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Produktion beginnt schon in der Schwangerschaft

Kolostrum (Vormilch): Wertvolle Schutzstoffe für das Baby

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin / Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2019

Als Kolostrum oder Vormilch wird die Muttermilch in den ersten Tagen nach der Geburt bezeichnet. Sie ist dünnflüssiger als die eigentliche Muttermilch, die etwa ab dem dritten bis fünften Tag nach der Geburt "einschießt" (Milcheinschuss). Wichtigste Aufgabe des Kolostrums ist es, das Baby mit essentiellen Schutz- und Abwehrstoffen zu versorgen.

Kolostrum (Vormilch): Wertvolle Schutzstoffe für das Baby
In den ersten Tagen nach der Geburt wird die Muttermilch als Kolostrum oder Vormilch bezeichnet, sie enthält wichtige immunologische Schutzstoffe für das Neugeborene.
© iStock/AleMoraes244

Die Muttermilch verändert sich im Laufe der Stillbeziehung: In den ersten Lebenstagen wird Kolostrum produziert. Die Vormilch sind oft nur wenige Tropfen klebriger, gelber bis transparenter Milch. Aufgrund der Zusammensetzung wird das Kind aber davon in jedem Fall ausreichend ernährt, auch wenn die Mutter nur einige Tropfen Kolostrum produziert. Der noch sehr kleine Magen des Babys kann sich dadurch langsam an die zunehmende Milchmenge beim Stillen gewöhnen. Am 1. Lebenstag fasst der Magen eines 3.000 Gramm schweren Neugeborenen 6 ml, passt sich aber nach und nach dem wachsenden Angebot an Muttermilch an.

Lesen Sie hier mehr über Muttermilch.

Gerade in den ersten Lebenstagen ist Kolostrum die richtige Nahrung für das Baby, da es durch seine "leichte" Zusammensetzung und seine geringe Menge den kindlichen Verdauungsapparat vor Überlastung schützt. Eine leichte Gewichtsabnahme ist in den Tagen nach der Geburt völlig normal und hat nichts mit der Menge der Vormilch zu tun. Das Baby verliert viel Flüssigkeit durch Ausscheiden von Kindspech (Mekonium) und Urin, spuckt am ersten Tag nach der Geburt möglicherweise auch geschlucktes Fruchtwasser aus. Ein Gewichtsverlust von fünf bis zehn Prozent gilt nach der Geburt als normal, spätestens im Alter von 14 Tagen ist das Geburtsgewicht wieder erreicht.

Zusammensetzung von Kolostrum (Vormilch)

Das Kolostrum enthält eine höhere Konzentration an Eiweiß, Vitamin A und Vitamin K als die Muttermilch. Außerdem ist die Vormilch sehr reich an Abwehrstoffen, allen voran Immunglobulin A, Leukozyten und das enzymähnliche Lactoferrin. Im Gegensatz zur reifen Muttermilch ist Kolostrum fettarm und es sind weniger Kohlenhydrate in Form von Milchzucker (Laktose) enthalten. Das macht sie für den noch unreifen Darm des Babys besonders leicht verdaulich. Ihre wertvollen Inhaltsstoffe können gut vom Körper aufgenommen werden.

Schon mit der Übergangsmilch, die im Anschluss an die Vormilch etwa ab dem fünften bis 20. Tag nach der Geburt gebildet wird, sinkt der Anteil an Antikörpern in der Muttermilch stark ab. So macht das Immunglobulin A zum Beispiel etwa 50 Prozent des Eiweißanteils im Kolostrum aus. Dieser Anteil sinkt innerhalb der ersten sechs Monate auf nur noch etwa zehn Prozent. Da die Milchproduktion nach dem Ende des Kolostrums stark ansteigt, wird das Baby aber immer noch mit vielen Schutzstoffen versorgt.

Die Inhaltsstoffe des Kolostrums (Vormilch) unterscheiden sich folgendermaßen von der späteren Muttermilch:

100 ml enthalten Kolostrum

(Vormilch)

Muttermilch

(reif)

Eiweiß 2,7 g 1,2 g
Fett 1,9 g 3,5 g
Kohlenhydrate 5,3 g 7 g
Mineralsalze 0,33 g 0,21 g
Brennwert 65 kcal 75 kcal

Angaben nach Stiefel et al. (2013)

Wirkung des Kolostrums

Der geringe Anteil an Kohlenhydraten im Kolostrum lässt darauf schließen, dass seine Aufgaben in erster Linie dem immunologischen Schutz des Babys und dem Aufbau der körpereigenen Abwehr als dem Wachstum dienen. Die Inhaltsstoffe des Kolostrums wirken sich schützend auf die reifende Verdauung des Babys aus. So legt sich beispielsweise Immunglobulin A wie ein schützender Film über die noch unreife Schleimhaut des Darms. Lactoferrin, eine Aminosäure mit enzymähnlichen Eigenschaften, hat eine antivirale und antibakterielle Wirkung und wehrt Pilze ab. Sie wirkt direkt im Darm, da sie den Magen unverdaut durchläuft.

Auch die Konzentration wichtiger Wachstumsfaktoren ist in der Vormilch um ein mehrfaches höher als später in der reifen Muttermilch. Diese Wachstumsfaktoren sorgen zum Beispiel für eine Besiedelung und den Aufbau der Darmflora, indem sie das Wachstum erwünschter Darmbakterien, allen voran Lactobacillus bifidus, fördern.

Durch das Kolostrum erhält das Kind den sogenannten Nestschutz. Das sind alle Antikörper, über welche die Mutter verfügt. So wird das Kind auch vor Infektionskrankheiten geschützt.

Vormilch wird schon in der Schwangerschaft gebildet

Kolostrum wird etwa ab der 20.Schwangerschaftswoche gebildet, manchmal sogar schon im ersten Schwangerschaftsdrittel. Das ist völlig normal. Es kann in der Schwangerschaft gelegentlich zum tröpfchenweisen Abgang der Vormilch kommen. Bitte streichen Sie die Vormilch in der Schwangerschaft nicht aus oder drücken Sie das empfindliche Brustgewebe, da sich Entzündungen oder sogar bereits ein Milchstau bilden können.

Nach der Geburt bewirken die wegfallenden Steroidhormone im Wochenbett, dass Prolaktin gebildet wird, welches ab da zusammen mit Oxytocin die Milchbildung und -freisetzung anregt.

Stillen und Ernährung: Diese Lebensmittel sind besonders reich an jetzt wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen
Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin / Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Babyernährung"
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