gebärmutter dahinter. Mögliche Ursachen für Vaginitis können sein:

  • Bakterien, Viren oder Parasiten: zum Beispiel Hefepilze wie Candida albicans, A-Streptokokken, E. coli-Bakterien, Staphylokokken, humane Papillomviren, Herpes-simplex-Virus oder Trichomonas vaginalis

  • Andere Auslöser: zum Beispiel allergische Überempfindlichkeiten, Verhütungsmittel wie der Vaginalring, Antibiotika, Hautkrankheiten (Dermatosen) oder Fremdkörper in der Scheide (traumatische Kolpitis) wie etwa ein vergessener Tampon

Risikofaktoren einer Scheidenentzündung

Verschiedene Risikofaktoren begünstigen, dass der Schutzmechanismus der Vagina geschwächt wird und eine Kolpitis entstehen kann:

  • mangelnde oder übertriebene Hygiene
  • Sexualleben wie die Anzahl der Partner oder häufige Partnerwechsel
  • Immunschwäche, zum Beispiel bei HIV oder Krebserkrankungen
  • Hormonschwankungen in Pubertät oder Schwangerschaft
  • Östrogenmangel in den Wechseljahren
  • allergische Reaktionen
  • Veränderungen des pH-Werts, zum Beispiel durch die Verwendung von Intimkosmetik
  • Einnahme von Antibiotika oder Immunsuppressiva (vermindern die Funktion des Immunsystems)
  • Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus
  • Adipositas
  • Stress
  • starke seelische Belastungen
  • Neubildung von Tumoren (Neoplasie)

Ursache einer atrophischen Kolpitis in den Wechseljahren

Bei einer Scheidenentzündung, die in den Wechseljahren auftritt, ist ein Hormonmangel als Ursache denkbar. In den Wechseljahren nimmt der Östrogenspiegel ab, sodass es zu einer Ausdünnung des Scheidengewebes kommt (Atrophie), die Scheidenflora gestört wird und eine Scheidentrockenheit entsteht. Als typisches Symptom einer sogenannten atrophischen Kolpitis gilt ein Brennen in der Scheide, das Frauen vor allem nach dem Geschlechtsverkehr spüren.

Ursache einer Scheidenentzündung bei Kindern

Selten kommt es schon bei Kindern zu einer Scheidenentzündung, meist tritt sie dann in Form einer Vulvovaginitis auf. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Scheide und der Vulva (Vulvitis). Die Kolpitis bei Kindern entsteht, weil Mädchen vor der Pubertät nur in geringen Mengen Östrogen produzieren, das zum Erhalt des Schutzmechanismus benötigt wird. Bakterien können zum Beispiel durch eine Schmierinfektion aus dem Analbereich in die Vagina eindringen und sich dort verbreiten.

Symptome einer Scheidenentzündung

Das Hauptsymptom einer Scheidenentzündung ist ein vermehrter Ausfluss, der sich möglicherweise auch in Konsistenz und Farbe ändert. Normalerweise ist der Ausfluss weiß, mittelfest und geruchlos – infolge einer Scheideninfektion kann er gelblich verfärbt, dünnflüssig oder bröckelig sein und einen unangenehmen Geruch entwickeln. Auch ein Juckreiz im Intimbereich macht sich in einigen Fällen als Symptom einer Kolpitis bemerkbar.

Typische Symptome bei Kolpitis auf einen Blick:

  • vermehrter Ausfluss (Fluor)
  • Jucken
  • Brennen
  • Schmerzgefühl
  • Rötungen
  • Schwellungen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

Diagnose bei Scheidenentzündung – eine Kolpitis feststellen

Treten Symptome einer Scheidenentzündung auf, ist der Gynäkologe der Facharzt der Wahl. Nach einer ausführlichen Anamnese zur Erfassung der Krankheitsgeschichte führt er eine Scheidenspiegelung (Kolposkopie) zur Begutachtung des Erscheinungsbilds durch. Anhand der Bestimmung des pH-Werts stellt der Arzt fest, ob sich dieser im Normalbereich befindet oder Abweichungen vorliegen – der Normalwert der Scheidenflora liegt bei einem pH-Wert von 4,5. Um den Krankheitserreger der Vaginitis zu diagnostizieren, wird ein Abstrich entnommen und dieser direkt unter dem Mikroskop oder anschließend in einem Labor untersucht.

Pilzinfektionen bei Kindern: Das müssen Sie wissen!

Kolpitis-Therapie: Was hilft bei einer Scheidenentzündung?

Zwar sind in der Apotheke rezeptfreie Mittel erhältlich, die eine Scheideninfektion bekämpfen können, trotzdem sollten Beschwerden ärztlich abgeklärt werden. Denn die Behandlung einer Scheidenentzündung richtet sich nach dem Erreger. Während sich Antimykotika in Form von Zäpfchen, Cremes oder Tabletten wirksam gegen Pilzinfektionen zeigen, klingen bakterielle Ursachen mithilfe von Antibiotika ab.

Ergänzend sind zur Behandlung einer Scheidenentzündung weitere Maßnahmen sinnvoll: Dazu gehört das tägliche Wechseln von Unterwäsche und Handtüchern sowie gegebenenfalls die Mitbehandlung des Partners. Hausmittel wie in Joghurt getränkte Tampons sind nicht zu empfehlen. Liegt eine Allergie als Kolpitis-Ursache vor, müssen die Auslöser vermieden werden, steckt ein Tumor hinter den Beschwerden der Vaginitis, ist dieser entsprechend zu behandeln.

Nachbehandlung einer Scheidenentzündung

War die Behandlung der Scheidenentzündung wirksam, kann sich bei Bedarf eine Nachbehandlung anschließen. Sie dient dazu, den pH-Wert der Vagina zu normalisieren. Dazu werden zum Beispiel Präparate in Form von Zäpfchen verabreicht, die Milchsäurebakterien enthalten.

Verlauf und Komplikationen der Kolpitis

In der Regel verläuft eine Scheidenentzündung harmlos und klingt nach einer geeigneten Behandlung ohne weitere Komplikationen ab. Greifen die Erreger jedoch auf weitere Bereiche der weiblichen Geschlechtsorgane über, kann dies gesundheitliche Folgen haben. In solchen Fällen können Folgeerkrankungen entstehen, die im schlimmsten Fall zu einer Unfruchtbarkeit führen.

Sind Herpesviren oder humane Papillomviren (HPV) die Ursachen einer Vaginitis treten dadurch eventuell noch andere Komplikationen auf: Eine Ansteckung mit HPV begünstigt die Entstehung von Feigwarzen und erhöht das Risiko, im Laufe des Lebens an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Bei einer Infektion mit Herpesviren können zwar die Symptome behandelt und die Scheidenentzündung gelindert werden, die Viren verbleiben trotzdem lebenslang im Körper. Aus diesem Grund ist es möglich, dass eine Scheidenentzündung zum Beispiel begleitend zu einer Erkältung erneut auftritt.

Komplikationen einer Scheidenentzündung in der Schwangerschaft

Scheidenentzündungen in der Schwangerschaft bedürfen besonderer Vorsicht. Die Experten des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. raten schwangeren Frauen deshalb, sich bereits bei ersten Anzeichen einer Kolpitis an den Frauenarzt zu wenden. Durch eine entsprechende Behandlung können Komplikationen wie vorzeitige Wehen, vorzeitiger Blasensprung oder eine Fehlgeburt verhindert werden. Da sich Herpesviren und HPV während der Geburt auch auf das Neugeborene übertragen können, muss bei solchen Ursachen unbedingt eine frühzeitige Therapie eingeleitet und unter bestimmten Umständen ein Kaiserschnitt durchgeführt werden.

Vorbeugung einer Scheidenentzündung: Wie lässt sich eine Kolpitis vermeiden?

Zur Vorbeugung einer Scheidenentzündung ist es wichtig, die Scheidenflora intakt zu halten. Das bedeutet: Keine übertriebene Hygiene, auf Intimpflegeprodukte verzichten, stattdessen pH-neutrale Waschlotionen verwenden und keine Pflegeprodukte in die Scheide gelangen lassen. Auch das Tragen von atmungsaktiver Baumwollunterwäsche trägt zur Vorbeugung bei, denn auf diese Weise wird der Intimbereich belüftet und durchblutet. Um die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken, ist zudem ein gesunder Lebensstil ratsam: ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Nikotin und wenig Stress.

Bei der Toilettenroutine, im Schwimmbad und in der Sauna sollten bestimmte Hygienemaßnahmen beachtet werden: Das Abwischen nach dem Stuhlgang erfolgt von vorne nach hinten – also von der Scheide weg – und Handtücher sind nicht mit anderen zu teilen.

Zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Genitalherpes dienen Kondome oder Femidome (Kondom für die Frau). Eine HPV-Impfung kann zur Vorbeugung einer Scheidenentzündung ebenfalls hilfreich sein: Sie wird bereits im Alter von neun bis 14 Jahren empfohlen, um Mädchen vor Gebärmutterhalskrebs und beide Geschlechter vor Feigwarzen zu schützen.

Gesunde Ernährung: Tipps für eine gesündere Lebensweise
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 03. September 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: N76.0 | N76.1 | N95.2
Quellen

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