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Warum Muttermilchspenden so wichtig sind

Muttermilchbanken: Die modernen Ammen

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 28. März 2019

In Deutschland gibt es immer mehr Muttermilchbanken. Die wertvolle Zusammensetzung der gespendeten Muttermilch soll vor allem Frühgeborenen und kranken Neugeborenen in Krankenhäusern zugute kommen, deren Mütter keine oder zu wenig Milch produzieren.

Muttermilchbanken: Die modernen Ammen
Abgepumpte, überschüssige Milch kann an Muttermilchbanken gespendet werden.
© iStock/joakimbkk

Muttermilchbanken – warum Muttermilch?

Muttermilch ist die optimale Ernährung für Babys. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Kinder für mindestens sechs Monate voll zu stillen.

Die Vorteile von Muttermilch sind bekannt: Sie enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe, die optimal auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt sind. Außerdem enthält sie Schutzstoffe, die das Baby sowohl vor Infektionen, und Allergien schützen als auch dabei helfen, die Immunabwehr zu entwickeln.

Die Stillhäufigkeit ist zwar in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen, doch nicht alle Mütter stillen ihr Kind. Einige möchten es nicht, andere würden gerne stillen, haben aber keine oder zu wenig Muttermilch. Für Mütter, die ihr Baby natürlich ernähren möchten und daher Ersatznahrung für Säuglinge ablehnen, gibt es in Deutschland seit einigen Jahren die Muttermilchbanken.

Muttermilchbanken: Die modernen Ammen?

Die Praxis, Babys mit Muttermilch von anderen Frauen zu ernähren, gibt es schon sehr lange: Bereits die alten Ägypter ließen Säuglinge von Ammen stillen. In Europa war es noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchaus üblich, die Dienste einer Amme in Anspruch zu nehmen. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten „Frauenmilchsammelstellen“ in Krankenhäusern gegründet.

Noch bis in die 1970er-Jahre waren diese Muttermilchbanken an vielen Krankenhäusern in Deutschland eine feste Einrichtung. Mit dem Aufkommen von HIV wurden sie aber geschlossen, weil das HI-Virus über Muttermilch übertragen werden kann. Lediglich in der damaligen DDR gab es weiterhin Muttermilchbanken.

Muttermilchbanken – warum spenden Mütter ihre Milch?

Viele Frauen produzieren mehr Muttermilch, als ihre eigenen Kinder benötigen. Die überschüssige Milch können sie entweder für Ausnahmesituationen einfrieren, wegschütten oder spenden. Eingefrorene Muttermilch ist allerdings je nach Tiefkühlgerät nur drei bis sechs Monate haltbar – und muss danach entsorgt werden. Daher entscheidet sich eine wachsende Zahl stillender Mütter für die Weitergabe ihrer Muttermilch.

Muttermilchbörse – Handel über das Internet?

Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Muttermilch weiterzugeben. Über spezielle Webseiten, sogenannte Muttermilchbörsen, kann man die eigene Muttermilch spenden oder sogar verkaufen. Vor allem in den USA, mittlerweile auch in Deutschland oder auch via Facebook kann man Muttermilch kaufen. Da diese Webseiten und Initiativen nicht für die Qualität und Virenfreiheit von Muttermilch garantieren können, ist von einer Verwendung ungeprüfter, fremder Muttermilch dringend abzuraten.

Muttermilchbanken – nur geprüfte Muttermilch

Geprüfte Muttermilch wird in Kinderstationen einiger Krankenhäuser an Frühgeborene oder kranke Kinder weitergegeben. Da über die Muttermilch verschiedene Krankheiten wie HIV, Hepatitis oder HCMV (Humanes-Cytomegalie-Virus) übertragen werden können, ist es besonders wichtig, dass Spendermütter umfassend untersucht werden. Zudem müssen sie sich verpflichten, während der Spenderzeit auf Alkohol, Tabak und Medikamente zu verzichten. Die allermeisten Mütter werden während der Stillzeit ohnehin so verfahren.

Muttermilchbanken – Voraussetzungen für eine Spende

Frauen, die ihre Milch spenden möchten, wenden sich am besten an eine Klinik mit eigener Muttermilchbank in ihrer Nähe. Hier kann man sich über die jeweiligen Voraussetzungen für eine Muttermilchspende informieren. Allgemein kann man sagen, dass Spenderinnen gesund sein und eine Mindestmenge an Milch produzieren müssen.

Eine allgemeine- und Blutuntersuchung ist für Spenderinnen von Muttermilch unumgänglich. Die jeweiligen Milchsammelstellen legen ggf. weitere Voraussetzungen fest. In der Regel gehört dazu, dass nur Frauen spenden dürfen, deren eigene Kinder maximal vier Monate alt sind. Da die Zusammensetzung der Muttermilch sich mit dem Alter des eigenen Kindes ändert, ist die Muttermilch von Frauen mit "älteren" Babys nicht mehr optimal für Frühgeborene.

Muttermilchbanken – von der Brust zum Kind

Muttermilchspenderinnen pumpen ihre Milch direkt im Krankenhaus oder zu Hause ab. Einige Krankenhäuser, wie die Berliner Charité, bieten sogar einen Abholservice an. Frische, nicht behandelte Muttermilch kann nur innerhalb eines kurzen Zeitraumes, bis zu 72 Stunden, verfüttert werden. Eine längere Haltbarkeit garantiert die Pasteurisierung der Muttermilch.

Verwendung gespendeter Muttermilch

Die gespendete Muttermilch wird in Krankenhäusern genutzt, wo sie Frühgeborenen oder kranken Babys verabreicht wird. Mütter von Frühgeborenen produzieren häufig keine oder zu wenig Milch. Gleichzeitig profitieren frühgeborene Babys von der wertvollen Zusammensetzung der Muttermilch besonders.

Überschüssige Muttermilch wird in einigen Milchsammelstellen gegen einen Obolus an Mütter abgegeben, die selbst keine oder zu wenig Milch produzieren, deren Kinder aber nicht stationär behandelt werden.

Baby-Ernährung: Die besten Ernährungstipps für die Kleinsten
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 28. März 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Babyernährung"
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