Vorzeitiger Blasensprung

Fruchtblase

Bei einem vorzeitigen Blasensprung reisst die Fruchtblase frühzeitig
(Grafik: LifeART)

Bei einem vorzeitigen Blasensprung reißt die Fruchtblase, die das ungeborene Kind im Mutterleib umgibt, einige Zeit vor dem errechneten Geburtstermin statt kurz vor oder während der Geburt. Dabei geht tröpfchenweise oder schwallartig Fruchtwasser ab. Ein vorzeitiger Blasensprung kann die Schwangere und das Ungeborene gefährden. Daher ist es ratsam, möglichst rasch einen Arzt aufzusuchen.

Die Angaben zur Häufigkeit eines vorzeitigen Blasensprungs schwanken zwischen drei und 20 Prozent. 30 bis 40 Prozent aller Frühgeburten ereignen sich in Folge eines vorzeitigen Blasensprungs.


Ursachen eines vorzeitigen Blasensprungs
Symptome eines vorzeitigen Blasensprungs
Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs
Therapie eines vorzeitigen Blasensprungs
Verlauf eines vorzeitigen Blasensprungs
Kann man einem vorzeitigen Blasensprung vorbeugen?

Ursachen eines vorzeitigen Blasensprungs

Ein vorzeitiger Blasensprung wird in der Regel durch eine verminderte Stabilität der Eihaut (die Wand der Fruchtblase) oder einen stark erhöhten Innendruck der Fruchtblase verursacht. Beides kann durch eine vaginale Infektion ausgelöst werden.

Zudem gibt es verschiedene Risikofaktoren für einen vorzeitigen Blasensprung:

  • vermehrte Bildung von Fruchtwasser
  • vorausgegangene Fruchtwasseruntersuchung
  • vorausgegangene Blutungen während der Schwangerschaft
  • vorausgegangene Ausschabung der Gebärmutter
  • vorausgegangene Fehlgeburt
  • wiederholte Abtreibungen

Symptome eines vorzeitigen Blasensprungs

Bei einem vorzeitigen Blasensprung geht tröpfchenweise oder schwallartig Fruchtwasser aus der Scheide ab. Dieses ist wasserhell bis milchig-trüb und kann süßlich riechen. Häufig ist es ohne ärztliche Untersuchung nicht von unwillkürlichem Harnabgang – welcher vor allem bei weit fortgeschrittener Schwangerschaft ebenfalls auftreten kann – zu unterscheiden. Vor dem Fruchtwasserabgang weisen nur selten Symptome, wie vermehrter Ausfluss oder Fieber, auf den bevorstehenden vorzeitigen Blasensprung hin.


Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs

Zur Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs führt der Arzt eine vaginale Untersuchung mit dem Spekulum – ein Untersuchungsgerät, dass zur Spreizung der Scheide eingesetzt wird – durch. Dadurch kann er den Fruchtwasserabgang im Gebärmutterkanal sehen. Zudem bestimmt er den pH-Wert der abgehenden Flüssigkeit mittels eines so genannten pH-Indikatorpapiers. Dadurch lässt sich das Fruchtwasser von Urin unterscheiden. Die Untersuchung ist schmerzfrei und einfach. Nur in seltenen Fällen setzt der Arzt zusätzlich einen Ultraschall zur Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs ein.

Nach der Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs untersucht der Arzt die Frau auf ein Amnioninfektionssyndrom (AIS). AIS ist eine Infektion der Eihaut, der Planzenta, der Fruchtblase oder des Fötus und kann durch verschiedene Erreger wie Streptokokken oder Chlamydien hervorgerufen werden. AIS kann zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Die Untersuchung auf AIS erfolgt mittels eines Blutbilds. Eine fortgeschrittene Infektion äußert sich zudem durch Fieber, erhöhte Herzfrequenz, übel riechendes Fruchtwasser sowie Unterleibsschmerzen.


Therapie eines vorzeitigen Blasensprungs

Die Therapie eines vorzeitigen Blasensprungs richtet sich nach dem Schwangerschafts-Zeitpunkt und erfolgt – besonders in sehr frühen Stadien – in enger Abstimmung mit den betroffenen Eltern. Ziel der Therapie ist es, die Geburt möglichst hinauszuzögern, damit das Ungeborene sich im Mutterleib schonend entwickeln kann.

Vor der 24. Schwangerschaftswoche

Ereignet sich ein vorzeitiger Blasensprung vor der 24. Schwangerschaftswoche und besteht kein AIS-Verdacht, wird zunächst abgewartet. Die Betroffene muss Bettruhe einhalten. Alle sechs bis 24 Stunden erfolgt eine Blutkontrolle, um sicherzustellen, dass kein AIS auftritt. Zudem kontrolliert der Arzt regelmäßig die Fruchtwassermenge und die Vitalität des Kindes. Ab der 20. Schwangerschaftswoche kann eventuell eine AIS-vorbeugende Antibiotika-Therapie sinnvoll sein. Kommt es zu Komplikationen in der Kindesentwicklung oder tritt ein deutliches AIS auf, muss die Schwangerschaft unter Umständen abgebrochen werden. Erst ab der 23. Schwangerschaftswoche wird bei einer AIS-Diagnose eine Geburt eingeleitet.

24. bis 34. Schwangerschaftswoche

Tritt ein vorzeitiger Blasensprung zwischen der 24. und 34. Schwangerschaftswoche auf und besteht kein AIS-Verdacht, wird ebenfalls zunächst unter Bettruhe abgewartet. Alle sechs bis 24 Stunden erfolgen Blutkontrollen und die Herzfrequenz des Ungeborenen wird überwacht (Kardiotokografie, kurz CTG). Die Schwangere erhält Antibiotika, wehenhemmende Medikamente sowie Medikamente, welche die Lungenförderung des Ungeborenen fördern.

Ist die Schwangere von AIS betroffen, leitet der Arzt zügig unter einer Antibiotika-Therapie die Geburt ein.

Nach der 34. Schwangerschaftswoche

Ereignet sich ein vorzeitiger Blasensprung nach der 34. Schwangerschaftswoche und besteht kein AIS-Verdacht, leitet der Arzt die Geburt nach zwölf bis 24 Stunden ein. Bis zur 37. Schwangerschaftswoche erfolgt zudem eine Antibiotika-Therapie. Bei deutlichem AIS entbindet der Arzt das Ungeborene unter antibiotischer Therapie möglichst rasch durch einen Kaiserschnitt, falls keine schnelle natürliche Geburt zu erwarten ist.


Verlauf eines vorzeitigen Blasensprungs

Der Verlauf eines vorzeitigen Blasensprungs ist stark vom Schwangerschafts-Zeitpunkt abhängig und eine starke psychische Belastung für die werdenden Eltern. Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto besser sind die Überlebenschancen für das Ungeborene. Bei 65 Prozent der Betroffenen muss eine Frühgeburt eingeleitet werden. Bei einem vorzeitigen Blasensprung besteht ein erhöhtes Risiko für eine Lageanomalie, das heißt das Kind liegt nicht in der optimalen Geburtslage.

Weitere Komplikationen, die für das Ungeborene auftreten können, sind Fehl- oder Unterentwicklungen der Lunge, eine ungenügende Sauerstoffzufuhr durch die Nabelvene sowie ein Nabelschnurvorfall.

Bei der Mutter können in Folge des vorzeitigen Blasensprungs AIS, eine Gebärmutter-Entzündung (Endometritis) sowie Harnwegsinfekte auftreten.


Kann man einem vorzeitigen Blasensprung vorbeugen?

Einem vorzeitigen Blasensprung kann man vorbeugen, indem man in der Schwangerschaft bekannte schädliche Faktoren wie Rauchen und Alkohol vermeidet.



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Quellen:
AWMF: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Empfehlungen zum Vorgehen bei vorzeitigem Blasensprung. AMWF-Leitlinien-Register Nr. 015/029, (Stand: Jun. 2006)
Feige, A.; et al: Frauenheilkunde. Urban & Fischer, München 2006
Kiechle, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2006
Kirschbaum, M.; Müstedt, K.:Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005
Peterson, E.: Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2003

 

Autor: Theresa Nikley 
Letzte Änderung am: 25.05.2009