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Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Autor: Yvonne Leupold / Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 31. August 2017

Eierstockkrebs gehört zu den tückischen Krebserkrankungen der Frau. Da die Heilungschancen maßgeblich davon abhängen, in welchem Stadium der Eierstockkrebs entdeckt wird, ist hier eine regelmäßige Vorsorge besonders wichtig.

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)
Die Therapie des Eierstockkrebses richtet sich nach dem Tumorstadium
(c) Getty Images/iStockphoto

Der Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) ist eine bösartige Wucherung an einem oder beiden Eierstöcken. Jährlich erkranken etwa 7.800 Frauen in Deutschland. Die Zahlen sind leicht rückläufig. Obwohl der Eierstockkrebs eine relativ seltene Krebserkrankung ist, gehört er aufgrund der hohen Sterblichkeit zu den häufigsten Todesursachen weiblicher Krebserkrankungen. Die meisten Frauen erkranken zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Jede zehnte Patientin mit Eierstockkrebs ist unter 45 Jahre alt.

Vor allem bei genetischer Disposition (gehäuftes Vorkommen von Eierstockkrebs oder Brustkrebs in der Familie) kann der Eierstockkrebs auch bei jüngeren Frauen vorkommen. Man schätzt, dass etwa zehn Prozent aller Erkrankungen auf erbliche Faktoren zurückzuführen sind.

Die Eierstöcke (Ovarien) liegen im kleinen Becken rechts und links neben der Gebärmutter. Jede Frau hat zwei Eierstöcke. Sie liegen zu beiden Seiten der Gebärmutter im kleinen Becken und bestehen aus der Eierstockrinde und dem inneren Eierstockmark. In den Eierstöcken von Frauen im gebärfähigen Alter reifen Monat für Monat die Eizellen heran. Die Eierstöcke produzieren unter anderem die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron.

Meist geht der Eierstockkrebs von der Rinde, seltener vom Mark oder den Keimzellen aus. Die Krebszellen breiten sich häufig auch in die Nachbarorgane von Becken und Bauch aus. Befallen werden können weitere Eierstöcken (Gebärmutter, Eileiter oder Bauchfell). Auch in Blase, Darm, Bauchnetz, Milz oder Leber können sich Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Über Lymphbahnen und Blutbahnen ist es zudem möglich, dass sich Metastasen in Leber, Lunge, Gehirn und Knochen ansiedeln.

Gemäß FIGO (franz. Abk. für Internationale Vereinigung für Gynäkologie und Geburtshilfe) wird der Eierstockkrebs je nach Sitz, Ausdehnung und Aggressivität in vier Tumorstadien eingeteilt. Die Einteilung ist wichtig für die effektive Planung der weiteren Behandlung.

FIGO I Der Tumor beschränkt sich auf die Eierstöcke.
FIGO II Der Tumor erfasst weitere Organe des kleinen Beckens wie beispielsweise die Gebärmutter.
FIGO III Bösartige Tumorzellen befallen das Bauchfell außerhalb des kleinen Beckens oder Lymphknoten.
FIGO IV Der Tumor streut in andere Organe wie die Leber (Fernmetastasen).

Ursachen und Risikofaktoren von Eierstockkrebs

Die Ursachen von Eierstockkrebs sind nicht eindeutig geklärt. Es scheint aber einen Zusammenhang mit hormonellen Aspekten zu geben. Weiterhin spielen genetische Faktoren eine Rolle.

  • Lebensalter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. 90 Prozent der erkrankten Frauen sind über 60 Jahre alt. Nur etwa jede zehnte Eierstockkrebs-Erkrankung tritt bei unter-45-jährigen Frauen auf.
  • Hormonelle Faktoren: Frauen, die viele Eisprünge hatten, scheinen häufiger an Eierstockkrebs zu erkranken. Das sind zum Beispiel Frauen, bei denen früh die Periode einsetzte, die nicht schwanger waren oder keine Antibabypille eingenommen haben. Dagegen kommt die Erkrankung seltener bei Frauen vor, die mehrere Schwangerschaften ausgetragen haben oder lange die Antibabypille einnahmen. Während Schwangerschaft und Einnahme der Antibabypille bleibt der Eisprung aus. Dies scheint sich positiv auszuwirken.
  • Genetische Disposition: Etwa zehn Prozent der Erkrankungen sind auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. Zwischen erblich bedingtem Eierstockkrebs und Brustkrebs gibt es darüber hinaus einen Zusammenhang: In den betroffenen Familien treten beide Krebserkrankungen gehäuft auf.
  • Ungesunde Lebensweise und Übergewicht: Vor allem eine fett- und fleischreiche Ernährung begünstigt Eierstockkrebs.

Eierstockkrebs: Symptome

Im Becken und in der Bauchhöhle hat der Eierstockkrebs viel Platz zum Wachsen, daher verursacht er zu Beginn keine Beschwerden. Die Symptome des Eierstockkrebs sind insgesamt eher unspezifisch, das heißt, sie können auf einen Eierstockkrebs weisen, aber auch andere Ursachen haben.

Unbestimmte Anzeichen, die auf Eierstockkrebs hinweisen können:

Vor allem Verdauungsbeschwerden oder zunehmender Bauchumfang unklaren Ursprungs sollten nach einiger Zeit ärztlich abgeklärt werden, der Tumor Nachbarorgane wie Darm oder Blase verdrängen kann. Allgemein können auch Bauchschmerzen oder Rückenschmerzen auftreten.

Eierstockkrebs: Diagnose

In zwei Dritteln aller Fälle wird der Eierstockkrebs erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt.

Erste Hinweise auf einen Eierstockkrebs kann der Arzt aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte, Krankheitsgeschichte der Familie und zu den aktuellen Beschwerden gewinnen. Werden bei der anschließenden gynäkologischen Untersuchung zusätzlich vergrößerte, feste Eierstöcke ertastet, kann der Verdacht auf Eierstockkrebs weiter untermauert werden.

Bildgebende Verfahren

Die inneren Organe des kleinen Beckens können mit einem vaginalen Ultraschall dargestellt werden. Auch ein verdächtiger Tumor kann hierbei entdeckt und dargestellt werden.

Um die weitere Ausbreitung des Tumors abzuschätzen, kommen zusätzlich ein Ultraschall über die Bauchdecke, die Computertomographie (CT) des Bauches und Beckens oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) infrage.

Sicherer Nachweis nur durch Operation

Sicher nachweisen lässt sich der Eierstockkrebs nur durch eine Operation. Die Operation ist sowohl Diagnoseinstrument als auch Behandlung. Durch sie soll:

  • die Diagnose gesichert werden,
  • das Tumorstadium festgestellt werden
  • Tumor und Tumorherde entferntwerden
  • eventuell befallene Lymphknoten entfernt werden.

Die Operation erfolgt unter Vollnarkose und wird in der Regel „offen“ durchgeführt, also über einen Bauchschnitt. Über den Bauchschnitt entfernen Arzt oder Ärztin einen oder beide befallene Eierstöcke mitsamt Tumor und untersuchen ihn unter dem Mikroskop. Das geschieht in der Regel noch während des Eingriffs.

Wenn es sich um Eierstockkrebs handelt, werden zahlreiche Gewebeproben (Biopsien) aus dem Bauchraum sowie etwas Bauchwasser entnommen. Diese werden ebenfalls mikroskopisch untersucht und können damit Auskunft über die Ausdehnung des Tumors geben. Werden Metastasen nachgewiesen, können im Anschluss an die Operation weitere Untersuchungen wie die Computertomographie (CT) anderer Körperregionen erfolgen.

Therapie: Operation, Chemo-, Strahlen- und Hormontherapie

Die Therapie von Eierstockkrebs richtet sich nach der Schwere und dem Tumorstadium. Da der Tumor möglichst komplett entfernt werden soll, ist die Operation der wichtigste Schritt in der Therapie des Eierstockkrebses.

Operation

Wenn sich der Tumor auf einen Eierstock beschränkt, muss nur der befallene Eierstock entfernt werden. Frauen mit noch nicht abgeschlossener Familienplanung kann so eine spätere Schwangerschaft ermöglicht werden.

Bei der Operation des Eierstockkrebs werden einer oder beide Eierstöcke mit dem Tumor sowie eventuelle Metastasen entfernt. Auch Eileiter und die Gebärmutter können zusätzlich entfernt werden – je nach Stadium der Erkrankung. Eventuell werden auch benachbarte Lymphknoten, Blinddarm oder Teil des Bauchfells entfernt. Sind weitere Organe befallen, werden auch diese - sofern möglich - teilweise oder vollständig entfernt.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie wird in den meisten Fälle im Anschluss an die Operation des Eierstockkrebses durchgeführt. Sie beginnt in der Regel innerhalb der ersten sechs Wochen nach der OP und soll verbliebene Tumorreste und kleinste Tochtergeschwülste zerstören sowie ein erneutes Tumorwachstum hinauszögern. Eingesetzt werden Zyostatika, das sind Wirkstoffe, die die Zellteilung hemmen. Chemotherapien werden meist in mehreren Zyklen mit dazwischen liegenden Pausen verabreicht. Die Medikamente werden in der Regel über eine Infusion zugeführt. Wie lange die Chemotherapie durchgeführt wird, hängt davon ab, ob und wie der Tumor auf die Medikamente anspricht.

Während der Chemotherapie kann es zu Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall oder Sensibilitätsstörungen kommen. Auch die Blutbildung kann gestört sein.

Antikörpertherapie

In der Immun- oder Antikörpertherapie werden bestimmte Antikörper eingesetzt, die sich entweder gegen den Tumor selbst richten oder eine Immunreaktion des Körpers gegen den Eierstockkrebs hervorrufen. Als einzusetzender Wirkstoff wird Bevacizumab empfohlen. Bevacizumab wirkt auf die Zellen in der Umgebung des Tumors und hindert diese an einer Neubildung von Gefäßen, die der Tumor für sein Wachstum benötigt. Die Antikörpertherapie kann zusätzlich zur Chemotherapie bei Patientinnen in einem fortgeschrittenen Stadium der Eierstockkrebserkraumkung zum Einsatz kommen. Aufgrund der teilweise schweren Nebenwirkungen (Bluthochdruck, Schwäche, Bauchschmerzen, Überempfindlichkeitsreaktionen) empfiehlt sich der Einsatz von Bevacizumab im Rahmen einer Eierstockkrebs-Behandlung nur nach eingehender Risiko-Nutzen-Analyse.

Eierstockkrebs: Verlauf

Die Heilungschancen von Eierstockkrebs in einem frühen Stadium sind gut: Bis zu 90 Prozent der betroffenen Frauen mit einem Eierstockkrebs im ersten Stadium überleben die nächsten fünf Jahre (nach Therapie).

Je fortgeschrittener der Eierstockkrebs, desto ungünstiger ist die Prognose. Auch der Erfolg der Operation (Tumorentfernung, Entfernung von betroffenem Gewebe) ist ganz entscheidend für die Prognose. Günstig wirken sich ein guter Gesundheitszustand sowie ein jüngeres Alter der betroffenen Frau aus.

Nachsorge ist wichtig

In zwei Dritteln der Fälle kommt es nach Abschluss der Therapie des Eierstockkrebs zu einem Rezidiv, das heißt, der Eierstockkrebs tritt erneut auf. In den ersten drei Jahren wird daher alle drei Monate eine Nachsorgeuntersuchung empfohlen, danach alle sechs Monate und ab dem sechsten Jahr ohne Rezidiv ein Mal jährlich.

Bei der Behandlung eines wiedergekehrten Eierstockkrebs geht es vor allem darum, das Tumorwachstum zu verlangsamen und Beschwerden zu lindern.

Dem Eierstockkrebs vorbeugen?

Dem Eierstockkrebs kann nicht wirksam vorgebeugt werden. Bei genetisch bedingtem Risiko für Eierstockkrebs können vorbeugend beide Eierstöcke entfernt werden, sobald die Familienplanung abgeschlossen ist. Dies stellt aber kein Standardverfahren dar, sondern kommt nur nach eingehender und individueller Beratung der betroffenen Frau in Frage.

Autor: Yvonne Leupold / Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 31. August 2017
Quellen
Beiträge im Forum "Frauengesundheit"
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