Ein Angebot von Lifeline
Mittwoch, 28. September 2016
Menu

Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft
Tee kann gegen die Übelkeit in der Schwangerschaft helfen
(c) iStock

Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft treten recht häufig auf. Besonders in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kommt es zur typischen Morgenübelkeit. In den allermeisten Fällen sind Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft harmlos.

„Morgenübelkeit“ im ersten Schwangerschaftsdrittel

Die weit verbreitete Bezeichnung „Morgenübelkeit“ ist etwas irreführend – tatsächlich kann es in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Vermehrt tritt die Übelkeit aber tatsächlich morgens auf. Manchen Frauen ist bereits vor dem Aufstehen übel. Als Ursache dafür vermutet man die hormonelle Umstellung des Körpers.

Häufig werden Übelkeit und Erbrechen im ersten Schwangerschaftsdrittel von vermehrtem Speichelfluss begleitet. Auch das legt sich normalerweise etwa ab dem vierten Schwangerschaftsmonat.

Einige Frauen verlieren sogar zu Beginn der Schwangerschaft leicht an Gewicht. Das ist in der Regel ebenfalls kein Grund zur Besorgnis. Wenn Sie besonders stark abnehmen, ist es ratsam, Ihren Arzt oder Ihre Ärztin um Rat zu fragen.

Ursachen für Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Als Ursache für Übelkeit und Erbrechen in der Frühschwangerschaft, also etwa zum dritten Schwangerschaftsmonat, vermutet man die hormonelle Umstellung des Körpers. Ist diese Umstellung abgeschlossen, legen sich die Symptome in der Regel wieder.

Gelegentliche Übelkeit oder Erbrechen können aber auch über den dritten Schwangerschaftsmonat hinaus auftreten. Es handelt sich hierbei normalerweise nicht um einen Ernstfall. Sollten die Beschwerden häufig auftreten oder von anderen Symptomen wie Fieber begleitet werden, ist es sinnvoll, Ihren Arzt oder Ihre Ärztin aufzusuchen.

Gründe für Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft gibt es – ebenso wie bei Beschwerden außerhalb einer Schwangerschaft – viele, zum Beispiel:

  • Magen-Darm-Infekte
  • Magenverstimmung
  • zu viel oder „falsches“ Essen
  • Beschwerden im Umfeld einer Migräne
  • Erkältung 

Anhaltende Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden, vor allem, wenn Sie mehr Flüssigkeit verlieren als Sie bei sich behalten können.

Viele Frauen verfügen während der Schwangerschaft auch über einen verstärkten Geruchssinn beziehungsweise über eine erhöhte Sensibilität gegenüber Gerüchen. Besonders bestimmte Essensgerüche können daher Übelkeit und Erbrechen bei Schwangeren auslösen.

Seltene Komplikation: Hyperemesis gravidarum

Einige Frauen leiden während der Schwangerschaft unter anhaltender Übelkeit und erbrechen sich mehr als fünf Mal täglich. Diese seltene Form des Schwangerschaftserbrechens heißt Hyperemesis gravidarum . Aufgrund des erheblichen Flüssigkeits- und Nährstoffverlust muss sie ärztlich behandelt werden.

Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft: Was tun?

Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft sollte – wenn überhaupt - je nach Ursache behandelt werden. Ob eine medikamentöse Therapie hilfreich ist, entscheidet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin.

Wie lange hält die Übelkeit in der Schwangerschaft an?

Treten Übelkeit und Erbrechen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten auf, heißt es in der Regel: abwarten. Die Beschwerden legen sich von alleine mit Fortschreiten der Schwangerschaft. Bei den meisten Frauen endet die Übelkeit, wenn die 12. Woche überstanden ist. Bis dahin gibt es viele Tipps, um die Beschwerden zu lindern. Auch Hausmittel versprechen Abhilfe.

Sanfte Tipps und Hausmittel gegen die Übelkeit

Teezubereitungen aus Kamille oder Ingwer können gegen Übelkeit helfen. Besonders Ingwer hat sich aufgrund seiner positiven Eigenschaften auf die Magenschleimhaut und gegen Brechreiz bewährt.

Neben dem Trinken von Ingwertee kann man ein Stückchen rohe Ingwerknolle auch einfach schälen und kauen. Weitere Möglichkeiten sind Ingwersirup oder ingwerhaltige Getränke. Beides gibt es in der Apotheke und/oder in Naturkostläden. Auch kandierter Ingwer oder Ingwerkekse können gegen Übelkeit helfen.

Da Ingwer unter Verdacht steht, Wehen leicht zu fördern, empfiehlt sich die Einnahme von Ingwer nur zu Beginn der Schwangerschaft. Im fortgeschrittenen Schwangerschaftsstadium sollte man vorsichtshalber auf häufigen Verzehr von Ingwer verzichten.

Auch das Kauen von Mandeln, Kernen oder rohen Haferflocken soll gegen Übelkeit in der Schwangerschaft helfen: Einfach einige Nüsse oder Kerne in den Mund nehmen, sehr gut und lange kauen und dann herunterschlucken. Dieser neutral schmeckende Brei hilft, überschüssige Säure im Magen zu binden.

Weitere sanfte Methoden gegen Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft sind:

Wie Sie sich bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft sanft selbst helfen

 

Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Es gibt in Deutschland aktuell keine Medikamente, die explizitit für die Anwendung in der Schwangerschaft bei Übelkeit und Erbrechen zugelassen sind. Positive Erfahrungen wurden mit der Einnahme von Vitamin B6 (Pyridoxin) als Nahrungsergänzungsmittel gemacht. In Kanada wird bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft auch das Antihistaminikum Doxylamin eingesetzt. Mittel gegen Reiseübelkeit, die den Wirkstoff Doxylamin enthalten, können ebenfalls vorübergehend bei starken Beschwerden eingesetzt werden.

Wie bei allen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln während der Schwangerschaft gilt: Bitte sprechen Sie jede Einnahme mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab und sehen Sie von „Selbstmedikation“ ab. Verschreibungspflichtige Medikamente erhalten Sie nur nach sorgfältiger Kosten-Nutzen-Abwägung.

Pyridoxin (Vitamin B6)

Pyridoxin oder Vitamin B6 gehört zur Gruppe der wasserlöslichen B-Vitamine. Als Nahrungsergänzungsmittel werden diverse Vitamin-B6-Präparate angeboten, die teilweise auch gegen Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen werden.

Über die Nahrung kann man Vitamin B6 vor allem über Milch- und Fleischprodukte oder über Innereien wie Leber aufnehmen. Auch Hülsenfrüchte und grünes Gemüse, zum Beispiel Avocado oder Brokkoli, oder auch Bananen, sind reich an Vitamin B6.

Doxylamin

Der Wirkstoff Doxylamin gehört zur Gruppe der Antihistaminika. In Kanada wird Doxylamin – häufig als Kombinationspräparat mit Pyridoxin – als Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft eingesetzt, vor allem bei heftigen Beschwerden oder Hyperemesis gravidarum. In Deutschland liegt speziell für die Anwendung in der Schwangerschaft keine Zulassung vor. Der Wirkstoff kann aber bei andauernden, heftigen Beschwerden vom Arzt oder der Ärztin im Einzelfall verschrieben werden. Dies wird nur nach sorgfältiger Kosten-Nutzen-Abwägung erfolgen.

Dimenhydrinat

Dimenhydrinat ist ebenfalls ein Antihistaminikum. Der Wirkstoff (zum Beispiel enthalten in Medikamenten gegen Reiseübelkeit) kann bei heftigen Beschwerden zumindest für einige Tage während der Schwangerschaft eingenommen werden. Es liegen aktuell keine Studien vor, die gegen eine vorübergehende Anwendung von Dimenhydrinat bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft sprechen. Der Wirkstoff sollte nicht eingenommen werden, wenn die Gefahr einer Frühgeburt besteht. Bitte sprechen Sie die Einnahme von frei Medikamenten verkäuflichen immer mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab.

Verlauf von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Die Beschwerden in der Frühschwangerschaft legen sich etwa ab dem vierten Schwangerschaftsmonat in der Regel von allein. Gelegentlich kann es aber auch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft noch zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Diese Symptome sind in den meisten Fällen harmlos und kann im positiven Sinne als Indizien dafür gesehen werden, dass sich im Körper etwas verändert.

Sollten Übelkeit und Erbrechen vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel auftreten, ist es ratsam, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, um Komplikationen auszuschließen.

Die schwere Form von Schwangerschaftsübelkeit, das unstillbare Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum), muss behandelt werden; die leichteren Symptome klingen meist am Ende des vierten Monats von allein ab.

Ungefähr ein Drittel der Schwangeren ist von Beginn der Schwangerschaft an von Übelkeit und Erbrechen betroffen. Ursache kann ein niedriger Blutzuckergehalt sein.

Tipps, was Sie selbst tun können:

  • Nehmen Sie häufiger kleine Mahlzeiten ein.

  • Essen Sie schon morgens im Bett ein paar Kekse oder Zwieback mit (Kräuter-)Tee.

  • Kauen Sie immer wieder Mandeln, Sonnenblumenkerne und Nüsse, bis ein geschmackloser Brei im Mund entsteht, dies bindet die Säure im Magen.

  • Kauen Sie rohe Haferflocken - das hat einen ähnlichen Effekt und bindet die Säure im Magen.

  • Probieren Sie Lavendelwickel auf den Magen (12 Tropfen Lavendelöl auf 1 l Wasser).

  • Trinken Sie Tee aus geriebener Ingwerwurzel.

  • Die Ingwerwurzel hilft generell, in beliebiger Forum zubereitet.

Frauen, die schon von Beginn der Schwangerschaft an Sport treiben, haben weniger mit der Schwangerschaftsübelkeit zu kämpfen als andere. Mediziner vermuten, dass Bewegung die Stoffwechselprozesse im Körper beschleunigt und dadurch die Hormonumstellungen erleichtert.

Tipp bei Übelkeit in der Schwangerschaft: Ingwertee

Ingwer-Tee
Als Mittel gegen die unangenehme Übelkeit, die manche Frauen während der ersten oder auch der gesamten Zeit der Schwangerschaft plagt, können Sie Ingwertee trinken.

Hier das Rezept:

Ein daumengroßes Stück Ingwer
- schälen,
- klein schneiden und
- mindestens zehn Minuten kochen (für einen intensiveren Geschmack bis 30 Minuten),
- evtl. mit Honig in der Schwangerschaft süßen.

Mehrmals täglich eine Tasse trinken. Übrigens auch sehr angenehm bei Erkältungen und Kratzen im Hals!

Historisches, Internationales und Kurioses über Übelkeit in der Schwangerschaft

Schon immer gab es auf der ganzen Welt Schwangere, die in den ersten Monaten der Schwangerschaft unter Übelkeit litten. In den verschiedenen Kulturen gab es unterschiedliche Hilfs- und Heilmittelchen dagegen, die nicht alles zur Nachahmung zu empfehlen sind:

Im alten Rom wurde der Saft aus Limonensaft und Zimtwasser empfohlen.

Die Engländer empfahlen
im 17.
Jahrhundert einen Sirup aus Granatäpfeln, Muskat, Aloe, Zimt, Sauerampfer und Wasser.
im 18. Jahrhundert einen Aufguss aus Pfefferminze und in schweren Fällen eine Tinktur aus Opium in Minze und Rosen- oder Zimtwasser.

Europa und USA
der 1960er Jahre:
Contergan, ein Schlafmittel, dessen schwer entwicklungsschädigende Wirkung sich erst später herausstellte und welches keinesfalls eingenommen werden sollte.
der 1990er Jahre: Natron, Ingwer, Vitamin B6, trockene Kekse und Nüsse vor dem Aufstehen.

Auf Hawaii empfiehlt man
Ingwertee

Auf Jamaika empfiehl man
Fiebergras und Rum (! -> nicht nachmachen)

In Japan empfiehlt man
Umeboshi-Pflaumen (in Feinkost- oder Bioläden erhältlich)

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Juni 2016
Quellen: Gätje, R. u.a.: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2011 Höfer, S., Szász, N.: Hebammen Gesundheitswissen. Für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach. Gräfe und Unzer, München 2012 Iburg, A.: Mamafood – die beste Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit. Trias, Stuttgart 2009 Jahn-Zörens, U.: Entspannt erleben: Schwangerschaft und Geburt. Trias, Stuttgart 2011 Pschyrembel – Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007 Online-Informationen des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin: https://www.embryotox.de/dimenhydrinat.html (Stand: 24. September 2013) Online-Informationen des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin: https://www.embryotox.de/doxylamin.html (Stand: 3. März 2012) Schaefer, C., et al: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit. Urban & Fischer, München 2012

Beiträge im Forum "Geburtstermin Januar/Februar 2017"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Beschwerden & Erkrankungen

Die Infektionskrankheit Listeriose trifft in der Regel nur Menschen mit schwachem Immunsystem. Sie kann in der Schwangerschaft für den Fötus oder ein neugeborenes Kind gefährlich werden. Mehr...

Beschwerden & Erkrankungen

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sind zwar unangenehm, aber in der Regel nicht gefährlich. Sie lassen sich je nach Schweregrad unterschiedlich behandeln. Mehr...

Beschwerden & Erkrankungen

Sodbrennen ist ein Problem, das Schwangere sehr häufig belastet. Es gibt leider kein Mittel, das allen hilft, deshalb haben wir für Sie Tipps unserer Leserinnen zusammengestellt. Mehr...

Mit der Einnahme von Folsäure und Omega-3-Fettsäuren verhindern Sie Krankheiten.

mehr lesen...
Weitere interessante Themen
  • Fehlgeburt

    Fehlgeburt (Abort) ist das frühzeitige Ende einer Schwangerschaft, bei der das Kind mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm und vor der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche auf... Mehr...

Zum Seitenanfang