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Angeborener Überlebensreflex

Moro-Reflex: Wann verschwindet das plötzliche Erschrecken?

Wenn es so aussieht, als würde sich dein Baby erschrecken, tritt der sogenannte Moro-Reflex auf: Ruckartig öffnet der Säugling seine Arme und zieht sie dann wie bei einer Umklammerung eng an seinen Körper heran. Was hat es mit diesem Phänomen auf sich und wie können Eltern ihrem Baby helfen?

Moro-Reflex: Wann verschwindet das plötzliche Erschrecken?
© Getty Images/VioletaStoimenova

Der Moro-Reflex gehört zu den frühkindlichen Reflexen, mit denen dein Baby geboren wird. Ein Reflex ist eine Reaktion des Körpers, die unwillkürlich auf einen Reiz erfolgt. Die Natur hat das Neugeborene mit solchen Überlebensreflexen ausgestattet. Erst mit zunehmender Reife entwickeln sich unbewusste Reaktionen wie das Saugen, Greifen oder eben auch das „Erschrecken“ zu bewussten Fähigkeiten weiter. In den ersten Lebensmonaten ist der Moro-Reflex daher vollkommen normal.

Artikelinhalte im Überblick:

Entwicklung Baby: Das passiert Monat für Monat

Was ist der Moro-Reflex?

Beim Moro-Reflex handelt es sich um eine angeborene Schreckreaktion des Babys, die automatisch abläuft. Sie macht sich durch eine plötzlich auftretende Umklammerungsbewegung bemerkbar. Diese Reaktion ist ein Primitivreflex, der nicht willkürlich gesteuert werden kann, sondern durch äußere Reize ausgelöst wird, zum Beispiel durch:

  • laute Geräusche
  • helles Licht
  • plötzliche Lageveränderungen

Der Moro-Reflex ist eine äußerst schlaue Erfindung der Natur: Zum einen löst er direkt nach der Geburt den ersten Atemzug des Neugeborenen aus. Zum anderen hilft dem Baby dabei, auf (vermeintliche) Gefahren zu reagieren. Der Körper bereitet sich damit auf eine mögliche Notsituation vor und versetzt das Baby in Alarmbereitschaft – unter anderem durch die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol.

Man erklärt den Moro-Reflex daher auch häufig mit der Evolutionsgeschichte: Das Babys eines Menschenaffen klammerte sich an den Bauch seiner Mutter. Da sie im Laufe des Tages aber viele Bewegungen machte, bei denen das Junge nach hinten fallen könnte, half ihm der Moro-Reflex dabei, sich am Fell der Mutter festzuhalten und einen gefährlichen Sturz auf den Rücken zu verhindern.

Benannt ist der Moro-Reflex nach seinem Entdecker, dem Kinderarzt Professor Ernst Moro. Weitere Bezeichnungen für den Schreckreflex sind Moro-Reaktion, Umklammerungsreaktion, Umklammerungsreflex oder Klammerreflex.

Symptome: So erkennst du den Moro-Reflex

Typisch für den Moro-Reflex ist eine Bewegung, die so aussieht, als würde dein Baby etwas umklammern wollen. Die Reaktion läuft in zwei Phasen ab:

  • 1. Phase „Streckbewegung“: Das Baby spreizt die Finger, streckt die Ellenbogen und die Arme fahren seitlich auseinander. Dabei macht es einen tiefen Atemzug.

  • 2. Phase „Beugebewegung“: Das Baby beugt die Arme schnell wieder nach innen und macht damit eine umklammernde Bewegung. Die Finger schließen sich zur Faust.

Auch die Beine können beim Moro-Reflex beteiligt sein, indem sich die Knie beugen und die Oberschenkel angezogen werden. Möglicherweise schreit dein Baby dabei.

Moro-Reflex im Schlaf

Bei einigen Kindern ist der Moro-Reflex stärker ausgeprägt. In solchen Fällen findet das „Erschrecken“ häufig auch in der Nacht statt. Dies muss aber nicht unbedingt störend sein: Es gibt Babys, die trotzdem einfach weiterschlafen. Andere haben durch den Moro-Reflex Probleme beim Einschlafen, da sie sich durch die Bewegung ihrer Arme selbst wieder wach machen. Hier bekommst du Tipps und Tricks rund um das Thema Schlafen im ersten Lebensjahr.

Moro-Reflex: Wie lange bleibt er?

Der Moro-Reflex verschwindet mit der Ausreifung des Nervensystems nach den ersten Lebensmonaten wieder von selbst. Nach und nach nimmt er ab, bis er schließlich gar nicht mehr auftritt. In der Regel bleibt der Reflex bis zum dritten bis sechsten Lebensmonat bestehen.

Abgelöst wird der Moro-Reflex von anderen Schreckreaktionen, wie sie auch im Erwachsenenalter auftreten – zum Beispiel dem Hochziehen der Schultern oder dem schnellen Drehen des Kopfes in Richtung der möglichen Gefahrenquelle. In seltenen Fällen besitzen auch Kinder oder Erwachsene noch einen aktiven Moro-Reflex.

Test: Wie wird der Moro-Reflex festgestellt?

Die frühkindlichen Reflexe werden bei den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen überprüft, um die kindliche Entwicklung zu beurteilen. Um das Vorhandensein des Moro-Reflexes zu testen, gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Zum Beispiel kann sich das Baby in Rückenlage auf einer Unterlage befinden und mit einem Schlag auf die Unterlage wird eine plötzliche Erschütterung simuliert. Eine andere Möglichkeit ist es, Rumpf und Kopf im Sitzen in der Schwebe zu halten und den Oberkörper mit stabilisiertem Köpfchen plötzlich absinken zu lassen.

Der Moro-Reflex kann Hinweise darauf geben, ob eine neurologische Störung vorliegt. Fehlt er in den ersten Lebensmonaten, weist dies auf eine zerebrale Schädigung (Störung des Zentralnervensystems) hin. Besteht er länger als über den sechsten Lebensmonat hinaus, wird dies als Zeichen für eine neurologische Störung gewertet.

In seltenen Fällen sind ruckartige Armbewegungen Teil von krampfartigen Muskelzuckungen, die auf eine ernst zu nehmende Erkrankung hinweisen können. Hierzu zählt zum Beispiel das West-Syndrom, eine Säuglings-Epilepsie. Dein*deine Kinderarzt*Kinderärztin weiß dies korrekt einzuordnen. Solltest du dir Sorgen machen, weil du ein ungewöhnliches Verhalten bemerkst, zögere nicht und frage um ärztlichen Rat.

Moro-Reflex geht nicht weg – was jetzt?

Verschwindet der Moro-Reflex nach dem sechsten Lebensmonat nicht von selbst, solltest du mit deinem*deiner Kinderarzt*Kinderärztin sprechen, um dies für den individuellen Fall deines Kindes abklären zu lassen. Nur so kann beurteilt werden, ob die Entwicklung in einem normalen Rahmen abläuft. Auch die Vorsorgeuntersuchung U5 steht in diesem Lebensalter an.

Eine anhaltende Klammer-Reaktion wird als persistierender Moro-Reflex bezeichnet. Er kann mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Gleichgewichts- und Koordinationsschwierigkeiten, ängstlichem Verhalten oder Schreckhaftigkeit einhergehen. Betroffene sind immer in Alarmbereitschaft, was den Alltag für sie sehr stressig macht. Sie sind möglicherweise geräuschempfindlich, überempfindlich, haben Phasen von Hyperaktivität oder zeigen aggressive Verhaltensweisen. Die Symptome können dem Beschwerdebild von ADHS ähneln. Auffälligkeiten machen sich später zum Beispiel durch Probleme in der Schule bemerkbar.

Moro-Reflex: Was tun?

Viele Eltern sind beunruhigt, wenn sie die ruckartigen Bewegungen bei ihrem Baby beobachten. Handelt es sich dabei um den Moro-Reflex, ist dieses Erschrecken jedoch harmlos. Im Zweifelsfall solltest du dich stets an deine kinderärztliche Praxis wenden und um Abklärung bitten.

Wenn dein Baby sich erschrickt, weint oder schreit, kannst du es trösten und beruhigen. Allgemein wirken sich Bewegungen auf deinem Arm oder in einer Wippe entspannend auf Babys aus. In einer Trage spürt das Kind zudem deine Körperwärme und findet wieder zur Ruhe. Liegt das Baby in seinem Bett, kannst du deine Hand sanft auf seinen Brustkorb legen, mit ihm sprechen oder ihm etwas vorsingen.

Pucken kann gegen starken Moro-Reflex helfen

Bei einem stark ausgeprägten Moro-Reflex, der das Baby beim Schlafen behindert, wird unter anderem von Hebammen zum sogenannten Pucken geraten. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Wickeltechnik, bei der das Baby in ein Tuch eingewickelt und seine Bewegungsfreiheit dadurch begrenzt wird. Die Meinungen zum Pucken sind allerdings kontrovers: Bemängelt wird etwa, dass Babys nachts überwärmen und durch enges Einwickeln Hüftfehlstellungen entstehen könnten.

Du möchtest diese Technik ausprobieren? Dann wende dich an deine Hebamme oder kinderärztliche Praxis und lass dir das Pucken unter fachkundiger Anleitung erklären. Hier haben wir für dich alle Vor- und Nachteile des Puckens zusammengestellt.

Ein anhaltender Moro-Reflex bedarf einer individuell abgestimmten Therapie. Lege das weitere Vorgehen daher in Absprache mit deiner kinderärztlichen Praxis fest. Unter anderem könnten Ergotherapie oder Bewegungstherapie Möglichkeiten der Behandlung darstellen.

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