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Montag, 16. Januar 2017
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Mehrfache Fehlgeburten (Habituelle Aborte)

Mehrfache Fehlgeburten (Habituelle Aborte)
Paare mit wiederholten Fehlgeburten sollten sich vom Gynäkologen beraten lassen, welche Untersuchungen sinnvoll sind, um weitere Fehlgeburten zu verhindern
(c) Getty Images/iStockphoto

Von mehrfachen Fehlgeburten (habituellen Aborten) spricht man, wenn es zu mindestens zwei aufeinander folgenden Fehlgeburten bei einer Frau kommt. Auf 100 Schwangerschaften kommen 0,5 bis eine Frau mit habituellen Aborten.

Mehrere Fehlgeburten sollten bei Kinderwunsch unbedingt abgeklärt werden. Eine ausgedehnte Diagnostik ist spätestens nach der dritten Fehlgeburt sinnvoll, oft wird dies aber bereits nach der zweiten Fehlgeburt in Folge eingeleitet. Auch wenn mehrfache Fehlgeburten aus verschiedenen Ursachen zufällig hintereinander auftreten können, gibt es doch oft einen gemeinsamen Störfaktor, der gut behandelt werden kann. Auffällig ist, dass deutlich mehr männliche Embryos als weibliche von einer Fehlgeburt betroffen sind (160:100).

Ursachen für mehrfache Fehlgeburten

Die Ursachen für habituelle Aborte werden in verschiedene Gruppen eingeteilt, die jeweils verschiedenen Problematiken zugeordnet werden. Die häufigste Ursache für eine Fehlgeburt sind Chromosomenstörungen. Zudem unterscheiden sich die Ursachen bei Frühaborten (bis zur 16. Schwangerschaftswoche/SSW) und Spätaborten (17.-28. Schwangerschaftswoche/SSW).

  1. Genetische Ursachen: Bei bis zu 12 Prozent der Paare mit mehrfachen Fehlgeburten wird ein genetisches Problem gefunden. Oft handelt es sich dabei um balancierte Translokationen.
  2. Endokrinologische Ursachen: Hormonelle Störungen wie eine Gelbkörperschwäche, gestörte Follikelreifung aufgrund des PCO-Syndroms oder Schilddrüsenfunktionsstörungen können zu mehrfachen Fehlgeburten führen.
  3. Anatomisch-funktionelle Ursachen: Verschiedene Fehlbildungen der Gebärmutter, wie beispielsweise ein Septum, führen häufig zu Einnistungsstörungen und somit zu Fehlgeburten, beispielsweise durch ein Windei. Auch Myome können je nach Lage zu Fehlgeburten führen. Weiterhin kommen Störungen der Gebärmutterschleimhaut wie das Ashermann-Syndrom und Infektionen als Ursachen für Fehlgeburten in Frage. Bei den Spätaborten ist die Infektion die häufigste Ursache.
  4. Immunologische Ursachen: Heute ist man sich fast sicher, dass immunologische Gründe zu den Hauptursachen für mehrfache Fehlgeburten zählen. Durch eine Störung der immunologischen Mechanismen im Körper der Frau kommt es zu einer Abstoßungsreaktion gegenüber dem Embryo. Hierzu zählt auch das Antiphosphorlipidsyndrom, bei dem es zu Plazentainfarkten nach der 10. Schwangerschaftswoche kommt.
  5. Thrombophile Ursachen: Gerinnungsstörungen (Thrombophilie) wie das Faktor V-Leiden können ebenfalls zu mehrfachen Fehlgeburten führen.

Diagnostik bei habituellen Aborten

Da beim Vorliegen mehrfacher Fehlgeburten üblicherweise Kinderwunsch beim betroffenen Paar besteht, ist die intensive Abklärung der Ursachen spätestens nach der dritten Fehlgeburt zu empfehlen. Folgende Untersuchungen sind bei habituellen Aborten sinnvoll und werden von den Krankenkassen übernommen:

- wenn möglich, sollte eine Analyse des Embryos auf Chromosomenstörungen etc. durchgeführt werden

- Chromosomenanalyse mittels Kayrogramm

- Zyklusmonitoring inklusive Abklärung der hormonellen Situation, Untersuchung der Schilddrüsenwerte beim Spezialisten

- vaginale Ultraschalluntersuchung, um die Gebärmutter zu beurteilen und evtl. Myome oder ähnliches zu entdecken

- Hysterosalpingographie oder Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) zur genaueren Abklärung der Gebärmutter

- Abstrich zur Abklärung von Infektionen (Chlamydien, Mykoplasmen)

- bei übergewichtigen Frauen: Zuckerbelastungstest zur Abklärung eines latenten Diabetes, der im Falle einer Schwangerschaft problematisch werden könnte

Therapie/Prävention richtet sich nach Ursache für die Fehlgeburten

Die Therapie richtet sich individuell nach der Ursache für die mehrfachen Fehlgeburten. Leider kann in vielen Fällen keine Ursache festgestellt werden. Gerade dann ist für die Frau eine psychologische Betreuung bei einer Folgeschwangerschaft wichtig. Frauen mit mehrfachen Fehlgeburten sollten bei einer erneuten Schwangerschaft jederzeit die Möglichkeit haben, Kontakt mit ihrem Gynäkologen bzw. ihrer Gynäkologin aufzunehmen und in der Schwangerschaft engmaschiger betreut werden.

 

Ursache der Fehlgeburten

Therapie, um eine weitere Fehlgeburt zu verhindern

Genetisch

Polkörperdiagnostik oder   PID bei betroffenen Paaren, ggf. Insemination oder Eizellspende

Endokrinologisch

Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion mit Thyroxin, Progesterongabe bei Gelbkörperschwäche

Anatomisch

Entfernung des Septums, Myoms oder Polypen in der Gebärmutter per Bauchspiegelung

Immunologisch

Bei Antiphosphorlipidsyndrom Gabe von Heparin

Thrombophil

Heparingabe bei Protein C-, Protein-S-Mangel und verschiedenen Mutationen

Verschiedene diagnostische und therapeutische Maßnahmen sind noch in der Studienphase und sollten nur unter Studienbedingungen durchgeführt werden. Dazu gehören der Ausschluss einer Zöliakie, HLA-Bestimmung, Gabe von TNF-Alphablockern und Immunglobulinen.

Psychologische Hilfe bei mehrfachen Fehlgeburten

Mehrfache Fehlgeburten führen häufig zu Schuldgefühlen bei Frauen, weshalb emotionale Unterstützung sehr wichtig ist. Auch das familiäre und soziale Umfeld spielt eine große Rolle und Frauen sollten sich bei Bedarf an eine Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern, Internetforen oder Beratungsmöglichkeiten wenden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2017
Quellen: AWMF-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Immunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe: Diagnostik und Therapie beim wiederholten Spontanabort (Stand: Juli 2014); Diedrich, Holzgreve, Jonat, Schultze-Mosgau, Schneider, Weiss, Gynäkologie & Geburtshilfe, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007

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