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Samstag, 21. Januar 2017
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Übergewicht bei Kindern

Übergewicht bei Kindern
Das Essverhalten muss bei Übergewicht bei Kindern korrigiert werden
Getty Images/iStockphoto

Übergewicht und Adipositas sind auch bei Kindern ernstzunehmende Probleme. 15 Prozent der Kinder in Deutschland gelten heute als übergewichtig, etwa ein Drittel davon als adipös. Doch häufig fällt es Eltern schwer zu beurteilen, ob ihr Kind übergewichtig ist und wie ein normales Körpergewicht erreicht werden kann.

Ab wann gilt ein Kind als übergewichtig?

Um festzustellen, ob ein Kind übergewichtig ist, reicht eine Einschätzung nach Augenmaß oft nicht aus. Eine zuverlässige Methode bietet daher der Vergleich des Body-Mass-Index (BMI) mit Durchschnittswerten gleichaltriger Kinder. Da sich jedes Kind individuell entwickelt, ist die Feststellung, ob ein Kind übergewichtig ist, trotz Referenzwerten wie BMI nicht so einfach. Eine endgültige Diagnose sollte daher stets von einem Arzt gestellt werden.

Ursachen für Übergewicht im Kindes- und Jugendalter

Übergewicht im Kindes- und Jugendalter kann verschiedene Ursachen haben. Unbestritten ist, dass die genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Aber auch "gute Futterverwerter" müssen nicht zwangsläufig Übergewicht entwickeln. Zwar neigen sie eher zu überschüssigen Pfunden, diese lassen sich jedoch meist trotzdem durch eine ausgewogene Ernährung sowie genügend Bewegung vermeiden. Denn die Hauptursache für Übergewicht bei Kindern ist in der Regel dieselbe wie auch bei Erwachsenen: ungünstiges Essverhalten gepaart mit Bewegungsmangel. Auch häufige Zwischenmahlzeiten mit süßen und fettigen Snacks können Übergewicht bei Kindern begünstigen. In seltenen Fällen kann Übergewicht allerdings auch in Folge von krankheitsbedingten Hormonstörungen auftreten.

Kritische Entwicklungsphasen

Kinder und Jugendliche durchlaufen verschiedene Entwicklungsphasen, in denen sie besonders anfällig für ein erhöhtes Körpergewicht sind.

In den ersten Lebensmonaten können Körpergewicht und Größe bei gleichaltrigen Kindern sehr unterschiedlich sein. Beispielsweise nehmen voll gestillte Kinder im Alter von vier bis sechs Monaten oft stark zu und wirken dann im Vergleich zu anderen Kindern relativ dick. In den meisten Fällen ist dies jedoch kein Grund zur Sorge, da ein gewisses Maß an "Babyspeck" durchaus normal ist und spätestens im dritten Lebensjahr von alleine verschwindet.

Mit dem Beginn der Schulzeit finden die meisten Kinder weniger Zeit für Bewegung. Kommt Stress durch wachsende Anforderungen hinzu und fehlt ein körperlicher Ausgleich zum vielen Sitzen, können sich in dieser Zeit leicht Fettpolster einschleichen.

Die Pubertät bringt sowohl körperlich als auch geistig viele Veränderungen mit sich. Wenn Gefühle wie Ärger oder Trauer nicht richtig verarbeitet werden können, greifen viele Jugendliche aus Frust zum Essen.

Folgen von Übergewicht bei Kindern

Übergewicht kann auch schon bei Kindern ernsthafte Folgen für die körperliche und geistige Gesundheit haben. Denn durch zu viel Zucker und Fett im Blut erhöht sich bereits in jungen Jahren das Risiko für Herz-Kreislaufbeschwerden oder Diabetes mellitus Typ 2. Ein stark erhöhtes Körpergewicht führt zudem zu einem schnelleren Verschleißen der Gelenke und kann Haltungsfehler hervorrufen. Hänseleien, Kritik oder Ermahnungen und das Auffallen in der Öffentlichkeit können außerdem die Entstehung psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angst- oder Essstörungen begünstigen.

Behandlung von Übergewicht bei Kindern

Bei der Behandlung von übergewichtigen Kindern muss beachtet werden, dass sie sich noch im Wachstum befinden. Daher zielt eine Therapie bei Kindern in der Regel nicht darauf ab, Gewicht zu verlieren, sondern es durch veränderte Essgewohnheiten zu halten beziehungsweise die Gewichtszunahme zu verlangsamen. So können Kinder gewissermaßen in ihr Gewicht "hineinwachsen".

Therapieprogramme

Therapieprogramme für übergewichtige Kindern werden von Ärzten, Ernährungsberatern und Psychotherapeuten angeboten. Daneben gibt es verschiedene Einrichtungen, wie Krankenkassen, Verbraucherzentralen, Volkshochschulen, Vereine, Gesundheitsämter und Kliniken, die entsprechende Therapieprogramme organisieren. Als erster Ansprechpartner auf der Suche nach einem geeigneten Therapieangebot können Kinderärzte oder Beratungsstellen dienen.

Kriterien für ein gutes Therapieprogramm

Therapieprogramme können prinzipiell sehr unterschiedlich gestaltet sein. Einige werden hauptsächlich zu Hause durchgeführt und regelmäßig in Einzel- oder Gruppensitzungen besprochen, andere finden vollständig oder teilweise stationär statt. Folgende Kriterien sollten jedoch unabhängig davon bei einem guten Therapieprogramm grundsätzlich erfüllt werden:

  • Ernährung und Bewegung sind Bestandteile des Programms
  • Das Programm zielt nicht auf eine Gewichtsabnahme ab (Ausnahmen gibt es bei sehr starkem Übergewicht unter strenger ärztlicher Aufsicht)
  • Die Eltern werden miteinbezogen
  • Das Programm wird von Fachpersonal wie Ärzten, Psychotherapeuten oder Ernährungswissenschaftlern durchgeführt
  • Es finden mindestens sechs Sitzungen über einen Zeitraum von mehreren Wochen statt (stationäre Behandlungen ausgenommen)
  • Das Programm verspricht keine Gewichtsabnahme

Die Rolle der Eltern und Bezugspersonen

Eltern und Bezugspersonen spielen eine wichtige Rolle für den Erfolg der Behandlung. Denn sie haben eine Vorbildfunktion und sollten daher mit gutem Beispiel vorangehen. Das heißt, auch sie sollten sich ausgewogen ernähren, ausreichend bewegen und Mahlzeiten bewusst zu sich nehmen. Wichtig ist außerdem, dass Kinder zwar für Erfolge gelobt werden, aber das Thema Gewicht keinen zu hohen Stellenwert im Alltag bekommt. Anstatt Druck auszuüben ist es empfehlenswert, spielerisch zu mehr Bewegung zu motivieren und ein gesundes Essverhalten zu fördern. Konkrete Anleitungen und Tipps erhalten Eltern im Zuge der Therapieprogramme.

Übergewicht bei Kindern vermeiden

Um die Entstehung von Übergewicht bei Kindern zu vermeiden, sind drei Punkte entscheidend: ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung und ein gesundes und bewusstes Essverhalten. Besonders das Essverhalten spielt bereits sehr früh in der Entwicklung eine Rolle und wird wesentlich durch die Eltern geprägt. Beispielsweise neigen viele Eltern dazu, ihren Säugling bei jedem Schreien oder Quengeln durch Stillen oder mit der Nuckelflasche ruhig zu stellen. Dies kann jedoch dazu führen, dass das Kind von Anfang an einen falschen Bezug zum Essen bekommt, sein natürliches Hungergefühl verliert und folglich nicht nur dann isst, wenn es Hunger hat.

Später können elterliche Angewohnheiten wie ein laufender Fernseher beim Essen oder unregelmäßige Mahlzeiten eine Rolle bei der Entstehung eines ungünstigen Essverhaltens spielen. Solche Verhaltensmuster sollten daher vermieden werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. Oktober 2015
Quellen: Leitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft: Leitlinien der Diagnostik, Prävention und Therapie der Adipositas im Kinder- und Jugendalter. (Stand: Oktober 2012) Online-Informationen des Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), Köln: http://www.bzga-kinderuebergewicht.de/ und http://www.bzga-essstoerungen.de (Stand: Oktober 2009) Renz-Polster, Dr. H. et al.: Gesundheit für Kinder. Kösel, München 2007

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