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Dienstag, 22. August 2017
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Milchbildung anregen: Zu wenig Muttermilch?

Milchbildung anregen: Zu wenig Muttermilch?
Stillprobleme lösen und Milchbildung anregen - mit der richtigen Stilltechnik gelingt das
(c) iStockphoto/Zurijeta

Frisch gebackene Mütter plagen oft Zweifel, ob sie tatsächlich genügend Milch für ihr Baby haben. Dabei ist zu wenig Muttermilch häufig nur eine Folge falscher Stilltechnik. Die Milchbildung anregen – das ist in solchen Fällen mit ein paar Tipps und Tricks ganz einfach möglich.

Milchproduktion – ein Zusammenspiel der Hormone

Schon während Ihrer Schwangerschaft produziert Ihr Körper das Hormon Prolaktin, das er später für die Milchbildung braucht. Die Wirkung des Hormons wird zu diesem Zeitpunkt allerdings noch von dem hohen, schwangerschaftsbedingten Östrogen- und Progesteronspiegel gehemmt. Erst nach der Entbindung fällt die Östrogen- und Progesteronkonzentration ab. Jetzt bewirkt das Saugen des Babys beim Stillen, dass Prolaktin ausgeschüttet und die Milchbildung angeregt wird. Beim Stillen wird zusätzlich Oxytocin ausgeschüttet. Dieses Hormon sorgt für den Weitertransport und das Auspressen der Muttermilch. Praktischerweise löst Oxytocin außerdem Durst bei der Mutter aus. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für die Milchbildung nämlich sehr wichtig.

Tipps zur Milchbildung für frischgebackene Mütter

Milchbildung: Gründe für zu wenig Milch

Zu wenig Milch – Mütter mit diesem Stillproblem neigen dazu, vorzeitig abzustillen. Dabei lässt sich dieses Problem meist leicht lösen und die Milchbildung anregen. Hinter einer mangelnden Milchproduktion stecken nur ganz selten Ursachen wie eine komplizierte Geburt, ein Ernährungsdefizit der Mutter, ein verkürztes Zungenbändchen beim Baby oder eine Krankheit des Kindes. Oftmals sind einfach nur falsche Stillpositionen, Stress oder fehlende Ruhe beim Stillen dafür verantwortlich.

Tipp: Wenn Sie tatsächlich zu wenig Milch haben, macht sich dies beim Kind dadurch bemerkbar, dass es nicht zunimmt oder sogar abnimmt. Sollten Sie diesen Verdacht haben, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme. Es gibt auch spezielle Stillberaterinnen, die man über das Internet suchen kann (La Leche Liga).Gemeinsam können Sie der Ursache auf den Grund gehen, eine Lösung finden und die Probleme in den Griff bekommen.

Milchbildung anregen: So geht’s

Der Saugreflex des Babys regt bei Ihnen die Milchbildung an. Deshalb ist es auch so wichtig dem Baby das korrekte Saugen zu ermöglichen. Gelingt dies bisher nicht, können Sie die Stillhaltung korrigieren. Achten Sie auf richtiges Anlegen und verlängern Sie die Stillmahlzeiten. Auch das Erhöhen der Stillfrequenz fördert die Milchproduktion. Häufiges Anlegen oder Abpumpen führt zu einer verbesserten Milchbildung.

Der schnelle Hautkontakt von Mutter und Kind nach der Geburt begünstigt, dass Ihr Baby die Brust von selbst findet und das Stillen schon am Anfang reibungslos läuft. In den ersten zwei Wochen nach der Geburt sollten Sie Ihr Kind acht bis zehn Mal innerhalb von 24 Stunden stillen (ca. alle drei Stunden). Lassen Sie Ihr Kind immer so lange trinken, wie es möchte und bieten Sie beide Brüste an. Regelmäßige und vollständige Entleerung ist für die Aufrechterhaltung der Milchproduktion wichtig.

Ist die Milchbildung erst einmal angeregt, verringert sich die Anzahl der Stillmahlzeiten auf etwa sechs bis acht Mal. Reicht eine Brust zur Sättigung aus, sollten Sie die Brüste immer abwechseln, um die Milchbildung zu erhalten. In der Regel pendeln sich Milchproduktion und Bedürfnisse des Babys nach einer Weile ein. Ist Ihr Nachwuchs in den ersten sechs bis zwölf Stunden nach der Geburt sehr müde oder saugt nicht stark genug, können Brustmassagen oder Abpumpen helfen. Bei Babys, die auch später besonders schläfrig sind, kann es vorkommen, dass sie für die Stillmahlzeiten geweckt werden müssen.

In Sachen Milchbildung anregen gilt darüberhinaus: Ernähren Sie sich gesund, ausgewogen und trinken Sie viel – mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag. Auch die Einnahme von milchbildenden Mitteln wie Bockshornkleesamen, Malzbier oder eine Ernährung mit hohem Kohlenhydrat- und Vitamin-B-Gehalt kann die Milchbildung anregen. Manchen Frauen hilft auch Wärme in Form von Rotlicht oder ähnlichem, um die Milchbildung anzuregen.

Milchbildung anregen: Besondere Situationen

Das zeitnahe Stillen nach der Geburt begünstigt eine gute Milchbildung. Es gibt aber auch Situationen, in denen dies nicht sofort möglich ist. Wurde das Baby zu früh geboren oder musste nach der Entbindung auf die Intensivstation sind Mutter und Kind nach der Geburt erst einmal getrennt. Jetzt ist es besonders wichtig spätestens vier bis sechs Stunden nach der Geburt mit dem Abpumpen zu beginnen. Auch Brustmassagen können hilfreich sein, um die Milchbildung anzuregen. Denn sie wird in diesen Fällen nicht durch das Saugen des Babys aufgebaut. Häufiges Abpumpen oder Entleerungen per Hand – in der gleichen Frequenz, wie übliche Stillmahlzeiten – helfen die Milchproduktion aufrechtzuerhalten. Sobald das Baby bereit ist, gestillt zu werden, verfügen Sie dann über eine ausreichende Milchmenge.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. August 2017
Quellen: Harder U., Friedrich J., Kirchner S., Polleit H., Stiefel A.: Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2014; Mändle, C.; Opitz-Kreuter, S.: Das Hebammenbuch: Lehrbuch der praktischen Geburtshilfe. Schattauer Verlag, Stuttgart, 2007; Nolte, S.H., Nolden, A.: Das große Buch für Babys erstes Jahr: Das Standardwerk für die ersten 12 Monate. Gräfe und Unzer Verlag, München, 2013; Online-Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung www.bfr.bund.de (Stand: Januar 2015); Online Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: www.gesund-ins-leben.de (Stand: Mai 2014); Online-Informationen des Berufsverbands der Frauenärzte e. V. www.frauenaerzte-im-netz.de (Stand: Januar 2015); Püschel, G. P., Kühn, H., Kietzmann, T., Höhne, W.: Taschenlehrbuch Biochemie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2011

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