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Dienstag, 26. September 2017
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Frühgeburt

Frühgeburt
Bei einer Frühgeburt kommt das Baby vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt
(c) Getty Images/iStockphoto/metin Kiyak

Frühgeburten sind Geburten, bei denen das Baby in der Regel zwischen der 24. und der 37. Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht zwischen 500 und 2.500 Gramm vor dem eigentlichen Geburtstermin zur Welt kommt. Diese Kinder werden als Frühchen bezeichnet.

Darunter fallen auch lebend geborene Kinder mit einem Gewicht unter 500 Gramm und tot geborene Kinder mit einem Gewicht über 500 Gramm. Im Unterschied dazu werden nur tot geborene Kinder mit einem Gewicht unter 500 Gramm als Fehlgeburt bezeichnet.

Etwa sieben Prozent aller Kinder sind Frühgeborene. Ein Prozent der Kinder wird vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren und etwa fünf bis sechs Prozent kommen zwischen der 32. und der 36. Schwangerschaftswoche zur Welt.

Einer Frühgeburt gehen in der Regel eine Erkrankung von Mutter oder ungeborenem Kind oder Komplikationen während der Schwangerschaft voraus. Besonders häufig sind Frühgeburten bei Mehrlingsschwangerschaften.

Symptome einer (drohenden) Frühgeburt

Deutliche Symptome einer drohenden Frühgeburt sind Wehen, die im Abstand von etwa fünf bis zehn Minuten eintreten, länger als eine halbe Minute andauern und sich über einen Zeitraum von etwa einer Stunde erstrecken. Die Wehen können auch von Rückenschmerzen oder Ziehen im Oberschenkel begleitet werden. In extremen Fällen können Blutungen, oder das frühzeitige Platzen der Fruchtblase (frühzeitiger Blasensprung) eine drohende Frühgeburt ankündigen. Frauen sollten sich in diesem Fall sofort in das nächste Krankenhaus bringen lassen, wo sie medizinisch betreut werden.

Ursachen für eine Frühgeburt

Bei etwa 40 Prozent und somit fast der Hälfte aller Frühgeburten ist die Ursache nicht bekannt. Generell können Frühgeburten aber durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Diese Ursachen können einzeln oder in Kombination miteinander auftreten und sowohl vom Körper des Kindes als auch von dem der Mutter ausgehen.

Mögliche Ursachen einer Frühgeburt:

  • Allgemeine Erkrankung der Schwangeren
  • Störungen an Gebärmutter (Muttermund) oder Plazenta
  • Aufsteigende Infektionen im Genitaltrakt der Frau
  • Schwangerschaftsbedingte Erkrankungen
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Das Kind bleibt in seinem Wachstum und der Entwicklung zurück
  • Fehlbildungen oder Chromosomenstörungen beim Ungeborenen

Hatte eine Frau bereits in der Vergangenheit eine oder mehrere Frühgeburten, dann ist ihr Risiko für eine erneute Frühgeburt erhöht. Gleiches gilt für Raucherinnen oder Frauen, die  Alkohol trinken.

Diagnose einer (drohenden) Frühgeburt

Ein Arzt kann eine drohende Frühgeburt anhand der typischen Symptome wie Wehen, Rückenschmerzen, Blutungen und geplatzter Fruchtblase diagnostizieren. Bei genauer Untersuchung kann er eine Verkürzung des Gebärmutterhalses und einen zu früh geöffneten Muttermund erkennen.

Therapie einer (drohenden) Frühgeburt

Etwa 16 Prozent aller Frühchen sind von starken Fehlbildungen betroffen. Je weniger Gewicht ein Kind bei der Geburt auf die Waage bringt, desto weniger gut ist es auch entwickelt und desto höher liegt das Risiko für körperliche und geistige Behinderungen. Bei einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm liegen bereits bei 31 Prozent der Frühchen Fehlbildungen vor. Es sind die unausgereiften Organe, die zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen. Das betrifft vor allem das Atmungsorgan Lunge.

Bei einer drohenden Frühgeburt wird daher versucht, die Schwangerschaft so lange wie möglich zu erhalten, damit sich das Ungeborene im Mutterleib entwickeln kann und seine Organe Zeit haben, vollständig auszureifen. Ärzte gehen davon aus, dass dies bei normaler Entwicklung ab etwa der 34. Schwangerschaftswoche der Fall ist.

Die Schwangere muss aus diesem Grund in der Regel strenge Bettruhe halten und wird, sofern sie Wehen hat, im Krankenhaus überwacht. Dort geben Ärzte Magnesium und andere Medikamente (Tokolytika), die die Wehen hemmen und die Muskulatur der Gebärmutter entspannen sollen. Falls notwendig, werden auch Medikamente gegeben, die die Lungenreife des Ungeborenen beschleunigen sollen (Glukokortikoide). Wenn sich der Muttermund bereits geöffnet hat kann es sinnvoll sein, ein Cerclagepessar einzulegen. Das bedeutet, dass der Muttermund mit einer kleinen Schale verschlossen wird. In besonderen Fällen wird der Gebärmutterhals im Rahmen einer Operation verschlossen.

Eine Schwangerschaft kann nur erhalten werden, wenn die Fruchtblase noch nicht geplatzt ist und sich der Muttermund noch nicht weiter als drei Zentimeter geöffnet hat. Andernfalls können Ärzte eine Frühgeburt nicht mehr verhindern und lassen der Geburt ihren normalen Lauf. Wenn sich das Ungeborene noch nicht in die Schädellage gedreht hat, muss möglicherweise ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Die Schwangere wird, sofern es die Zeit zulässt, in ein Krankenhaus verlegt, das speziell für die Betreuung von Frühchen ausgestattet ist.

Therapie eines frühgeborenen Säuglings

In den vergangenen Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten vor allem für sehr kleine Frühchen verbessert. Daher sind die Überlebenschancen für diese Babys gestiegen. Fast alle Kinder, die ab der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, haben eine Überlebenschance von annähernd 100 Prozent.

Frühchen sind an bestimmten Anzeichen zu erkennen. Im Vergleich zu reif geborenen Babys sind sie sehr klein, ihre Haut ist zart und gerötet und noch mit dem Lanugohaar bewachsen. Ihre Nägel reichen noch nicht über die Spitzen von Fingern und Zehen und ihre Stimmen sind schwach - genauso wie ihre Reflexe.

Sofort nach der Geburt werden Frühchen in einen Brutkasten gelegt. In diesem Glaskasten sind die Neugeborenen vor Infektionen geschützt und werden medizinisch überwacht. Das gilt vor allem für die Atmung. Ihre Ernährung besteht häufig zunächst aus einer Wasser-Zucker-Mischung, da der Magen noch keine Milch verdauen kann. Später werden sie mit abgepumpter Muttermilch gefüttert.

Trotz des medizinischen Fortschritts kann es geschehen, dass ein frühgeborenes Kind nicht überlebt. Diese Kinder werden wie Erwachsene bestattet. Die Mutter hat weiterhin acht Wochen nach der Geburt ein Recht auf Mutterschutz.

Wie kann man einer Frühgeburt vorbeugen?

Einer Frühgeburt kann vorgebeugt werden, indem sich Schwangere genau über die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft informieren und vielleicht auch einen Kurs zur Schwangerschaftsvorbereitung besuchen. Wenn Frauen gut informiert sind, bemerken sie ungewöhnliche Veränderungen oder Störungen an ihrem Körper leichter und früher und können sich gezielt an ihren Arzt wenden. Hier können dann beispielsweise Infektionen im Genitalbereich frühzeitig behandelt werden.

Daneben sollten sich Frauen während der Schwangerschaft nicht übermäßig belasten und strapazieren. Das bedeutet auch, dass sie ihren Arbeitgeber rechtzeitig über eine bestehende Schwangerschaft informieren. Nur so können die Mutterschutzrichtlinien greifen, wonach Schwangere beispielsweise keine schweren Gegenstände mehr heben oder mit giftigen Substanzen arbeiten dürfen. Auch in der Freizeit sollten Schwangere ihr Verhalten an die neuen Umstände anpassen und beispielsweise vorübergehend auf Leistungs- oder Mannschaftssport verzichten.

Ratgeber "Frühgeburt & Frühchen"

Weiter unten finden Sie in unserem Ratgeber zum Thema Frühgeburt & Frühchen noch mehr Informationen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 13. Juli 2017
Quellen: Breckwoldt, M. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2008; Diedrich K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007; Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: http://www.schwanger-info.de (Stand: Juli 2009); Online-Informationen des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): http://www.frauenaerzte-im-netz.de (Stand: Juni 2009)

Beiträge im Forum "Geburtstermin September/Oktober 2017"
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