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Stillen und Medikamente: Welche sind erlaubt?

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Sarah Liebigt, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. Februar 2019

Auch in der Stillzeit kann die Einnahme von Medikamenten nötig werden. Dann ist eine sorgfältige Auswahl der Wirkstoffe besonders wichtig, denn sie gelangen über die Muttermilch auch zum Kind. Bevorzugt werden sollten solche Medikamente, die nur in geringem Maße in die Muttermilch übergehen und möglichst wenige Nebenwirkungen haben.

Stillen und Medikamente
Nicht alle Medikamente sind für die Einnahme in der Stillzeit geeignet.
© iStock.com/Steve Debenport

Stillen und Medikamente schließen sich nicht automatisch aus. Im Gegenteil: Manchmal sind Medikamente sogar notwendig, um die Stillbeziehung weiter zu ermöglichen. Das gilt zum Beispiel für Antibiotika, wie sie gegen Brustentzündung (Mastitis) eingenommen werden müssen. Entscheidend bei der Auswahl der Medikamente ist die sogenannte Stillverträglichkeit. Heute richten sich die meisten Ärzte bei der Verordnung von Medikamenten in der Stillzeit nach den Empfehlungen des Internetportals Embryotox. Dahinter steht das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin. Es erforscht die Auswirkungen von Medikamenten auf Schwangere und Stillende. Die Empfehlungen werden von Erfahrungen in der Anwendung der Medikamente abgeleitet.

Allerdings sollte sich eine Frau, die stillt, genau über das entsprechende Medikament informieren und Rücksprache mit dem Arzt halten. Während der Stillzeit können Wirkstoffe in Medikamenten in die Muttermilch gelangen und vom Kind aufgenommen werden. So wie Bestandteile der Nahrung in die Muttermilch übergehen, werden auch pflanzliche oder künstliche Wirkstoffe über die Muttermilch in den kindlichen Organismus transportiert.

Wichtig: Bitte nehmen Sie nicht auf eigene Faust Medikamente ein, auch nicht, wenn diese frei verkäuflich sind. Sprechen Sie bitte vorher immer mit Ihrem Arzt.

Wenn Medikamente eingenommen werden müssen, sollten diese generell nicht miteinander kombiniert werden. Durch die Kombination mehrerer Wirkstoffe können unbekannte Wechselwirkungen ausgelöst werden.

Antibiotika und Stillen

Wenn es im Falle einer Infektionskrankheit nötig ist, Antibiotika zu nehmen, sollte der behandelnde Arzt auf das Stillen hingewiesen und zu möglichen Risiken befragt werden. Das Alter des Kindes und die Frage ob die Frau voll stillt oder schon zufüttert, sind ebenfalls entscheidend für die Wahl des Medikaments.

Je nach ursächlicher Erkrankung können verschiedene Antibiotika eingenommen werden. Als Mittel der Wahl in verschiedenen Höchstdosierungen gelten für Frauen, die stillen:

  • Amoxicillin
  • Cefalexin
  • Cefuroxim
  • Penicillin V
  • Rifampicim (nur bei Tuberkulose)

In Einzelfällen kann es durch die Einnahme dieser Antibiotika bei gestillten Babys zu dünnerem Stuhl kommen. Als seltene Nebenwirkung tritt Durchfall auf.

Je nach Indikation können auch andere Antibiotika in der Stillzeit zum Einsatz kommen. Diese gelten aber nicht als Mittel der Wahl, da sie möglicherweise Nebenwirkungen verursachen. Man unterscheidet hier auch noch einmal zwischen "Indikationsbezogenem Einsatz" und den sogenannten Reservemitteln, die nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und vorheriger Prüfung besserer Alternativen zur Anwendung kommen. Wichtig ist, dass Sie die Verordnung Ihres Arztes unbedingt einhalten und nicht aus Angst vor Nebenwirkungen auf die Einnahme von Antibiotika verzichten – auch wenn Sie stillen.

Indikationsbezogen angewendete Antibiotika in der Stillzeit:

  • Sulbactam
  • Erythromycin
  • Azithromycin
  • Clarithromycin
  • Roxithromycin

Falls Mittel der Wahl oder indikationsbezogene Antibiotika nicht geeignet sind:

  • Doxycyclin
  • Minocyclin
  • Ciprofloxacin
  • Moxifloxacin
  • Metronidazol (einmalige Einnahme ist zu bevorzugen, Langzeitanwendung kritisch zu sehen)

Ibuprofen und Stillen

Ibuprofen gehört genau wie Paracetamol zu den für die Stillzeit geeigneten Wirkstoffen. Beide Medikamente haben eine schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung. Zusätzlich wirkt Ibuprofen auch noch entzündungshemmend. Auch wenn diese Medikamente frei verkäuflich sind, empfiehlt es sich, sie nicht ohne ärztlichen Rat einzunehmen, sofern Sie stillen.

Das sollten Sie wissen: In der Schwangerschaft gilt die Einnahme von Ibuprofen im ersten und zweiten Trimester als sicher. Es zeigte sich jedoch, dass das Vorläufergewebe der Eizellen (sie werden bereits im Mutterleib angelegt) der Töchter von Schwangeren, die im ersten Schwangerschaftsdrittel Ibuprofen einnahmen, beschädigt war. Die Ergebnisse der französischen Studie kommen jedoch auch an ihre Grenzen. So wurde die Untersuchung außerhalb des Mutterleibs vorgenommen und es ist unklar, ob sich das Gewebe möglicherweise wieder erholt hätte. Laut Embryotox gibt es bei Ibuprofen und Stillen keine Hinweise auf eine Schädigung des Babys.

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Medikamente für Stillende werden in drei Gruppen eingeteilt:

  1. Mittel der Wahl
  2. Darf eingesetzt werden, sofern Mittel der Wahl nicht infrage kommt / indikationsbezogen
  3. Reservemittel / Medikament meiden

Mittel der Wahl sind solche Medikamente, die während des Stillens eingenommen werden können, da sie beim Kind nur sehr selten und nur ungefährliche Symptome auslösen. Reservemittel können nach längerer Einnahme leichte Nebenwirkungen beim gestillten Kind verursachen. Die Bezeichnung umfasst ebenfalls Wirkstoffe, deren Wirkung nur wenig erforscht ist. Die dritte Kategorie umfasst Medikamente, welche starke Symptome beim Kind auslösen können. Sie enthalten ebenfalls Wirkstoffe, für die nachgewiesen wurde, dass sie zu einem hohen Prozentsatz in die Muttermilch übergehen.

Exemplarischer Überblick über weitere häufige Erkrankungen und Beschwerden und entsprechende Wirkstoffe, welche in der Stillzeit eingenommen werden können:

Allergien

  • Mittel der Wahl: Loratadin

  • Darf eingesetzt werden/indikationsbezogen: Cetirizin, Dimetinden

  • Mögliche Nebenwirkungen: Unruhe oder leichte Sedierung des Kindes

Asthma

  • Mittel der Wahl: Terbutalin, Reproterol, Salbutamol

  • Darf eingesetzt werden/indikationsbezogen: Ipratropiumbromid (gilt als "akzeptabel"), Salmeterol, Theophyllin, Fenoterol, Cromoglicinsäure, Beclometason

  • Mögliche Nebenwirkungen: Bei häufiger Anwendung kann es beim gestillten Kind zu Unruhe kommen. Eventuell sollte dann ein anderer Wirkstoff angewendet werden.

Bluthochdruck

  • Mittel der Wahl: Metoprolol, alpha-Methyldopa, Nifedipin

  • Darf eingesetzt werden/indikationsbezogen: Dihydralazin, Nitrendipin

  • Mögliche Nebenwirkungen: Der Blutdruck gestillter Babys sollte unter Betablockern und Calciumantagonisten regelmäßig kontrolliert werden.

Husten/Schleimlöser

  • Mittel der Wahl: Acetylcystein, Ambroxol, Bromhexin

  • Darf eingesetzt werden/indikationsbezogen: Noscapin (kurzfristige Einnahme "erscheint vertretbar"), Dextromethorphan, Efeu

  • Mögliche Nebenwirkungen: Bei Dextromethorphan kann eine Herabsetzung der Atemfrequenz oder eine Abflachung des Atems nicht ausgeschlossen werden, wenn ein Kind zu Atemaussetzern neigt. Produkte mit Efeu-Extrakt und ätherischen Ölen generell können den Geschmack der Muttermilch verändern, was möglicherweise zu Trinkproblemen führt.

Pilzinfektion

  • Mittel der Wahl: Clotrimazol, Miconazol, Nystatin

  • Darf eingesetzt werden/indikationsbezogen: Fluconazol (wenn eine systemische Therapie nötig ist), Amphotericin B (wenn Fluconazol nicht angewendet werden kann)

Virusinfektionen

  • Mittel der Wahl: Aciclovir (systemisch und lokal)

  • Darf eingesetzt werden/indikationsbezogen: Oseltamivir, Zanamivir, Interferon beta-1a und -1b

Tipps für die Einnahme der Medikamente

Wenn möglich, nehmen Sie die Medikamente immer in zeitlichen Abstand zur nächsten Stillmahlzeit ein, am besten direkt nach dem Stillen. Verzichten Sie bereits auf nächtliches Stillen oder schläft Ihr Kind nachts durch, empfiehlt sich die Einnahme entsprechend am Abend.

Trinkt Ihr Kind auch aus dem Fläschchen, können Sie Ihre Muttermilch vorher abpumpen. Im Kühlschrank lässt sich abgepumpte Muttermilch bei maximal sechs Grad Celsius bis zu 72 Stunden lang aufbewahren. Bei minus 18 Grad Celsius hält sich eingefrorene Muttermilch bis zu sechs Monate.

Tipps, um das Abstillen zu unterstützen
 
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Sarah Liebigt, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. Februar 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Babyernährung"
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