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Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen

Präeklampsie (Gestose): Symptome frühzeitig erkennen

Die Präeklampsie (Gestose) gehört zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen, die mit Bluthochdruck einhergehen. In schweren Fällen kann eine sofortige Entbindung nötig werden.

Präeklampsie (Gestose): Symptome frühzeitig erkennen
Bluthochdruck ist ein mögliches Anzeichen der Präeklampsie.
© Getty Images/Wavebreakmedia

Artikelinhalte auf einen Blick:

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Was ist eine Präeklampsie?

Die Präeklampsie gehört zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen, die mit einem erhöhten Blutdruck einhergehen. Zwischen sechs und acht Prozent aller Frauen in Europa entwickeln im Laufe der Schwangerschaft Bluthochdruck (Hypertonie). Bei der Präeklampsie kommen neben Bluthochdruck noch weitere Beschwerden hinzu. Je nach Ausprägung der Beschwerden kann die Präeklampsie moderat, aber auch schwer verlaufen. Neben vaginalen Blutungen ist die Präeklampsie die bedeutendste Schwangerschaftskomplikation.

Präeklampsie oder Gestose?

Als Synonym für Präeklampsie wird häufig "Gestose" verwendet. Zu den Gestosen gehören auch andere Beschwerden und Erkrankungen in der Schwangerschaft wie die extreme Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum) oder Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Früher war der Begriff "Schwangerschaftsvergiftung" für Präeklampsie oder Gestose verbreitet. Man ging davon aus, die Schwangerschaft würde die Produktion von gesundheitsschädlichen, "giftigen" Substanzen verursachen, welche bei der Betroffenen die gefährliche Erkrankung auslösen.

Die Bezeichnung EPH-Gestose ist ebenfalls heute noch geläufig. Sie setzt sich aus den Begriffen

  • Edema (englisch für Ödeme),
  • Proteinurie (erhöhte Eiweißausscheidung mit dem Urin) und
  • Hypertonie (Bluthochdruck)

zusammen und benennt damit die drei Hauptsymptome einer Präeklampsie.

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Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen sind alle schwangerschaftsbedingten Erkrankungen, die mit einem erhöhten Blutdruck einhergehen. Dabei wird unterschieden in:

  • chronische Hypertonie: Der Bluthochdruck bestand schon vor der Schwangerschaft oder entwickelt sich im ersten Trimester.
  • Gestationshypertonie: Neu in der Schwangerschaft auftretender Bluthochdruck mit Blutdruckwerten ≥ 140/90 mm Hg ohne weitere Symptome einer Präeklampsie.
  • Gestationsproteinurie: In der Schwangerschaft erstmals auftretendes vermehrtes Ausscheiden von Urin mit ≥300 mg/d oder Protein/Kreatinin-Quotient ≥30 mg/mmol ohne weitere Symptome einer Präeklampsie.
  • Präeklampsie: Erhöhter Blutdruck ≥ 140/90 mm Hg in der Schwangerschaft mit vermehrter Eiweißausscheidung über den Urin (≥ 300 mg/24 h) und/oder Wassereinlagerungen.
  • HELLP-Syndrom: Sehr seltene, aber lebensbedrohliche Schwangerschaftserkrankung, die häufig mit Präeklampsie in Verbindung steht. Sie geht mit dem Abbau der roten Blutkörperchen (Hämolyse), erhöhten Leberwerten und einer reduzierten Zahl der Blutplättchen (low plates) einher.
  • Eklampsie: Es treten Krampfanfälle auf, häufig in Verbindung mit einer Präeklampsie, denen keinen andere Ursache zugeordnet werden kann.

Präeklampsie: Symptome

Bei der Präeklampsie treten Bluthochdruck (mehrmals ≥ 140/90 mm Hg) und eine erhöhte Eiweißausscheidung über den Urin (300 mg über einen Zeitraum von 24 Stunden) auf. Sehr häufig kommt es zusätzlich zu Wassereinlagerungen (Ödemen). Die Beschwerden zeigen sich frühestens etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche.

Im Rahmen dieser Erkrankung kommt es häufig zu einer Plazentainsuffizienz und damit zu einer mangelnden Versorgung des Babys. Man nimmt an, dass der Körper ganz automatisch "den Druck erhöht" und sich dies in Bluthochdruck zeigt. Durch die mangelnde Versorgung bleibt das Baby im Wachstum zurück (Wachstumsretardierung). Außerdem können Leber- und Nierenfunktionsstörungen auftreten.

Schwere Präeklampsie

Von einer schweren Präeklampsie spricht man bei Auftreten von Blutdruckwerten über ≥ 170/110 mm Hg oder einer Eiweißausscheidung von über ≥ 5 g in 24 Stunden. Dabei kommt es zu neurologischen Symptomen wie:

  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • gesteigerte Reflexbereitschaft
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Ohrensausen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Oberbauchschmerzen

Ursachen der Präeklampsie

Obwohl sich eine Präeklampsie erst im späteren Verlauf der Schwangerschaft zeigt, weiß man heute, dass die Auslöser schon in der Frühschwangerschaft angelegt werden: Möglicherweise kommt es bereits bei der Bildung der Plazenta kurz nach der Einnistung zu Störungen der Gefäßversorgung, die sich im Laufe der Schwangerschaft zunehmend manifestiert.

Eine erbliche Veranlagung scheint zu bestehen, denn unter Schwangeren, deren Mutter in der Schwangerschaft mit ihnen selbst eine Präeklampsie hatte, gibt es ein gehäuftes Vorkommen.

Ob und wie dabei der Stoffwechsel der Schwangeren sowie immunologische oder entzündliche Faktoren eine Rolle spielen, wird weiter erforscht.

Individuelle Risikofaktoren

Einige anamnestische Faktoren können das Risiko für die Entstehung einer Präeklampsie erhöhen:

  • Erstgebärende
  • Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft
  • familiäre Vorbelastung (selbst ein "Gestose-Kind", Mutter oder Schwester auch an Präeklampsie oder Eklampsie erkrankt)
  • Alter der Schwangeren über 40 Jahre
  • Übergewicht (Body-Mass-Index über 30)
  • Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto, Rheuma oder Lupus
  • bereits vor der Schwangerschaft bestehender Diabetes mellitus
  • vorbestehende Nierenerkrankung
  • bereits vor der Schwangerschaft bestehender Bluthochdruck
  • Gerinnungsstörungen
  • Frauen mit vielen vorhergehenden Fehlgeburten

Risikofaktoren in Verbindung mit der Schwangerschaft

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Diagnose und Früherkennung der Präeklampsie

Blutdruckkontrolle, Urintest und Blutuntersuchung sind feste Bestandteile jeder regulären Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft. So lassen sich Risikofaktoren für eine Präeklampsie heute in der Regel frühzeitig erkennen.

Da es eine gewisse "Veranlagung" zu geben scheint, ist die Erhebung der eigenen Krankheitsgeschichte, aber auch die auf familiäres Auftreten von Präeklampsie in der Vergangenheit, wichtiger Bestandteil der Früherkennung. 

Die Doppler-Ultraschall-Untersuchung der Gebärmutterarterien deckt als Hinweiszeichen auf ein späteres Auftreten einer Präeklampsie typische Veränderungen der Arterien in der Gebärmutter auf. Bei der Messung der Blutflussgeschwindigkeiten wird eine Widerstandserhöhung in den Gebärmutterarterien festgestellt.

In Laboruntersuchungen findet sich meist ein erhöhter Hämatokrit-Wert (> 40 Prozent) als Zeichen der Eindickung des zirkulierenden Blutes, ein Anstieg des Hämoglobinwertes über 14 g/dl, eine Abnahme der Blutplättchen (Thrombozyten) und ein Anstieg von Leber- und Nierenwerten.

Wassereinlagerungen als Symptom einer Präeklampsie

Viele Frauen bekommen im Laufe der Schwangerschaft Wassereinlagerungen, insbesondere in den Beinen. Eine deutliche Zunahme innerhalb kurzer Zeit mit Wassereinlagerungen in Gesicht und Händen können hingegen auf eine Präeklampsie schließen lassen. Als Orientierungsgröße gelten ≥ 1 kg Gewichtszunahme pro Woche im dritten Schwangerschaftsdrittel.

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Wie wird eine Präeklampsie und Gestose behandelt?

Erst mit der Entbindung kann die eigentliche Ursache der Präeklampsie behandelt werden. Abhängig vom Schwangerschaftsalter führt diese jedoch häufig zu einer Frühgeburt, die für das Kind mit großen Risiken verbunden ist. Je nach Schwangerschaftswoche werden die Risiken für Mutter und Kind deshalb sorgfältig abgewogen.

Wenn die Präeklampsie nahe am Geburtstermin auftritt, wird in der Regel die baldige Entbindung angestrebt. Treten die Symptome schon im mittleren Schwangerschaftsdrittel auf, kann der Blutdruck der Schwangeren im Krankenhaus eingestellt und die Lungenreifung des Kindes durch Gabe von Kortisonpräparaten gefördert werden, um im Falle einer Verschlechterung des Zustands vorzeitig entbinden zu können.

Engmaschige Verlaufskontrolle

Leichte Formen der Schwangerschaftshypertonie und der Präeklampsie können unter engmaschigen, meist wöchentlichen Kontrollen ambulant betreut werden. Körperliche Schonung, Abbau von Stressfaktoren, Krankschreibung und regelmäßige Selbstmessungen des Blutdrucks sind von Bedeutung. Blutdrucküberwachung, regelmäßige Kontrolle der Urin- und Eiweißausscheidung und der Blutwerte sowie ggf. Überwachung der Atemfunktion unumgänglich. Auch die Gesundheit des Babys wird mittels CTG und Ultraschall kontrolliert.

Verlauf einer Präeklampsie in Schwangerschaft und Wochenbett

Je früher eine Präeklampsie erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose. Trotzdem kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren Verläufen. Da sich diese relativ schnell einfinden können, kommt der Verlaufskontrolle besondere Bedeutung zu.

In den ersten Tagen nach der Geburt und im Wochenbett wird die Schwangere weiter engmaschig betreut und auch medikamentös versorgt. Der Blutdruck normalisiert sich in der Regel innerhalb weniger Wochen nach der Geburt wieder. Bis zu zwölf Wochen nach der Entbindung wird weiter kontrolliert, die Medikamente in dieser Zeit ausgeschlichen.

Lässt sich der Präeklampsie vorbeugen?

Noch weiß man zu wenig über die Entstehung einer Präeklampsie. Es gibt jedoch schon heute zahlreiche Empfehlungen, die sich für die ärztliche Praxis bewährt haben.

  • Acetylsalicylsäure: Schwangere mit einem erhöhten Risiko für Präeklampsie und/oder einem hohen Risiko laut Ersttrimesterscreening können vorbeugend (Beginn möglichst vor der 16. Schwangerschaftswoche) niedrig dosierte Acetylsalicylsäure erhalten. Laut Leitlinien kann eine Dosis von 150 mg ASS/Tag bis zur 36+6 Schwangerschaftswoche das Risiko für eine Präeklampsie senken.
  • Eiweißreiche Ernährung: Der Proteinbedarf ist in der Schwangerschaft um rund 30 Prozent erhöht (1,3 g pro kg Körpergewicht). Ein Mangel an diesem wichtigen Makronährstoff wiederum kann das Einsickern von Wasser aus den Blutgefäßen ins umliegende Gewebe begünstigen und damit Wassereinlagerungen fördern. Das Blut wird durch diesen Prozess dicker, was den Körper wiederum veranlasst, den Blutdruck zu erhöhen. Achten Sie deshalb auf eine ausreichende Zufuhr von Eisen, um die Symptome nicht noch zu begünstigen.
  • Salzreiche Ernährung: Die früher häufig empfohlene Einschränkung des Konsums von Kochsalz (Natrium-Restriktion) ist nicht sinnvoll, sondern erhöht sogar das Risiko einer Präeklampsie. Je nach Ernährungsgewohnheiten empfiehlt sich ein zusätzlicher Teelöffel (jodiertes) Salz täglich. Ein positiver Einfluss der Vitamine C und E konnte dagegen bisher nicht belegt werden.

Zur Vorbeugung der Eklampsie mit Krampfanfällen wird bei einer schweren Präeklampsie eine Behandlung mit Magnesiumsulfat durchgeführt. Eine Infusionstherapie wird zur Verbesserung der Durchblutung bei Eindickung des Bluts (erhöhter Hämatokrit-Wert im Blut) durchgeführt.

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