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Sonntag, 26. März 2017
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Histaminintoleranz

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Menschen, die an einer Histaminintoleranz leiden, vertragen meist keinen Rotwein und Käse
(c) iStockphoto/izusek

Wer an einer Histaminintoleranz leidet, wird häufig nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel von Beschwerden des Magen-Darm-Trakts oder von Hautirritationen geplagt. In Expertenkreisen sind die Ursachen dieser Symptome umstritten, die Histaminintoleranz bis heute noch nicht eindeutig erforscht.

Was ist eine Histaminintoleranz?

Histamin ist ein Botenstoff, der sowohl vom Körper selbst gebildet als auch mit der Nahrung aufgenommen wird. Im Körper ist Histamin als Gewebshormon tätig, das beispielsweise an der Reizung von Nervenzellen oder der Produktion von Magensaft beteiligt ist. Es wird bei Allergien (z. B. gegen Pollen) vermehrt ausgeschüttet, wodurch die typischen Allergiesymptome entstehen.

In der Nahrung gehört Histamin zu den biogenen Aminen, die von Natur aus bei der Reifung von Lebensmitteln entstehen. Deshalb ist Histamin vor allem in gereiften Produkten wie Rotwein, Käse oder Sauerkraut enthalten. Solche Lebensmittel stehen aufgrund ihres hohen Histamingehalts in Verdacht, bei manchen Menschen (wahrscheinlich bei etwa ein bis fünf Prozent der Bevölkerung) Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Kopfschmerzen oder Juckreiz auszulösen.

Welche Ursachen hat eine Histaminintoleranz?

Was genau dafür verantwortlich ist, dass nach dem Verzehr bestimmter histaminhaltiger Lebensmittel Beschwerden ausgelöst werden, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Es soll allerdings ein Zusammenhang mit einem Mangel oder einer unzureichenden Aktivität des Enzyms Diaminooxidase (DAO) bestehen. Dieses Enzym ist unter anderem für den Abbau von Histamin verantwortlich. Kann das Histamin vom Körper nicht abgebaut werden, kommt es zu einer erhöhten Konzentration und es werden Symptome hervorgerufen, die einer Allergie entsprechen. Die Histaminintoleranz wird daher auch als Pseudoallergie bezeichnet.

In seltenen Fällen wird durch eine angeborene Störung das Enzym nicht ausreichend gebildet. Bei Darmerkrankungen kann es zur herabgesetzten Enzymaktivität kommen.

Histaminintoleranz und Ernährung

Histaminhaltige Lebensmittel: Eine spezielle Ernährung kann bei einer Histaminintoleranz hilfreich sein, denn der Verzehr von Lebensmitteln mit hohem Histamingehalt wie Käse oder Salami kann bei entsprechender Veranlagung Symptome hervorrufen. Abhängig ist der Histamingehalt der Nahrungsmittel zum Beispiel von Reifegrad und Frische.

Histaminliberatoren: Lebensmittel wie Erdbeeren oder Schokolade bezeichnet man als Histaminliberatoren, weil sie selbst zwar nur einen geringen Histamingehalt haben, aber dafür die Freisetzung von Histamin aus Körperzellen fördern.

Histaminintoleranz: Lebensmittelliste für Betroffene

Folgende Lebensmittel können bei Menschen mit einer Histaminintoleranz Beschwerden auslösen:

  • Schokolade und Kakao
  • Alkoholische Getränke (vor allem Rotwein)
  • Lang gereifte Käsesorten (z. B. Emmentaler)
  • Rohwurstsorten (z. B. Salami)
  • Milchsauer eingelegte Gemüse (z. B. Sauerkraut)
  • Spinat
  • Tomaten
  • Nüsse (vor allem Walnüsse)
  • Konservierter Fisch (z. B. Thunfisch in der Dose)
  • Seltener auch Obst wie sehr reife Bananen, Beeren oder Zitrusfrüchte

In unserer Bildergalerie finden Sie eine Lebensmittelliste mit Produkten, die Sie bei einer Histaminintoleranz meiden sollten. Bitte beachten Sie: Die Liste beinhaltet ausgewählte Beispiele und ersetzt nicht den ärztlichen Rat. Es kann durchaus noch weitere Lebensmittel geben, die im Einzelfall Beschwerden auslösen. Wie gut ein Lebensmittel vertragen wird, hängt außerdem von dem Reifegrad, der Menge und der persönlichen Toleranzgrenze ab.

Histaminintoleranz: Diese Lebensmittel sollten Sie meiden

Histaminintoleranz: Kaffee – ein Tabu?

Es könnte sein, dass Kaffee (vor allem in größeren Mengen) bei einer Histaminintoleranz nicht vertragen wird. Es heißt, dass das enthaltene Koffein möglicherweise den Histaminabbau hemmt und deshalb Beschwerden verursachen könnte.

Histaminintoleranz: Alkohol erlaubt?

Bei einer Histaminintoleranz reagiert der Körper meist auf den Konsum von alkoholischen Getränken, insbesondere Rotwein und Sekt. Auch Getränke wie Bier oder Weißwein können Beschwerden auslösen. Spirituosen wie Wodka sind meist in geringen Mengen vertäglich. Es ist durchaus möglich, dass zum Beispiel nur ein bestimmter Wein nicht vertragen wird, ein anderer dafür aber beschwerdefrei genossen werden kann.

Histaminintoleranz: Medikamente als Ursache

Einige Medikamente können eine vermehrte Freisetzung von Histamin oder eine Hemmung des Enzyms Diaminooxidase bewirken und Symptome einer Histaminintoleranz hervorrufen. Wer an einer Histaminintoleranz leidet oder dies vermutet, sollte seinen Arzt vor der Verschreibung von Medikamenten darüber informieren.

Welche Symptome treten bei einer Histaminintoleranz auf?

Die Symptome einer Histaminintoleranz sind vielfältig. Nach dem Verzehr von stark histaminhaltigen Lebensmitteln kommt es meist innerhalb von 24 Stunden zu unterschiedlichen Beschwerden wie Hautrötungen, Quaddelbildung, Atemnot durch Verengung der Bronchien, Schmerzen, Juckreiz, Herzrhythmusstörungen, Erhöhung der Magensäure-Bildung, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, geschwollene Lippen und Augen, Bauchschmerzen und Harndrang.

Histaminintoleranz: Bauchschmerzen als Symptom

Besonders häufig klagen Betroffene über Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Darmkrämpfe, Blähungen, Durchfall oder seltener über Verstopfungen. Sollten Sie häufiger solche Beschwerden bemerken, suchen Sie Ihren Arzt auf und bitten ihn um Rat. Es ist wichtig, dass mögliche andere Ursachen ausgeschlossen werden.

Histaminintoleranz: Ausschlag – ein typisches Symptom?

Bei einigen Menschen verursacht ein Zuviel an Histamin im Körper Hautreizungen. Dazu gehören zum Beispiel Juckreiz, Nesselsucht, Ekzeme oder Flush (Rötungen z. B. im Gesicht). Bei diesen Symptomen sollte ein Arzt zur Abklärung der Ursachen aufgesucht werden.

Wie wird die Histaminintoleranz festgestellt?

Aufgrund der verschiedenen Symptome, für die auch weitere Ursachen infrage kommen, ist die Diagnose einer Histaminintoleranz oft schwierig. Andere mögliche Ursachen müssen zuerst ausgeschlossen werden.

Es existiert kein einheitliches, sicheres Testverfahren, um eine Histaminintoleranz festzustellen. Der wichtigste Schritt ist das ausführliche Arztgespräch mit der sehr gründlichen Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Besteht der Verdacht auf eine Histaminintoleranz kann durch eine Umstellung der Ernährung herausgefunden werden, ob sich die Symptome bei einer histaminarmen Ernährung bessern. Entsprechende Hilfe bekommen Sie bei Ihrem Arzt oder einem Ernährungstherapeuten.

Viele Betroffene haben bereits mehrere Fachärzte (z. B. Hautarzt bei Juckreiz) aufgesucht, ohne dass dort eine Ursache für die Beschwerden festgestellt werden konnte. Sollten Sie einen Zusammenhang mit histaminhaltigen Lebensmitteln vermuten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über diesen Verdacht.

Histaminintoleranz: Test

Gängige Allergietests können nicht zur Diagnose einer Histaminintoleranz herangezogen werden. Der Grund: Bei einer Histaminintoleranz handelt es sich nicht um eine Allergie, sondern um eine Pseudoallergie, bei der allergieähnliche Beschwerden auftreten. Der Arzt kann – im Anschluss an eine Weglassdiät – einen Provokationstest durchführen. Bei einem solchen Test wird dem Betroffenen unter ärztlicher Aufsicht Histamin verabreicht, um zu prüfen, ob hierdurch Symptome hervorgerufen werden.

Therapie bei Histaminintoleranz

Durch eine histaminarme Ernährung können die Symptome der Histaminintoleranz deutlich gemindert oder vollständig beseitigt werden. Histaminreiche Nahrungsmittel und solche, die vermehrt Histamin freisetzen können, sollten gemieden werden. Nach einer histaminfreien Diät-Phase von etwa zwei Wochen wird in einer weiteren Phase die persönliche Toleranzgrenze für die einzelnen Lebensmittel ermittelt.

Grundsätzlich ist eine histaminarme Kost nicht per se gesünder als eine histaminreiche. Deshalb sollte die Ernährung auf Dauer, am besten in Absprache mit einem Experten, nur bei berechtigtem Verdacht oder Diagnose einer Histaminintoleranz und nicht rein prophylaktisch umgestellt werden.

Das Enzym, das Histamin im Körper abbaut, kann in Einzelfällen auch als Medikament eingenommen werden. Bei akuten Symptomen einer Histaminintoleranz erfolgt die Behandlung ggf. mit Antihistaminika.

Eine Histaminintoleranz ist zum heutigen Stand der Forschung nicht zu heilen.

Histaminintoleranz: Zehn Alltagstipps für Betroffene

  1. Vermeiden oder reduzieren Sie den Verzehr von typischen Beschwerdeauslösern wie Sauerkraut oder Thunfisch.
  2. Legen Sie beim Einkaufen von Fleisch, Fisch und Obst ein besonderes Augenmerk auf die Frische der Lebensmittel.
  3. Achten Sie auf die Einhaltung der Kühlkette und bringen Sie schnell Verderbliches rasch nachhause.
  4. Bereiten Sie alle Speisen möglichst frisch zu. Je länger ein Lebensmittel lagert und reift, desto mehr Histamin kann es enthalten.
  5. Verzichten Sie auf Fertigprodukte: Ihnen werden häufig Geschmacksverstärker (oder auch Hefeextrakt) zugesetzt auf die Betroffene mit Beschwerden reagieren.
  6. Benutzen Sie für Salate selbstgemachte Dressings statt fertige Saucen.
  7. Essen Sie Fisch lieber nur zuhause und nicht außer Haus, damit Sie sich über Herkunft und Frische sicher sein können.
  8. Kochen Sie (z. B. für die Mittagspause) gut Verträgliches vor und wärmen Sie es am nächsten Tag wieder auf.
  9. Wenn Sie im Restaurant eine Pizza essen möchten, bestellen Sie eine ohne Tomatensauce.
  10. Schränken Sie Ihren Alkoholkonsum ein. Bevorzugen Sie lieber Weiß- statt Rotwein.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. März 2017
Quellen: Allergie Centrum Charité: Histaminunverträglichkeit. PDF abrufbar unter http://www.allergie-centrum-charite.de/ (Abruf: März 2017); Kamp, Anne: Histaminintoleranz. Genussrezepte für Ihr Wohlbefinden. Gräfe und Unzer Verlag, München 2017; Online-Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V.: http://www.daab.de/ (Abruf: März 2017)

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