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Frühchen

Frühgeburt: Ursachen, Anzeichen und Verlauf

Wenn das Baby weit vor dem eigentlichen Geburtstermin auf die Welt kommt: In Deutschland sind über acht Prozent aller Geburten Frühgeburten – sie werden vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren. Die Ursachen sind vielfältig.

Frühgeborenes im Brutkasten wird gestreichelt
Nach einer Frühgeburt liegen die meisten Babys erst einmal im Inkubator (Brutkasten). Doch auch Hautkontakt ist für Frühchen enorm wichtig.
© Getty Images/cdwheatley

Über acht Prozent aller Geburten in Deutschland gelten als Frühgeburt. Seit 2008 ist dieser Anteil in etwa konstant geblieben. Deutlich verbessert hat sich dagegen die Versorgung der Frühchen. Heute können schon Frühgeborene mit einem Gewicht von 500 Gramm (entspricht in etwa dem Gewicht in der 24. Schwangerschaftswoche) behandelt und versorgt werden.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Ab wann spricht man von einer Frühgeburt?

Wenn ein Baby vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt, gilt es als Frühgeburt. Darunter fallen auch lebend geborene Kinder mit einem Gewicht unter 500 Gramm und still geborene Kinder mit einem Gewicht über 500 Gramm. Frühgeburten werden noch einmal unterschieden in:

  • extrem früh Geborene (weniger als 28 Schwangerschaftswochen)
  • sehr früh Geborene (28 bis 31 Schwangerschaftswochen)
  • mäßig früh Geborene (32 bis 37 Schwangerschaftswochen)

Einer Frühgeburt oft Erkrankungen oder Komplikationen während der Schwangerschaft voraus. Besonders häufig sind Frühgeburten bei Mehrlingsschwangerschaften.

Ein ab der 38. Schwangerschaftswoche geborenes Kind ist keine Frühgeburt mehr.

Anzeichen einer (drohenden) Frühgeburt

Das häufigste Anzeichen einer Frühgeburt sind vorzeitige Wehen. Gerade im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft lassen sich vorzeitige Wehen allerdings nicht immer so leicht erkennen, da sich die Gebärmutter bereits immer mal wieder zusammenzieht.

Geburtswehen unterscheiden sich jedoch von solchen Übungs- oder Senkkontraktionen der Gebärmutter:

  • Die Kontraktionen sind schmerzhaft und treten regelmäßig und in kurzen Abständen auf.
  • Sie nehmen an Intensität, Dauer und Häufigkeit zu.
  • Die Wehen können auch von Rückenschmerzen oder Ziehen im Oberschenkel begleitet werden.

In manchen Fällen können Blutungen oder das frühzeitige Platzen der Fruchtblase (vorzeitiger Blasensprung) eine drohende Frühgeburt ankündigen. Bei Blutungen oder austretendem Fruchtwasser handelt es um Notfälle. Suchen Sie dann immer das nächste Krankenhaus auf oder rufen Sie einen Rettungswagen.

Ursachen der Frühgeburt

Eine Frühgeburt kann spontan auftreten, aber auch medizinisch notwendig sein. Häufiger Grund für eine solche medizinisch indizierte vorzeitige Entbindung ist eine schwere Präeklampsie.

Bei etwa 40 Prozent und somit fast der Hälfte aller Frühgeburten ist die Ursache nicht bekannt.

Bekannte Auslöser dagegen sind:

Hatte eine Frau bereits in der Vergangenheit eine oder mehrere Frühgeburten, dann ist ihr Risiko für eine erneute Frühgeburt erhöht. Gleiches gilt für Raucherinnen oder Frauen, die in der Schwangerschaft Alkohol trinken.

Stress in der Schwangerschaft: 14 Tipps, die helfen und vorbeugen

So wird die Frühgeburt diagnostiziert

Anhand der typischen Symptome wie Wehen, Rückenschmerzen, Blutungen und geplatzter Fruchtblase können Frühgeburtsbestrebungen diagnostiziert werden. Zur genaueren Untersuchung gehört auch soweit möglich die Ursachenforschung: Liegt eine Infektion vor, ist mit der Plazenta etwas nicht in Ordnung oder gibt es Veränderungen des Fruchtwassers? Auch eine Verkürzung des Gebärmutterhalses oder ein zu früh geöffneter Muttermund lassen sich erkennen.

Behandlung bei drohender Frühgeburt

Liegen keine Gründe für die sofortige Entbindung vor, versucht das Behandlungsteam in der Regel, die Schwangerschaft so lange wie möglich zu erhalten. So gewinnt das Baby im Bauch Zeit für seine Entwicklung und seine Organe können weiter ausreifen. Auch eine Verlegung in ein Krankenhaus mit Neugeborenen-Intensivstation kann angedacht werden.

Das Vermeiden von Belastungen, körperliche Schonung sowie (Bett-)Ruhe sind jetzt wichtig. Häufig erfolgt die Behandlung im Krankenhaus. Strenge Bettruhe und medikamentöse Wehenhemmung (Tokolyse) können dazu beitragen, die Geburt noch etwas hinauszuzögern.

Wenn sich der Muttermund bereits geöffnet hat, kann es sinnvoll sein, ein Cerclagepessar einzulegen. Dabei wird der Muttermund mit einer kleinen Schale verschlossen.

Vor der 34. Schwangerschaftswoche kann die Lungenreife des Kindes und die Bildung der Lungenbläschen durch die Gabe von Glukokortikoiden (Kortison) zusätzlich beschleunigt werden. Liegen Risikofaktoren für ein Atemnotsyndrom beim Säugling vor, auch noch bis zur 37. Schwangerschaftwoche.

Beim Nachweis einer Infektion oder erhöhten Infektionsrisiko (etwa nach frühem vorzeitigem Blasensprung) werden Antibiotika gegeben.

Gründe für eine sofortige Entbindung

In einigen Fällen liegen zwingende Gründe für eine sofortige Entbindung vor, da eine Aufrechterhaltung der Schwangerschaft mit zu großen Risiken für Mutter und/oder Kind verbunden ist:

Eine Schwangerschaft kann nur erhalten werden, wenn die Fruchtblase noch nicht geplatzt und sich der Muttermund noch nicht weiter als drei Zentimeter geöffnet hat. Andernfalls können Ärztinnen*Ärzte eine Frühgeburt nicht mehr verhindern und lassen der Geburt ihren normalen Lauf.

Versorgung des Frühgeborenen

Ein Frühchen kann per Kaiserschnitt oder auch vaginal entbunden werden, je nach Ursache und Situation. Wenn sich das Kind beispielsweise noch nicht in die Schädellage gedreht hat, muss möglicherweise ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Dammschnitte werden bei der Geburt von Frühchen häufiger durchgeführt, um den noch weichen kindlichen Schädel zu schützen.

Wie ein Frühchen nach der Geburt versorgt wird, ist ebenfalls stark abhängig von der individuellen Situation: Während die Organe von sehr kleinen Frühgeborenen noch unausgereift sind, verfügen Frühgeborene ab der 34. Schwangerschaftswoche oft bereits über gute Vitalfunktionen. Unabhängig davon werden alle Frühchen in den ersten Lebenstagen oder -wochen engmaschig medizinisch überwacht.

Geschützt im Inkubator (Brutkasten)

In der Regel kommt ein Baby nach einer Frühgeburt nach der Erstversorgung in den sogenannten Brutkasten – einen Inkubator, in dem es geschützt, warm und ruhig liegt. Hier kann es auch medizinisch überwacht und versorgt werden. Eine Überwachung der Atmung und ggf. Versorgung mit Sauerstoff ist im Brutkasten möglich.

Die Ernährung eines Frühgeborenen besteht häufig zunächst aus einer Wasser-Zucker-Mischung, da der Magen noch keine Milch verdauen kann. Später wird es mit abgepumpter Muttermilch gefüttert, bis es selbst trinken kann.

Hautkontakt mit den Eltern ist für Frühchen besonders wichtig. Experten empfehlen die sogenannte Känguruh-Methode: Dabei wird das Baby täglich für einige Zeit nur mit Windel auf die Brust von Mutter oder Vater gelegt. Studien zeigen, dass sich Babys, die nach einer Frühgeburt viel Hautkontakt und Ansprache haben, besser entwickeln und weniger Atempausen machen.

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Wie geht es nach einer Frühgeburt weiter?

In den vergangenen Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten vor allem für sehr kleine Frühgeborene erheblich verbessert. Daher sind die Überlebenschancen für diese Babys gestiegen. Fast alle Kinder, die ab der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, haben eine Überlebenschance von annähernd 100 Prozent.

Wann die Eltern mit ihrem Kind nach Hause dürfen, ist abhängig von der individuellen Entwicklung.

Lesen Sie hier mehr über Frühchen und ihre Versorgung in der Klinik und zu Hause.

Folgen für das Kind nach Frühgeburt

Je früher und "unreifer" ein Kind auf Welt kommt, desto ausgeprägter können die Langzeitfolgen sein. Das gilt besonders für Neugeborene mit einem Gewicht von unter 1.500 Gramm. Frühgeborene zeigen oft Entwicklungsverzögerungen, leiden häufiger als Reifgeborene unter chronischen Atembeschwerden, motorischen- oder Aufmerksamkeitsstörungen. Auch körperliche und geistige Beeinträchtigungen kommen vor.

Viele Frühgeborene holen die Entwicklungsdefizite im Laufe der Jahre aber auch auf. Für sie sind gute Betreuung und Förderung besonders wichtig.

Mutterschutz nach einer Frühgeburt

Nach einer Frühgeburt verlängert sich die Mutterschutzfrist auf zwölf Wochen. Außerdem verlängert sich der Mutterschutz zusätzlich um den Zeitraum, den die Mutter vor der frühen Geburt nicht in Anspruch nehmen konnte.

Lässt sich einer Frühgeburt vorbeugen?

Einer Frühgeburt lässt sich nicht gezielt vorbeugen. Das gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass in fast der Hälfte aller Fälle die Ursache unklar ist.

Vorsorgeuntersuchungen kommen deshalb in der Schwangerschaft besondere Bedeutung zu, denn beginnende Infektionen oder andere Komplikationen lassen sich dadurch schneller erkennen – und im besten Fall behandeln.

Um Risikofaktoren wie Überlastung zu vermeiden, empfiehlt es sich, Stress in der Schwangerschaft soweit es geht zu minimieren. Das gilt auch für körperliche Überlastung. Moderate Bewegung und Entspannungsübungen dagegen können die Gesundheit von Mutter und Kind sogar fördern. Wichtig: Bei Frühgeburtsbestrebungen ist Sport in der Schwangerschaft tabu. Auf das Rauchen und auf Alkohol sollten Schwangere grundsätzlich verzichten.

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