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Völlegefühl: Zu viel gegessen – und jetzt?

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. Oktober 2019

Den Teller leer essen, damit am nächsten Tag die Sonne scheint? Dieser Aberglaube wurde längst als Ammenmärchen enttarnt. Heute weiß man: Wer in puncto Essen nicht auf sein Bauchgefühl hört, überfordert das Verdauungssystem – eine mögliche Folge ist unangenehmes Völlegefühl. #GesundOhneTabus

Völlegefühl: Zu viel gegessen?
Zu viel Fettiges und Süßes können zu Völlegefühl führen
© iStock.com/LaylaBird

Artikelinhalte auf einen Blick:

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über Völlegefühl

Ob Familienpizza, Weihnachtsbraten oder die ganze Packung Pralinen – jeder hat schon einmal mehr gegessen, als gut für den Magen ist. Das macht sich oft durch Völlegefühl bemerkbar. Solche Beschwerden sind keine, über die man gerne offen spricht. Wenn schnelle Hilfe gefragt ist, hilft Schweigen allerdings wenig. Wer sich aktiv mit seinen Symptomen auseinandersetzt, findet schneller zu einem beschwerdefreien Alltag zurück. Wir sprechen darüber, wie Völlegefühl entsteht und was hilft!

Aufgeblähter, dicker Bauch nach dem Essen: So entsteht Völlegefühl

Um zu verstehen, was bei Völlegefühl in unserer Körpermitte passiert, muss man der Verdauung besondere Aufmerksamkeit schenken. Aufgenommene Nahrung gelangt zuerst in unseren Magen. Wie viel Nahrung der Magen fassen kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig – durchschnittlich wird laut Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) von 1,2 bis 1,6 Litern Inhalt ausgegangen. Die Aufgabe des Magens besteht darin, die Nahrung vorübergehend zu speichern und sie dann in kleinen Mengen zur Verdauung an den Darm weiterzugeben.

Wie lange die Nahrung dort gespeichert wird, hängt davon ab, was Sie essen: Obst und Gemüse sind zum Beispiel leicht verdaulich und verweilen nur ein bis zwei Stunden, Fettiges hingegen verbleibt fünf bis acht Stunden in unserem Magen. Kein Wunder, dass wir dem Organ seine Arbeit durch üppige Mahlzeiten erschweren und sich Völlegefühl in Form von Druck im Bauch bemerkbar macht.

Ungesunde Ernährung: Die häufigsten Ernährungsfehler

Ursachen für Völlegefühl: Ernährung spielt große Rolle

Häufig ist Völlegefühl lediglich ein Symptom dafür, dass wir bei üppigen, fettreichen oder süßen Speisen zu heftig zugeschlagen haben. Der Magen meldet unserem Gehirn dann, dass nichts mehr reinpasst. Allerdings dauert es etwa 20 Minuten, bis das Verdauungsorgan mitteilt: "Ich bin gefüllt."

Wer zu hastig isst und nicht ausreichend kaut, bekommt das häufig erst mit, wenn es schon zu spät ist. Blähende Lebensmittel wie kohlensäurehaltige Getränke, Kohlgemüse oder Hülsenfrüchte leisten ebenfalls ihren Beitrag: Ihr Verzehr führt dazu, dass sich im Darm vermehrt Gase bilden und Blähungen entstehen. Diese Flatulenzen, wie die Beschwerden in der Fachsprache genannt werden, verstärken das Völlegefühl zusätzlich.

Doch nicht immer ist die Ernährung für Völlegefühl verantwortlich. Auch krankheitsbedingte Ursachen können sich hinter dem Symptom verbergen. Übelkeit, Völlegefühl und Schmerzen im Oberbauch lassen zum Beispiel an eine Entzündung der Magenschleimhaut denken. In Verbindung mit Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall sind zudem weitere Erkrankungen wie ein Reizdarmsyndrom möglich.

Auf einen Blick: Mögliche Ursachen von Völlegefühl

Außerdem kommen je nach Lebenslage weitere Ursachen für Völlegefühl infrage: die erschwerten Bedingungen für den Magen während einer Schwangerschaft, ein Begleitsymptom der Regelblutung oder des prämenstruellen Syndroms (PMS) sowie die Hormonveränderung in den Wechseljahren.

Symptome: Völlegefühl und Aufstoßen treten oft in Kombination auf

Bei Völlegefühl spannen Magen- und Darmwand, der Oberbauch drückt, man fühlt sich aufgebläht und der Bauch wölbt sich nach außen.

Zusätzlich kann ein übervoller Magen noch ein weiteres Symptom hervorrufen, das sehr häufig in Verbindung mit Völlegefühl auftritt. Die Rede ist von Sodbrennen. Es entsteht dann, wenn der Schließmuskel des Mageneingangs zu stark beansprucht wurde. Der Muskel trennt die Speiseröhre normalerweise zuverlässig vom Magen, doch ist der Druck im Mageninneren zu groß, kann er nicht mehr richtig schließen. Die Folge: Mageninhalt fließt über die Speiseröhre zurück und reizt dort die Schleimhäute. Die Folge ist saures Aufstoßen.

Völlegefühl: Schwanger oder Blähbauch?

Neuerdings hört und liest man immer wieder den Begriff "Food-Baby". Was sich dahinter verbirgt? Gemeint ist nichts anderes als ein runder, praller Blähbauch nach dem Essen, der von selbst wieder verschwindet.

Apropos Schwangerschaft: Wer tatsächlich schwanger ist, klagt oft über Völlegefühl. Anfangs ist die Hormonumstellung in der Frühschwangerschaft dafür zuständig. Aber vor allem in den letzten Monaten der Schwangerschaft haben es werdende Mütter nicht leicht: Das Baby nimmt mit der Gebärmutter so viel Platz ein, dass die Verdauungsorgane verdrängt werden und nicht mehr so viel fassen können wie vor der Schwangerschaft. Hier hilft es, über den Tag verteilt mehrere kleine Portionen zu essen, um den Magen nicht unnötig zu belasten. Auch die Auswahl der Lebensmittel kann Beschwerden vorbeugen: Lassen Sie die Finger lieber von zu viel fettigen und süßen Speisen.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Die häufigsten Auslöser von Allergien

Diagnose: Wann ist Völlegefühl ein Fall für den Arzt?

Oft stecken hinter Völlegefühl harmlose Ursachen. Es gibt aber auch Warnsignale, die einen Arztbesuch notwendig machen. Tritt das Völlegefühl beispielsweise schon nach dem Verzehr von kleinen Mengen auf, kehrt es selbst bei leerem Magen immer wieder oder bestehen gleichzeitig häufig Beschwerden wie Magenschmerzen, Übelkeit oder Brechreiz, sollte der Hausarzt um Rat gebeten werden. Zu den häufigsten Beschwerden, die Patienten zum Arzt führen, gehört die sogenannte Dyspepsie. Dabei handelt es sich um einen Beschwerdekomplex – eine Verdauungsstörung, die mit Schmerzen und Druckgefühl am Oberbauch und weiteren Symptomen wie Völlegefühl, Aufstoßen und Übelkeit einhergeht.

Um eine Diagnose zu stellen, kann der Arzt die Entzündungswerte im Blut bestimmen, eine Ultraschalluntersuchung durchführen oder eine weiterführende Diagnostik veranlassen – zum Beispiel eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Magenspiegelung. Angst müssen Sie vor einer solchen Untersuchung nicht haben – sowohl Darm- als auch Magenspiegelung werden zur Vermeidung von Stress und Schmerzen unter Narkose durchgeführt.

Therapie: Was tun bei Völlegefühl?

Welche Behandlung zur Linderung der Beschwerden zum Einsatz kommt, ist abhängig von der Diagnose. Bei einer Gastritis reicht es gegebenenfalls schon aus, auf Beschwerdeauslöser zu verzichten und einige Tage Schonkost zu verzehren. Auch Medikamente können verabreicht werden. Bei Reizdarm kommen verschiedene Behandlungsansätze wie eine Ernährungsumstellung und die Stressreduktion infrage. Geht das Völlegefühl mit einer Verstopfung einher, können natürliche Mittel wie Flohsamenschalen helfen.

Außerdem gibt es wirkungsvolle Medikamente, die bei Verstopfung helfen, den Darm zu entleeren. Die Deutschen Fachgesellschaften empfehlen den Einsatz der gut verträglichen Wirkstoffe Natriumpicosulfat und Bisacodyl.

Je nach Ursache kann manchmal auch eine Anpassung der Ernährung hilfreich sein. Experten raten allerdings dringend davon ab, auf persönlichen Verdacht einer Unverträglichkeit in Eigenregie auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Dies sollte erst dann erfolgen, wenn tatsächlich die Diagnose gestellt wurde und dann in Zusammenarbeit mit einer Ernährungsberatung durchgeführt werden.

Dos und Don‘ts: Was soll man machen, wenn man zu viel gegessen hat?

Ist Ihnen eine Mahlzeit auf den Magen geschlagen und es sind keine krankheitsbedingten Auslöser für das Völlegefühl bekannt, können Sie sich mit einfachen Mitteln selbst helfen – oder auch als Vorbeugung dafür sorgen, dass der Bauchdruck zukünftig erst gar nicht entsteht. Entgegen vieler Klischees gibt es allerdings auch Hausmittel, die Sie jetzt besser meiden.

Dos bei Völlegefühl:

  • Gesundes Essverhalten: Ab und zu beim Essen über die Stränge zu schlagen, kommt vor und ist kein Grund zur Sorge. Auf Dauer sollten Sie sich aber ein gesünderes Essverhalten aneignen. Und das nicht nur, um Völlegefühl zu vermeiden: Wer bewusst isst, beugt auch der Entstehung von Übergewicht vor. Kleinere, über den Tag verteilte Portionen, erleichtern dem Magen seine Arbeit. Essen Sie außerdem nicht zu spät am Abend.
  • Auf sein Bauchgefühl hören: Beim langsamen Essen entgeht Ihnen nicht, was der Magen Ihnen mitteilen möchte: Hören Sie auf, wenn Sie satt sind.
  • Genussmittel einschränken oder darauf verzichten: Viel Fett, viel Zucker, viel Alkohol – all das begünstigt die Entstehung von Völlegefühl nach dem Essen. Schränken Sie den Genuss daher ein und verzichten Sie auf Nikotinkonsum.
  • Bewegung: Der Verdauungsspaziergang nach dem Essen ist eine gute SOS-Hilfe, wenn es im Bauch drückt. Doch Bewegung sollte sich nicht nur auf den Fall der Fälle beschränken. Regelmäßig Sport zu treiben, regt den Stoffwechsel an und hält uns darüber hinaus auch noch Krankheiten vom Leib.
  • Entspannung: Stress schlägt auf dem Magen! Ihn zu reduzieren, ist zur Vorbeugung von Magen-Darm-Beschwerden daher äußerst wichtig. Ist es mit regelmäßigen Pausen vom hektischen Alltag nicht getan, kann auch professionelle Hilfe zum Beispiel in Form einer Psychotherapie den Weg zur Stressreduktion bereiten. Bei akutem Völlegefühl nützt Entspannung ebenfalls – ob in Form eines Nickerchens oder eines warmen Bads.

Don’ts bei Völlegefühl:

  • Hochprozentiges nach dem Essen: Ein Schnaps nach der Mahlzeit ist gut für die Verdauung – ist da wirklich etwas Wahres dran? Hilft Verdauungsschnaps bei Völlegefühl? Nein, wissen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Schnaps konnte kein Nutzen nachgewiesen werden. Tatsächlich ist sogar das Gegenteil der Fall. Alkohol belastet den Magen nur zusätzlich, bremst die Magenmuskulatur und sorgt so dafür, dass die Nahrung noch länger im Magen verbleibt. Wenn überhaupt, dann könnten die ätherischen Öle in Kräuterschnaps einen Effekt auf die Verdauung haben. Hier empfiehlt es sich aber eher, zum Kräutertee zu greifen.
  • Kaffee nach dem Essen: Auch das Gerücht, Kaffee oder Espresso nach der Mahlzeit, würde bei Völlegefühl helfen, hält sich hartnäckig. Dies könnte daran liegen, dass es sich hierbei um eine Halbwahrheit handelt: Bei manchen Menschen regt Koffein die Darmtätigkeit an und beschleunigt auf diese Weise die Darmentleerung. Diese Getränke helfen jedoch nicht dabei, dass sich der Magen schneller entleert.
  • Zigarette nach dem Essen: Durch den Nikotinkonsum nach dem Essen wird die Verdauung zwar angeregt, aber das sollte noch lange kein Grund sein, zum Glimmstängel zu greifen. Denn Nikotin schadet dem Körper mehr als wir je von diesem kurzen Stoffwechsel-Push profitieren könnten. Auch für den Darm, der für unsere Gesunderhaltung eine maßgebliche Rolle spielt, ist das Rauchen absolut schädlich.
Zöliakie: Ernährung bei Glutenunverträglichkeit
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. Oktober 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: R19.-
Quellen
Beiträge im Forum "Frauengesundheit"
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