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Wichtiger Entwicklungsschritt

Fremdeln beim Baby: Ursachen und wie lang die Phase dauert

Das Fremdeln ist ein bedeutender Meilenstein in der Entwicklung deines Babys. Denn jetzt hat dein Kind begriffen, wer zu seinen engsten Vertrauten gehört. Trotzdem kann das Fremdeln für Eltern zu einer Herausforderung werden. Wie lange die Phase anhält und was du tun kannst, um dein Baby zu unterstützen.

Fremdeln beim Baby: Ursachen und wie lange es dauert?
© Getty Images/Ekaterina Goncharova

Früher war dein Kind gerne bei Oma auf dem Arm und plötzlich klammert es sich bereits bei ihrem Anblick ängstlich an dir fest? Bisher hat dein Baby jede fremde Person im Supermarkt angelächelt und nun weint es schon, wenn jemand in den Kinderwagen guckt? Solche Reaktionen sind kein Grund zur Sorge, sondern gute Zeichen. Das Verhalten signalisiert dir, dass dein Baby nun „fremdelt“ – und damit einen wichtigen Entwicklungsschritt gemeistert hat.

Artikel-Inhalte im Überblick:

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Was ist Fremdeln?

Fremdeln bedeutet, dass Kinder in einem bestimmten Alter eine gewisse Skepsis gegenüber unbekannten Erwachsenen hegen: Sie reagieren zum Beispiel ängstlich oder abweisend, wenn sie angeschaut, angesprochen oder angefasst werden. Wie stark Kinder fremdeln, ist unterschiedlich ausgeprägt und abhängig von verschiedenen Faktoren.

Anzeichen: Woran lässt sich Fremdeln erkennen?

Die Anzeichen für das Fremdeln fallen individuell verschieden aus und können sich zudem von Situation zu Situation unterscheiden. Einige Kinder beginnen bereits zu weinen, wenn sie ein unbekanntes Gesicht erblicken. Andere reagieren erst abweisend, wenn eine fremde Person sie anspricht oder halten möchte.

An diesen Anzeichen erkennst du das Fremdeln:

  • Dein Baby beginnt zu weinen oder zu schreien.
  • Es wendet seinen Kopf von der fremden Person ab.
  • Dein Kind sucht Schutz bei dir, indem es auf deinen Arm will oder sich bei dir versteckt.

Etwa zur gleichen Zeit wie das Fremdeln tritt bei Babys die sogenannte Trennungsangst auf. Sie äußert sich dadurch, dass dein Kind weint, wenn seine Bezugspersonen weggehen.

Ursachen: Warum fremdeln Babys?

Die Grundvoraussetzung dafür, dass dein Baby fremdeln kann, ist die kognitive Fähigkeit, fremde Personen von vertrauten zu unterscheiden. Dieser Entwicklungsschritt gilt als natürlicher, eingebauter Schutzmechanismus, um sich vor fremden Personen und damit vor möglichen Gefahren zu schützen. In der Fremdelphase zeigt dir dein Baby, dass es nun weiß, wer zu seinem vertrauten Kreis gehört. Gleichzeitig wird dein Kind in dem typischen Fremdel-Alter selbstständiger und sucht daher umso mehr den Rückhalt seiner vertrauten Personen, damit es angstfrei auf Erkundungstour gehen kann.

Ob und wie lange ein Kind fremdelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unter anderem spielt die individuelle Persönlichkeit eine Rolle: Manche Kinder sind fremden Menschen gegenüber generell offener als andere. Auch die bisherigen Erfahrungen des Kindes können sich auf das Fremdeln auswirken. Hatte das Kind im ersten Lebensjahr zum Beispiel viele Kontakte, wie es etwa in einer Großfamilie der Fall ist, könnte das Fremdeln gegebenenfalls milder ausfallen.

Die Reaktion kann außerdem davon beeinflusst sein, wie vertraut die fremde Person dem Baby erscheint. Eine Frau, die der Mutter ähnelt wie etwa ihre Schwester, wird möglicherweise weniger starke Reaktionen hervorrufen als ein Onkel mit einer ungewohnt tiefen Stimme.

In welchem Alter fremdeln Babys?

Bei vielen Kindern tritt das Fremdeln zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat auf. Aus diesem Grund wird das Verhalten auch als „Acht-Monats-Angst“ bezeichnet, wobei diese Bezeichnung heutzutage weniger geläufig ist.

Es ist durchaus möglich, dass ein Kind früher oder später zu fremdeln beginnt. In der Regel startet das klassische Fremdel-Verhalten dann schon mit etwa fünf Monaten oder aber erst rund um den zweiten Geburtstag herum.

Wie lange dauert die Fremdelphase?

Besonders ausgeprägt ist das Fremdeln im Durchschnitt mit etwa acht Monaten und nimmt dann langsam mit dem Ende des ersten Lebensjahres ab. Die Fremdelphase ist meist spätestens ab dem dritten Lebensjahr vorbei. Jedoch können auch hier individuell große Unterschiede bestehen.

Generell wird das Fremdeln weniger, wenn dein Kind in seiner Entwicklung so weit ist, dass es auch zu nicht vertrauten Personen eine Beziehung eingehen kann. Eltern haben aber keine Möglichkeit, die Fremdelphase zu verkürzen: Es handelt sich hierbei um einen Reifeprozess, der ohne äußerliche Einwirkungen stattfindet. Selbst wenn das Fremdeln vorbei ist, können Kinder gegenüber fremden Personen noch eine gewisse Skepsis zeigen. Auch dies ist normal, sehr wichtig und sollte von Eltern respektiert werden.

Was tun bei Fremdeln?

Wendet sich das eigene Baby von Personen ab, die einem selbst nahe sind, können unangenehme Situationen entstehen. Auch die Eingewöhnung in eine Kinderkrippe oder bei einer Tagesmutter gestaltet sich in der Fremdelphase möglicherweise schwierig. Dennoch ist es wichtig, diesen Entwicklungsschritt zu unterstützen und nicht gegensteuern zu wollen. Das kannst du tun, wenn dein Baby fremdelt:

  • gelassen bleiben: Dein Kind möchte dich mit seiner Reaktion nicht ärgern oder vorführen. Versuche daher locker zu bleiben, wenn dein Baby fremdelt und sich auf deinem Arm festklammert. Sei einfühlsam und verständnisvoll statt sauer oder genervt.

  • sichere Basis darstellen und nicht über die Ängste hinweggehen: Du musst nicht aktiv in das Geschehen eingreifen, indem du dein Kind schon vorausschauend vor möglichen Fremdel-Situationen bewahrst. Sei aber der sichere Hafen: Lass dein Kind alles ausprobieren und wenn es sich zu dir als Bezugsperson zurückziehen möchte, komme seinem Wunsch nach Nähe und Schutz nach, statt es abzuweisen oder überreden zu wollen. Beruhige es sanft und lasse dein Kind selbst über sein Tempo bestimmen.

  • erste Kontaktaufnahme dem Baby überlassen: Kommen fremde Personen sofort auf ein Kind zu, wollen es anfassen oder zu etwas auffordern, reagiert es oft heftiger mit Fremdeln. Besser ist es, wenn sich das Baby erst einmal mit einem sicheren Abstand an die fremde Person gewöhnen darf. Ein Beispiel: Eine noch unbekannte Freundin kommt zu Besuch. Lasse dein Baby auf deinem Schoss sitzen und die Situation beobachten, wenn es das möchte. Hat es die Möglichkeit, die fremde Person auf Distanz kennenzulernen, wird es später weniger stark fremdeln, wenn es angelächelt oder ihm ein Spielzeug gereicht wird. Oft geht die erste Kontaktaufnahme dann sogar vom Baby selbst aus.

  • Vertrauen aufbauen: Ein Spruch besagt, dass Vertrauen nicht über Nacht aufgebaut wird – das gilt auch für Babys. Damit unbekannte Personen zu Vertrauten werden, sind meist häufige Kontakte über mehrere Wochen hinweg notwendig. Gib deinem Baby die Zeit, die es dafür braucht, um sich bei neuen Personen wohl und geborgen zu fühlen.

  • Freunde und Familie einweihen: Erkläre deinen nahestehenden Personen, dass dein Baby sich gerade in der Fremdelphase befindet und auf stürmische Annäherungen abweisend reagiert. So gibst du ihnen die Möglichkeit, sich langsam und einfühlsamer zu nähern und ersparst deinem Kind unnötigen Stress.

  • eigenes Verhalten reflektieren: Kinder haben sehr feine Antennen dafür, was seine Eltern gerade empfinden. Das heißt: Bist du selbst nervös oder gestresst, wird es auch deinem Kind weniger gut gelingen, sich in Gegenwart der neuen Personen zu entspannen.

  • kein Zwang: Wenn dein Kleinkind die Oma nicht in den Arm nehmen möchte oder ihr ein Küsschen geben will, ist das vollkommen in Ordnung. Dein Kind darf selbst entscheiden, wem es körperliche Zuneigung zeigt. Respektiere die Entscheidung deines Kindes und fordere es nicht dazu auf, etwas zu tun, was es nicht möchte. Vermeide Anweisungen wie „Gib der Oma mal ein Küsschen“ und erkläre auch deiner Familie, dass Sätze wie „Wenn du mir kein Küsschen gibst, bin ich aber traurig“ daneben sind. Auf diese Weise lernt dein Kind früh, dass es selbst über seinen Körper entscheiden und „Nein“ sagen darf.

  • sorgfältige Eingewöhnung: Leidet dein Kind unter Trennungsangst, kann das im Alltag eine echte Herausforderung werden. Es gibt Phasen, da können Eltern nicht einmal zur Toilette gehen, ohne dass sich das Baby an ihre Beine klammert. Wenn du ohne dein Kind zu Terminen gehen musst, überlasse es vertrauten Personen. Verabschiede dich und erkläre, dass du bald wiederkommst. Für die Eingewöhnung in einer Betreuungseinrichtung solltest du genügend Zeit einkalkulieren, damit sie gründlich und im individuellen Tempo deines Kindes erfolgen kann.

Fremdeln bei Papa oder Mama – was jetzt?

Eine besondere Familiensituation ergibt sich, wenn das Baby beginnt, bei einem der eigenen Elternteile zu fremdeln. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Elternteil arbeitet, die ganze Woche nicht zu Hause ist oder abends erst nach Hause kommt, wenn das Baby bereits schläft.

Das Fremdeln beim eigenen Vater oder der eigenen Mutter kann von den Eltern als sehr schmerzhaft empfunden werden. Wichtig ist, dass man auch hier gelassen bleibt. Wenn du deinem Baby die Zeit gibst, die es für seine Annäherung braucht, wird es bald wieder ganz von alleine auf dich zukommen.

Ist die gemeinsame Eltern-Kind-Zeit knapp, können durch das Fremdeln auch Schuldgefühle bei dem oft abwesenden Elternteil auftreten. Zum Ausgleich ist es nicht nötig, dem Kind in der gemeinsamen Zeit ein spektakuläres Programm zu bieten. Um die Bindung zu stärken, ist es hilfreich, die Momente zu nutzen: Ist der Papa zum Beispiel am Abend oder am Wochenende zu Hause, sollte er seine Aufmerksamkeit seinem Kind widmen, mit ihm spielen, sich Sachen zeigen lassen, gemeinsam essen – und nicht auch dann dauernd das Smartphone zücken, um die E-Mails zu checken.

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Beiträge im Forum "Geburtstermin November/Dezember 2017"
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