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Montag, 22. September 2014

Infektionen in der Schwangerschaft

Infektionen in der Schwangerschaft
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einer Infektion in der Schwangerschaft vorzubeugen
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Eine Reihe von Infektionen, die bei nicht Schwangeren meist komplikationslos verlaufen, stellen bei werdenden Müttern einer ernsthafte Gefahr dar: Sie können das Ungeborene schädigen oder zu Früh- und Fehlgeburten führen.

Infektionen in der Schwangerschaft werden durch Krankheitserreger hervorgerufen. Prinzipiell unterscheiden sich die Erreger nicht von denen, die auch eine nicht schwangere Frau infizieren können. Während für den gesunden Erwachsenen viele Infektionen jedoch ungefährlich sind und folgenlos ausheilen, kann bei schwangeren Frauen insbesondere das ungeborene Kind gefährdet sein.

Der aktuelle Stand

Infektionen, die für das Kind lebensbedrohlich sind, sind in Deutschland selten geworden. Dies ist unter anderem Impfungen, den Untersuchungen auf Infektionen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge und dem hohen Hygienestandard in Deutschland zu verdanken.


Ursachen von Infektionen in der Schwangerschaft

Es gibt viele Krankheitserreger, die eine Infektion in der Schwangerschaft auslösen können. Besonders anfällig ist die Schwangere für Scheidenpilzinfektionen und Harnwegsinfektionen durch Darmbakterien. Rechtzeitig behandelt, stellen sie in der Regel aber keine Gefahr für Mutter und Kind dar.

Folgende Erreger können insbesondere für das Kind gefährlich werden:

Eine Infektion der Mutter wird jedoch nicht zwangsläufig auf das Kind übertragen. Das Risiko und die möglichen Auswirkungen hängen von folgenden Punkten ab:

  • Einige Infektionen, die eine Frau im Vorfeld einer Schwangerschaft durchmacht, hinterlassen eine Immunität, welche Mutter und Fötus vor einer erneuten Infektion schützt. In Fällen wie beispielsweise der Toxoplasmose ist daher nur die Erstinfektion während der Schwangerschaft gefährlich für das Kind.
  • Das Risiko, dass eine Mutter die Infektion auf ihr Ungeborenes überträgt, hängt unter anderem vom Schwangerschaftsstadium ab. Für eine Toxoplasmose beispielsweise ist das Übertragungsrisiko im ersten Drittel der Schwangerschaft gering und steigt zum dritten Drittel stetig an.
  • Die Auswirkungen einer Infektion auf das Baby sind nicht nur abhängig vom jeweiligen Erreger, sondern auch vom Zeitpunkt der kindlichen Infektion. Während einige Erreger wie Toxoplasmen und Röteln-Viren dem Baby in den ersten Wochen der Schwangerschaft am meisten schaden können, gefährden andere Erreger das Kind stärker bei einer Infektion kurz vor oder während der Geburt.

Ansteckung

Der Übertragungsweg ist vom jeweiligen Erreger abhängig. So kann sich die Frau beispielsweise im  Falle von Syphilis, Chlamydien oder Hepatitis-B-Viren durch Geschlechtsverkehr anstecken (sexuell übertragbare Krankheiten). Auch über den Kontakt zu anderen Körperflüssigkeiten wie Blut oder Urin können bestimmte Erreger übertragen werden. Erreger wie Listerien, Toxoplasmen oder Hepatitis-A-Viren werden mit verunreinigten Lebensmitteln aufgenommen. Der enge Kontakt zu Katzen beziehungsweise Katzenkot ermöglicht zusätzlich die Infektion mit Toxoplasmen. Röteln-, Masern- oder Mumpsviren beispielsweise werden über eine Tröpfcheninfektion weitergegeben.

Während der Schwangerschaft können die Erreger das Kind entweder über den Blutkreislauf der Mutter erreichen oder über die Scheide zum Kind aufsteigen. Auch während der Geburt kann sich das Kind anstecken, wenn es einen infizierten Geburtskanal passieren muss. Zudem können bestimmte Erreger nach der Geburt über die Muttermilch übertragen werden.

Symptome einer Infektion in der Schwangerschaft

Da eine Infektion in der Schwangerschaft durch zahlreiche Erreger verursacht werden kann, können auch die Beschwerden vielfältig sein.

Teilweise hat die schwangere Frau keine oder eher leichte Beschwerden. Letztere können sich abhängig vom Erreger unter dem Bild einer Grippe zeigen mit Krankheitsgefühl, Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Durchfall oder geschwollenen Lymphknoten. Zudem können typische Hautausschläge auftreten, beispielsweise im Falle von Masern, Röteln oder Ringelröteln. Eine Erstinfektion mit Herpes-Viren im Intimbereich verursacht neben den typischen Schleimhautveränderungen in der Regel starke Schmerzen. Jucken und Brennen im Intimbereich weisen auf eine Pilzinfektion der Scheide hin, häufiges und schmerzhaftes Wasserlassen auf eine Harnwegsinfektion.

Infektionen in der Schwangerschaft können außerdem zu vorzeitigen Wehen, einem vorzeitigen Blasensprung, einer Fehl-, Früh- oder Totgeburt führen. Abhängig vom Erreger und dem Infektionszeitpunkt während der Schwangerschaft können lebend geborene Kinder unterschiedlichste Symptome zeigen, von vollständiger Gesundheit und fehlenden Beschwerden über eine Blutvergiftung (Sepsis), Lungen- (Pneumonie), Leber- (Hepatitis) oder Hirnhautentzündung (Meningitis) bis hin zu Fehlbildungen des Herzens, Augen- und Innenohrschäden sowie Entwicklungsstörungen des Gehirns oder der Gliedmaßen.

Diagnose einer Infektion in der Schwangerschaft

Erste Hinweise auf eine Infektion in der Schwangerschaft erhält der Arzt aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Die anschließende körperliche Untersuchung kann weitere wichtige Anhaltspunkte liefern. Ein Hautausschlag beispielsweise kann nach seiner Ausbreitung auf verschiedene Körperbereiche und sein Aussehen auf bestimmte Erreger hindeuten. Bei Verdacht auf eine Infektion im Genitalbereich entnimmt der Frauenarzt Abstriche von der Scheidenhaut und dem Gebärmutterhals und untersucht sie auf Erreger. Harnwegsinfektionen stellt der Arzt durch eine Untersuchung des Mittelstrahlurins fest.

Dringen Erreger in den Körper ein, reagiert das Immunsystem der Mutter mit der Bildung von speziellen Antikörpern gegen den Erreger. Diese Antikörper lassen nicht nur Rückschlüsse auf den verursachenden Erreger, sondern in der Regel auch eine Unterscheidung zwischen einer frischen oder alten (zurückliegenden) Infektion zu. Durch eine Blutuntersuchung werden die Antikörper nachgewiesen. Selten, wie beispielsweise bei einer Listeriose, ist auch der direkte Nachweis des Erregers aus Körperflüssigkeiten wie Blut oder Hirnflüssigkeit erforderlich.

Bei bestimmten Erregern ist es sinnvoll, eine Infektion des Kindes noch während der Schwangerschaft auszuschließen. Hierzu kann die Entnahme von Nabelschnurblut (Chordozentese) oder Fruchtwasser (Amniozentese) erforderlich sein. Hinweise auf eine kindliche Schädigung können unter Umständen auch Ultraschall-Untersuchungen des Kindes geben.

Therapie einer Infektion in der Schwangerschaft

Die Therapie von Infektionen in der Schwangerschaft richtet sich nach dem verursachenden Erreger. Bei bakteriellen Infektionen oder Toxoplasmose erhält die betroffene Frau Antibiotika, die bei rechtzeitigem Einsatz das Risiko einer Infektion des Kindes deutlich herabsetzen können. Virale Infektionen können insbesondere für das Kind ein Problem darstellen. In einigen Fällen, wie beispielsweise bei Röteln, kann sich die Mutter nach dem Kontakt mit dem Virus für einen begrenzten Zeitraum noch einer Therapie mit so genannten Immunglobulinen unterziehen, um eine Erkrankung des Kindes zu vermeiden. Abhängig vom Virus können zusätzlich auch so genannte Virustatika eingesetzt werden. Da einige Viren, wie Röteln-Viren oder eine Erstinfektion mit Zytomegalie-Viren, beim Kind zu schwersten Erkrankungen führen können, wird den Eltern gelegentlich auch zu einem Schwangerschaftsabbruch geraten.

In einigen Fällen werden auch dem Neugeborenen Immunglobuline gegeben. Bei einer Hepatitis-B-Infektion der Mutter beispielsweise wird das Kind direkt nach der Geburt sowohl passiv durch Immunglobuline als auch aktiv geimpft (passive und aktive Immunisierung). So kann ein Großteil chronischer Leberentzündungen vermieden werden.

Verlauf einer Infektion in der Schwangerschaft

Viele Infektionen in der Schwangerschaft stellen für die Mutter keine ernsthafte Gefahr dar und können gut behandelt werden. Nur sehr selten kommt es abhängig vom Erreger zu schweren Erkrankungen der Mutter. Bei einer Erstinfektion mit dem Windpocken-Virus beispielsweise können sich eine Lungen- und Hirnentzündung (Enzephalitis) mit einer hohen Sterblichkeit entwickeln.

Bestimmte Viren wie Herpes- oder Windpocken-Viren verbleiben nach einer Infektion lebenslang im Körper. Diese können eine erneute Infektion auslösen, die sich im Falle des Windpocken-Virus als schmerzhafte Gürtelrose zeigen kann.

Abhängig vom Erreger können Infektionen in der Schwangerschaft mit einer hohen Sterblichkeit des ungeborenen Kindes verbunden sein. Daher wird der Vorbeugung von Infektionen besondere Beachtung geschenkt.

Wie kann man einer Infektion in der Schwangerschaft vorbeugen?

Zur Vorbeugung von Infektionen in der Schwangerschaft stehen teilweise Impfungen zur Verfügung. Eine Frau sollte daher ihren Impfschutz, beispielsweise gegen Röteln oder Windpocken, idealerweise noch vor einer Schwangerschaft überprüfen lassen. Auch das eigene Verhalten kann für mehr Sicherheit in der Schwangerschaft sorgen. Auf bestimmte Lebensmittel wie Rohmilch- und Rohwurstprodukte sollte die Schwangere verzichten, um beispielsweise eine Listeriose zu vermeiden. Die Nahrungsmittel sollten gründlich gewaschen beziehungsweise durchgegart werden. Gartenarbeit sollte mit Handschuhen erledigt werden. Besteht keine Immunität gegen Toxoplasmen, ist zusätzlich im Umgang mit Katzen Vorsicht geboten. Die Hände sollten nach jedem Kontakt gründlich gewaschen werden. Vor sexuell übertragbaren Infektionen bieten Kondome einen gewissen Schutz.

Zudem wird die Schwangere im Rahmen der Schwangerenvorsorge unter anderem auf bereits bestehende, bedenkliche Infektionen untersucht. Wird eine solche rechtzeitig behandelt, kann das Kind unter Umständen vor einer Infektion geschützt werden. Teilweise ist zum Schutz des Kindes auch ein Kaiserschnitt erforderlich, wie beispielsweise bei HIV.

Autor: Yvonne Leupold
Letzte Aktualisierung: 02. Mai 2014
Quellen: Kiechle, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2007; Diedrich, K., Holzgreve, W. et al: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer Verlag, Berlin 2007; Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag, Stuttgart 2005

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