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Blasenentzündung: Was hilft beim Harnwegsinfekt?

Autor: Viola Lex, Medizinautorin | Peter Gelhard, Medizinautor
Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2019

Ständiger Harndrang und ein Brennen beim Wasserlassen können Symptome für eine Blasenentzündung sein. Welche Ursachen der Harnwegsinfekt hat, welche Behandlung notwendig ist und was Sie selbst gegen die Beschwerden tun können.

Blasenentzündung
Blasenentzündungen machen sich durch häufigen Harndrang bemerkbar.
© iStock.com/gpointstudio

Bei Frauen ist eine Blasenentzündung (Zystitis) wesentlich häufiger als bei Männern. Sie tritt in 95 Prozent der Fälle beim weiblichen Geschlecht auf. Die Ursache dafür ist anatomisch begründet. Erstens können Bakterien vom Darmausgang leichter zur nicht weit entfernten Harnröhre gelangen. Zweitens haben Frauen eine kürzere Harnröhre als Männer, weshalb auch der Weg vom Eingang der Harnröhre bis in die Blase für Keime relativ kurz ist.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist eine Blasenentzündung?

Die Blasenentzündung ist eine Entzündung der unteren Harnwege, zu denen die Blase sowie die Harnröhre zählen. Auch die oberen Harnwege (Harnleiter und Nieren) können von einer Entzündung betroffen sein, wenn die Infektion aus den unteren Harnleitern zu ihnen aufsteigt. Je nachdem, welches Organ entzündet ist, werden Harnwegsinfektionen unterteilt in:

  • Urethritis: Entzündung der Harnröhre
  • Zystitis: Entzündung der Harnblase
  • Pyelonephritis: Entzündung des Nierenbeckens

Um eine unkomplizierte Blasenentzündung handelt es sich dann, wenn im Harntrakt keine relevanten funktionellen oder anatomischen Anomalien, keine relevanten Nierenfunktionsstörungen und keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen. In anderen Fällen wird von einer komplizierten Harnwegsinfektion gesprochen.

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Ursachen der Blasenentzündung

Eine Blasenentzündung kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein – auf Bakterien wie Escherichia coli (E. coli), auf Hefepilze und seltener auf Viren. Meist wird die Blasenentzündung durch eine Infektion mit den Darmbakterien E. coli ausgelöst. Die Infektion erfolgt, weil die Bakterien in die Harnblase verschleppt werden.

In der Regel verfügt der Körper über genügend Schutzmechanismen, damit sich die Bakterien nicht in den Harnwegen vermehren. Ist die Abwehrstärke geschwächt, können sich die Bakterien ungehindert ausbreiten und eine Blasenentzündung auslösen. Harnwegsinfektionen sind nicht ansteckend.

Risikofaktoren, die eine Blasenentzündung begünstigen:

  • Häufiger Geschlechtsverkehr: Bei Frauen mit häufigem Geschlechtsverkehr steigt die Gefahr für eine Blasenentzündung, da die Bakterien beim Sex leicht in die Blase gelangen können. Häufig wird bei dieser Ursache von einer "Honeymoon Zystitis" (Honeymoon = Flitterwochen) gesprochen.
  • Beckenbodenschwäche: Auch eine Schwäche des Beckenbodens ist ein möglicher, begünstigender Faktor für eine Blasenentzündung.
  • Angeschlagenes Immunsystem: Ist das Immunsystem geschwächt, kann die Anfälligkeit für Infekte erhöht sein. Ein schwaches Immunsystem kann zum Beispiel bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus bestehen, es kann aber auch durch die Einnahme von Medikamenten wie Antibiotika oder durch Stress negativ beeinflusst werden und sich durch eine Erkältung äußern.
  • Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme: Fehlt es an Flüssigkeit, können sich Bakterien leichter in den Harnwegen anreichern.
  • Falsche Hygiene-Maßnahmen: Keime können über die Harnröhre in die Blase gelangen, wenn beispielsweise nach dem Stuhlgang von hinten nach vorne gewischt wird.
  • Ungleichgewicht im Scheidenmilieu: Ungünstig wirken auch Intimsprays und Scheidenspülungen. Beides stört die normale Zusammensetzung der Scheidenflora, die durch ihr saures Milieu einen natürlichen Schutz vor Keimen darstellt.
  • Hormonelle Veränderungen: Ein Mangel an Östrogenen, wie es beispielsweise in den Wechseljahren der Fall ist, führt ebenfalls dazu, dass die Schutzfunktion des Scheidenmilieus vermindert wird.
  • Grunderkrankungen: Liegt eine Erkrankung der Harnwege vor, zum Beispiel Nierensteine, kann das die Entstehung einer Blasenentzündung begünstigen.
  • Angeborene Fehlbildungen: Eine erhöhte Anfälligkeit für Blasenentzündungen kann auch durch Fehlbildungen im Bereich der Harnwege bestehen, die den Harnabfluss behindern.
  • Katheter: Ein Blasenkatheter ist ein Schlauch, der bei bestimmten Erkrankungen, Therapien oder Operationen in die Harnröhre eingeführt wird, um durch diesen Urin abzuleiten. Er begünstigt ebenfalls das Risiko für eine Blasenentzündung.
  • Diaphragmen mit Spermiziden: Diese Verhütungsmethode kann das Risiko einer Blasenentzündung ebenfalls erhöhen. Besonders, wenn der Infekt häufiger auftritt, sollte über eine andere Methode der Empfängnisverhütung nachgedacht werden.

Sehr selten kommt es vor, dass eine Infektion eines anderen Organs in die Harnwege verschleppt wird und eine Blasenentzündung auslöst. Bei Männern liegt einer Blasenentzündung meist eine Vergrößerung der Prostata zugrunde, da in solchen Fällen der Harn nicht mehr ungehindert abfließen kann.

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Symptome: Wie äußert sich eine Blasenentzündung?

Eine Blasenentzündung äußert sich meist durch ein Brennen in der Harnröhre beim Wasserlassen sowie durch übermäßigen Harndrang, bei dem aber nur wenig Urin austritt. Es können krampfartige Schmerzen im Unterbauch hinzukommen. Bei schweren Blasenentzündungen zeigt sich Blut im Urin. Breitet sich die Entzündung auf die Nieren aus, schmerzen meist der untere Rücken, die Flanken und die Nierengegend. Die Schmerzen können in starke Krämpfe übergehen. Zusammen mit Blut im Urin oder Fieber deuten diese Beschwerden auf eine aufsteigende Entzündung mit Beteiligung der Nieren hin.

Typische Symptome einer Blasenentzündung auf einen Blick:

  • Brennen beim Wasserlassen
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • starker, häufiger Harndrang mit nur geringer Urinmenge

Diagnose der Blasenentzündung: Welche Untersuchungen sind nötig?

Bei Anzeichen einer Blasenentzündung wird zunächst der Urin auf mögliche Krankheitserreger untersucht. Dazu gibt es Teststreifen, die nach wenigen Minuten Entzündungszeichen im Urin nachweisen können. Zusätzlich findet eine Untersuchung unter dem Mikroskop statt, um den Erreger festzustellen. Zudem kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, bei der sich unter anderem bestimmte Nierenwerte überprüfen lassen.

Wurden bakterienabtötende Medikamente (Antibiotika) ohne Erfolg eingenommen, wird der Arzt durch ein sogenanntes Antibiogramm feststellen, welches Antibiotikum gegen die vorhandenen Keime wirksam ist.

Tritt eine Blasenentzündung immer wieder auf, kann mittels einer Ultraschall- oder einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel geprüft werden, ob Harnsteine die Ursache für die Beschwerden sind. Möglicherweise liegt auch eine Verengung der Harnwege vor. Mittels dieser Untersuchungen können zudem die Lage und die Größe der Nieren beurteilt werden.

Behandlung: Therapie einer Blasenentzündung

Der Arzt verschreibt meist ein Antibiotikum, das die Bakterien abtötet. In der Regel ist eine Kurzzeittherapie über eine Dauer von ein bis drei Tagen ausreichend. Eine längere Antibiotikaeinnahme ist erforderlich, wenn es sich um komplizierte Verläufe handelt oder die Nieren beteiligt sind.

Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. rät dazu, Antibiotika nicht unnötig zu verschreiben, um eine Antibiotikaresistenz zu verhindern. In einigen Fällen könne eine unkomplizierte Blasenentzündung mit leichten Beschwerden auch ohne dessen Einsatz ausheilen und die Symptome lediglich mit Schmerzmitteln gelindert werden. Die Dauer der Erkrankung beläuft sich in der Regel auf etwa eine Woche.

Hausmittel bei Blasenentzündung: Was tun?

Treten Symptome einer Blasenentzündung auf, sollten diese generell ärztlich abgeklärt werden. Bei Fieber oder Flankenschmerzen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Um die Behandlung einer unkomplizierten Blasenentzündung zu unterstützen, gibt es einige Hausmittel. Sie haben sich zusätzlich zur medikamentösen Therapie bewährt oder können in Absprache mit dem Arzt gegebenenfalls auch als alleinige Therapie ausreichen. Hausmittel töten Bakterien zwar nicht ab, sie können aber Beschwerden lindern und das Wohlbefinden steigern.

  • Mehr trinken: Erhöhen Sie die Trinkmenge, damit sich die Blase regelmäßig entleert. Trinken Sie dazu Wasser oder ungesüßte Kräutertees.
  • Das Richtige trinken: Besonders Kamillentee wird eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Kamille eignet sich deshalb bei einer Blasenentzündung auch als Badezusatz. Cranberry-Saft gilt zur Vorbeugung und als begleitende Therapie bei einer unkomplizierten Blasenentzündung ebenfalls als nützlich. Verzichten sollten Sie auf den Konsum von Kaffee, schwarzem Tee und Alkohol.
  • Blasentees: In der Apotheke sind darüber hinaus spezielle Blasentees erhältlich, die eine harntreibende Wirkung besitzen.
  • Wärme: Eine Wärmflasche auf dem Unterleib ist wohltuend und lindert Schmerzen. Auch ein warmes Bad kann helfen.
  • Ruhe: Sind die Abwehrkräfte durch einen Infekt geschwächt, sollte man dem Körper durch Ruhe Gelegenheit zur Regeneration bieten.
  • Ernährung: Eine gesunde Ernährung unterstützt das Immunsystem und bringt die Abwehrkräfte auf Trab. Knoblauch, Zwiebeln und Meerrettich wird eine antibakterielle Wirkung nachgesagt.

Verlauf und Komplikationen einer Blasenentzündung

Sind die unteren Harnwege von einer Infektion betroffen, lässt sich die Blasenentzündung in der Regel sehr gut behandeln. Durch die Therapie heilt sie ohne weitere Folgen oder Komplikationen ab. Je nachdem, welche Risikofaktoren die Blasenentzündung begünstigt haben, können jedoch erneut Infekte auftreten.

Schwere oder verschleppte Blasenentzündungen können chronisch verlaufen, sich auf andere Organe ausbreiten und bei einer Ausbreitung bis zur Niere in sehr seltenen Fällen zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Bei Schwangeren kann es zu einer Blasenentzündung kommen, die ohne Symptome auftritt (asymptomatische Bakteriurie). Laut dem Berufsverband der Frauenärzte e.V. sind fünf bis zehn Prozent der Schwangeren davon betroffen. Eine solche Infektion muss frühzeitig erkannt und behandelt werden, da sie Nierenbeckenentzündungen sowie eine Früh- oder Fehlgeburt auslösen könnte. In der Schwangerschaft wird der Urin deshalb regelmäßig im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert.

Vorbeugung: Zehn Tipps gegen Blasenentzündung

Treten Blasenentzündungen gehäuft auf, können Betroffene folgende Maßnahmen zur Vorbeugung treffen:

  1. Viel Trinken: Zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag.
  2. Verstopfung durch ballaststoffreiche Kost vermeiden.
  3. Nach dem Geschlechtsverkehr zur Toilette gehen, damit mit dem Urin Keime ausgeschieden und der Harnröhreneingang gereinigt werden.
  4. Direkt nach Oral- oder Analverkehr keinen vaginalen Geschlechtsverkehr ausführen. Generell sollte beim Sex vermieden werden, dass Bakterien aus dem Analbereich zur Scheide oder zum Harnleiter gelangen.
  5. Keine Intimsprays verwenden und keine Scheidenspülungen durchführen, um den natürlichen Schutz gegen Bakterien nicht zu zerstören.
  6. Nasse Kleidung wie Badeanzüge nach dem Baden schnell ausziehen, damit es nicht zu einer Auskühlung kommt.
  7. Bei Harndrang die Blase entleeren, statt lange einzuhalten.
  8. Nach dem Toilettengang von vorne nach hinten wischen, damit keine Bakterien vom Darm in die Scheide gelangen.
  9. Den Intimbereich durch warme Kleidung vor Kälte schützen. Außerdem stets die Füße warmhalten.
  10. Antibiotika immer bis zum verordneten Ende einnehmen, auch wenn die Beschwerden zwischenzeitlich nachlassen.
Alarmzeichen in der Schwangerschaft: Bei diesen Symptomen zum Arzt
Autor: Viola Lex, Medizinautorin | Peter Gelhard, Medizinautor
Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: N30.-
Quellen
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