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Therapie in der Schwangerschaft ist wichtig

Mykoplasmeninfektion während der Schwangerschaft

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2018

Mykoplasmen gehören zu den kleinsten, sich selbstständig vermehrenden Bakterien. Die Ansteckung erfolgt in erster Linie über Geschlechtsverkehr. Die kleinen Bakterien sitzen in den Schleimhäuten des Uro-Genitaltrakts und stehen in Verdacht, Frühgeburten auszulösen.

Mykoplasmeninfektion während der Schwangerschaft
Mykoplasmen und Ureaplasmen können in der Schwangerschaft zu Komplikationen führen, weshalb man bei Symptomen wie Ausfluss sowie Jucken und Brennen im Uro-Genitalktrakt unbedingt einen Arzt aufsuchen sollte.
© iStock.com/byryo

Mykoplasmen sind Bakterien, die sich bei vielen Frauen und Männern im Uro-Genitaltrakt befinden, ohne Beschwerden zu verursachen. Bei Frauen findet man eine Besiedelung besonders häufig in einer gestörten Vaginalflora. Häufig treten bei einer Mykoplasmeninfektion aber auch Entzündungen von Harnwegen, Gebärmutter, Gebärmutterhals und Scheide auf. Mykoplasmen können außerdem eine Lungenentzündung (Pneumonie) auslösen.

Mykoplasmen: Ansteckung

Mykoplasmen werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Die Mykoplasmeninfektion gehört damit zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Mykoplasmen wächst mit der Anzahl der Sexualpartner. Die sicherste Maßnahme zur Verhütung einer Mykoplasmeninfektion ist die Benutzung von Kondomen – auch während der Schwangerschaft.

Unter der Geburt können Mykoplasmen im Geburtskanal auf das Baby übertragen werden.

Risiken während der Schwangerschaft

Mykoplasmen und Ureaplasmen können fiebrige Erkrankungen nach einer Fehlgeburt oder Geburt hervorrufen, die jedoch harmlos sind und ohne Behandlung wieder abklingen. Auch sieht man die Erreger als Mitverursacher von Tot- und Frühgeburten und vermutet, dass sie bei reduziertem Geburtsgewicht eine Rolle spielen. Diskutiert wird ebenfalls ein Zusammenhang von Mykoplasmen und unerfülltem Kinderwunsch.

Auch als Ursache für den vorzeitigen Blasensprung sind Mykoplasmen im Gespräch: In einer Studie wurden bei 24 Prozent der betroffenen Patientinnen Mykoplasmen nachgewiesen (im Gegensatz zu 9 Prozent bei Patientinnen ohne vorzeitigen Blasensprung).

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Risiken für das Neugeborene

Unter der Geburt können Babys sich im Geburtskanal mit Mykoplasmen infizieren. Folgen für das Neugeborene können Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder auch chronischen Infektionen des Zentralnervensystems sein. Die Inkubationszeit beträgt wenige Tage bis drei Wochen.

Mykoplasmeninfektion: Symptome

Bei Frauen und Männern können Mykoplasmen Harnröhrenentzündungen auslösen. Typische Beschwerden sind:

  • Ausfluss (weiß-gelblich bis grünlich)
  • Brennen und Jucken der Harnröhre
  • häufiger und stärkerer Harndrang
  • Probleme beim Wasserlassen

Frauen können außerdem an durch Mykoplasmen verursachten Entzündungen von Scheide, Gebärmutter, Gebärmutterhals und Eierstöcken erkranken. Symptome dieser Entzündungen können sein:

  • Ausfluss (gelb oder grün, manchmal blutig)
  • Juckreiz und Brennen im Scheidenbereich

Mykoplasmen sind außerdem häufiger Auslöser der atypischen Lungenentzündung. Die Erkrankung geht mit Fieber, Schwächegefühl und Husten. Je nach Schwere der Erkrankung können auch Schüttelfrost und Atemprobleme hinzukommen.

Behandlung der Mykoplasmeninfektion: Antibiotika

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    Antibiotika werden oft vorschnell eingenommen, das fördert Resistenzen. Dabei gibt es bei einer Blasenentzündung schonende Alternativen.

Da es sich bei Mykoplasmen um Bakterien handelt, wird die Mykoplasmeninfektion mit Antibiotika behandelt. Es kommen aber nur bestimmte Antibiotika infrage, da Mykoplasmen im Vergleich zu anderen Bakterien eine Zellwand weniger haben - sie sind dadurch auf natürliche Weise gegen viele Antibiotika (zum Beispiel Penicillin) resistent. Am effektivsten sind Tetrazykline, deren Einnahme aber in der Schwangerschaft nicht empfehlenswert ist. Als alternative Antibiotika bei einer Behandlung der Mykoplasmeninfektion in der Schwangerschaft werden Makrolide verwendet.

Um eine sogenannte Ping-Pong-Infektion zu vermeiden, sollten bei einer Mykoplasmeninfektion immer beide Partner behandelt werden.

Nachweis einer Mykoplasmeninfektion

Der Nachweis von Mycoplasma hominis bzw. Ureaplasma urealyticum erfolgt durch Anzüchtung auf Spezialnährmedien. Da beide Erreger auch saprophytären Charakter haben (Saprophyt = Kleinlebewesen, das in abgestorbenen organischen Substanzen lebt), ist eine Keimzahlbestimmung wichtig; zusätzlich sollte stets eine allgemein bakteriologische Untersuchung durchgeführt werden. Für die Mykoplasmen-Keimzahlbestimmung benötigt das Labor einen separaten Abstrich in einem speziellen Transportmedium, da sonst eine quantitative Aussage nicht möglich ist.

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Zusammenfassung

Mykoplasmen sind Kleinstbakterien, die vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Sie führen zu Symptomen wie Juckreiz und Brennen im Uro-Genitaltrakt, Ausfluss und häufigem Harndrang. Eine Therapie ist vor allem in der Schwangerschaft wichtig, da Mykoplasmen mit verschiedenen Komplikationen in Verbindung gebracht werden und sich das Baby bei der Geburt anstecken kann – die Folge können schwere Infektionen der Atemwege, des Zentralen Nervensystems sowie des Gehirns sein.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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