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Donnerstag, 26. Mai 2016
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PCO-Syndrom

PCO-Syndrom
Das PCO-Syndrom ist häufig Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch
(c) iStockphoto/SolStock

Beim PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom, PCOS) handelt es sich um eine Hormonstörung. Betroffene Frauen leiden dabei unter einer gestörten Funktion der Eierstöcke, die zum Beispiel zur Entstehung von vielen kleinen Zysten (polyzystische Ovarien) führt. Häufig ist PCOS eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch.

Das PCO-Syndrom tritt als Folge von mehreren Störungen des Hormonhaushalts auf. Bei den Betroffenen werden zu viele männliche Geschlechtshormone produziert. In Deutschland leiden etwa eine Million Frauen daran.Hormonhaushalts

PCOS zeichnet sich durch verschiedene Störung der Eierstöcke aus: Sie sind mit Zysten durchsetzt (polyzystische Ovarien), ein Zyklus erfolgt oft ohne Eisprung, die Regelblutung ist unregelmäßig oder bleibt komplett aus. Das PCO-Syndrom ist sogar die häufigste Ursache für das Ausbleiben der Blutung.

Man spricht von einem PCO-Syndrom, wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien vorliegen:

  • Zyklusstörungen: seltener oder fehlender Eisprung (Anovulation), lange Abstände zwischen den Regelblutungen (Oligomenorrhoe), Ausbleiben der Periode (Amenorrhoe)
  • Erhöhter Spiegel männlicher Sexualhormone (Androgene) im Blut und/oder äußere Anzeichen eines Androgenüberschusses ("Vermännlichung")
  • Zahlreiche kleinblasige Veränderungen der Eierstöcke (polyzystische Ovarien)

Betroffene Frauen suchen den Arzt häufig aufgrund eines unerfüllten Kinderwunsches auf. Erste Anzeichen können aber bereits in der Pubertät auftreten.

PCO-Syndrom: Ursachen der Störung

Die Ursachen des PCO-Syndroms sind nicht endgültig geklärt. Sowohl genetische Faktoren (erbliche Veranlagung) als auch Umwelteinflüsse (Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht) spielen eine Rolle. 50 Prozent der betroffenen Frauen sind fettleibig (adipös).

Bei der Entwicklung des PCO-Syndroms scheinen veränderte Hormongegebenheiten maßgeblich zu sein. Mehrere Störungen des Hormonhaushalts verstärken sich hierbei gegenseitig. Betroffen sind vor allem die Gruppe der männlichen Sexualhormone, die so genannten Androgene, sowie das luteinisierende und Follikelstimulierendes Hormon (FSH) (LH und FSH) der Hirnanhangdrüse (Hypophyse).

Die Hirnanhangdrüse schüttet vermehrt LH und vermindert FSH aus. Dadurch wird im Eierstock die Bildung von männlichen Geschlechtshormonen (Androgene) angeregt, die der Körper von PCO-Patientinnen nicht in Östrogen umwandeln kann. Durch die erhöhte Androgenkonzentration (Hyperandrogenämie) treten Zyklusstörungen auf - es kommt zu verlängerten Blutungen oder einem Ausbleiben der Regel.

Das PCO-Syndrom steht außerdem im Zusammenhang mit einer gestörten Wirkung von Insulin. Frauen mit PCOS können an einer Insulinresistenz leiden und dadurch die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus entwickeln. Durch einen Überschuss an Insulin im Blut wird außerdem wieder die Androgenbildung in den Eierstöcken verstärkt.

PCO-Syndrom: Symptome

Unfruchtbarkeit (Sterilität), Zyklusstörungen und polyzystische Ovarien

Das PCO-Syndrom ist einer der häufigsten bekannten Gründe für eine Unfruchtbarkeit der Frau. Der Eisprung findet selten statt oder bleibt aus. Zugrunde liegt eine Follikelreifungsstörung in den Eierstöcken. Oft liegt bei PCO eine Amenorrhoe vor.

Normalerweise reift eine Eizelle während eines Monatszyklus in einem Nest aus so genannten Follikelzellen heran. Als reife und befruchtungsfähige Eizelle wird sie zum Zeitpunkt des Eisprungs in den Eileiter ausgestoßen. Hohe Spiegel männlicher Hormone, wie sie beim PCO-Syndrom häufig vorliegen, beeinträchtigen diesen Reifungsvorgang. Es entstehen lediglich zahlreiche unreife Vorstufen, die schließlich zugrunde gehen und die blasige (zystische) Umwandlung der Eierstöcke (polyzystische Ovarien) verursachen. Kennzeichnend ist, dass die Eierstöcke mindestens zwölf Follikel mit einem Durchmesser von zwei bis neuen Millimetern (polyzystische Ovarien) enthalten. Die Zykluslänge kann mit über 35 Tagen bis hin zum kompletten Ausbleiben der Periode deutlich verlängert sein.

Der ausbleibende Eisprung hat zur Folge, dass eine Befruchtung nicht stattfinden kann und die Entwicklung eines Gelbkörpers ausbleibt. Der Gelbkörper beeinflusst unter normalen Umständen auf hormonellem Weg den Zyklus einer Frau. Kommt es zum seltenen Eisprung, resultiert häufig eine Schwäche des Gelbkörpers. Der Grund liegt in der gestörten Follikelreifung.

Verstärkte, dem männlichen Behaarungstyp entsprechende Körperbehaarung (Hirsutismus)

Der Hirsutismus lässt sich auf den erhöhten Spiegel männlicher Hormone (Androgene) zurückführen. Betroffene Stellen für eine verstärkte Behaarung sind beispielsweise die Kinn-, Wangen- und Brustpartie.

Akne und Verlust des Kopfhaars als Symptom von PCOS

Auch diese Beschwerden sind Folge des erhöhten Androgenspiegels und können beim PCO-Syndrom ein Symptom sein. Der Haarverlust tritt nur bei sehr hohen Androgenspiegeln auf und entspricht dem typisch männlichen Muster des Haarausfalls.

Übergewicht (Adipositas) unterschiedlicher Ausprägung

Übergewicht kann sowohl ein Auslöser des PCO-Syndroms als auch eine Folgeerscheinung sein. Die Verteilung des Körperfetts konzentriert sich bei den Betroffenen hauptsächlich auf den Körperstamm. Diese so genannte Stammfettsucht, auch als Apfelform bekannt, gilt als ein bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

PCO-Syndrom: Diagnose

Die Diagnose des PCO-Syndroms beginnt mit der Befragung durch den Arzt zur Krankheitsgeschichte. Dies kann bereits auf PCOS hindeuten, wenn die Frau über langjährige Zyklusstörungen oder einen unerfüllten Kinderwunsch berichtet. Bei der körperlichen Untersuchung können Akne, Hirsutismus oder Übergewicht weitere Hinweise geben. Zusätzlich kann der Arzt folgende Untersuchungen durchführen:

  • Vaginaler Ultraschall
    Bei Frauen mit PCO-Syndrom sind die Eierstöcke meist vergrößert und weisen mindestens zwölf kleine Zysten mit einem Durchmesser von zwei bis neuen Millimeter auf (polyzystische Ovarien). Die Zysten liegen perlschnurartig unter der Oberfläche der Eierstöcke und sind typischerweise beidseits nachweisbar.
  • Hormontests
    Die charakteristischen Veränderungen der Hormone lassen sich mit Hilfe von Bluttests nachweisen. Die wichtigsten Hormone dabei sind:
     

Bei Frauen mit PCO-Syndrom ist es typisch, dass sie erhöhte LH-Spiegel bei normalem bis niedrigem FSH-Spiegel aufweisen. Die Konzentrationen der männlichen Hormone sind erhöht. Der orale Glukosetoleranztest wird aufgrund größerer Aussagekraft gemeinsam mit der Bestimmung des Insulinspiegels durchgeführt. Bei vorliegender Insulinresistenz steigt die Insulinkonzentration im Verlauf des Tests stark an. Der Dexamethason-Test dient der Lokalisation der Androgenproduktion, da dafür zwei Organe in Frage kommen: die Eierstöcke und die Nebennieren. Damit das PCO-Syndrom eindeutig diagnostiziert werden kann, müssen die Nebennieren als alleinige überschießende Androgenquelle ausgeschlossen werden.

PCO-Syndrom: Behandlung

Die Behandlung beim PCO-Syndrom hängt von den jeweiligen Symptomen ab. Außerdem spielt es eine Rolle, ob die Frau einen Kinderwunsch hat.

Metformin

Da das PCO-Syndrom und eine Insulinresistenz häufig Hand in Hand gehen, kann eine medikamentöse Therapie mit Metformin infrage kommen. Metformin verstärkt die Wirkung des körpereigenen Insulins und trägt zu einer verbesserten Aufnahme von Glukose in die Zellen bei. Da die Körperzellen infolgedessen ausreichend mit Glukose versorgt sind, findet auch keine vermehrte Sekretion von Insulin statt. Der Insulinspiegel zeigt sich gemäßigter. Die anregende Wirkung auf die Eierstöcke lässt nach. Idealerweise resultiert sowohl bei übergewichtigen als auch bei normalgewichtigen Frauen ein normaler Zyklus.

Mehr Informationen zur Therapie mit Metformin bei Kinderwunsch.

Clavella (myo-inositol)

Eine relativ neue Therapieoption ist Clavella (myo-inositol). Wie Metformin verbessert es die Insulinempfindlichkeit, senkt die Androgene und kann die Ovarialfunktion regulieren. Die Daten aus verlässlichen Studien sind jedoch noch nicht so umfangreich und sicher wie für Metformin.

Antibabypille

Die Therapie des PCO-Syndroms bei Frauen ohne Kinderwunsch, die aber Symptome eines Androgenüberschusses aufweisen, besteht meist aus der Pille. Die Antibabypille unterdrückt die überschießende Hormonproduktion beim PCO-Syndrom. Der Zyklus wird so geregelt. Die Blutung tritt als Abbruchblutung in der Pillenpause auf. Der Eisprung bleibt aus. Da es unterschiedliche Antibabypillen gibt, ist es zudem wichtig, eine mit zusätzlicher antiandrogener Wirkung zu wählen. Antiandrogen bedeutet, dass die männlichen Hormone (Androgene) in ihrer Wirkung gehemmt werden. Infolgedessen werden Symptome wie Akne und Hirsutismus in vielen Fällen gelindert.

Die Behandlung des PCO-Syndroms bei Frauen mit Kinderwunsch besteht darin, den Eisprung auszulösen. Dies erfordert meistens etwas Geduld. Denn auch Frauen mit Kinderwunsch erhalten zunächst für einige Monate eine Antibabypille, um Ruhe in den aufgebrachten Hormonhaushalt zu bringen und hemmende Einflüsse hoher Hormonkonzentrationen zu mindern. Es schließt sich die Behandlung mit Clomifen an. Dieser Wirkstoff ist in der Lage, einen Eisprung auszulösen und eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Kann mit Clomifen keine Schwangerschaft herbeigeführt werden, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. In seltenen Fällen kommt eine Operation in Betracht. Im Rahmen der Operation wird ein Teil des Eierstockgewebes zerstört. Der Spiegel der Androgene und der des luteinisierenden Hormons (LH) sinken. Im Idealfall resultiert ein spontaner Eisprung. Geschieht dies nicht, kann mit größeren Erfolgchancen ein zweiter Versuch mit Clomifen erfolgen.

  2. Darüber hinaus bestehen Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung.

PCO-Syndom: Verlauf

Der Verlauf des PCO-Syndroms kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem ob frühzeitig eine Behandlung durchgeführt wird oder nicht. Im schlimmsten Fall kann das PCO-Syndrom unbehandelt viele Langzeitfolgen haben. Aufgrund der über lange Zeit bestehenden hormonellen Veränderungen kommt es vermehrt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Auch das Risiko für Gebärmutterkrebs ist erhöht. Sehr wichtig ist deshalb die rechtzeitige Diagnose des PCO-Syndroms, um möglichst früh mit einer Therapie zu beginnen und Langzeitfolgen zu vermeiden.

PCO-Syndrom und Ernährung: Hilft abnehmen bei Vorbeugung und Behandlung?

Da die Ursachen des PCO-Syndroms nicht eindeutig geklärt sind, kann bis heute nicht wirksam und gezielt vorgebeugt werden. Durch eine gesunde Ernährung und viel Bewegung vermeidet man aber die Entwicklung von Übergewicht. Auf diese Weise könnten in einigen Fällen der Ausbruch und die Folgen der Erkrankung verhindert werden. Eine gesunde Lebensweise spielt nicht nur zur möglichen Vorbeugung eines PCO-Syndroms eine wichtige Rolle. Übergewichtige mit PCOS sollten eine Gewichtsreduktion anstreben, um einen gestörten Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Durch das Abnehmen steigt die Insulinempfindlichkeit der Zellen wieder und es werden weniger männliche Geschlechtshormone produziert.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. März 2016
Quellen: Bender, H.G., Diedrich, K., Künzel, W.: Endokrinologie und Reproduktionsmedizin I. Urban & Fischer, 2001; Feige, A., Rempen, A., Würfel, W.: Frauenheilkunde. Urban & Fischer, 2006; Kaufmann, M., Costa, S.D., Scharl, A.: Die Gynäkologie. Springer, Heidelberg 2006; Keckstein, J., Hucke, J,: Die endoskopischen Operationen in der Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2000; Keck, C., Neulen, J., Behre, H. M., Breckwoldt, M.: Endokrinologie Reproduktionsmedizin Andrologie. Thieme, 2002 Kiechle, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer, 2007; Online-Informationen des Bundesverbands der Frauenärzte e. V.: www.frauenaertze-im-netz.de, Abruf: 29.02.2016; Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.familienplanung.de, Abruf: 29.02.2016

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